Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Europa League, 4. Spieltag: Dekadent 6

Gepostet am 6. November 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Austria Wien 2:0

Mit dem Taxi kurz vor dem Anpfiff in die VIP-Loge, kurz nach dem Abpfiff mit dem Taxi zurück nach Hause. So in etwa stellt man sich den Stadionbesuch eines begeisterten Fans vor. Nicht. Aber da sowohl meine Freundin als auch ich schon vor dem Spiel kränkelten, das Wetter in Bremen um diese Jahreszeit gegen die Genfer Konvention verstößt und eine Fahrt mit dem Auto zum Weserstadion unmöglich ist, blieb uns gestern keine andere Wahl. Außer natürlich zu Hause zu bleiben und die Karten verfallen zu lassen, aber das wäre noch eine Spur dekadenter gewesen.

Dekadent war auch das, was die Mannschaft gestern auf dem glitschigen Rasen ablieferten. Ich muss schon sagen: Ohne große Anstrengung ein 2:0 gegen eine bemitleidenswerte Wiener Austria zu holen – Respekt meine Herren! Wozu unnötige Kräfte vergeuden und ein Feuerwerk wie gegen Bilbao auf den Platz zaubern? Es geht doch auch so. Man nehme einen auswärtsschwachen Gegner, einen Torwart von internationaler Klasse, der die paar sehr guten Torchancen dieses Gegners entschärft, einen Linienrichter, der die Abseitsposition vor dem 1:0 übersieht, das alles gepaart mit dem Wissen um das eigene Können und einem nach drei Monaten ohne Niederlage aufgeblähten Sack, dessen Inhalt (frei nach Olli Kahn) zur Standardausstattung erfolgreicher Fußballmannschaften gehört, und – zack – steht man in der nächsten Runde.

Werder zeigte alle Symptome einer Diva, die sich zu fein ist, für den gewöhnlichen Pöbel zu spielen. Selten erreichte ein Spieler eine Laufgeschwindigkeit, die sich signifikant von meinem Joggingtempo im Bürgerpark unterscheidet, und wenn, dann war es nur der Ballführende Spieler, dessen Bewegungen auf erhöhten Pulsschlag hindeuteten. Böse Zungen behaupten Tim Borowskis einziger Sprint im Spiel sei der nach seinem Tor zur Eckfahne gewesen. Vielleicht waren es die Pfiffe der eigenen Fans, die das Team in der Ehre kränkten. In den letzten 10 Minuten zeigte es jedenfalls, wozu es fähig sein kann. Am Ende steht ein 2:0, über dessen Zustandekommen schon bald keiner mehr sprechen wird. Kann man so machen, gegen die kleinen Gegner, zu denen ich Austria bei allem Respekt zähle. Doch am Sonntag gegen Dortmund muss wieder mal ein Spiel über 90 Minuten mit voller Konzentration angegangen werden. Nicht, um die letztendlich bedeutungslose Serie zu retten, sondern um uns Fans ein paar Nerven und abgekaute Fingernägel zu sparen. Wir sind schließlich krank.

Nach Diktat mit heißem Tee zu Bett.

UEFA Cup Zwischenrunde, Hinspiel: Eine nachträgliche Stimmungsbeschreibung 0

Gepostet am 22. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder – Milan 1:1

Ich sitze gerade (Freitag, 20.2., Anm.d.Verf.) am Flughafen Schiphol in Amsterdam und warte auf meinen Flug nach Minneapolis. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, schreibe ich nun einige Eindrücke vom UEFA-Cup Spiel am Mittwoch auf. Ich hatte das eigentlich schon gestern vor, doch leider ließen es meine Reiseplanungen nicht zu. Deshalb jetzt also nachträglich.

Zum Spiel selbst brauche ich nicht viel schreiben. Ich nehme an, jeder Leser dieses Blogs hat das Spiel entweder live oder auszugsweise gesehen, bei Twitter die Live-Tweets meiner Konkurrenz Kollegen von @WerderNews verfolgt oder zumindest einen der zahlreichen Spielberichte gelesen (den von kicker.de finde ich außerordentlich zutreffend). Werder spielte engagiert, mit viel Einsatz und Aufwand gegen ein kühles, taktisch wie technisch starkes, allerdings auch etwas lebloses Team aus Milan. Das 1:1 ist sicher kein Wunschergebnis im UEFA-Cup. Es setzt Werder für das Rückspiel unter Zugzwang (wenn schon unentschieden, dann wäre ein 0:0 wegen der Europapokal-Arithmetik besser gewesen). Trotzdem war es ein Spiel, das viele alte Stärken unserer Mannschaft wieder zum Vorschein brachte – einige langjährige Schwächen jedoch leider nicht verbergen konnte.

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