Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Europa League, 1/16-Finale: Der heimliche Spielmacher 6

Gepostet am 26. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Twente Enschede – Werder Bremen 1:0
Werder Bremen – Twente Enschede 4:1

Als Werderfan kann man heute wirklich zufrieden sein. Aus der schwierigen Ausgangsposition, mit zwei Toren Vorsprung gewinnen zu müssen, hat sich Werder souverän ins Achtelfinale geballert und  dabei über weite Strecken richtig guten Fußball gespielt. Wie schon im Hinspiel vor einer Woche gehörte die erste halbe Stunde des Spiels Werder. Wie im Hinspiel erzielte Enschede dann wie aus dem Nichts ein Tor. Anders als vor einer Woche hatte Werder zu diesem Zeitpunkt aber schon die eigenen Chancen genutzt und mit 3:0 in Führung gelegen. Am Ende kam ein 4:2 Gesamtergebnis heraus, das nach den gezeigten Leistungen über 180 Minuten so in Ordnung geht. Twente hatte insgesamt nur eine Halbzeit lang Oberwasser gegen Bremen, verpasste es dort jedoch, eine noch bessere Ausgangssituation für das Rückspiel herauszuholen.

Die hätte es gestern Abend gebraucht, um gegen eine sehr konzentrierte und kombinationsfreudige Bremer Mannschaft etwas zu holen. Der Knackpunkt für Enschede war sicherlich die vergebene Chance durch Parker, bei der Vander seine – von vielen im Stadion unbemerkte – beste Aktion hatte, und dem folgenden Tor durch Claudio Pizarro. Vander war sehr lange stehen geblieben, gab Parker dadurch nicht die einfache Option, ihn auszugucken und dann einzuschieben. Dass der Schuss  nur an den Außenpfosten ging war dann natürlich auch Glückssache. Dennoch eine (sehr, sehr seltene!) Situation, in der ich ganz froh war, nicht den mit Messer zwischen den Zähnen heranrauschenden Tim Wiese im Kasten zu haben. Im Gegenzug dann Abdennour mit seiner besten Szene, einem gewonnenen Tackling im Mittelfeld und Özils Pass auf Pizarro, der sein bereits zwölftes Tor im zehnten Europa League Spiel erzielte. Danach war die Messe gelesen, ein Aufbäumen Twentes fand nicht mehr statt, obwohl Werder nicht mehr voll konzentriert wirkte.

Bei Özils Auswechslung nur verhaltener Beifall, obwohl er eine gute Leistung gezeigt hatte und an allen Toren beteiligt war. Es läuft noch längst nicht alles rund bei ihm, aber die Formkurve zeigt seit dem Spiel gegen Leverkusen wieder nach oben. Möglicherweise einer der Gründe: Özil musste gestern nicht Spielmacher und Vollstrecker zugleich sein. Die Umstellung mit Almeida und Pizarro gemeinsam im Angriff – zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an – machte sich deutlich bemerkbar. Während Marin und Özil mehr die Außenbahnen beackerten, ließ sich Pizarro (wie auch schon in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim) häufig  gute zehn Meter hinter Almeida fallen und beteiligte sich am Spielaufbau. Eigentlich keine Besonderheit, doch gestern hatte er mit Almeida noch einen wirklichen Stürmer vor sich, der a) auch hoch anspielbar war und b) die Bälle wiederum für Pizarro ablegen konnte – eine Aufgabe die Pizarro zuvor in Personalunion schlecht selbst bewerkstelligen konnte. Trotzdem kann man seine Leistung gar nicht hoch genug bewerten. Großartiges Spielverständnis, gutes Auge, technisch ohnehin klasse. Die Lücke zwischen den defensiv überzeugenden, aber im Aufbauspiel verbesserungswürdigen Frings und Niemeyer und den kleinen Wirblern füllte er blenden aus. Es war, als hätte Werder endlich das fehlende Puzzlestück gefunden. Dazu nutzte Pizarro diesmal auch seine Chancen.

Nach einem zwar konzentrierten, aber etwas zähen Start war es Torsten Frings Pass, der das 1:0 einleitete. In dieser Situation hatte er am schnellsten gedacht, war den Niederländern um einen Schritt voraus und Werder brauchte es über die Stationen Özil, Almeida und Pizarro “nur” noch sauber zuende spielen. Almeidas punktgenaue Hereingabe ist dabei sicherlich ebenfalls hervorzuheben. Danach spielte sich Werder in einen Rausch und die Gäste fanden eine Viertelstunde lang keinen Weg, dem etwas entgegenzusetzen. Werder belohnte sich mit zwei weiteren Toren. Pizarro und Naldo behielten vor ihren jeweiligen Treffern die Nerven und schlossen überlegt ab. Gibt es einen anderen Innenverteidiger in Europa, der auf so viele unterschiedliche Weisen torgefährlich ist, wie Naldo? Kopfbälle, Freistöße und nun im Stile eines abgezockten Klassestürmers den Torwart verladen. Dazu in der Defensive oft im richtigen Moment aus der Viererkette gelöst und dadurch das Angriffsspiel unterbunden. Gerne hätte ich das bei seinem Nebenmann Mertesacker in den beiden Spielen zuvor gegen Janssen und Kroos auch gesehen! Mertesacker war auch gestern für mich neben dem übermotivierten Abdennour der einzige, mit dessen Leistung ich nicht ganz einverstanden war. Er war mit einer Grippe ins Spiel gegangen, was einerseits eine gute Entschuldigung, andererseits natürlich auch ziemlich leichtsinnig ist. Eine wirklich schlechte Leistung war es allerdings auch von ihm nicht. In der Spieleröffnung konnte er Pluspunkte sammeln. Mit Stürmer de Jong hatte er jedoch einige Probleme, weil dieser mit viel Körper- und Armeinsatz in die Luftzweikämpfe ging und sich so erstaunlich gut behaupten konnte.

Es war sicherlich noch nicht alles Gold, was da gestern im Weserstadion schon wieder sehr ansehnlich glänzte, aber es war eindeutig die beste Mannschaftsleistung des Jahres und ein Fingerzeig, wozu diese Mannschaft in der Saison noch fähig sein könnte. Das Comeback von Bargfrede macht zusätzlich Hoffnung. Thomas Schaaf steht nun jedoch vor dem Problem, über drei sehr gute offensive Mittelfeldspieler zu verfügen, die wunderbar harmonieren, nicht jedoch mit dem Zweiersturm Pizarro/Almeida zusammen aufgestellt werden können. Wäre Frings doch nur vier Jahre jünger! So dürfte es in den nächsten Spielen, in denen es nicht von der ersten Minute an einen Rückstand aufzuholen gilt, wieder auf die bekannte Formation hinauslaufen, mit Almeida als Backup für die Sturm- und Drangphase in den letzten dreißig Minuten. Alternativ könnte man natürlich auch einen der drei zuvor genannten auf der Bank lassen, am ehesten wohl Marin, der dann in der Schlussphase dem erschöpften Gegner Knoten in die Beine dribbelt. Nun geht es mit nur einem Tag Pause zum Auswärtsspiel nach Mainz. Eine ohnehin schwierige Aufgabe, bei der Werders Fitness und/oder Reservebank auf eine harte Probe gestellt werden.

Ein paar Randnotizen aus dem Stadion: Viertes Heimspiel in der Europa League, zum vierten Mal live vor Ort, vierter Sieg. Die Sicht vom VIP-Rang ist phänomenal, die Stimmung nicht so ganz. Genörgel über Özil allerorten und nur wenig Interesse fürs oder gar Verständnis vom Spiel. Ein wenig deplatziert fühle ich mich dort schon, auch wenn es vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips TrailMix kaum weniger spießig ist. Dafür immer wieder Begegnungen mit altgedienten Werderspielern (diesmal Mirko Votava). Vor dem Stadion wäre ich dann fast noch von Aaron Hunt über den Haufen gerannt worden, der es wohl sehr eilig hatte, zu seinem Auto zu kommen. Gut so, Aaron, diesen Einsatz will ich von dir in den nächsten vier Jahren bei Werder weiterhin sehen!

Europa League Play-Offs, Rückspiel: Diamant im Herzen 1

Gepostet am 27. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

FK Aktobe – Werder Bremen 0:2

Während in Bremen seit Sonntag munter über die Rückkehr zur Mittelfeldraute diskutiert wird (Thomas Schaaf: “Das war keine Raute, jeder, der das behauptet, liegt falsch!”), lassen einige internationale Spitzenvereine die von manchen als obsolet bezeichnete Formation wieder aufleben. Chelsea spielt sie (Ancelotti hat schon bei Milan häufig so spielen lassen), Inter spielt sie (ja, genau, das Inter, das von 4-3-3-Fetischist Mourinho trainiert wird), die Bayern spielen sie (bis auf Ribery). Ist Thomas Schaaf also doch kein solcher Hinterwäldler in Sachen Taktik? Ist er vielleicht gar ein Pionier?

Taktikexperte Jonathan Wilson (Inverting the Pyramid) schreibt im Blog des Guardian über die Raute: “Is the midfield diamond here to stay and how do you counter it?” Neben den üblichen Abschweifungen in die Frühphase des Fußballs kommt Wilson zu dem Schluss, dass die Raute ein gutes System für spielstarke Mannschaften ist, allerdings einige Nachteile hat:

Die Vorteile:

  • Die Raute ist eine gute Defensivformation. (hört, hört…)
  • Ein starker defensiver Mittelfeldspieler gibt den Spielern auf den beiden Halbpositionen die Möglichkeit, den Spielmacher zu entlasten. (Frank Baumann, anyone?)
  • Die Raute ist offensiv am stärksten, wenn sie asymmetrisch ausgelegt wird, die beiden Halbaußen (und die beiden Stürmer!) also nicht auf einer Höhe spielen.

Die Nachteile:

  • Das Spiel einer Mannschaft mit Raute ist leicht ausrechenbar.
  • Werden die Halbpositionen zu zentral interpretiert, ist die Mannschaft über außen verwundbar; die Überzahl in der Mitte kann aufgrund des geringen Raums zum Passen kaum ausgenutzt werden.
  • Mit einem 4-5-1 kann die Raute am wirkungsvollsten gestoppt werden: Die beiden äußeren Mittelfeldspieler können den Platz auf den Außenbahnen nutzen und die Außenverteidiger unter Druck setzen. Dies schafft Raum für die eigenen Außenverteidiger, die sich ins Mittelfeld einschalten können. Die drei zentralen Mittelfeldspieler machen dazu der Raute in der Mitte das Leben schwer.

Diese Punkte beschreiben eigentlich ganz gut Werders Stärken und Probleme der letzten Jahre: Die hohe Ballbesitzquote durch die Überzahl im zentralen Mittelfeld. Die Offensivpower, weil die Positionen sehr variabel getauscht werden und keine starre symmetrische Formation eingehalten wird. Die Anfälligkeit über die Außen, die nicht zuletzt dadurch zustande kommt, dass die Außenverteidiger häufig mit nach vorne gehen, um die ansonsten verwaisten Außenbahnen zu besetzen. Die Probleme gegen defensive Mannschaften, wenn sich die Mittelfeldspieler zu wenig bewegen.

Mir persönlich ist es eigentlich egal, welches System Werder spielt, wobei ich die Raute schon für die Formation halte, mit der Werder den besten Offensivfußball spielen kann. Allerdings hängt vieles davon ab, wie man die defensive und offensive Position der Raute besetzt. Torsten Frings hat mich als alleiniger defensiver Mittelfeldspieler bislang nicht überzeugt. Er hat zwar die nötige Zweikampfstärke, aber nicht die Unaufgeregtheit eines Frank Baumanns im Aufbauspiel, der anstandslos 40 Sicherheitspässe über 5-10 Meter pro Spiel zum nächstbesten Kollegen beförderte und taktisch kein Risiko einging. Den 6er traue ich eher Daniel Jensen zu, bei dem aber nicht klar ist, ob er nach der langen Verletzung noch einmal die Form der Saison 2007/08 erreichen kann. Ob Özil oder Marin die 10er-Position einnehmen können wage ich fast nicht zu beurteilen. Man braucht für die Position einen außergewöhnlichen Spieler, mit guter Übersicht und großer individueller Stärke, der im besten Fall noch ein großer Stratege ist. Vor allem Özil traue ich zu, ein solcher Spieler zu werden. Aber ist er auf der Position wirklich stärker als auf der linken Seite?

Man wird sehen. Thomas Schaaf wird sich während dessen heimlich (im Keller) ins Fäustchen lachen, dass nun, nach mindestens 2 Jahren der Kritik an seinem veralteten System, sowohl in Bremen als auch in Fußballeuropa die Raute so hoch im Kurs steht, wie selten zuvor.

Ach ja: Werder hat heute durch zwei Tore von Pizarro mit 2:0 bei FK Aktobe gewonnen und sich damit für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Der Norden der Welt 0

Gepostet am 9. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen 2:3

Auch mit zwei Tagen Abstand habe ich noch nicht ganz realisiert, was eigentlich passiert ist. Lässt man Papierkugeln, Torwartfehler und sonstige Gehässigkeiten mal weg, bleibt unterm Strich die zweite Finalteilnahme dieser Saison und die zweite Finalteilnahme der Vereinsgeschichte im Europapokal. Bei allem was man in dieser Saison als erfolgsverwöhnter Werderfan über sich ergehen lassen musste, war dieses Spiel der vorläufige Höhepunkt an Spannung, vorübergehender Hilflosigkeit und schlussendlich grenzenloser Freude.

Wie soll man das alles auch einfach so wegstecken? Innerhalb weniger Tage der angeblich feststehende Weggang Diegos, der Sieg in Hamburg, Diegos Finalsperre, Mertesackers Saisonaus, Spekulationen über einen Wechsel Thomas Schaafs zu Wolfsburg und dazu dessen zehnjähriges Jubiläum als Werders Cheftrainer. Reicht eigentlich für mehrere Wochen und will in kurzer Zeit verarbeitet werden. Denn es steht bereits das nächste Nordderby auf dem Programm. Mit einem erneuten Sieg könnte man den HSV vorübergehend sogar aus den UEFA-Cup-Plätzen kegeln. Es wäre die ultimative Demütigung, wenn die Hamburger am Ende mit ganz leeren Händen dastünden.

Doch noch ist dies auch für Werder möglich. Im Finale gegen Donezk kann Werder ohne Diego und Mertesacker kaum als Favorit gelten. Selbst Almeidas Sperre wiegt ob Rosenbergs nicht enden wollender Formschwäche schwerer als nötig. Nun wird es Werder doch zum Verhängnis, nur mit drei Stürmern (plus Harnik) in die Rückrunde gegangen zu sein. Die gelbe Karte gegen Diego war unverständlich, taugt jedoch nicht zur Legendenbildung. Er hätte bereits vorher für eine Schwalbe verwarnt werden können, stattdessen bekam er einen Freistoß. Es ist mir trotzdem unbegreiflich, wie ein Spieler, der mit David Jarolim in einer Mannschaft spielt, ernsthaft einem anderen Spieler Fallsucht vorwerfen kann. Egal. Mund abputzen und weiter geht’s.

Franz Beckenbauer zeigte sich nach dem Spiel wieder einmal herrlich uninformiert. Nicht, dass ich mich darüber noch wundern oder gar ärgern würde. Ganz im Gegenteil fand ich es äußerst lustig wie der Kaiser nach dem Spiel überrascht feststellte, dass Bremen entgegen seiner Annahme ja doch eine Pokalmannschaft sei. Und das zwei Wochen nachdem Werder die achte Finalteilnahme der letzten 20 Jahre im DFB-Pokal sichergestellt hatte. Zur Einordnung (auch wenn die Zeitspanne willkürlich ist): Im selben Zeitraum standen die Bayern “nur” sieben mal im Pokalfinale.

Die (Un-)Logik des Pokals widerspricht dem über Monate gelernten Eindruck aus der Bundesliga, dass Werder eben keine Spitzenmannschaft mehr sei. In der Meisterschaft schon früh abgeschlagen, in der Champions League blamabel ausgeschieden. Und nun? Mittelmaß my ass! Es könnte eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte werden. Es ist noch nichts Greifbares gewonnen, doch trotzdem sollte man die Saison insgesamt nicht mehr als Misserfolg werten. Das heißt bei weitem nicht, dass alles in Ordnung wäre und die offensichtlich gewordenen Probleme einfach ignoriert werden könnten. Doch ein Rückfall in die Jahre voller Frust ist zumindest vorerst abgewendet.

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Live-Blog 0

Gepostet am 7. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute findet bekanntlich das Rückspiel zwischen Werder und dem Hamburger SV statt. Der SVW muss im Volksparkstadion in der HSH Nordbank Arena einen 0:1 Rückstand aus dem Hinspiel aufholen. Die Bedeutung des Spiels dürfte jedem klar sein. Für Werder wäre ein Sieg der größte internationale Erfolg seit 1992, für den HSV sogar seit 1983.

Deshalb wird es von mir neben der gewohnten Berichterstattung bei Twitter auch ein Live-Blog geben. Technik sei dank lassen sich Tweets und Live-Blog ja super kombinieren, so dass sowohl im Blog als auch bei Twitter mitgelesen und kommentiert (Hash Tag #svwx) werden kann. Ab ca. 19 Uhr geht es los.

UEFA-Cup Viertelfinale, Rückspiel: One Man Show 0

Gepostet am 18. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Udinese Calcio – Werder Bremen 3:3

Werder bleibt sich treu, in jeglicher Hinsicht: Sechstes Unentschieden im sechsten Auswärtsspiel in dieser Europapokalsaison, defensiv gerät man noch immer schnell ins Schwimmen, auch wenn die Gegentore weniger werden und den Unterschied macht vor allem ein Mann: Diego.

Wenn man sich immer noch darüber ärgern will, dass Diego das Spiel nicht schnell genug macht und sich zu oft in sinnlose Dribblings im Mittelfeld verrennt, dann kann man das nach wie vor tun. Doch was Diego in dieser Rückrunde leistet ist einfach großartig. Obwohl er am Donnerstag ganz offensichtlich nicht 100%ig fit war und das Spiel nicht wie gewohnt an sich riss, war er in den entscheidenden Situationen da und führte Werder ins Halbfinale. Es gibt nicht viele Spieler, die ein Tor wie das zum 1:1 schießen können. Gleiches gilt für das 2:0 im Hinspiel. 5 Tore hat Diego in seinen letzten 3 Spielen gemacht und dabei sogar noch 2 Elfmeter verschossen.

Diego geht mit Leistung voran und reißt dadurch die Mannschaft in dieser wichtigen Saisonphase mit. In allen wichtigen Spielen dieser Rückrunde hat er überzeugt, was für mich eine ganz wichtige Eigenschaft eines Führungsspielers ist. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Form und diesen Killerinstinkt mit in die nächsten Spiele retten kann. Gegen den HSV wird man auf seine Genialität angewiesen sein, denn Hamburg wirkt vor allem mental sehr stark und wird darauf brennen, endlich wieder einmal ein wichtiges Spiel gegen Werder zu gewinnen.

Nun sehen wir also vier Nordderbys in den nächsten drei Wochen. Vier Chancen, die Vorherrschaft im Norden doch noch zu verteidigen, aber auch viermal die Gefahr, ausgerechnet gegen den großen Lokalrivalen die eigenen Saisonziele endgültig zu verspielen. Werder kommt diese Konstellation entgegen: In den Pokalwettbewerben hat die Mannschaft gezeigt, wozu sie fähig ist, wenn es ums Überleben geht und die Einstellung stimmt. In einem Nordderby wird es keiner der Spieler wagen, sich auch nur eine Sekunde lang hängen zu lassen (I'm looking at you, Hugo!). Auch würde sich niemand für die Halbfinalteilnahmen auf die Schulter klopfen lassen, wenn man ausgerechnet dem HSV den Weg in die Finals geebnet hätte. Das kann für Werder nur gut sein.

Am Mittwoch geht es los und ich freue mich auf drei spannende und hoffentlich erfolgreiche Wochen.

UEFA-Cup Achtelfinale, Rückspiel: Feuerteufel 0

Gepostet am 20. March 2009 von Tobias (Meine Saison)

AS St. Etienne – Werder Bremen 2:2

Wenn es im Fußball lästige Pflichtaufgaben gibt, die man erfüllen muss, dann gehört dieses Spiel mit Sicherheit dazu. Werder zeichnete sich in dieser Saison bisher nicht unbedingt dadurch aus, diese lästigen Pflichtaufgaben mit voller Konzentration anzugehen. Die Motivation gegen die großen Mannschaften stimmte hingegen. Doch bei allem Respekt, den man einem Gegner im Achtelfinale des UEFA-Cups entgegen bringen muss: St. Etienne ist keine große Mannschaft.

Umso erfreulicher, dass Werder nicht gestolpert und ins Viertelfinale eingezogen ist. Durch das frühe 1:0 und das souveräne Auftreten in der Defensive nahm man den Hoffnungen der Franzosen früh den Wind aus den Segeln. Die schienen daraufhin der Ankündigung ihres Trainers Taten folgen lassen zu wollen und rumpelten dem Ausscheiden entgegen. Zur Halbzeit war das Spiel durch, was Werders Spiel nicht gut tat. Die Mannschaft hat einfach Probleme damit, ein Spiel dahinplätschern zu lassen, ohne sich selbst dabei einzuschläfern. Entweder sie legt wie am Wochenende gegen Stuttgart selbst nach oder sie gerät in Bedrängnis, wie in diesem Spiel oder auch schon im Hinspiel gegen St. Etienne. ASSE tat im zweiten Durchgang viel, um eine Blamage vor eigenem Publikum zu verhindern, hatte jedoch in beiden Spielen nicht die Qualitäten, mehr daraus zu machen.

Überschattet wurde das Spiel von Ausschreitungen einiger Werderfans. Während des Spiels wurden wiederholt Feuerwerkskörper im Bremer Fanblock abgebrannt. Das ist für Werder ärgerlich, da es eine Geldstrafe von Seiten der UEFA geben dürfte, doch an sich ist es noch kein außergewöhnlicher Vorgang. Es ist noch nicht so lange her, dass das Abbrennen von "bengalischen Feuern" im Stadion zum Fußball dazugehörte, wie die Bratwurst und das Bier. Wirklich problematisch ist jedoch, dass eine Rakete aus dem Werderblock in die benachbarte Tribüne geschossen wurde. Es wurde zum Glück niemand verletzt, doch da hört der Spaß dann wirklich auf. Drei Werderfans wurden im Rahmen des Spiels von der Polizei festgenommen.

Klaus Allofs kündigte an, die Verantwortlichen ausfindig machen und bis hin zur Schadenersatzklage zur Verantwort ziehen zu wollen. Auch Stadionverbote drohte er an. Aus Vereinssicht völlig verständlich und richtig, denn noch mehr schlechte Presse kann Werder dieser Tage nun wirklich nicht gebrauchen. Zumal die Spieler sichtlich genervt waren, wie Per Mertesacker bestätigte: "Es ist ja nicht nur gefährlich, sondern man sieht auf dem Platz auch
ganz wenig, ist schon abgelenkt dadurch. Gerade in der zweiten Hälfte
kam noch mal so eine grüne Wolke, obwohl wir mit der Viererkette direkt
davor standen."

Es macht trotzdem einen gewaltigen Unterschied, ob nun in der Kurve ein paar bengalische Feuer gezündet werden, die an sich relativ ungefährlich und in anderen Ligen völlig normal sind (und die dann in den deutschen Medien für die tolle Stimmung in ausländischen Stadien stehen, wie etwa in der "Hölle" von Istanbul), oder ob Feuerwerkskörper in eine Menschenmenge geschossen werden. Einen sehr guten Beitrag dazu habe ich heute bei altravita.com gelesen:

"Es würde mir schon reichen, wenn beobachtet werden würde, dass das
Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion zwar illegal ist, aber für sich
genommen ein harmloses Vergehen. Wenn Bengalos auf Leute geworfen
werden, handelt es sich hingegen um eine Gewalttat von Gewalttätern,
die dafür bestraft werden müssen. Für das Werfen. Nicht für
das Halten. Wenn Bengalos in der Hand für leuchtende Stimmung in der
Kurve sorgen, ist das keine Gewalttat, sondern schlimmstenfalls eine
Ordnungswidrigkeit. Selbst Ultràs sind also erst dann Gewalttäter, wenn
sie Gewalttaten begehen."

Aus der Kategorie priceless war das Interview, das Claudio Pizarro nach dem Spiel einem verdutzten ARD-Reporter gab. Dieser fragte ihn nach seinen Problemen mit der Staatsanwaltschaft in Peru woraufhin Pizarro den Ahnungslosen gab und nach dem dritten Nachfragen schließlich zum Ausdruck brachte, was er von der Angelegenheit hält: "Ach du meinst das Ding da drüben? Da sag ich nichts zu." Der ARD hat das Interview anscheinend so gut gefallen, dass sie den fraglichen Teil einfach aus der Version in ihrer Mediathek gestrichen hat.

UEFA-Cup Achtelfinale, Rückspiel: Spielbericht 0

Gepostet am 20. March 2009 von Tobias (Meine Saison)

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter)

Vor dem Spiel:

Noch 90 Min. bis
zum Anpfiff. Ich befürchte, dass das heute Abend eine ähnlich zähe
Nummer wird wie im Hinspiel. Mein Tipp: 1:1. Eine engagiertere
Leistung als in der 2. Halbzeit des Hinspiels erwarte ich aber schon. Werder ist
international auswärts diese Saison noch ungeschlagen.

Jetzt gilt‘s: Viertelfinale oder raus aus dem internationalen Geschäft. Gleich beginnt das Rückspiel in St. Etienne. Werder nimmt einen 1:0 Vorsprung aus dem Hinspiel mit in die Partie. Die rechnerischen Spielereien dürften bekannt sein. ASSE-Trainer
Perrin hat das Spiel gegenüber den Medien schon abgeschenkt, will
Spieler für den Abstiegskampf schonen. Nur ein Bluff?
Bei Werder ist Baumann gesperrt. Fritz, Pasanen und Jensen fehlen verletzt. Merte ist fit und Naldo darf auch wieder spielen.

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Prödl, Mertesacker, Naldo, Boenisch – Frings, Niemeyer, Özil, Diego – Pizarro, Rosenberg

ASSE: Janot – Tavlaridis, Bayal, Benalouane – Varraul, Hautcoeur, Dernis, Matsui, Sauget – Mirallas, Gomis

Das Spiel:

1' Anpfiff

3' Frings passt nicht auf und Boenisch muss für ihn reparieren. Ruhige erste Minute ansonsten.

6' ASSE – Werder 0:1, Prödl. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Ecke Frings von rechts. Prödl kommt mit Anlauf und wuchtet den Kopfball ins Tor. St. Etienne brennt!

9' Fast die
Antwort von St.Etienne. Dernis mit gutem Fernschuss, abgefälscht von
Naldo knapp am Tor vorbei. Dichte Rauchschwaden im Stadion.
Keine Ahnung
wieviel Feuerwerk die Werderfans mitgebracht haben, aber vielleicht wär es
für den Verein billiger, wenn Werder kein Tor mehr schießt.

Weiterlesen →

UEFA-Cup Zwischenrunde, Rückspiel: Schnee von heute 0

Gepostet am 28. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

AC Milan – Werder Bremen 2:2

Fußball ist ein merkwürdiger Sport.

Da spielt Werder das große AC Milan eine Halbzeit lang in dessen eigenem Stadion an die Wand und am Ende steht es 0:2. Da rührt Milan in der zweiten Halbzeit Kaugummi an, woraufhin Werder kaum noch schnell kombinieren und nur noch wenig Druck aufbauen kann und plötzlich steht es 1:2. Dann hakt der Livestream und ich sehe nur noch grünweißen Torjubel: 2:2. Auch nach dem Tor hat Werder die besseren Chancen, könnte das Spiel entscheiden. Eigentlich würde das nun darauf hindeuten, dass Milan doch noch der Sieg gelingt. Aber der Fußballgott hat ein Einsehen und lässt die Bremer nach 180 mit extrem hohem Aufwand und gerade noch ausreichender Effektivität geführten Minuten weiterkommen.

So ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Es ist lange her, dass die Bremer solch einen dicken Brocken wirklich geschlagen haben. Es gab Achtungserfolge, keine Frage. Doch die waren zumeist in der Gruppenphase der Champions League. Für die Topteams lästiges Pflichprogramm, für Werder die große Bühne. Da kann man vor eigenem Publikum schon mal Inter schlagen, oder Real Madrid, oder Chelsea. Letztendlich sind die drei aber weiter gekommen und Werder nicht. Als es um die Wurst ging, hat Werder in Barcelona verloren oder auch in Turin. Ajax Amsterdam hat man vor zwei Jahren im UEFA-Cup mal ausgeschaltet, aber das war nicht das glanzvolle Ajax der 70er oder Mitte der 90er.

Der letzte vergleichbare Erfolg auf internationaler Bühne war das Weiterkommen in der Champions League 2004/2005, als man den damaligen spanischen Meister und amtierenden UEFA-Cup Sieger FC Valencia hinter sich ließ. Doch Valencia hat trotz Meisterschaften, UEFA-Cup und zwei Finalteilnahmen in der Champions League (2000, 2001) halt nicht so einen klangvollen Namen wie AC Milan.

Es wird sie trotzdem geben, die ja, abers. Und das auch zu Recht. Milan hat insgesamt viel zu wenig getan, um das Weiterkommen zu erzwingen. Defensiv war die Leistung erschreckend schwach. Vor allem bei hohen Bällen hat die Milanabwehr die Bremer nie in den Griff bekommen. Dazu haben mit Ronaldinho und vor allem Kaka wichtige Spieler gefehlt. Auch das fortgeschrittene Alter viele Milangrößen wird wieder ein Thema sein. Vor zwei Jahren konnte die Mailänder Altherrentruppe die Kritiker noch mit dem Gewinn der Champions League zum Schweigen bringen. Spätestens nachdem sie vor einem Jahr von Arsenals Schülermannschaft im CL-Achtelfinale eine Lehrstunde erteilt bekam, war der Kredit jedoch aufgebraucht. Die Altersdiskussion wird mit Sicherheit weitergehen.

Trotzdem schmälert das Werders Sieg nicht. Chancenverwertung hin, Abwehrschwächen her, das war – vor allem angesichts Werders derzeitiger Situation – eine ganz starke Leistung und dafür gebührt der Mannschaft Anerkennung. Es wäre zu hoffen, dass die Spieler inzwischen gelernt haben, mit der Anerkennung umzugehen. Die jüngere Vergangenheit legt nahe, dass das ein frommer Wunsch bleiben wird. Doch das ist Schnee von morgen. Heute zählt nur das Hier und Jetzt. Und das Hier und Jetzt ist gut.

Werder mag über die gesamte Saison gesehen nur Mittelmaß sein. Mittelmäßig war Werder selten. Eine graue Maus schon gar nicht. Es ist eigentlich Wahnsinn, was man als Werderfan selbst in schlechten Zeiten an besonderen Erlebnissen serviert bekommt: Das 7:0 5:2 in München, das Offensivspektakel gegen Hoffenheim, die emotionale Achterbahnfahrt gegen Dortmund, der Sieg gegen Inter und nun also das Weiterkommen gegen Milan. Das mag alles in keinem Verhältnis stehen, zu den Rückschlägen, die wir in dieser Saison schon hinnehmen mussten. Man sollte aber nicht vergessen, dass viele Fans auf solche Höhepunkte lange Jahre warten müssen. Jahre voller Frust.

Werder kostet mich vielleicht einige Jahre meines Lebens. Vielleicht wird mir Werder auch etwas früher die ersten grauen Haare bescheren. Doch dafür kann ich mit Ende 20 meinen (imaginären) Enkelkindern schon jetzt mehr interessante Geschichten über meinen Verein erzählen, als die Fans so mancher anderen Mannschaften mit Ende 70. Und ich möchte nicht tauschen.

UEFA-Cup Zwischenrunde, Rückspiel: Spielbericht 0

Gepostet am 26. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Anpfiff:

So, es ist
angerichtet: Milan-Werder, Rückspiel in der UEFA-Cup Zwischenrunde.
Schafft Werder im Guiseppe-Meazza-Stadion eine Überraschung?
Nach dem 1:1 im Hinspiel braucht Werder einen Sieg oder ein Unentschieden mit mindestens 2 geschossenen Toren um weiterzukommen. 5 Minuten vor Anpfiff meckert der Live-Stream plötzlich. Geht ja gut los heute.

Aufstellung:

Werder: Vander – Fritz, Merte, Naldo, Pasanen – Frings, Tziolis, Özil, Diego – Almeida, Pizarro

Milan: Dida, Zambrotta ,Senderos, Maldini ,Favalli – Pirlo, Beckham, Ambrosini – Seedorf, Pato – Inzaghi

Das Spiel:

1' Und los geht's. Mit wackeligem Bild, das kann ja was werden…

2' Erste Chance Pizarro! Schießt aus 20 Metern halblinks drauf. Knapper Meter neben den rechten Pfosten!

6' Werder legt offensiv los, geht früh drauf. Milan lässt es ruhig angehen. Diego mit Torschuss aus 20 Metern in Didas Arme.

10' Riesenchance Pizarro, der in eine Flanke gerade noch den Fuß reinhalten kann. Gut gehalten von Dida!

12' Das Bild läut bei mir leider nicht flüssig, hoffe ich verpasse hier keine entscheidenden Szenen!

14' Senderos
nagelt Diego mitsamt Ball um. Gibt keinen Freistoß. Hab ich auch so
gesehen. Auf der Gegenseite Kopfballchance Milan nach Ecke.

16' Diego ist in der Anfangsphase überall. Hoffentlich wird sein hoher Aufwand belohnt. Nächster Schuss in die Arme von Dida. Bild läuft jetzt flüssig.

Weiterlesen →



↑ Nach oben