Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



10. Spieltag: For the Record: No Record! 2

Gepostet am 26. October 2009 von Tobias (Meine Saison)

(Anmerkung: Ich hatte in den letzten Tagen einige Problem mit dem Blog. Es sollte nun endlich wieder alles normal funktionieren, aber mir sind leider einige Einträge und Kommentare flöten gegangen. Die Einträge habe ich zum Teil schon wiederhergestellt, der Rest folgt morgen, aber bei den Kommentaren geht das leider nicht. Also nicht wundern, falls dein Kommentar verschwunden ist!)

VfL Bochum – Werder Bremen 1:4

Puh! Achtunddreißig Sekunden dauerte es, bis das Gerede vom Rekord verstummt war. 619 Minuten war Tim Wiese in der Bundesliga ohne Gegentor geblieben – mehr wurden es nicht. Werder leistete sich einen kapitalen Fehler, wurde durch einen Steilpass durch die Mitte ausgehebelt und lag plötzlich hinten. Noch bevor die Spieler realisiert hatten, was eigentlich los war, hätte dieses Spiel schon vorbei sein können. Pfosten und Latte hielten Werder im Spiel und auf der anderen Seite nutzte Hunt ebenfalls gleich die erste Chance zum Ausgleich. Das bekannte Stilmittel Standardsituation Özil – Kopfball Pizarro führte wieder einmal zum Erfolg.

Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt äußerst glücklich, brachte Werder aber endlich ein Stück Sicherheit. Die Abstimmung in der Viererkette wurde in der Folge Schritt für Schritt besser. Bochum konnte nur noch selten so für Verwirrung sorgen, wie es in den ersten zehn Minuten. Die Spielweise der vergangenen Wochen kam wieder zum Vorschein: Konzentrierte Arbeit gegen den Ball, bei eigenem Ballbesitz ein Wechselspiel von träge wirkendem Aufbauspiel und blitzartigen Angriffen. Die Kombinationen zwischen Özil, Hunt und Marin liefen flüssig und letzterer belohnte sich endlich auch mal selbst. Die Halbzeitführung war somit trotz der katastrophalen Anfangsphase nicht unverdient.

Nach dem Wechsel wollte Werder die Fehler der ersten Hälfte nicht wiederholen und begann hochkonzentriert. Man drückte auf das Tempo und versuchte, das Spiel schnell zu entscheiden. Als dies nicht gelang, stellte man sich tiefer hinten rein, ließ Bochum im Mittelfeld etwas mehr Platz und setzte auf Konter. Bochum nutzte den Platz jedoch in dieser Phase clever aus und setzte Werder unter Druck. Entlastung durch gefährliche Konter gab es nur noch selten. In der 76. Minute kam dann aber einer, der die Bochumer Schachmatt setzte: Torsten Frings führte einen Freistoß schnell aus und schickte den durchgestarteten Borowski steil. Der ließ sich die Chance nicht entgehen und schob den Ball an Heerwagen vorbei ins Tor. Man kann darüber streiten, ob sich der Ball beim Freitstoß noch um einige Zentimeter bewegt, aber einen Vorteil hat Werder daraus nicht gezogen. Getrumpft ist der Ball jedenfalls nicht mehr und einen Vorteil zog Werder lediglich aus der Bochumer Unaufmerksamkeit.

Danach war das Spiel gelaufen. Werder brachte den Sieg über die Zeit und erhöhte in der letzten Minute durch Özil noch zum 4:1. Ein wunderschönes Tor, mit dem Außenrist aus spitzem Winkel erzielt. Die Bedenken, die ich nach der Schlussphase in Wien und den ersten 10 Minuten heute hatte, sind nach diesem Spiel wieder weniger geworden. Auch wenn Bochum nicht der stärkstmögliche Gegner ist, haben mich die Entschlossenheit und die Ruhe, mit der Werder nach dem Rückstand das Spiel drehte, beeidruckt. Der Glaube an die eigene Stärke ist also nicht verloren gegangen. Und warum sollte er auch? Nur noch ein Punkt trennt Werder nun von der Tabellenspitze. Mit der wiedergewonnenen Auswärtsstärke, die in der vergangenen Saison völlig verloren gegangen war, kann man sich berechtigte Hoffnungen machen, bis zum Schluss um die Champions League Plätze mitspielen zu können.

Für Tim Wiese dürfte es zu verschmerzen sein, dass er Recks Rekord nicht geknackt hat. Erstens erscheint es nicht unmöglich mit dieser Mannschaft eine neue Serie zu starten und zweitens hat die wichtigere Serie weiterhin Bestand: Seit nunmehr 15 Spielen ist Werder ungeschlagen. Respekt!

8. Spieltag: Aus der Krise hilft nur Grün-Weiß 10

Gepostet am 5. October 2009 von Tobias (Meine Saison)

VfB Stuttgart – Werder Bremen 0:2

Viele Jahre lang hat sich Werder Bremen als dankbarer Aufbaugegner für Mannschaften aus den Niederungen der Tabelle bekannt gemacht. Vor allem bei den eigenen Fans. Auch wenn man das Fallobst reihenweise mit 4-6 Toren nach Hause schickte (bzw. ihm die Tore sogar vor der eigenen Haustür servierte), blieben doch die 0:1, 1:2 oder auch 0:2 Niederlagen gegen Bielefeld, Frankfurt oder Bochum mehr im Gedächtnis. Der erste Spieltag dieser Saison bestätigte all jene, die sich in den Nächten vor den “einfachen Spielen” unruhig in den Laken wälzen, aus Angst vor Arthur Wichniarek. Inzwischen lässt sich allenfalls noch das 0:0 gegen Hanover 96 in die Kategorie verpasste Großchance einordnen. Das restliche Programm wurde mehr oder weniger souverän heruntergespult, allerdings ohne irgend jemandem 4-6 Tore einzuschenken.

Dem VfB Stuttgart, jüngeren Ergebnissen zur Folge auf der Suche nach einem dankbaren Aufbaugegner, gab man gestern wenig Gelegenheit, die Pessimisten, zu denen ich mich selbst nur manchmal zähle, zu bestätigen. Werder spielte so, wie man es aus den letzten Wochen kennt: Souverän, kontrolliert, abgeklärt (mehr abgedroschene Schlagwörter aus dem Fußballvokabular fallen mir gerade nicht ein). Man hatte das Gefühl, dass dort eine Mannschaft auf dem Platz stand, die weiß, dass und wie sie ihren Gegner schlagen wird. Natürlich lässt sich nach einem so frühen Führungstor immer ganz hervorragend über die Hätte, Wäre und Wenns Diskutieren. Wenn Stuttgart gleich die erste Chance genutzt hätte, wäre alles anders gekommen. Isses aber nicht. Das wissen selbst die Fanta 4 und die kommen bekanntlich aus Stuttgart.

Nicht aus Stuttgart kommt Jens Lehmann, der aus reiner Nächstenliebe und Freude am Fußball jedoch gelegentlich mit dem Heli vorbeigeflogen kommt und mitunter auch noch hält, wie einer, der mal zu den besten Torhütern der Welt gehörte. Inzwischen hält ihn wohl kaum noch jemand (außer Lehmann selbst, natürlich) für einen der besten Torhüter der Welt, was ihn nicht daran hindert, sich auf dem Platz zu benehmen, wie Oliver Kahn (ausgerechnet!) auf Speed. Gegen Lehmann wirkt selbst Tim Wiese wie ein braves Schwiegersöhnchen. Nein, es kann unmöglich Wieses Verhalten sein, das seine Nationalmannschaftskarriere behindert. Ich hatte immer sehr viel Respekt vor Lehmann und insbesondere zu seiner Arsenal-Zeit auch Sympathie für ihn, die ewige Nummer 2. Neben dem Platz mag Lehmann ein netter Kerl sein oder auch nicht, ich weiß es nicht – auf dem Platz (inklusive seiner Interviews vor, zwischen und nach den Spielen) ist er ein unerträglicher, besserwisserischer, selbstgerechter und leider auch unfairer Sportler geworden. Das ist nicht nur schade sondern für seinen Arbeitgeber inzwischen auch schädlich.

Warum die Bremer Fans die Schweigeminute für Rolf Rüssmann nicht respektierten ist mir ein Rätsel. In jedem Fall eine unschöne Sache, wobei ich hier keine böse Absicht unterstelle. Unbedarftheit? Probleme mit den Ohren? Die Antwort kennt wohl nur der liebe Gott. Und Jens Lehmann, natürlich.

Wiese in den Sturm 1

Gepostet am 12. September 2009 von Tobias (Meine Saison)

Tim Wieses Chancen bei der WM 2010 im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen sind eher gering. Beim Training mit seinen Werder-Kollegen am Donnerstag überlegte man sich daher eine Geheimtaktik, die den sympathischen Rheinländer doch noch in Jogis Kader bringen soll: Wiese spielte im Trainingsspiel einen klassischen Rechtsaußen. Man kommt nicht umhin, diese Position als Schwachstelle in Löws neuem Vier-Drie-Drie-System zu erkennen. Hier sehen Wiese und Trainer Schaaf offenbar die größten Chancen, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Wiese vergab in bester Werderstürmer-Manier zwar auch die besten Torchancen, ließ seinen Gegenspieler Niklas Andersen mit einigen Tempodribblings jedoch reichlich blöd aussehen. Alles in allem dürften Schaaf und sein Trainergespann deshalb sehr zufrieden gewesen sein. Das Einsetzen von Spielern auf anderen Positionen hat bei Werder Tradition. So wurden die ehemaligen Stürmer Torsten Frings, Paul Stalteri, Clemens Fritz und Martin Harnik (mal mehr, mal weniger erfolgreich) in defensivere Rollen umpositioniert. Warum sollte dies nicht auch anders herum funktionieren?

Mein Neffe – 4 Jahre alt und riesiger Werder- sowie Wiese-Fan – freute sich jedenfalls jedes Mal, wenn Wiese den Ball zugespielt bekam. Er fragte mich zwar wiederholt, warum “Timmey” keine Handschuhe anhabe und gab sich mit meiner Antwort (”Frag doch mal den grimmigen Mann mit dem Schnauzer und der grauen Trainingsjacke.”) auch nicht wirklich zufrieden, doch insgesamt überwog die Freude, sein Idol mal aus nächster Nähe anschauen zu dürfen. Als er dann nach dem Training noch ein Autogramm auf sein Trikot bekam, war er vollends dahin geschmolzen und blieb auf der gesamten Rückfahrt sprachlos.

Tim Wieses neue Position hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Nun will mein Neffe nicht mehr unter allen Umständen Torwart werden, sondern liebäugelt mit einer Karriere als Torjäger. Gerd Müllers Rekord ist also wieder akut in Gefahr.

4. Spieltag: Die üblichen Verdächtigen 1

Gepostet am 31. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hertha BSC – Werder Bremen 2:3

Werder gewinnt also wieder in Berlin. So langsam könnte man sich daran gewöhnen. Auch wenn an Werders Spiel noch vieles verbesserungswürdig ist, hat man sich im Vergleich zum holprigen Start gefangen und steht nun auf dem dritten Platz. Vor zwei Wochen noch fast sicherer Absteiger, nun schon wieder auf Champions League-Kurs?

Thomas Schaaf vertraut weiterhin nicht auf einen zweiten Stürmer neben Pizarro und ließ mit einer Art 4-1-3-2 spielen, bei dem Frings hinter einem Dreiermittelfeld den Abräumer machte und Marko Marin anstelle von Aaron Hunt als hängende Spitze agierte. Was mir sehr gut gefiel, war die Selbstverständlichkeit, mit der Özil oder auch Bargfrede und Borowski mit Marin die Positionen tauschten und so für die Hertha schwer ausrechenbar waren. Eine alte Stärke, die gegen Berlin zum Erfolg führte. Obwohl Werder nach der Pause stark unter Druck geriet und nur dank Tim Wiese und einer umstrittenen Entscheidung von Schiedsrichter Kinhöfer (bei der ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob Wichniarek abhob oder tatsächlich getroffen wurde) nicht in Rückstand geriet, war das 0:1 einfach toll heraus gespielt.

Ich weiß nicht, was mich mehr freut: Marins starke Leistung mit seinen beiden Torvorlagen oder Mesut Özils neue Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. So stelle ich mir einen Klassespieler vor: Selbst wenn es nicht so gut läuft aus dem Nichts auftauchen und die Chance nutzen. Pizarro machte als einzige richtige Spitze ein gutes Spiel. Man sieht, wie sehr Werder von seiner Ballsicherheit profitiert, auch wenn er selbst nicht trifft. Es erstaunt mich, dass Torsten Frings, der Diegos Spielweise häufig kritisiert hat, nun der Spieler ist, der den Ball zu lange hält, statt ihn direkt zum nächsten Mitspieler zu passen. So bringt er sich selbst in schwierige Situationen, denn ein Dribbelgott wird er in diesem Fußballerleben nicht mehr.

In der Defensive das alte Spiel: Kaum wird schnell gespielt, gerät die Viererkette ins Wanken. Meine Prognose von weniger als 40 Gegentoren war vielleicht optimistisch. Die momentane Quote würde am Ende 51 Gegentore bedeuten – eins mehr als in der letzten Saison. Bekommt man endlich etwas mehr Stabilität in diesen Mannschaftsteil, kann Werder in dieser Saison wieder vorne mitspielen.

Nicht mitspielen dürfen hingegen Torsten Frings und Tim Wiese. In der Nationalmannschaft. Während Wiese bis zum noch nicht fest angesetzten Spiel gegen Chile vertröstet wurde, scheint Frings in den Planungen keine Rolle mehr zu spielen. Ich kann beide Entscheidungen nachvollziehen, halte sie aber dennoch für falsch. Frings ist momentan nicht gut genug, einen Stammplatz in der Nationalelf einzufordern. Mit seinen lauten Rufen nach Berücksichtigung hat er sich ein wenig selbst ins Abseits manövriert. Dennoch war Frings viele Jahre lang ein wichtiger Spieler für Deutschland, hat eine starke (2002) und eine überragende (2006) WM gespielt. Es gehört zu den Aufgaben eines Trainers dazu, ältere Spieler auszusortieren. Die Kriterien, nach denen dies bei Joachim Löw geschieht, sind jedoch höchst undurchsichtig.

Statt einem Spieler klar zu sagen, dass er in der Nationalmannschaft keine Zukunft mehr hat, wird er monatelang hingehalten und erhält immer neue Nackenschläge. Es ist einerseits verständlich, dass sich Löw noch nicht endgültig um die Option Frings berauben will, falls dieser noch einmal zu seiner Topform zurück findet. Das vermeintliche Überangebot im zentralen/defensiven Mittelfeld ist spätestens seit Jones Absprung keines mehr. Andererseits wird der Spieler, wie Frings schon vor einem Jahr sagte, respektlos behandelt. Man kann nicht auf der einen Seite ein tadelloses Verhalten seitens der Spieler fordern und sich auf der anderen Seite so verhalten, wie Löw es in seinen Personalentscheidungen immer wieder tut: Hildebrandt, Kuranyi, Jones. Hier werden Spieler durch einen unaufrichtigen Umgang mit ihnen zu Reaktionen getrieben, die dann als Begründung für ihren Ausschluss herangezogen werden. Was ich bei Klinsmann (Wörns, Kahn, wiederum Kuranyi) noch in Ansätzen verstehen konnte, wirkt nun völlig deplatziert und muss dem Bundestrainer als Schwäche ausgelegt werden.

Das Leistungsprinzip wird nur dann als Begründung verwendet, wenn es gerade passt. Ein Lukas Podolski darf trotz fehlenden Einsätzen und dem taktischen Spielverständnis eines 10-Jährigen über Jahre hinweg ein Spiel nach dem anderen machen und wird selbst für einen tätlichen Angriff auf dem Spielfeld gegen den eigenen Mannschaftskapitän nur halbgar abgemahnt. Was wäre wohl mit Spielern wie Kuranyi, Jones oder Wiese in dieser Situation passiert?

Überhaupt Wiese. Nimmt man die grün-weiße Vereinsbrille mal ab, dann kann man die Entscheidung pro Enke (nichts anderes war es) durchaus verstehen. Robert Enke ist ein sehr guter Torhüter, strahlt Ruhe aus, macht wenig Fehler. Wiese hat sich ungemein verbessert, wächst immer häufiger über sich hinaus. Von der Klasse her nehmen sich beiden nicht mehr viel, doch Wiese ist – im Positiven wie im Negativen – der unberechenbarere von beiden. Mit Manuel Neuer und René Adler hat man zwei starke, junge Torhüter in der Hinterhand, die bei der WM Turniererfahrung sammeln können. So weit, so gut, doch warum sagt man das Tim Wiese nicht? Warum macht man ihm über ein Jahr lang vor, er habe eine reelle Chance auf einen Platz im WM-Kader? Wiese hat sich seit seiner ersten Nominierung nichts zu Schulden kommen lassen, gut trainiert und bei Werder konstante Leistungen auf sehr hohem Niveau abgeliefert. Dazu hat er sich in seinen früheren Schwachpunkten (Herauslaufen, 1-gegen-1, Strafraumbeherrschung) klar verbessert und verfügt über die größte internationale Erfahrung.

Trotzdem erhielt er nie die Chance, sich in der Nationalmannschaft zu beweisen. Ihn nun ohne ersichtlichen Grund zurück zu stufen gleicht einer Ohrfeige, wie sie schallender nicht sein könnte. Ein weiterer Spieler, der durch den Trainer Löw verbrannt wird. Die Personalpolitik der Nationalmannschaft erscheint so in einem immer schlechteren Bild. Ein Trainer muss sich eben nicht nur an seinen Trainingsmethoden und taktischen Kenntnissen messen lassen, sondern auch an seiner Menschenführung. In letzterem Bereich könnten ein paar Lehrstunden für den Bundestrainer nicht schaden. Ich wüsste da auch einen Trainer, der sie ihm geben könnte…

Außer Haus 0

Gepostet am 20. July 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute gibt es meinen Senf mal außer Haus. Alex vom rasenschachmagazin hat mich interviewt und einige pikante Details aus mir herausgekitzelt. Wer sich für Tim Wieses WM-Chancen, Sebastian Boenischs technische Mängel und Insider-Tipps zu Managerspielen interessiert, der klicke hier.

Muss ich nicht vorstellen: Hamburger SV 1

Gepostet am 30. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

In den letzten UEFA-Cup-Runden habe ich an dieser Stelle immer unsere Gegner kurz vorgestellt. Beim HSV dürfte dies wohl kaum nötig sein, liegt das letzte Aufeinandertreffen doch gerade mal eine Woche zurück. In den drei Teilen meines ultimativen Schwanzvergleichs habe ich bereits alles zum Duell gesagt, was ich für wichtig halte. Deshalb als kleinen Appetitanreger für heute Abend nur ein kleines Video:

Arnd Zeigler hat sein Reimlexikon befragt und ausgespuckt hat es die neue Bremer Pokalhymne "Werder, mein Werder".

P.S. Von mir wird es heute Abend leider keine Live-Berichterstattung via Twitter geben. Haltet euch an einfach an @WerderNews auf Twitter, die 11 Freunde oder auch das Live-Blog von Bremen 4u.

19. Spieltag: Führungslos 0

Gepostet am 8. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Schalke 04 – Werder Bremen 1:0

Vor Beginn der Rückrunde habe ich schon anklingen lassen, dass Werders Schwierigkeiten in der Hinrunde meiner Meinung nach mit einem Führungsproblem auf dem Platz zusammenhingen. Die ersten Spiele der Rückrunde haben mich in dieser Meinung noch bestätigt. Werder hat momentan keinen Spieler, der die Mannschaft wirklich führt – obwohl durchaus Spieler im Kader sind, die diese Rolle übernehmen könnten.

Woran mache ich das fest?

1. Werder hat in vielen Spielen in den entscheidenen Situationen nicht richtig dagegen gehalten. Auffällig war das besonders in der Champions League gegen Athen und Famagusta. Nach Rückständen lässt sich die Mannschaft zu schnell hängen und wacht erst wieder auf, wenn das Spiel schon entschieden ist.

2. Werder lässt sich leicht aus dem Konzept bringen. In fast allen Spielen – auch den wirklich schlechten wie gegen Gladbach oder Karlsruhe – hat Werder in den ersten 2-3 Minuten losgelegt wie die Feuerwehr. Die Mannschaft wirkte bis in die Haarspitzen motiviert. Nach den ersten paar mislungenen Aktionen schlug es dann innerhalb weniger Minuten ins absolute Gegenteil um. Besonders Auswärts fällt es der Mannschaft schwer, das eigene Spiel durchzuziehen.

3. Die jungen Spieler lassen den Kopf zu schnell hängen. Özil und Hunt sind sicher gute Beispiele dafür. Bei allem Talent und allen tollen Spielen, die vor allem Özil schon gemacht hat, waren ihre Leistungen doch sehr schwankend. Bei jungen Spielern sicher normal. Nicht normal ist jedoch, dass diese Spieler teilweise mit hängenden Schultern über den Platz schlurfen, als wäre ihnen das Spiel egal. Hier ist ein Führungsspieler gefordert, die Spieler anzusprechen, zu motivieren, zur Not auch mal anzubrüllen.

Dies sind alles Situationen, in denen ein Trainer kaum auf die Spieler einwirken kann. Hier sind Spieler gefordert, die Verantwortung übernehmen und positiv auf ihre Mitspieler einwirken können. Meistens sind das Spieler mit großer Erfahrung. Die hat Werder durchaus. Aber warum tut es dann keiner?

Frank Baumann ist hier als Kapitän natürlich gefordert. Allerdings war Baumann noch nie der extrovertierteste Spieler beim SVW. Das machte ihn für Werder zum idealen Kapitän, denn um ihn herum gab es mit Micoud, Ismael, Frings, Ernst oder auch Wiese immer schon Spieler, die das mehr als wett gemacht haben. Baumann war der Ruhepol der Mannschaft und gerade deshalb so wertvoll. Heute fehlen diese Spielertypen um ihn herum fast völlig.

Torsten Fings gilt eigentlich als typischer Führungsspieler. Er ist das Sprachrohr der Mannschaft zu den Medien, gibt nach fast jedem Spiel Interviews. Dabei wird oft vergessen, dass Frings auf dem Platz vor allem durch seine eigene Leistung vorangeht und weniger verbal auf seine Mitspieler eingeht. In der Hinrunde hatte er lange Problem zu seiner Form zu finden. Frings kann seinen Mitspielern zwar "einen Einlauf verpassen", aber er ist sicher kein positiver Motivator, der auch dann die Mannschaft führen kann, wenn er selbst schwächer spielt. Und im moment spielt er schwach.

Tim Wieses Einflussmöglichkeiten sind als Torwart eher begrenzt. Diego könnte (müsste?) von seiner Erfahrung und seinen Qualitäten her Führungsspieler sein. Vor einem Jahr schien er den Schritt dahin geschafft zu haben. Momentan hat er mehr mit seinem eigenen Temperament zu kämpfen als dass er weitere Verantwortung übernehmen könnte. Auch Per Mertesacker hat genug Klasse und Erfahrung, die Mannschaft zu führen. Ihm traue ich in der Rückrunde am ehesten eine Führungsrolle zu.

Es gibt viele unterschiedliche Führungsstile, die alle erfolgreich sein können. Es ist letztendlich egal, ob ein Spieler die Mannschaft authoritär führt, durch Leistung voran geht oder einfach durch sein Verhalten ein Vorbild für die anderen ist. Wichtig ist, dass wieder jemand die Führung auf dem Platz übernimmt, der von allen Mitspielern als Leader akzeptiert wird. Anders kann eine Fußballmannschaft nicht funktionieren.

Man konnte Werders Verunsicherung gegen Schalke gestern mit den Händen greifen. Verständlicherweise, bedenkt man die Bedeutung dieses Spiels. Trotzdem hat es die Mannschaft geschafft dagegen zu halten, sich kämpferisch gegen die Niederlage zu wehren. Allein, die spielerischen Mittel waren nicht da. Kratzen, beißen, rennen – das hätte man sich von Werder in den vergangenen Monaten häufiger vergeblich gewünscht. Die Spielstärke war dabei nie das Problem. Doch die inzwischen vorhandene Angst scheint die Mannschaft zu lähmen. Eine kämpfende Mannschaft ohne Selbstvertrauen gewinnt in der Bundesliga selten Spiele. Und wer spielt, wie Energie Cottbus, holt auf Schalke selten Punkte.



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