Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Jahre voller Lust (Teil 3) 1

Gepostet am 16. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Das Jahr 2010 ist da – die Nuller Jahre sind vorbei. Ein Jahrzehnt, das aus der grauen Fußballmaus Werder Bremen einen regelmäßigen Champions League-Teilnehmer machte. Ich habe mir aus jedem Jahr ein besonderes Spiel herausgepickt und paar Zeilen dazu geschrieben. So ist ein sehr persönlicher Rückblick auf die Dekade entstanden, den ich nun in drei Teilen hier im Blog veröffentlichen werde. Heute gibt es den dritten und letzten Teil.

28.11.2007: Werder Bremen – Real Madrid 3:2

Der Sprung von Spiel gegen Juventus zum Spiel gegen Real Madrid ist groß. 21 Monate liegen zwischen den beiden Partien, in denen es für Werder viele aufregende, aber auch manche ärgerliche Ereignisse gibt. Der Herbstmeisterschaft 2006 folgen zunächste herbe Enttäuschungen: Wie schon in der Hinrunde verliert man gegen Schalke und den späteren Meister VfB Stuttgart. Als dann auch noch das Heimspiel gegen den HSV verloren geht, scheint der Meisterschaftszug abgefahren, doch weil den Schalkern zum Ende hin die Puste ausgeht, kann sich Werder mit einer Siegesserie wieder herankämpfen. Auch international sieht es gut aus: Nach der verpassten Qualifikation der KO-Runde der Champions League erreicht man im UEFA-Cup das Halbfinale. Gegen Espanyol Barcelona setzt es im Hinspiel jedoch eine bittere 0:3 Niederlage. Für Aufregung sorgt kurz vor dem Spiel ein nicht mit dem Verein abgestimmtes Treffen zwischen Miroslav Klose und Vertretern von Bayern München. Der ehemalige Publikumsliebling, der zudem seit geraumer Zeit das Tor nicht mehr trifft, wird fortan bei den Fans zum Buhmann. Im Rückspiel sieht er bereits in der Anfangsphase gelb-rot und steigert seine Beliebtheit dadurch nicht gerade. Werder scheidet aus und auch die letzten Chancen auf die Meisterschaft können nicht genutzt werden. Die Niederlagen gegen Bielefeld und Frankfurt werden zum Sinnbild einer Saison, die zwar insgesamt erfolgreich war, doch den hohen Erwartungen aus dem Winter nicht gerecht werden konnte. Dabei hat Werder diese Meisterschaft nicht etwa gegen die kleinen Gegner verloren, sondern in den direkten Duellen gegen Schalke und Stuttgart. Ein Sieg aus den beiden Spielen gegen Stuttgart hätte letztendlich ausgereicht, um die Schale erneut an die Weser zu holen. Um die Auswirkung dieser direkten Duelle zu verdeutlichen: Hätte Werder diese vier Spiele alle gewonnen, statt sie alle zu verlieren, wäre man mit sage und schreibe 14 Punkten Vorsprung Meister geworden, anstatt mit 4 Punkten Rückstand Dritter.

In der Sommerpause wechselt Klose nach langem Hick-Hack schließlich doch zu den Bayern und ist in Bremen endgültig unten durch. Sein Nachfolger Boubacar Sanogo kommt ohne große Vorschusslorbeeren nach Bremen, doch kann innerhalb kurzer Zeit die Kritiker – vorerst – zum Schweigen bringen. Nach einer bitteren 0:4-Heimniederlage gegen Bayern München am 2. Spieltag spielt Werder eine großartige Hinrunde, an deren Ende wieder 36 Punkte auf dem Konto stehen. Nur die schlechtere Tordifferenz gegenüber den Bayern verhindert die erneute Herbstmeisterschaft. Sanogo avanciert in dieser Hinrunde zu Werders Lebensversicherung, erzielt viele wichtige Tore. Es bleibt leider die einzige Phase seiner Werderkarriere, in der er überzeugen kann (vom Intermezzo im vergangenen Sommer abgesehen). Der Star der Mannschaft ist nach Kloses Abgang endgültig der Brasilianer Diego, der sich immer mehr auch in das Blickfeld der europäischen Spitzenclubs spielt. Neben ihm kann Daniel Jensen endlich konstant starke Leistungen abliefern und wird in Abwesenheit der Platzhirsche Frings und Borowski zum Schlüsselspieler im Mittelfeld. Kein Spiel zeigt dies deutlicher, als das Champions League-Match gegen Real Madrid. Ein Blick auf die Aufstellung verdeutlicht die Verletzungsmisere, die sich wie ein roter Faden durch die Hinrunde zieht. Neben dem gesperrten Diego muss Werder gegen Real auf Wiese, Owomoyela, Frings, Borowski, Almeida, Klasnic und nach sechs Minuten auch auf Fritz verzichten. Mit Vander, Vranjes, Tosic und dem nach neunmonatiger Verletzungspause erstmals wieder auflaufenden Hunt gegen das große Real – kann das gutgehen?

Es kann! Werder liefert, auch gerade angesichts der Personalsituation, eines seiner besten Spiele der Ära Schaaf ab und bezwingt Madrid mit 3:2. Das 2:1 durch Sanogo ist in seiner Entstehung und Vollendung vielleicht das schönste, das Werder in der Champions League je erzielt hat. Die Zuschauer im Stadion sind 90 Minuten lang wie elektrisiert, die Stimmung ist für Bremer Verhältnisse gigantisch. Am Ende steht grenzenloser Jubel und die Hoffnung auf neue europäische Lorbeeren. Doch es kommt anders: Werder versagt in Piräus und muss in der Rückrunde erneut mit dem UEFA-Cup vorlieb nehmen. Neben dem Wirbel um den exzentrischen Neuzugang Carlos Alberto ist dies die größte Enttäuschung dieser Hinrunde. Die Tore des nach zwei Nierentransplantationen wiedergenesenen Ivan Klasnic gegen Bayer Leverkusen sorgen zu Weihnachten jedoch wieder für gute Laune.

27.9.2008: Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 5:4

Das Jahr 2008 beginnt für Werder, wie so viele der vergangenen Jahre: Mit einer Krise. Man scheidet im Pokal gegen Dortmund aus und verpatzt auch den Auftakt in der Liga gegen Bochum. Binnen kurzer Zeit verspielt Werder alle Meisterschaftschancen. Dazu kommt das unglückliche und vor allem unnötige Ausscheiden aus dem UEFA-Cup gegen die Glasgow Rangers, wo Tim Wiese sein Juve-Flashback erlebt. Im Frühling 2008 scheint sich Werder aus der Spitzengruppe der Liga verabschiedet zu haben und nur ein großer Kraftakt zum Ende der Saison bringt Werder wieder in die Nähe der Champions League Ränge. Dann zeigt die Mannschaft jedoch, dass sie auch die entscheidenden Spiele gewinnen kann. Diese Eigenschaft hat man ihr aufgrund der Ergebnisse in den letzten beiden Jahren schon abgesprochen. Mit Siegen in Hamburg und Leverkusen sichert sich Werder die Herbstmeisterschaft und ist somit erneut für die Champions League qualifiziert.

Die folgende Hinrunde bestätigt jedoch die Eindrücke der ersten Jahreshälfte: Werder fehlt die Balance zwischen Offensive und Defensive. Die Ergebnisse sind folglich sehr schwankend und reichen nicht mehr, um in der Liga oben dran zu bleiben. Werder kassiert viele Gegentore, die eine Bundesligamannschaft eigentlich nicht kassieren darf, weil die Defensive immer wieder weit aufrückt und die Rückwärtsbewegung des gesamten Teams so wirkt, als spiele hier eine Schülermannschaft. Man macht sich das Leben so viel zu schwer und steuert zeitweise einen neuen Vereinsrekord in Sachen Gegentoren an. Zum Glück ist Werders Offensive dank Diego und Rückkehrer Claudio Pizarro stark genug, um einen totalen Absturz zu verhindert. Neben den beiden entwickelt sich der von Schalke verpflichtete Mesut Özil vom Perspektiv- zum Stammspieler. Eine kurze Zeit lang sieht es sogar so aus, als reiche die Offensivpower aus, um wieder ein Wörtchen um die Meisterschaft mitzureden. In München verdirbt Werder den Hausherren kräftig den Oktoberfestauftakt, führt 25 Minuten vor Ende mit 5:0 in der Allianz-Arena. Die Anschlusstreffer des Ex-Bremers Borowski machen dieses Spiel aus Fansicht eher zu einem 7:0, als zum 5:2, das am Ende auf dem Spielberichtsbogen steht.

Das folgende Spiel gegen den späteren Herbstmeister Hoffenheim beginnt ähnlich furios, zeigt dann jedoch das ganze Spektrum des Bremer Spiels 2008. Die fehlende Balance kulminiert in diesem Spiel und sorgt wie das gesamte Jahr für ein Wechselbad der Gefühle auf den Rängen. Nach einer halben Stunde führt Werder mit 4:1 in einem für Bundesligaverhältnisse extrem schnellen Spielen. Die Abwehrreihen beider Mannschaften haben große Probleme und die Schussgenauigkeit beider Mannschaften ist fast schon beängstigend (Hunt! Salihovic!!!). Hoffenheim kann Werder in der zweiten Hälfte immer mehr hinten rein drücken und nach Mertesackers roter Karte und dem Ausgleichstreffer der Badener droht das Spiel vollends zu kippen. Özil entscheidet das Spiel schließlich mit einem Konter gegen den Aufsteiger, der nicht nur wegen seiner tollen Moral von einer unglücklichen Niederlage sprechen darf. Das Spiel ist ein Fest des Angriffsfußballs, bei dem Werder zeigen kann, dass man in dieser Disziplin noch immer nationale Spitze ist.

7.5.2009: Hamburger SV – Werder Bremen 2:3

Die erste Hälfte des Jahres 2009 steht für Werder im Zeichen der Pokalwettbewerbe. Im Ligaalltag rennt Werder dem Geschehen weiterhin nur hinterher. Während man im Pokal einen hart erkämpften Auswärtssieg in Dortmund feiern kann, steht man in der Bundesliga nach zwei Niederlagen gegen Bielefeld und Schalke zum Rückrundenauftakt im Niemandsland der Tabelle. In der Folge spult Werder mehr oder weniger ein Pflichtprogramm herunter und konzentriert sich auf die Highlights in den KO-Spielen. Ein erster Höhepunkt des Jahres ist die Partie in Mailand. Werder muss einem äußerst unglücklichen 0:2-Rückstand hinterherlaufen. Dank einer insgesamt sehr starken Leistung schafft man die Überraschung und wirft Milan aus dem Wettbewerb. Im Pokal gelingt ein 5:2-Kantersieg beim heimstarken VfL Wolfsburg. Werder fügt dem späteren Deutschen Meister dabei die einzige Heimniederlage der Saison zu. Es wird immer deutlicher, dass sich Werders Qualitäten in den letzten eineinhalb Jahren verändert haben. Während man früher konstant gut spielte und dann in den entscheidenden Spielen scheiterte, wirkt die Mannschaft nun reifer und erfolgshungriger in den großen Spielen, doch dafür hat man Probleme, konstant gute Leistungen abzuliefern.

Am Ende steht Werder auf einem sehr enttäuschenden zehnten Platz. Es ist erst das zweite Mal seit dem Wiederaufstieg 1981, dass Werder nach dem letzten Spieltag auf einem zweistelligen Tabellenplatz steht. Und wie schon 1999 ist dieser Umstand durch den Gewinn des DFB-Pokals nicht ganz so schwer zu verschmerzen. Der 1:0-Finalsieg gegen Leverkusen ist der krönende Abschluss einer über weite Strecken ärgerlichen Saison. Nach dem verlorenen UEFA-Cup-Finale gegen Donezk ist es eine große Genugtuung, doch noch einen Titelgewinn feiern zu können. Beachtlich an Werders Erfolgen in den Pokalwettbewerben sind auch die Umstände, unter denen sie zustande kommen. Es hat wohl nie widrigere Bedingungen gegeben, unter denen eine Mannschaft sich für zwei Finals qualifiziert hat: Im DFB-Pokal ist Werder die erste Mannschaft, die ohne ein einziges Heimspiel den Titel gewinnt. Im UEFA-Cup muss man die Rückspiele allesamt auswärts austragen, was gemeinhin als Nachteil gilt, und geht trotzdem jeweils als Sieger vom Platz.

Komplettiert wurde das Auf und Ab durch Pokal und Liga durch die vier Spiele gegen den HSV. Wenn es jemals einen klaren Sieger im Duell der beiden Vereine gab, dann dort. Innerhalb von zweieinhalb Wochen trifft Werder in Pokal, UEFA-Cup und Liga auf den Nordrivalen und kann sich in diesen Duellen eindrucksvoll durchsetzen. Man spielt die Hamburger nicht etwa an die Wand, doch legt einen Siegeswillen an den Tag, der kaum zu bändigen ist. Im Pokal wird Tim Wiese zum Helden, indem er drei Elfmeter hält und Werder damit das Ticket nach Berlin sichert. Im UEFA-Cup macht Werder eine 0:1-Heimniederlage und einen 0:1-Rückstand im Rückspiel wett und erkämpft sich auch hier die Finalteilnahme. In der Liga düpiert man den HSV schließlich vollends und zerstört dessen letzte Hoffnungen auf die Meisterschaft. Es ist eine Seelenmassage in vierfacher Ausfertigung, die für vieles, aber nicht alles entschädigt. Im Dezember spielt man erneut in Hamburg und verliert mit 1:2. Von „Revanche“ sprechen indes nicht einmal die Hamburger. Wir haben die bizarre Situation, dass Werder in den letzten 14 Monaten von 6 Spielen gegen den HSV nur zwei gewonnen und drei verloren hat und doch immer noch als Gewinner dasteht. Schöner, verrückter Fußball.

Im Sommer verlässt Diego Bremen in Richtung Turin. Ohne ihn ist Werder nur die Hälfte wert, da sind sich die Beobachter einig. Nicht nur die Niederlage in Istanbul hat gezeigt, dass Werder ohne seinen kreativen Kopf keine Spitzenmannschaft ist. Dazu beendet der langjährige Kapitän Frank Baumann seine Karriere. Im Sommer 2009 scheint trotz prominenter Neuzugänge wie Marko Marin, Tim Borowski und Marcelo Moreno unklar, ob Werder an die Erfolge anknüpfen kann. Es folgt erneut eine turbulente Hinrunde, in der Werder von 28 Spielen nur drei verliert, zwischenzeitlich Lobeshymnen einheimst und am Ende trotzdem nicht ganz zufrieden sein kann.

Wie geht es nun weiter? Wird ein Rückblick in 10 Jahren wieder so erfreulich sein? Ich bin gespannt und freue mich auf eine spannende und hoffentlich auch erfreuliche Rückrunde.

Lebenslang Grün-weiß!

Den ersten Teil der Serie (2000 – 2002) findet ihr hier. Den zweiten Teil (2003 – 2006) findet ihr hier.

17. Spieltag: Leistungsgerecht 2

Gepostet am 21. December 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen 2:1

So endet also diese über weite Strecken viel versprechende Hinrunde. Eine Niederlage gegen 10 Hamburger, die sich die drei Punkte sehr hart erarbeitet haben und trotz geschätzten 753 hundertprozentiger Torchancen für Werder diesen Sieg auch verdient haben. Mit 28 Punkten steht Werder nun auf Platz 6 der Tabelle und wenn man ganz ehrlich ist gehört man dort auch hin. Im Fußball geht es eben nicht um Serien, weder niederlagen- noch gegentorlose.

Die Platzverhältnisse in der AOL-Arena oder wie sie gerade heißt waren grauenvoll. Darüber darf man sich als Spieler kurz ärgern, aber dann hat man sich verdammt nochmal damit zu arrangieren und die Spielweise entsprechend anzupassen. Bevor Werder überhaupt gemerkt hatte, dass hier ein Nordderby stattfindet, führte der HSV schon mit 1:0. Leider zeigte Werder danach, wie man momentan mit Druck umgeht: Hunt lässt sich zu 2-3 angedeuteten Tätlichkeiten hinreißen, Wiese stürmt übermotiviert aus dem Tor und schenkt den Hamburgern das 2:0 und ich schwöre hoch und heilig, wenn Marin in der Rückrunde auch nur eine Schwalbe produziert, fahre ich persönlich zum Trainingsplatz und mache ihn noch einen Kopf kürzer, als er sowieso schon ist.

Ab der 30. Minute hatte ich keine Lust mehr, dieses Spiel zu gucken. Es geht mir gar nicht darum, ob der Kontakt zwischen Boatengs Arm und Marins Schulter ausreichend war, um einen 64 Kilo leichten Spieler so zu behindern, dass man es als Regelverstoß ahnden müsste, sondern darum, dass er in der Situation nicht fallen muss. Er fällt aber. So wie er immer fällt, in vergleichbaren Situationen. Ich will das einfach nicht mehr sehen bei Werder! Marin ist ein Riesentalent, aber er ist noch weit davon entfernt in wirklich guter Spieler zu sein. Teil eines “magischen” Drei- bis Vierecks? Lächerlich! Auch Özil ist bei aller Klasse noch immer ein kleiner Junge, der keine Lust mehr hat, wenn man ihm den Ball wegnimmt. Seine Schultern hatten gestern in der zweiten Halbzeit fast schon Bodenkontakt, so sehr ließ er sie hängen. Der bessere Diego?

Erst nach 75 Minuten schien Werder kapiert zu haben, worum es in diesem Spiel eigentlich geht. Selbst danach hätte man die zehn müden Hamburger noch aus ihrem eigenen Stadion schießen können, doch Hunt und Marin trafen wie Naldo in der ersten Hälfte nur die Latte, Borowski schoss aus 16 Metern direkt in Rosts Arme, Pizarro scheiterte aus kurzer Distanz ebenfalls am Keeper und wiederum Hunt und Marin nahmen sich ein Beispiel an Prödl und setzten den Ball aus 4 bzw. 6 Metern am leeren Tor vorbei. Lediglich Naldo traf in der letzten Minute noch 1:2. Zu spät, aber dennoch Grund genug für überschwänglichen Jubel auf Seiten einiger Werderspieler. Na dann.

Was bleibt also an Erkenntnissen nach dieser ersten Auswärtsniederlage seit sieben Monaten? Dass Prödl als rechter Verteidiger nicht bundesligatauglich ist? Keine Neuigkeit, aber vermutlich kein Grund für Allofs in der Winterpause hier tätig zu werden. Es ist dann eben “Pech”, dass Fritz und Boenisch verletzt sind. So kann man es auch sehen. Wie man aber eine “junge Mannschaft” sehen kann, wie Allofs nach dem Spiel ins Sky-Mikrofon diktierte, ist mir ein Rätsel. Jung? Wiese, Naldo, Mertesacker, Pasanen, Frings, Jensen, Pizarro… ach Klausi, selbst Aaron Hunt spielt inzwischen seine sechste Saison als Profi bei Werder.

Dennoch ist nach zwei verlorenen Spielen nicht plötzlich alles schlecht, genau wie vorher nicht alles gut war. Ich glaube auch ich nicht, dass der sportlichen Führung die wahren Probleme verborgen geblieben sind und ich habe immerhin die Hoffnung, dass in der Winterpause daran gearbeitet wird. Sie liegen zum einen im mentalen Bereich. Wo man in der letzten Rückrunde gerade in den entscheidenden Spielen, den nötigen Willen aufbrachte und in Durchschlagskraft umwandelte, bekommt man heute Lektionen erteilt. Dafür spielt man in dieser Saison konstant, was in der letzten Saison völlig abging. The grass is always greener… Andererseits liegen die Problem dort, wo auch die große Stärke liegt: Im Mittelfeld. Einerseits haben wir dort Borowski und Jensen, die das alte Werder-Kombinationsspiel praktizieren, andererseits Özil, Hunt und Marin, die mehr auf 1 gegen 1 Situationen und Schnelligkeit setzen. Gelingt es, diese beiden “Schulen” zusammen zu führen, ist Werder eine absolute Topmannschaft. Gelingt es nicht, zerfällt das Gebilde in seine Einzelteile. Ich habe die Hoffnung, dass es in der Rückrunde noch besser klappt, als schon über weite Strecken der Hinrunde.

Unterm Strich stehen im Kalenderjahr 2009 nach 34 Bundesligaspielen 47 Punkte auf dem Konto. Das ist zwar ebenso eine zahlenspielerei, wie die oben genannten Serien, aber eines hat dieser Autor daraus dennoch gelernt: Nach dem 13. Spieltag gibt man keine Meisterschaftsprognose ab. Period.

Frohe Weihnachten und ein grün-weißes Jahr 2010 allen meinen Lesern!

“Meine Hoffnung ist, dass wir es dieses Jahr packen” 3

Gepostet am 20. December 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute steht das Nordderby an. DAS Nordderby. Nicht irgendein zurecht konstruiertes, sogenanntes “Nordderby” zwischen Werder und Wolfsburg oder Hannover und Rostock. Die Erinnerungen an die vier Nordderbys im Apri und Mai sind noch präsent. Als Werderfan denkt man gerne daran zurück. Grund genug, einmal die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Die andere Seite ist in diesem Fall Florian Neumann, alias nedfuller, der in Neds Blog mit viel Herzblut über den HSV bloggt. Im Interview (meinem ersten hier im Blog) erzählt er unter anderem, warum er mit den Leistungen seiner Mannschaft zufrieden ist, Werder nicht mag und Bruno Labbadia gegenüber skeptisch ist.

Tobias: Hallo Florian, danke, dass du mitmachst bei dem Interview. Nicht unbedingt ganz naheliegend, dich für ein Werder-Blog interviewen zu lassen. Die Saison ist ja bislang für den HSV sehr gemischt verlaufen. Wie beurteilst das insgesamt, bist du zufrieden mit den Leistungen und Ergebnissen?

Florian: Ja und nein. Natürlich bin ich zufrieden, denn wir sind immer noch da wo ich es erwartet habe, auf einem Platz, der für den internationalen Wettbewerb reicht. Bei dem Kader, den wir haben, bin ich insofern ganz froh, dass wir nach den vielen Verletzungen, nicht so stark abgestürzt sind. Es sah am anfang relativ gut aus bei uns, viele Spiele ohne Niederlage, gut gespielt, zwar ab und zu unnötig ein paar Punkte liegen gelassen, aber das doch schon ganz gut gemacht. Durch die ganzen Verletzten war es dann schon sehr eng, was den Kader anging. Deshalb bin ich an sich noch zufrieden.

Du hast das Verletzungspech gerade schon angesprochen. Mit Pechsträhne ist das ja fast noch milde beschrieben. Ich weiß gar nicht, wie viele Verletzte ihr zwischenzeitlich hattet. Dafür, dass so viele Spieler ausgefallen sind, habt ihr euch doch noch ganz gut geschlagen, habt nur vier Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Glaubst du, dass ihr ohne das Verletzungspech jetzt sogar noch wesentlich besser dastehen würdet?

Ja, definitiv. Man merkte es schon im letzten Spiel, als Petric wieder dabei war, dass der Gegner ganz anders gegen uns agiert. Da steht nun kein 19-jähriger Jüngling vorne drin, sondern ein kroatischer Nationalspieler, der in der Bundesliga gefürchtet ist. Dazu kommt irgendwann auch wieder ein Paolo Guerrero, der in den Spielen, die er zu Beginn der Saison gemacht hat, einfach grandios war. Das ist schon ein Unterschied. Es gibt diverse Spiele, bei denen ich in der Kurve gedacht hab: die Flanken kommen rein, aber es steht halt keiner da, der das verwerten kann. Mit den Beiden hätten wir sicher einge Spiele mehr gewonnen, etwa gegen Gladbach oder Hannover.

In den letzten Wochen hat sich eure personelle Situation wieder etwas verbessert. Die Ergebnisse sind ebenfalls besser geworden, die Formkurve geht klar nach oben. Bist du nun sogar traurig, dass die Winterpause kommt oder froh, weil zum Rürckrundenauftakt einige der verletzten Spieler wieder dabei sein könnten?

Ich bin froh, dass die Winterpause kommt, weil wir mit einem kleinen Kader 17 Spiele plus Europa Liga durchmachen mussten, was eben doch sehr anstrengend ist. Auch nach der Winterpause werden weder Ze Roberto noch Guerrero wieder im Kader sein, darauf kann man sich nicht verlassen, deshalb hoffe ich, dass wir für den Sturm noch Verstärkung holen werden.

Heute wurde die nächste Runde der Europa League ausgelost…

Und ich hab euch sooo Schachtjor Donezk gewünscht!

…naja, nun gibt es eben zweimal das Duell Deutschland gegen Holland. Ihr spielt gegen Eindhoven. Bist du zufrieden mit dem Los?

Es hätte wahrscheinlich schlimmer kommen können, gerade wenn man sieht, wie es jetzt Hertha erwischt hat mit Lissabon. Ich kann Eindhoven schlecht einschätzen, weiß gar nicht genau wo die stehen. Ich weiß nur, das Enschede, gegen die ihr nun spielt Erster ist und PSV irgendwo dahinter. Der holländische Fußball ist für mich schwer einzuschätzen. Wir hatten letzte Saison in der Gruppenphase Ajax als Gegner, da haben wir verloren. Wann wir das letzte mal gegen Holländer in der K.O.-Runde gespielt haben weiß ich schon gar nicht mehr. Die Spiele sind im Februar, da steht es auf der Kippe, ob Ze Roberto wieder da ist, aber ich rechne mir gute Chancen aus.

Am Sonntag steht nun das Nordderby an. Lass uns kurz über das Verhältnis zwischen den Vereinen und ihren Anhängern sprechen. Du hast vor dem Interview schon darauf hingewiesen, dass ich nicht auf Sympathien deinerseits gegenüber meinem Verein hoffen kann, weil du Werder nicht magst. Ganz salopp gefragt: Warum eigentlich nicht?

So richtig kann ich gar nicht sagen, warum das so ist. Es hat sicher etwas damit zu tun, dass es ein ewiger Rivale ist, weil Werder Bremen schon immer ein Verein war, gegen den man Derbys hatte. Zum anderen ist es die Abneigung gegen das, was da so passiert. Bremen ist eben doch ein kleines Dorf von uns aus gesehen und trotzdem seid ihr erfolgreich, das muss man schon anerkennen. In den letzten Jahren hattet ihr ein bisschen mehr an Erfolgen als wir. Wir haben in den letzten 23 Jahren keinen Titel gewonnen, bei euch sieht es da etwas anders aus. Das schürt natürlich auch so ein Verhältnis. Ich hab mich immer gefragt, warum wir eine Fanfreundschaft mit Hannover 96 haben. Das liegt natürlich auch daran, dass die uns nicht an den Karren pinkeln. Was mich maßlos geärgert hat war, dass uns Werder in der ewigen Tabelle überholt hat vor zwei Jahren und wir damals auch noch die Champions League Qualifikation verpasst haben im direkten Duell. Das hat weh getan.

Die Rivalität hat also auch etwas damit zu tun, das die Vereine seit langer Zeit auf Augenhöhe sind?

(lacht) Nein, das muss man euch leider zugestehen, das sind wir nicht. Bis auf die letzten paar Jahre. Vorher waren wir es nicht.

Gut, dann lass es mich anders formulieren. Bis in die 70er war das Verhältnis zwischen den Fans gar nicht so schlecht. Vor Gründung der Bundesliga war Hamburg Serienmeister der Oberliga-Nord. in den 60ern gewann Werder zwar mal die Meisterschaft, doch in den 70ern war man eine graue Maus, die immer im Mittelfeld landete. Erst nach dem Wiederaufstieg konkurrierte man sportlich so richtig. 1983 wurdet ihr Meister und wir punktgleich Zweiter. In der Saison gipfelte auch der Hass zwischen den Fans und eskalierte im Tod von Adrian Maleika. Für viele der Ausgangspunkt der heutigen Rivalität zwischen den Fans.

Interessant, dass du das erwähnst. Ich habe gerade im Magazin des Hamburger Supporters Clubs ein Interview mit Maleikas bestem Freund gelesen, der sagt, dass die Situation damals sehr seltsam war. Vorher war nie etwas. Er ist sogar mal bei uns in der Westkurve gewesen und hat dort ein Spiel geguckt. Nicht irgendein Spiel, sondern HSV gegen Werder Bremen. Es fing dann wohl damit an, dass sich die Hooligans beider Vereine gegenseitig angegriffen haben. Es gab zum Beispiel einen Angriff von HSV-Hooligans auf eine S-Bahn mit Leuchtmunition. Vor kurzem gab es einen Angriff auf einen Werder-Bus von HSV-Anhängern mit Steinen und Eisenstangen. Da müssen wir aufpassen, das hatten wir vor 27 Jahren schon mal und da ist jemand gestorben. So sehr ich auch sage, dass Bremen nie mein Lieblingsverein sein wird, es darf nie in Gewalt ausarten. Eine gesunde Rivalität finde ich toll, das gehört auch dazu.

Gab es für dich persönlich ein Schlüsselerlebnis, was deine Abneigung gegen Werder angeht?

Dann hat es auch etwas damit zu tun, dass ich in der letzten Saison zum ersten Mal bei euch im Stadion war zum Bundesliga-Spiel. Da war etwas enttäuscht von dem, was ich geboten bekommen habe. Ich stand nicht in der Gästekurve, sondern saß auf der Südtribüne in Richtung eurer Fankurve und nun habt ihr uns damals mit 2:0 verprügelt. Tim Wiese hat Bälle gehalten, bei denen ich dachte: was ist denn hier los? Ihr habt verdient gewonnen, überhaupt keine Frage. Eigentlich ein Freudentag für euch, aber um mich herum saßen viele Fans, die zwar Schals ums Handgelenk gebunden hatten, aber noch nicht mal zur LaOla aufgestanden sind. Vor uns saß noch so ein Vollidiot, der die HSV-Fans im Block bepöbelt und beim 1:0 in unsere Richtung gejubelt hat. Dazu hab ich mich maßlos über das Stadion geärgert, denn das ist unter aller Sau. Das kann man einem Fußballfan nicht zumuten. Ich kenne das noch aus dem alten Volkspark, da war es ähnlich. So lange schon erfolgreich zu sein und dann so ein Stadion zu haben, das ist für mich unverständlich.

Dazu hat mich das Auftreten einiger eurer Spieler geärgert. Das Auftreten von Diego unter unserer Fankurve war unnötig, das muss er nicht machen. Dass man dann keine Gegenstände auf ihn wirft, ist eine ganz andere Sache, das verurteile ich sofort, aber es war schon sehr provozierend und das nervt dann eben noch mehr. Tim Wieses Aktion mit dem Megafon fand ich dagegen gar nicht so schlimm. Für die Öffentlichkeit war es etwas blöd, aber es ist doch verständlich, wenn ein Bremer Spieler sich über einen Sieg gegen uns freut. Ich wäre ja froh, wenn unsere Spieler das genauso empfinden würden. Lustig fand ich aber die Choreographie mit der Papierkugel. Das war eine tolle Idee, dass ihr eure eigene Leistung darauf beschränkt, denn die Papierkugel hatte mit dem Ausgang des Spiels eigentlich nichts zu tun.

An die letzten vier Nordderbys wirst du vermutlich nicht gerne zurück denken. Vor allem dieses besagte Spiel mit der Papierkugel war ja sehr umstritten. Wie hast du die Partie damals erlebt?

Was mich geärgert hat an der Geschichte mit der Papierkugel ist, dass dadurch die wahre spielentscheidende Szene in den Hintergrund gedrängt wurde. Das war nämlich das zu Unrecht nicht gegebene Tor von Olic. Als das 1:0 für uns fiel, war ich noch nervöser als sonst, weil ich gemerkt hatte: die Bremer wollen heute gewinnen. Die sind ganz anders aufgetreten als wir. Es gab an dem Tag eine Choreo der Fans durch gesamte Stadion, das war unfassbar. Es war eine Stimmung im Stadion, wie ich sie noch nie erlebt habe, das werde ich nie vergessen. Weil wir wussten: es geht um etwas. Es geht um alles! Dieses Gefühl hatte ich von Teilen unserer Mannschaft leider nicht. Bei der Aufstellung habe ich mich gefragt, wo eigentlich das Mittelfeld ist. Wir haben mit zwei Stürmern gespielt, was gut war, da Werder hinten sehr anfällig war, aber wir hatten eben kein Mittelfeld, das die Stürmer mit Bällen versorgt hat. Eine ganz merkwürdige Situation.

Ist Werder für dich ein Angstgegner?

Ja. Natürlich. Ganz einfach, weil Bremen immer eine gewisse Qualität mitbringt. Es ist ja nicht so, dass sie gegen uns glücklich gewinnen, wie vielleicht Bochum oder Gladbach, sondern weil sie die Qualität haben. Das ist dann schon etwas “beängstigend”, wenn man so will.

Die wirklich wichtigen Nordderbys hat Werder in den letzten Jahren eigentlich immer gewonnen. Für mich ist Hamburg trotzdem eine Art Angstgegner. Ich habe Angst vor dem ersten Mal. Ich bin seit 1986 Fußballfan und musste nie einen großen Triumph von euch über uns miterleben, aber irgendwann muss es ja mal dazu kommen.

Meine Hoffnung ist ja, dass wir es dieses Jahr packen. Mein Traum wäre, dass wir euch in der Europa League im Finale in Hamburg schlagen und dann am Samstag darauf die Meisterschale im Weserstadion gewinnen.

Das wäre dann in der Tat die ultimative Revanche. Kommen wir zum Spiel am Sonntag. Köln und vor allem Schalke haben in den letzten Wochen gezeigt, wie man Werder beikommen kann: mit viel Laufbereitschaft und konsequentem Zweikampfverhalten. Glaubst du, dass ihr das Spiel ähnlich angehen werdet oder wird es doch ein offener Schlagabtausch?

Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben. Wenn man es schafft, euch nicht ins Spiel kommen zu lassen, dann hat man eine Chance. Jetzt, wo Petric wieder da ist, haben wir ja auch jemanden vorne drin, der Tore machen kann. Trotzdem ist die Ausrichtung unseres Trainers so, dass man das Spiel machen will. Das kann man gegen euch auch machen. Trotz der wenigen Gegentore habt ihr nicht die besten Innenverteidiger der Liga, aber die meisten eurer Gegner gehen die Spiele defensiv an, weil sie Angst vor dem Offensivfeuerwerk haben, dass ihr veranstaltet. Was machen Mertesacker und Naldo jetzt anders als in der letzten Saison? Nichts. Ich bin der Überzeugung, dass man ihnen mit schnellen Pässen den Garaus machen kann. Wir müssen dann nur darauf achten, bei Ballbesitz Werder den Raum eng zu machen, damit ihr euer Kombinationsspiel nicht aufziehen könnt.

Noch ein paar Worte zu eurem Trainer. Martin Jol war in der letzten Saison doch eigentlich ganz erfolgreich. Ich denke, der hätte mit dem heutigen Kader auch gut gearbeitet. Trotzdem hat man ihn entlassen und mit Labbadia einen neuen Trainer geholt. Wie beurteilst du das und was hältst du von Labbadia?

Jol hatte kein allzu gutes Standing in der Mannschaft. Es gab Irritationen, weil Jols Bruder schon vor den Spielen in die Kabinen der gegnerischen Mannschaften gegangen ist und dort Trikots zu bekommen. Dazu hatte Jol schon viele der jungen Spieler zur Verfügung, hat sie aber nicht wirklich eingesetzt. Boateng hat er zum Beispiel völlig links liegen gelassen, obwohl wir Probleme in der Innenverteidigung hatten. Dann wollte er seine Kompetenzen erweitern und mehr Einfluss im Verein erlangen und das ist eben etwas, das bei uns nicht geht. Wir haben einen Trainer und nicht mehr. Letztendlich ist dann auch der Sportdirektor gegangen, das hatte keiner erwartet, weil es nach außen keine Anzeichen dafür gab.

Bruno Labbadia gegenüber bin ich sehr skeptisch. Ich bin sowas von skeptisch, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich vermisse von Labbadia teilweise ehrliche Worte, auch mal in der Öffentlichkeit. Nach so einer Niederlage wie am Donnerstag möchte ich auch mal Klartext hören. Thomas Doll hat perfektioniert und bis kurz vor seiner Entlassung immer wieder behauptet, wir hätten gut gespielt und unverdient verloren. Dennoch hoffe ich, dass wir einen Trainer gefunden haben, mit dem wir langfristig zusammenarbeiten können, ich glaube es aber einfach noch nicht.

Er ist ja auch für seine – nicht vorgenommenen – Auswechslungen kritisiert worden. Boateng war das glaub ich, der verletzt war und weiterspielen musste?

Ja, genau. Zwei Spiele später war es dann Demel, der Unrund lief und der Trainer hat es nicht gesehen. Labbadia ist noch ein junger Trainer, das muss man auch sagen. Insofern ist es ein Risiko. Er hat vorher Bayer Leverkusen auf den 9. Platz trainiert, das ist keine Auszeichnung, ist mit Fürth nicht in die 1. Liga aufgestiegen. Der einzige Erfolg, den er vorzuweisen hat, ist der Aufstieg mit Darmstadt aus der vierten in die dritte Liga. Er wirkt aber sehr ehrgeizig, steckt viel Arbeit in seinen Job und hat die Rothosen an, als ehemaliger HSV-Spieler. Das finde ich nicht unwichtig, weil er weiß, was es bedeutet, Trainer des HSV zu sein.

Zu guter Letzt: Gibst du einen Tipp ab für das Spiel?

Ja… 2:1. Bei dem Spiel geht es um nichts, also haben wir eine ganz gute Chance.

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche dir alles Gute. Deinem Verein nicht, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Richtig.

HSV-Bashing (24): Tschüß! 0

Gepostet am 13. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Noch ein letzter Gruß und dann ist das Thema Nordderby an dieser Stelle (für diese Saison) auch beendet.

HSV-Bashing (23): Vergoogelt 5

Gepostet am 12. May 2009 von Tobias (Meine Saison)
Nummer 1 im Norden

31. Spieltag: Live-Blog 0

Gepostet am 10. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV

Hat am Donnerstag gut geklappt, deshalb auch heute wieder Live-Blog in Kombination mit Twitter:

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Live-Blog 0

Gepostet am 7. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute findet bekanntlich das Rückspiel zwischen Werder und dem Hamburger SV statt. Der SVW muss im Volksparkstadion in der HSH Nordbank Arena einen 0:1 Rückstand aus dem Hinspiel aufholen. Die Bedeutung des Spiels dürfte jedem klar sein. Für Werder wäre ein Sieg der größte internationale Erfolg seit 1992, für den HSV sogar seit 1983.

Deshalb wird es von mir neben der gewohnten Berichterstattung bei Twitter auch ein Live-Blog geben. Technik sei dank lassen sich Tweets und Live-Blog ja super kombinieren, so dass sowohl im Blog als auch bei Twitter mitgelesen und kommentiert (Hash Tag #svwx) werden kann. Ab ca. 19 Uhr geht es los.

HSV-Bashing (22): Die Charme-Offensive 0

Gepostet am 2. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Liebe Hamburger,

ich habe es mir jetzt lange genug mit angeschaut. Schlimm genug, dass ihr die Dreistigkeit besitzt, einfach das Bremer Erfolgsrezept aus hanseatischen Kaufmannsprinzipien, gutem Scouting, kompetenter sportlicher Führung und Geduld zu kopieren. Doch langsam geht ihr zu weit. Da gibt Didi Beiersdorfer kurz vor Beginn der Verlängerung des DFB-Pokals ein Interview, das in Anbetracht der Umstände fast schon eine Bewerbung für einen Fair-Play-Preis sein könnte. Und nun biedert sich auch noch der sowieso schon ekelhaft sympathische Martin Jol mit Aussagen an, die so ehrlich und vernünftig klingen, dass sich einem als Werderfan der Magen umdreht:

"Das ist verrückt, wenn man alle drei Tage ein Spiel hat. Das kann Chelsea wegstecken und Liverpool. Das sind solche starken Mannschaften, mit fantastischen Kadern, dass sie leicht in der Woche drei Spiele machen können. Wir haben das nicht, trotzdem sind wir mit ein bisschen Zufall, viel Charakter und Mentalität lange in drei Wettbewerben dabei gewesen. Und wenn es mich auch manchmal wundert: Meine Spieler leben immer noch."

So etwas wollen wir aus der Weltstadt Hamburg nicht hören. Wir wollen latent größenwahnsinnige Statements, Allmachtphantasien oder zumindest leicht überhebliche Schmähungen gegen die grünweißen Provinzkicker. Tim Wiese hatte mit seinen Spitzen doch eigentlich perfekte Vorarbeit geleistet und dann noch die Frechheit besessen, direkt vor eurer Fankurve drei Elfmeter zu halten. Nach dem Auswärtssieg am Donnerstag hätte ich da schon etwas mehr Schadenfreude erwartet. Payback is a bitch!

Nun gut, man kann niemanden zu seinem Unglück zwingen. Trotzdem kann es so nicht weitergehen. Ich schlage vor, ihr lasst euch für das dritte Nordderby am Donnerstag endlich ein paar markige Worte einfallen und ich google in der Zwischenzeit mal "kognitive Dissonanz".

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 3) 2

Gepostet am 22. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Und pünktlich vor dem Anpfiff des ersten Nordderbys nun der letzte Teil des ultimativen Schwanzvergleichs zwischen Werder Bremen und dem HSV.

Offensives Mittelfeld

Das offensive Mittelfeld bei Werder hat einen Namen: Diego. Nach einer wechselhaften Hinrunde hat der kleine Brasilianer wieder zu seiner Bestform gefunden und dominiert das Bremer Spiel wie nie zuvor. Diego kämpft, dribbelt, schlägt Traumpässe und macht die Tore auch selbst. In seinen letzte 3 Spielen schoss Diego ganze 5 Tore, und das obwohl er dabei zwei Elfmeter verschoss. Ist Diego richtig fit, ist er der Spieler, der für Werder den Unterschied macht. Er ist eigentlich nur zu stoppen, wenn man ihn durch andauernde Nickligkeiten zur Weißglut treibt und in 1-gegen-1-Duelle um den Mittelkreis verwickelt. Mesut Özil ist der Aufsteiger der Saison in Bremen. An guten Tagen ist er kongenialer Partner für Diego, der durch seine Dribbelstärke und technische Klasse das Angriffsspiel beleben kann. An schlechten Tagen schlurft Özil leider noch zu häufig mit hängenden Schultern über den Platz und verliert das Selbstvertrauen. Aaron Hunt ist auch durch zahlreiche Verletzungen nicht über den Status als Ergänzungsspieler hinaus gekommen. Er hat seine Stärken auf der linken Außenbahn, weist im Vergleich zu Özil aber noch zu viele Schwächen auf. Fürs Pokalspiel fällt Hunt wegen Verletzung genauso aus wie Daniel Jensen, der im Mittelfeld jede Position ausüben kann und neben Diego der einzige wirkliche Spielmacher bei Werder ist.

Der große Aufsteiger im Hamburger Mittelfeld ist Piotr Trochowski. Vor einem Jahr noch ob seiner Nominierung für den EM-Kader belächelt, zeigte sich Trochowski in dieser Saison in beeindruckender Form. Er kann sowohl hinter den Spitzen als auch auf der linken Außenbahn spielen, so dass Jol bei der Wahl des Systems große Freiheiten hat. Im rechten Mittelfeld macht sich Jonathan Pitroipa immer besser. Auf seiner Position könnte ein Schlüsselduell mit Özil stattfinden, da beide viel Offensivpower entwickeln, die Defensivaufgaben jedoch vernachlässigen. Wenn Pitroipa die Lücke zwische Özil und Boenisch auf seiner Seit nutzt, kann er mit seinem Tempo und der inzwischen auch vorhandenen Torgefahr eine große Bedrohung für Werder sein. Der von Schalke ausgeliehene Albert Streit kam in Hamburg bislang nicht zur Entfaltung. Gleiches gilt für Marcel Ndjeng, der nur zu zwei Kurzeinsätzen kam. Thiago Neves wurde nach einer enttäuschenden Hinrunde verlustfrei zurück nach Brasilien verschifft. Ebenfalls nicht zur Verfügung steht der langzeitverletzte Romeo Castelen.

Fazit: Punkt Werder. Die Entscheidung ist enger als man es als Werderfan zugeben will, doch dank Diego hat Werder hier einen Vorteil.

Angriff

Bei Werder ist Claudio Pizarro der erfolgreichste Torschütze. Der von Chelsea ausgeliehene Brasilianer Peruaner ist für Werders Angrfiff extrem wichtig. Durch seine Übersicht und technische Klasse hilft Pizza auch als "Hilfskraft" im Mittelfeld aus und belebt das Kombinationsspiel. Seiner Cleverness und Schlitzohrigkeit stehen jedoch gelegentliche Unkonzentriertheiten im Torabschluss und eine hier und da durchblitzende Lauffaulheit gegenüber. Hugo Almeida ist der Mann mit dem Hammer. Neben einem knallharten Schuss verfügt Almeida auch über eine starke Physis und gutes Kopfballspiel. Almeidas Talent ist offensichtlich, doch jedem Fortschritt des Portugiesen folgt meist schneller Rückschritt. Deshalb ist Almeida auch nicht unumstrittener Stammspieler. Konkurrent Almeidas um die zweite Stürmerposition ist Markus Rosenberg. In der letzten Saison war Rosi mit 14 Treffen bester Torschütze bei den Bremern. Trotz seiner insgesamt starken Trefferquote und Schnelligkeit hat er seinen Stammplatz erstmal verloren. Seine Schwächephasen dauern einfach zu lange. Martin Harnik ist als vierter Mann kein Thema mehr und wurde aus dem Profikader aussortiert.

Ich hielt Mladen Petric lange für den Spieler, der aus dem HSV ein überdurchschnittliches Team macht. Obwohl Petric nach wie vor bester Torschütze der Hamburger ist, hat er momentan nicht einmal einen Stammplatz. Dies ist vor allem der Formsteigerung Paolo Guerreros zu verdanken. Der schon als ewiges Talent verschriene Ex-Bayer blüht in dieser Rückrunde endlich auf und erweist sich immer wieder als entscheidender Spieler der Rothosen. Ivica Olic gehört bereits seit einiger Zeit zu den stärksten Stürmern der Bundesliga. Nach der Saison wird der Kroate, der vor allem über die Außen Gefahr verbreitet zum FC Bayern wechseln. Tunay Torun kam nur zu wenigen Kurzeinsätzen

Fazit: Punkt HSV. Zwar hat Hamburg keinen Dauerbrenner à la Pizarro, doch insgesamt ist die Qualität etwas höher. Rosenberg und Almeida sind im Vergleich zum Hamburger Angriff nicht beständig genug.

Die Trainer

Thomas Schaaf ist bereits seit 10 Jahren Trainer des SV Werder. Eine Meisterschaft und zwei Pokalsiege stehen bislang auf seiner Habenseite. Als größter Erfolg dürften jedoch die fünf aufeinander folgenden Teilnahmen an der Champions League angesehen werden, die in Werders Geschichte beispiellos sind. In dieser Saison wurden Schaaf erstmals Abnutzungserscheinungen nachgesagt. Mit dieser Kritik geht er jedoch äußerst gelassen um. Durch seine stoische Art hat er einen Kultstatus erlangt, wie vor ihm nur Otto Rehagel. Schaafs taktische Fähigkeiten wurden Zeit seiner Karriere eher unterbewertet. Zu deutlich sind bereits seit langer Zeit Werders defensive Schwächen. Doch es gibt keine andere deutsche Mannschaft, die offensiv so variabel spielt wie Werder, was vor allem Schaafs Verdienst ist.

Martin Jol kam vor der Saison neu zum HSV und hat gleich in seinem ersten Jahr beachtliches bewirkt. Hamburg ist in allen Wettbewerben gut vertreten und könnte zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder einen Titel an die Elbe holen. Erstaunlich ist der Wandel von einer soliden Defensivmannschaft unter Stevens zu einer offensiv agierenden unter Jol. Zwar hat der HSV deutlich mehr Gegentore kassiert als vor einem Jahr, doch dafür scheint man in den wichtigen Spielen die richtige Balance zu finden. So steht man trotz höchst durchschnittlichem Torverhältnis in der Spitzengruppe der Bundesliga. Unerhört finde ich, dass mir Jol ausgesprochen sympathisch ist – und das obwohl seine letzten beiden Vereine (HSV, Tottenham Hostpur) eher am unteren Ende meiner persönlichen Beliebtheitsskala liegen.

Fazit: Trotz Jols beeindruckender erster Saison geht der Punkt an Werder. Thomas Schaaf ist cleverer als viele denken und hat in seinen 10 Jahren bei Werder bewiesen, dass er zu den besten deutschen Trainern gehört. Diesen Beweis muss Jol in den nächsten Jahren noch erbringen.

Taktitk

Werder spielt seit etwa 6 Jahren hauptsächlich mit einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Dieses System hat zur Folge, dass der zentrale offensive Mittelfeldspieler (Diego) große Freiheiten genießt, die Mannschaft andererseits jedoch stark von diesem Spieler abhängig ist. In der Bundesliga hat man zuletzt in Abwesenheit Diegos mit einem "flachen" 4-4-2, also mit zwei defensiven Mittelfeldspielern experimentiert. Doch auch im Rautensystem stehen in der Regel zwei eher defensive und zwei eher offensive Spieler auf dem Platz. Werders Stärke liegt im Kombinationsspiel, den Standardsituationen und Einzelaktionen von Diego, Pizarro und ab und an Özil.

Der HSV spielt meistens mit einem flachen 4-4-2, kann allerdings auch das Rautensystem mit Trocho
wski in der Mitte spielen. Die Stärken liegen bei den offensiven Außen, der Geschlossenheit der Mannschaft und dem großen Kader. In dieser Saison haben sich die Hamburger zu einer starken Allroundmannschaft entwickelt, die kaum richtige Schwächen hat. Es wird daher vieles von Werders Form abhängen. Man wird eine ähnlich starke Leistung wie gegen den AC Milan benötigen um Hamburg zu schlagen.

Gesamtfazit

Die Spiele werden vermutlich allesamt knappe Angelegenheiten. Die vielzitierte mystische "Tagesform" (was immer das eigentlich sein soll) wird wohl entscheiden. In Topbesetzung halte ich Werder noch immer für einen Tick stärker als den HSV. Fallen wichtige Spieler aus, hat Hamburg die stärkeren Alternativen auf der Bank.

Ach, was soll's. Ich hab's versucht, aber… WIR haben einfach den Längeren!

Und jetzt: Auf geht's Werder kämpfen und siegen!

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 2) 0

Gepostet am 22. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hier nun der zweite Teil des ultimativen Schwanzvergleichs. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Anzahl der Nordderbys und meiner begrenzten Zeit, wird der Schwanzvergleich noch ein weiteres mal aufgeteilt. Heute vergleiche ich die Defensivabteilungen der beiden Mannschaften. Im dritten und dann wirklich letzten Teil des Schwanzvergleichs folgen dann die Offensivabteilungen sowie die Trainer und Taktik.

Torwart

Vor ziemlich genau 10 Jahren begann die Bundesligakarriere des Frank Rost. Nun gut, eigentlich hatte er schon seit Oliver Recks Weggang 1998 den Stammplatz im Werdertor, doch stand er nach längeren Engewöhnungsproblemen und Patzern in der Kritik. Bis zum Pokal-Halbfinale in Wolfsburg, wo er eine überragende Partie hinlegte und Werder mit zahlreichen Glanzparaden den Finaleinzug sicherte. Als er dann auch noch im Finale das Elfmeterschießen für Werder entschied, wurde er in Bremen bis zu seinem Abgang 2002 zur Kultfigur. Beim HSV hat sich Rost nach seiner Demission auf Schalke inzwischen gut eingelebt. Er gehört wieder zu den besten Torhütern der Liga und ist besonders in der Rückrunde ein wichtiger Rückhalt für seine Mannschaft.

Tim Wiese hat noch immer unter seinem Image als Sonnenbank gebräunter Bodybuilder zu leiden. Dabei ist seine Entwicklung in den letzten 15 Monaten erstaunlich. Im Winter 07/08 begann Wiese damit, sein Spiel umzustellen und wandelte sich von einem reinen Reflexgott auf der Linie zu einem mitspielenden Torwart. Es wird kolportiert, dass er mehr als 10 kg abgenommen hat. Die Belohnung kam in Form einer Einladung zur Nationalmannschaft, wo er bislang keine ernsthafte Chance bekam, doch kontinuierlich eingeladen wird. Wiese spielt eine starke Saison, sein Spiel wirkt insgesamt reifer und ausgewogener. In Berlin wirkte er in 1-2 Situationen unglücklich. Seine Strafraumbeherrschung ist nach wie vor verbesserungsfähig. Dazu kommt die Hypothek, in den letzten 3 Jahren zweimal zu einem großen Teil Schuld an Werders Ausscheiden aus dem Europacup zu tragen.

Fazit: Unentschieden

Innenverteidigung

Per Mertesacker und Naldo bilden eines der körperlich größten Innenverteidiger-Duos des Weltfußballs. Beide sind dank ihrer Größe extrem kopfballstark und weisen auch auf dem Boden sehr gute Zweikampfwerte auf. Eine weitere Stärke der beiden ist die Fähigkeit, im letzten Moment die Grätsche auszupacken und so gefährliche Situationen zu entschärfen. Merte verfügt dazu über ein vorzügliches Stellungsspiel und lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen. Naldos Ruhepuls dürfte nur unwesentlich höher liegen. Er neigt gelelgentlich zu leichtsinnigen Aktionen und Stellungsfehlern. Naldo schaltet sich häufiger in die Offensive ein, wo ihm vor allem sein gewaltiger Schuss zugute kommt. Die Alternativen heißen Sebastian Prödl, Petri Pasanen oder auch Frank Baumann.

Unter Huub Stevens gehörte der HSV noch zu den defensivstärksten
Mannschaften der Liga. In dieser Saison sieht es hingegen ganz anders
aus. Ungewohnte Schwächen in der Viererkette sind einer der Gründe für die bereits 38 Gegentore in der Liga (nur eins weniger als Werder). Die Konstante in der Innenverteidigung ist Joris Mathijsen. Seit Beginn der Rückrunde heißt sein Partner häufig Michael Gravgaard, der in der Winterpause vom FC Nantes verpflichtet wurde. Bastian Reinhardt, bis zur Winterpause noch Stammspieler, ist seit seinem Mittelfußbruch beim Rückrundenauftakt verletzt und kein Thema für die Spiele gegen Werder. Dritter im Bunde ist Alex Silva, ebenfalls ein Neuzugang. Von den möglichen Kombinationen halte ich das Duo Mathijsen – Gravgaard für das stärkste, weil sich die Spieler gut ergänzen.

Fazit: Unentschieden mit leichter Tendenz Werder, wenn die "Twin-Towers" ihre Nerven im Griff haben.

Außenverteidigung

Clemens Fritz hat wohl eine der längsten Formkrisen überstanden, die je ein Spieler ohne Stammplatzverlust durchlebt hat. Hier wird auch schon das Bremer Problem deutlich: Die Personaldecke auf den Außen ist äußerst dünn. Auf rechts ist Fritz quasi konkurrenzlos. Nachwuchsmann und U19-Weltmeister Diekmeier wurde in der Winterpause abgegeben. Aushilfsweise füllt Innenverteidiger Prödl die Position aus, wenn Not am Mann ist. Auf der linken Seite darf der junge Sebastian Boenisch fleißig Spielpraxis sammeln. Zumindest in der Defensive ist bei ihm eine Verbesserung erkennbar. Petri Pasanen, der in der letzten Saison einen sehr anständigen Linksverteidiger abgab, konnte seine Eignung für die Stammelf nicht bestätigen. Der ursprünglich mal als erste Wahl geltende Dusko Tosic ist durch schwache Leistungen in Spiel und Training in Schaafs Gunst so weit gesunken, dass er nicht mal mehr zum Einsatz kommt, wenn auch in der B-Jugend alle Spieler verletzt sind.

Auffälligster Außenverteidiger beim HSV ist in dieser Saison Marcell Jansen. Seit seinem Wechsel vom FC Bayern blüht der frühere Gladbacher wieder auf und macht die schwachen Eindrücke von der EM 2008 vergessen. Dank seiner Offensivstärke kann er auch im linken Mittelfeld spielen. Auf der rechten Seite konkurrieren Jerome Boateng und Guy Demel um den Stammplatz. Ich halte Boateng insgesamt für den Stärkeren. Demel ist vielseitig und beständig, bei Boateng sind die Formschwankungen etwas größer. Wenn es überhaupt einen Weak Spot in der Hamburger Viererkette gibt, dann dort. Hier könnte eine Chance für Werder liegen, falls Özil einen guten Tag hat. Allerdings kann Boateng in Topform einen Spieler wie Özil auch völlig aus der Partie nehmen. Die zweite Garde wirkt deutlich weniger furchteinflößend: Collin Benjamin und der unverwüstliche Thimothee Atouba stellen nicht mehr als Bundesliga-Mittelmaß dar.

Fazit: Der Punkt geht klar an den HSV. Auf Fritz und Boenisch wird gegen die starken HSV-Außen jede Menge Arbeit zukommen. Werder ist traditionell durch die Mitte stärker. Am ehesten könnte Özil über links für Gefahr sorgen.

Defensives Mittelfeld

Die Ära Baumann neigt sich bei Werder ihrem Ende entgegen. Der Kapitän hat in der Rückrunde seinen Stammplatz verloren und wird vermutlich auch gegen den HSV auf der Bank sitzen. Torsten Frings bekleidet in der Rückrunde die Position vor der Abwehr, was seinem Spiel sichtlich gut tut. Der Nationalspieler ist zwar noch weit von seiner Bestform aus dem Jahr 2006 entfernt, doch die gröbsten Unsicherheiten aus der Hinrunde hat er abgelegt. In puncto Zweikampfführung macht ihm wieder kaum jemand etwas vor. Um die ehemalige Frings-Position im halbrechten Mittelfeld wetteifern nun Alexandros Tziolis und Peter Niemeyer. Niemeyers Stil und seine Abgeklärtheit gefallen mir gut, doch man merkt auch, dass er nach den vielen und langen Verletzungspausen noch etwas mehr Zeit braucht. Tziolis zeigt in den letzten Spielen immer mehr, warum Werder ihn ausgeliehen hat. Leider kommen von beiden Kandidaten noch zu wenige Impulse für die Offensive. Für Daniel Jensen, der mit seiner technischen Klasse ein Spiel aus dem defensiven Mittelfeld lenken kann, ist die Saison leider schon beendet. Jurica Vranjes bleibt trotz seiner tollen Bilanz nur die Rolle als Notnagel.

Beim HSV schwalbt David Jarolim nun bereits seit sechs Jahren durchs Mittelfeld. Seine permanente Fallsucht lässt es fast etwas in den Hintergrund treten, dass er ein wirklich guter Fußballer ist. Beim Duell mit Diego geht es schließlich nicht nur darum, wer wohl häufiger am Boden liegt. Wirklich beeindruckt hat mich in dieser Saison Dennis Aogo – ein Name, der mir vor der Saison nur sehr wenig sagte. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass sich der Ex-Freiburger in der 1. Liga so schnell durchsetzen würde. Der im Winter verpflichtete Mickael Tavares ist für den UEFA-Cup nicht spielberechtigt, macht ansonsten aber einen guten Eindruck. Es macht sich jedenfalls nicht negativ bemerkbar, dass man Nigel de Jong in der Winterpause für 85 Fantastilliarden Euro nach Manchester schickte. Dahinter wird es allerdings schon eng. Einen weiteren DM von gestandenem Format hat man nicht.

Fazit: Unentschieden mit Tendenz für Werder, da der ansonsten üppige Kader des HSV hier etwas dünn besetzt ist.

Zwischenfazit: Es ist ein enges Rennen, in dem der HSV dank der stärkeren Außenverteidiger leicht im Vorteil sein könnte. Werder zeigt sich defensiv zwar stark verbessert, hat die zweitwenigsten
Gegentore der Rückrunde kassiert, doch strahlt selten Souveränität aus. Insgesamt ist es aber too close to call, da sich beide Mannschaften in der Defensive als anfällig erwiesen haben.



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