Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



HSV-Bashing (22): Die Charme-Offensive 0

Gepostet am 2. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Liebe Hamburger,

ich habe es mir jetzt lange genug mit angeschaut. Schlimm genug, dass ihr die Dreistigkeit besitzt, einfach das Bremer Erfolgsrezept aus hanseatischen Kaufmannsprinzipien, gutem Scouting, kompetenter sportlicher Führung und Geduld zu kopieren. Doch langsam geht ihr zu weit. Da gibt Didi Beiersdorfer kurz vor Beginn der Verlängerung des DFB-Pokals ein Interview, das in Anbetracht der Umstände fast schon eine Bewerbung für einen Fair-Play-Preis sein könnte. Und nun biedert sich auch noch der sowieso schon ekelhaft sympathische Martin Jol mit Aussagen an, die so ehrlich und vernünftig klingen, dass sich einem als Werderfan der Magen umdreht:

"Das ist verrückt, wenn man alle drei Tage ein Spiel hat. Das kann Chelsea wegstecken und Liverpool. Das sind solche starken Mannschaften, mit fantastischen Kadern, dass sie leicht in der Woche drei Spiele machen können. Wir haben das nicht, trotzdem sind wir mit ein bisschen Zufall, viel Charakter und Mentalität lange in drei Wettbewerben dabei gewesen. Und wenn es mich auch manchmal wundert: Meine Spieler leben immer noch."

So etwas wollen wir aus der Weltstadt Hamburg nicht hören. Wir wollen latent größenwahnsinnige Statements, Allmachtphantasien oder zumindest leicht überhebliche Schmähungen gegen die grünweißen Provinzkicker. Tim Wiese hatte mit seinen Spitzen doch eigentlich perfekte Vorarbeit geleistet und dann noch die Frechheit besessen, direkt vor eurer Fankurve drei Elfmeter zu halten. Nach dem Auswärtssieg am Donnerstag hätte ich da schon etwas mehr Schadenfreude erwartet. Payback is a bitch!

Nun gut, man kann niemanden zu seinem Unglück zwingen. Trotzdem kann es so nicht weitergehen. Ich schlage vor, ihr lasst euch für das dritte Nordderby am Donnerstag endlich ein paar markige Worte einfallen und ich google in der Zwischenzeit mal "kognitive Dissonanz".

UEFA-Cup Halbfinale, Hinspiel: Mach’s noch einmal, Tim 0

Gepostet am 1. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 0:1

Nach dem Spiel sprach Torsten Frings von diesem einen Fehler, den Werder gemacht und den der HSV bestraft habe. Ich fragte mich in dem Moment, ob der Lutscher vom selben Spiel sprach, das ich gerade am Bildschirm verfolgt hatte. Denn egal wie man das Spiel bewertet, eine nahezu fehlerfreie Leistung kann man Werder nun wirklich nicht bescheinigen.

Ich sah ein Spiel, in dem Werder 45 Minuten lang große Probleme hatte, gegen einen konzentriert agierenden Gegner auch nur in die Nähe dessen Tors zu kommen. Im Aufbauspiel machte die Elf von der Weser zu viele Fehler und kam bei den wichtigen Zweikämpfen meist einen Tick zu spät (Frings!). Man hatte es dem erneut starken Tim Wiese zu verdanken, dass es zur Pause bei einem Gegentor geblieben war. Die Führung war für den HSV zur Halbzeit denn auch eindeutig verdient.

Das Tor von Piotr Trochowski war kurios, weil der nur 169 cm kleine Mittelfeldspieler nicht unbedingt als Kopfballungeheuer gilt. Clemens Fritz hatte durch einen Stellungsfehler den Kopfball überhaupt nur ermöglicht. Doch in der Entstehung war es ein wirklich gut herausgespielter Treffer. Pitroipa verzögert gut und nimmt Demel mit, der dann – Stellungsfehler hin oder her – eine ganz starke Flanke schlägt. So sieht gutes Flügelspiel aus.

In der zweiten Hälfte zeigte die Mannschaft dann fast alles, was sie in dieser Saison in den Pokalwettbewerben so weit gebracht hat – bis auf den Torabschluss. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit insgesamt schon überdurchschnittlich war, wurde nun noch besser und packender. Ich kann die negativen Bewertungen seitens des Kommentators und einiger meiner Mitgucker nicht verstehen. Spiele dieser Intensität und Geschwindigkeit gibt es in der Bundesliga vielleicht fünf pro Saison. Eines Halbfinales war das absolut würdig. Eines Halbfinales ganz und gar nicht würdig war Premieres Bildregie. Ich weiß nicht welcher betrunkene Aushilfspraktikant dort hinter den Reglern saß, doch mein vierjähriger Neffe hätte vermutlich keinen schlechteren Job gemacht.

Werder schaffte es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die taktisch gut arbeitenden Hamburger hinten rein zu drängen und sich eigene Chancen zu erspielen. Der HSV blieb bei Kontern gefährlich. Vom Spielverlauf her hätten gut und gerne 3-4 Tore mehr fallen können. Man konnte allerdings auch sehen, dass bei der hohen Geschwindigkeit beide Mannschaften ihre Angriffe nicht mit der notwendigen Präzision abschließen konnten. Die Hamburger ließen einige sehr vielversprechende Konterchancen liegen, während Werder der Ausgleich einfach nicht gelingen wollte. So war der Hamburger Sieg am Ende zwar glücklich, aber dennoch nicht ganz unverdient.

Der Knackpunkt lag bei Werder meiner Meinung nach im defensiven Mittelfeld. Was im Hinspiel mit Baumann-Frings noch so super geklappt hatte, funktionierte gestern Abend mit Frings-Tziolis zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht. Sollte Frings in Zukunft nicht mehr im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft eingesetzt werden, kann er sich die Aufzeichnung dieses Spiels noch einmal anschauen, um zu verstehen warum. Er lief sich zwar einen Wolf, hatte aber die Antizipation eines Altherrenspielers. Eigentlich komisch, denn er hatte doch letzte Woche erst gezeigt, dass er noch zu großen Taten fähig ist. An Tziolis gefällt mir, dass er sich nicht verunsichern lässt, egal wie wenig ihm am Ball auch gelingt. Die Leistung gestern reichte jedoch nicht aus, um seine Aufstellung zu rechtfertigen.

Die vermeintlich offensivere Variante ging also nach hinten los, was zur Folge hatte, das Diego das Spiel deutlich tiefer gestalten musste, als es ihm (und mir) Recht sein konnte. Diegos Leistung würde ich als gut bewerten, doch in der ersten Halbzeit trug seine Arbeit kaum Früchte. Erst in der zweiten Hälfte, als Diego im offensiven Mittelfeld mehr Unterstützung vom nun immer stärker auftrumpfenden Mesut Özil bekam, erspielte sich Werder langsam ein Übergewicht. Eine Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss verhinderte den Ausgleich, der Werder eine etwas erträglichere Ausgangssituation fürs Rückspiel beschert hätte.

Dennoch ist die Situation keineswegs aussichtslos. Die Vorzeichen sind klar: Werder braucht einen Sieg. Wenn Werder in Hamburg ähnlich konzentriert aufspielt wie vor einer Woche, könnte die niedrige Anzahl an Toren im Heimspiel – "Europapokalarithmetik" sei dank – zu einem Vorteil werden. Es wird Zeit für den ersten Auswärtssieg im UEFA-Cup. Bis dahin haben wir jedoch erstmal die Pappnase auf. Damit muss man leben. In der Vorbereitung auf das Spiel kann es sogar hilfreich sein.

Noch ein Wort zum Unparteiischen: Howard Webb war trotz einiger weniger umstrittener Entscheidungen ein guter Schiedsrichter. In der Bewertung des Handspiels in der Schlussphase kann man sicher anderer Meinung sein und Demel hatte großes Glück, dass Webb seinen Sprung mit Bein und Ellenbogen voraus nicht sah. Webb hätte vermutlich auch dann nicht mehr als Gelb gezeigt, doch die Aktion war dicht am Platzverweis. Insgesamt kann ich die deutsche Begeisterung für englische Schiris aber nicht so ganz nachvollziehen (die meisten Engländer wohl auch nicht), doch das ist ein Thema für sich, auf das ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch näher eingehen werde.

DFB-Pokal Halbfinale: Spielbericht 0

Gepostet am 23. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem heute sehr Adrenalin geladenen Liveblog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Gerade noch vor
dem Anpfiff nach Hause gekommen und mit dem Bloggen fertig geworden.
Gleich geht es los mit dem ersten Nordderby!
Kurz vor Anpfiff noch der letzte Teil des ultimativen Schwanzvergleichs zwischen Werder und dem HSV: http://bit.ly/UoIDF. Der Adrenalinspiegel steigt, die Finger werden warmgetippt, das Bier steht noch kalt. Auf geht's Jungs!

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Fritz, Merte, Naldo, Boenisch – Baumann, Frings, Özil, Diego – Pizarro, Almeida

HSV: Rost – Demel, Mathijsen, Gravgaard, Aogo – Jarolim, Silva, Guerrero, Jansen – Olic, Petric

Das Spiel:

1' Los geht's!

3' Es ist Stimmung in der Bude! Gellendes Pfeifkonzert gegen Almeida, der in Almeida Rost reinrauscht.

6' Erste Chance Werder. Özil über rechts in den Strafraum, scharfe flache Hereingabe, Almeida verpasst knapp am langen Eck.

10' Noch viele Ungenauigkeiten im Spiel. Doch beide Mannschaften versuchen Druck zu machen, auch wenn der Respekt zu spüren ist.

11' HSV – Werder 0:1, Mertesacker. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRR!!!!!! TOR, TOR, TOR!!!!!!! MERTE!!!!!!!!!!!! Diego mit Riesenfreistoß ans Gebälk, Merte macht den Abstauber rein. YES!!!

16' Petric teilt aus im Werderstrafraum aus springt Mertesacker in den Rücken. Spiel mit viel Herzblut und Kampf.

18' Klasseaktion von Guerrero. Zieht von links mit Schwung in die Mitte und schießt aus 22 m drauf. Knapp links daneben.

20' Gelb für Guerrero, der erst sauber von Frings vom Ball getrennt wird und dann ein Revanchefoul begeht.

22' Naldo mit dem Freistoß aus 40m aufs Tor. Nicht einfach für Rost, aber gehalten.

24' Nächster Freistoß Werder aus ähnlicher Position wie vor dem 1:0. Wieder Diego, aber von der Mauer abgefälscht.

26' Vielleicht
liegt's an den Außenmikros, aber die Werderfans machen seit dem 1:0 die
Musik. Und Werder bislang mit ganz starker Leistung!

29' Boenisch mit Freiheiten auf links, von Özil super freigespielt und knallt drauf. Rost lenkt den Ball übers Tor.

30' Werder so
deutlich überlegen, dass es mir ein bisschen Angst macht. Frings und
Diego dominieren das Mittelfeld, dazu starke Teamleistung.

34' Jetzt mal Freistoß Hamburg aus guter Position nach Foul von Pizarro… Petric in die Mauer.

38' Es ist nicht
so, dass Werder hier viele Torchancen hätte, aber man hat den HSV in allen Belangen im Griff. Geht das über 90 Minuten?

40' Ecke Frings und Naldo kommt mit Tempo angesprungen, köpft jedoch klar daneben.

43' Hamburg stört
jetzt früher und konsequenter. Zum ersten Mal im Spiel eine kleine
Druckphase, da Werders Ballsicherheit etwas weg ist.

45' Zwei Minuten Nachspielzeit.

45+2' Nochmal Ecke Werder. Rost fängt ab. Pausenpfiff!

Halbzeit: HSV – Werder 0:1. Meine Herren, ich bin beeindruckt. Weiß nur nicht, ob mehr von Werders Stärke oder Hamburgs Schwäche. Aber Werder wäre nicht Werder, wenn man nicht befürchten müsste, dass man noch mal anfängt zu Wackeln. Hoffen wir das beste.

46' Es geht weiter. Beim HSV kommt Pitroipa für Guerrero um das Mittelfeld zu verstärken.

47' Flanke Jansen, Wiese verschätzt sich, aber Pietroipa verpasst ganz knapp. Riesenchance für den HSV!

49' Fritz klärt etwas überhastet zur Ecke. Naldo köpft raus und Petric mit Drehschuss weit drüber.

56' Ecke Werder durch Diego, per Kopf auf den langen Pfosten verlängert, wo Mathijsen vor Pizza am Ball ist.

59' Werder nicht
mehr so dominant wie in Halbzeit 1, aber Hamburg nur mit 5 starken Minuten,
seitdem wieder viel Leerlauf bei den Rothosen.

61' Zweiter Wechsel beim HSV. Trochowski für Aogo. Jansen geht dann wohl hinten links in die Kette.

64'
Raumaufteilung beim HSV nun besser. Werder etwas zu passiv, jedoch
bislang ohne groß ins Schwimmen zu geraten. Taktisch diszipliniert.

66' Und fast das Eigentor von Gravegaard! Flanke Fritz nimmt er im 5er äußerst unglücklich und lenkt ihn knapp übers Tor!

67' HSV – Werder 1:1, Olic. Erst Großtat von Wiese gegen Olic. Demel im Nachschuss und Olic bekommt den Schlappen dran.

69' Jetzt muss
Werder den Punch aus den ersten 30 Minuten wiederfinden. Derweil eine
Quatschentscheidung von Kircher gegen Pizarro!

73' Freistoß von Naldo landet bei Diego, der sucht die Lücke und lässt sich dann Fallen. Kein Elfmeter.

78' Werder tut wieder mehr nach vorne. Boenisch mit Schuss aus dem Hinterhalt in Rosts Arme. HSV setzt auf Konter.

81' Merte geht mit in die Sturmspitze verstolpert aber nach tollem Diego-Pass aus aussichtsreicher Position.

85' Boenisch marschiert durchs gesamte Mittelfeld und wird dann von von den Beinen geholt. Almeida sieht nachträglich Gelb.

86' Erster Wechsel Werder: Rosenberg für Almeida. Der Wechsel war fällig!

88' Werder zwar mit mehr Ballbesitz und Zug nach vorne, aber das wirkt nicht richtig gefährlich und souverän!

90' Nachspielzeit läuft. 2 Minuten angezeigt.

90+1' Özil setzt sich über links durch, Jarolim senst ihn um und sieht Rot! Das ist ein Hammer!

90+2' Hektik
jetzt. Spieler und Trainerbänke beschimpfen sich. Jarolims Foul war
sehr hart, aber mMn nicht als Notbremse zu werten.

Zwischenstand nach 90 Minuten: HSV – Werder 1:1. Es gibt Verlängerung! Ich glaube nicht, dass es Rot wegen Notbremse war sondern weil Jarolim nicht mal ansatzweise in Richtung Ball geht.

91' Die Verlängerung läuft!

93' So stark Frings in der ersten Halbzeit war, so schwach sind einige seiner Pässe jetzt. Werder am Drücker, HSV hinten drin.

94' Rosenberg mit der Chance! Kaum sag ich was kommt ein Klassepass von Frings, aber Rost rettet gut gegen Rosenberg.

96' Ecke Diego, Kopfball Naldo aufs Tor, wieder stark gehalten von Rost, dem Bremer Pokalhelden von '99.

97' Spiel auf ein Tor. Frings aus der Distanz deutlich drüber.

99' Werder pennt im defensiven Mittelfeld. Unbedrängt kann Boateng 5m vor der Viererkette in die Mitte ziehen und draufschießen!

101' Wenn Boenisch technisch doch nur etwas stärker wäre, dann wäre er ein richtig guter Außenverteidiger.

105' Tziolis kommt für Baumann. Auch dieser Wechsel ergibt Sinn.

Halbzeit
Verlängerung: HSV – Werder 1:1.
Spiel nur noch in Hamburgs Hälfte.
Werder mit Chancen, aber ohne Abschlussstärke und Glück.

106' Weiter jetzt!

108' Freistoßchance Naldo, Rost mit guter Parade.

109' Vier Hamburger setzen sich gegen 7 Bremer durch. Olic mit schwachem Schuss aus guter Position. Zum Glück!

111' Ich springe
gleich in den Fernseher! Was Werder in den letzten 5 Minuten spielt ist
ein schlechter Witz! Trochowski fast mit dem Tor.

112' Wird Rethy dafür bezahlt in der Verlängerung 30 Minuten lang über das Elfmeterschießen zu sprechen?

115' Schnellkurs in schlechter Raumaufteilung: Werderangriff anschauen!

118' Nochmal Ecke Werder. Vielleicht geht ja was nach Standards… Nö. Foul gegen Merte gepfiffen. Hat der Rethy heute ein Statistikbuch gefrühstückt?

120' Pitroipa ganz frei vor Wiese, aber der passt auf und räumt Ball samt Spieler fair ab! Sensationell!

Ende Verlängerung: HSV – Werder 1:1. Es gibt das von Rethy herbeigesehnte Elfmeterschießen.

Elfmeterschießen:

1:0 – Mathijsen schießt unten rechts und trifft. Sehr stark geschossen!

1:1 – Pizarro an den linken Innenpfosten, von dort rein. Das war knapp!

Wiese hält gegen Boateng!!!

1:2 – Özil ganz abgezockt, verlädt Rost.

Wiese hält gegen Olic!!!

1:3 Frings mit Wucht unter die Latte, ganz ganz knapp!

Wiese hält gegen Jansen, taucht in die von ihm aus rechte untere Ecke. Unglaublich! Sensationell!

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!

WIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEESSSSSSEEEEEEE!!!

BERLIN!!!!!!! BERLIN!!!!!! WIR FAHREN NACH BERLIN!!!!!!!!!!!!!!!!

Endstand: HSV – Werder 1:3 i.E. (1:1 n.V.). Wiese! Mir fällt nichts ein außer JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Danke an alle Follower für Glückwünsche und WIESE-Rufe! Bin noch fertiger als gestern nach dem Arsenal-Spiel. FINALE!!!

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 3) 2

Gepostet am 22. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Und pünktlich vor dem Anpfiff des ersten Nordderbys nun der letzte Teil des ultimativen Schwanzvergleichs zwischen Werder Bremen und dem HSV.

Offensives Mittelfeld

Das offensive Mittelfeld bei Werder hat einen Namen: Diego. Nach einer wechselhaften Hinrunde hat der kleine Brasilianer wieder zu seiner Bestform gefunden und dominiert das Bremer Spiel wie nie zuvor. Diego kämpft, dribbelt, schlägt Traumpässe und macht die Tore auch selbst. In seinen letzte 3 Spielen schoss Diego ganze 5 Tore, und das obwohl er dabei zwei Elfmeter verschoss. Ist Diego richtig fit, ist er der Spieler, der für Werder den Unterschied macht. Er ist eigentlich nur zu stoppen, wenn man ihn durch andauernde Nickligkeiten zur Weißglut treibt und in 1-gegen-1-Duelle um den Mittelkreis verwickelt. Mesut Özil ist der Aufsteiger der Saison in Bremen. An guten Tagen ist er kongenialer Partner für Diego, der durch seine Dribbelstärke und technische Klasse das Angriffsspiel beleben kann. An schlechten Tagen schlurft Özil leider noch zu häufig mit hängenden Schultern über den Platz und verliert das Selbstvertrauen. Aaron Hunt ist auch durch zahlreiche Verletzungen nicht über den Status als Ergänzungsspieler hinaus gekommen. Er hat seine Stärken auf der linken Außenbahn, weist im Vergleich zu Özil aber noch zu viele Schwächen auf. Fürs Pokalspiel fällt Hunt wegen Verletzung genauso aus wie Daniel Jensen, der im Mittelfeld jede Position ausüben kann und neben Diego der einzige wirkliche Spielmacher bei Werder ist.

Der große Aufsteiger im Hamburger Mittelfeld ist Piotr Trochowski. Vor einem Jahr noch ob seiner Nominierung für den EM-Kader belächelt, zeigte sich Trochowski in dieser Saison in beeindruckender Form. Er kann sowohl hinter den Spitzen als auch auf der linken Außenbahn spielen, so dass Jol bei der Wahl des Systems große Freiheiten hat. Im rechten Mittelfeld macht sich Jonathan Pitroipa immer besser. Auf seiner Position könnte ein Schlüsselduell mit Özil stattfinden, da beide viel Offensivpower entwickeln, die Defensivaufgaben jedoch vernachlässigen. Wenn Pitroipa die Lücke zwische Özil und Boenisch auf seiner Seit nutzt, kann er mit seinem Tempo und der inzwischen auch vorhandenen Torgefahr eine große Bedrohung für Werder sein. Der von Schalke ausgeliehene Albert Streit kam in Hamburg bislang nicht zur Entfaltung. Gleiches gilt für Marcel Ndjeng, der nur zu zwei Kurzeinsätzen kam. Thiago Neves wurde nach einer enttäuschenden Hinrunde verlustfrei zurück nach Brasilien verschifft. Ebenfalls nicht zur Verfügung steht der langzeitverletzte Romeo Castelen.

Fazit: Punkt Werder. Die Entscheidung ist enger als man es als Werderfan zugeben will, doch dank Diego hat Werder hier einen Vorteil.

Angriff

Bei Werder ist Claudio Pizarro der erfolgreichste Torschütze. Der von Chelsea ausgeliehene Brasilianer Peruaner ist für Werders Angrfiff extrem wichtig. Durch seine Übersicht und technische Klasse hilft Pizza auch als "Hilfskraft" im Mittelfeld aus und belebt das Kombinationsspiel. Seiner Cleverness und Schlitzohrigkeit stehen jedoch gelegentliche Unkonzentriertheiten im Torabschluss und eine hier und da durchblitzende Lauffaulheit gegenüber. Hugo Almeida ist der Mann mit dem Hammer. Neben einem knallharten Schuss verfügt Almeida auch über eine starke Physis und gutes Kopfballspiel. Almeidas Talent ist offensichtlich, doch jedem Fortschritt des Portugiesen folgt meist schneller Rückschritt. Deshalb ist Almeida auch nicht unumstrittener Stammspieler. Konkurrent Almeidas um die zweite Stürmerposition ist Markus Rosenberg. In der letzten Saison war Rosi mit 14 Treffen bester Torschütze bei den Bremern. Trotz seiner insgesamt starken Trefferquote und Schnelligkeit hat er seinen Stammplatz erstmal verloren. Seine Schwächephasen dauern einfach zu lange. Martin Harnik ist als vierter Mann kein Thema mehr und wurde aus dem Profikader aussortiert.

Ich hielt Mladen Petric lange für den Spieler, der aus dem HSV ein überdurchschnittliches Team macht. Obwohl Petric nach wie vor bester Torschütze der Hamburger ist, hat er momentan nicht einmal einen Stammplatz. Dies ist vor allem der Formsteigerung Paolo Guerreros zu verdanken. Der schon als ewiges Talent verschriene Ex-Bayer blüht in dieser Rückrunde endlich auf und erweist sich immer wieder als entscheidender Spieler der Rothosen. Ivica Olic gehört bereits seit einiger Zeit zu den stärksten Stürmern der Bundesliga. Nach der Saison wird der Kroate, der vor allem über die Außen Gefahr verbreitet zum FC Bayern wechseln. Tunay Torun kam nur zu wenigen Kurzeinsätzen

Fazit: Punkt HSV. Zwar hat Hamburg keinen Dauerbrenner à la Pizarro, doch insgesamt ist die Qualität etwas höher. Rosenberg und Almeida sind im Vergleich zum Hamburger Angriff nicht beständig genug.

Die Trainer

Thomas Schaaf ist bereits seit 10 Jahren Trainer des SV Werder. Eine Meisterschaft und zwei Pokalsiege stehen bislang auf seiner Habenseite. Als größter Erfolg dürften jedoch die fünf aufeinander folgenden Teilnahmen an der Champions League angesehen werden, die in Werders Geschichte beispiellos sind. In dieser Saison wurden Schaaf erstmals Abnutzungserscheinungen nachgesagt. Mit dieser Kritik geht er jedoch äußerst gelassen um. Durch seine stoische Art hat er einen Kultstatus erlangt, wie vor ihm nur Otto Rehagel. Schaafs taktische Fähigkeiten wurden Zeit seiner Karriere eher unterbewertet. Zu deutlich sind bereits seit langer Zeit Werders defensive Schwächen. Doch es gibt keine andere deutsche Mannschaft, die offensiv so variabel spielt wie Werder, was vor allem Schaafs Verdienst ist.

Martin Jol kam vor der Saison neu zum HSV und hat gleich in seinem ersten Jahr beachtliches bewirkt. Hamburg ist in allen Wettbewerben gut vertreten und könnte zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder einen Titel an die Elbe holen. Erstaunlich ist der Wandel von einer soliden Defensivmannschaft unter Stevens zu einer offensiv agierenden unter Jol. Zwar hat der HSV deutlich mehr Gegentore kassiert als vor einem Jahr, doch dafür scheint man in den wichtigen Spielen die richtige Balance zu finden. So steht man trotz höchst durchschnittlichem Torverhältnis in der Spitzengruppe der Bundesliga. Unerhört finde ich, dass mir Jol ausgesprochen sympathisch ist – und das obwohl seine letzten beiden Vereine (HSV, Tottenham Hostpur) eher am unteren Ende meiner persönlichen Beliebtheitsskala liegen.

Fazit: Trotz Jols beeindruckender erster Saison geht der Punkt an Werder. Thomas Schaaf ist cleverer als viele denken und hat in seinen 10 Jahren bei Werder bewiesen, dass er zu den besten deutschen Trainern gehört. Diesen Beweis muss Jol in den nächsten Jahren noch erbringen.

Taktitk

Werder spielt seit etwa 6 Jahren hauptsächlich mit einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Dieses System hat zur Folge, dass der zentrale offensive Mittelfeldspieler (Diego) große Freiheiten genießt, die Mannschaft andererseits jedoch stark von diesem Spieler abhängig ist. In der Bundesliga hat man zuletzt in Abwesenheit Diegos mit einem "flachen" 4-4-2, also mit zwei defensiven Mittelfeldspielern experimentiert. Doch auch im Rautensystem stehen in der Regel zwei eher defensive und zwei eher offensive Spieler auf dem Platz. Werders Stärke liegt im Kombinationsspiel, den Standardsituationen und Einzelaktionen von Diego, Pizarro und ab und an Özil.

Der HSV spielt meistens mit einem flachen 4-4-2, kann allerdings auch das Rautensystem mit Trocho
wski in der Mitte spielen. Die Stärken liegen bei den offensiven Außen, der Geschlossenheit der Mannschaft und dem großen Kader. In dieser Saison haben sich die Hamburger zu einer starken Allroundmannschaft entwickelt, die kaum richtige Schwächen hat. Es wird daher vieles von Werders Form abhängen. Man wird eine ähnlich starke Leistung wie gegen den AC Milan benötigen um Hamburg zu schlagen.

Gesamtfazit

Die Spiele werden vermutlich allesamt knappe Angelegenheiten. Die vielzitierte mystische "Tagesform" (was immer das eigentlich sein soll) wird wohl entscheiden. In Topbesetzung halte ich Werder noch immer für einen Tick stärker als den HSV. Fallen wichtige Spieler aus, hat Hamburg die stärkeren Alternativen auf der Bank.

Ach, was soll's. Ich hab's versucht, aber… WIR haben einfach den Längeren!

Und jetzt: Auf geht's Werder kämpfen und siegen!

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 2) 0

Gepostet am 22. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hier nun der zweite Teil des ultimativen Schwanzvergleichs. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Anzahl der Nordderbys und meiner begrenzten Zeit, wird der Schwanzvergleich noch ein weiteres mal aufgeteilt. Heute vergleiche ich die Defensivabteilungen der beiden Mannschaften. Im dritten und dann wirklich letzten Teil des Schwanzvergleichs folgen dann die Offensivabteilungen sowie die Trainer und Taktik.

Torwart

Vor ziemlich genau 10 Jahren begann die Bundesligakarriere des Frank Rost. Nun gut, eigentlich hatte er schon seit Oliver Recks Weggang 1998 den Stammplatz im Werdertor, doch stand er nach längeren Engewöhnungsproblemen und Patzern in der Kritik. Bis zum Pokal-Halbfinale in Wolfsburg, wo er eine überragende Partie hinlegte und Werder mit zahlreichen Glanzparaden den Finaleinzug sicherte. Als er dann auch noch im Finale das Elfmeterschießen für Werder entschied, wurde er in Bremen bis zu seinem Abgang 2002 zur Kultfigur. Beim HSV hat sich Rost nach seiner Demission auf Schalke inzwischen gut eingelebt. Er gehört wieder zu den besten Torhütern der Liga und ist besonders in der Rückrunde ein wichtiger Rückhalt für seine Mannschaft.

Tim Wiese hat noch immer unter seinem Image als Sonnenbank gebräunter Bodybuilder zu leiden. Dabei ist seine Entwicklung in den letzten 15 Monaten erstaunlich. Im Winter 07/08 begann Wiese damit, sein Spiel umzustellen und wandelte sich von einem reinen Reflexgott auf der Linie zu einem mitspielenden Torwart. Es wird kolportiert, dass er mehr als 10 kg abgenommen hat. Die Belohnung kam in Form einer Einladung zur Nationalmannschaft, wo er bislang keine ernsthafte Chance bekam, doch kontinuierlich eingeladen wird. Wiese spielt eine starke Saison, sein Spiel wirkt insgesamt reifer und ausgewogener. In Berlin wirkte er in 1-2 Situationen unglücklich. Seine Strafraumbeherrschung ist nach wie vor verbesserungsfähig. Dazu kommt die Hypothek, in den letzten 3 Jahren zweimal zu einem großen Teil Schuld an Werders Ausscheiden aus dem Europacup zu tragen.

Fazit: Unentschieden

Innenverteidigung

Per Mertesacker und Naldo bilden eines der körperlich größten Innenverteidiger-Duos des Weltfußballs. Beide sind dank ihrer Größe extrem kopfballstark und weisen auch auf dem Boden sehr gute Zweikampfwerte auf. Eine weitere Stärke der beiden ist die Fähigkeit, im letzten Moment die Grätsche auszupacken und so gefährliche Situationen zu entschärfen. Merte verfügt dazu über ein vorzügliches Stellungsspiel und lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen. Naldos Ruhepuls dürfte nur unwesentlich höher liegen. Er neigt gelelgentlich zu leichtsinnigen Aktionen und Stellungsfehlern. Naldo schaltet sich häufiger in die Offensive ein, wo ihm vor allem sein gewaltiger Schuss zugute kommt. Die Alternativen heißen Sebastian Prödl, Petri Pasanen oder auch Frank Baumann.

Unter Huub Stevens gehörte der HSV noch zu den defensivstärksten
Mannschaften der Liga. In dieser Saison sieht es hingegen ganz anders
aus. Ungewohnte Schwächen in der Viererkette sind einer der Gründe für die bereits 38 Gegentore in der Liga (nur eins weniger als Werder). Die Konstante in der Innenverteidigung ist Joris Mathijsen. Seit Beginn der Rückrunde heißt sein Partner häufig Michael Gravgaard, der in der Winterpause vom FC Nantes verpflichtet wurde. Bastian Reinhardt, bis zur Winterpause noch Stammspieler, ist seit seinem Mittelfußbruch beim Rückrundenauftakt verletzt und kein Thema für die Spiele gegen Werder. Dritter im Bunde ist Alex Silva, ebenfalls ein Neuzugang. Von den möglichen Kombinationen halte ich das Duo Mathijsen – Gravgaard für das stärkste, weil sich die Spieler gut ergänzen.

Fazit: Unentschieden mit leichter Tendenz Werder, wenn die "Twin-Towers" ihre Nerven im Griff haben.

Außenverteidigung

Clemens Fritz hat wohl eine der längsten Formkrisen überstanden, die je ein Spieler ohne Stammplatzverlust durchlebt hat. Hier wird auch schon das Bremer Problem deutlich: Die Personaldecke auf den Außen ist äußerst dünn. Auf rechts ist Fritz quasi konkurrenzlos. Nachwuchsmann und U19-Weltmeister Diekmeier wurde in der Winterpause abgegeben. Aushilfsweise füllt Innenverteidiger Prödl die Position aus, wenn Not am Mann ist. Auf der linken Seite darf der junge Sebastian Boenisch fleißig Spielpraxis sammeln. Zumindest in der Defensive ist bei ihm eine Verbesserung erkennbar. Petri Pasanen, der in der letzten Saison einen sehr anständigen Linksverteidiger abgab, konnte seine Eignung für die Stammelf nicht bestätigen. Der ursprünglich mal als erste Wahl geltende Dusko Tosic ist durch schwache Leistungen in Spiel und Training in Schaafs Gunst so weit gesunken, dass er nicht mal mehr zum Einsatz kommt, wenn auch in der B-Jugend alle Spieler verletzt sind.

Auffälligster Außenverteidiger beim HSV ist in dieser Saison Marcell Jansen. Seit seinem Wechsel vom FC Bayern blüht der frühere Gladbacher wieder auf und macht die schwachen Eindrücke von der EM 2008 vergessen. Dank seiner Offensivstärke kann er auch im linken Mittelfeld spielen. Auf der rechten Seite konkurrieren Jerome Boateng und Guy Demel um den Stammplatz. Ich halte Boateng insgesamt für den Stärkeren. Demel ist vielseitig und beständig, bei Boateng sind die Formschwankungen etwas größer. Wenn es überhaupt einen Weak Spot in der Hamburger Viererkette gibt, dann dort. Hier könnte eine Chance für Werder liegen, falls Özil einen guten Tag hat. Allerdings kann Boateng in Topform einen Spieler wie Özil auch völlig aus der Partie nehmen. Die zweite Garde wirkt deutlich weniger furchteinflößend: Collin Benjamin und der unverwüstliche Thimothee Atouba stellen nicht mehr als Bundesliga-Mittelmaß dar.

Fazit: Der Punkt geht klar an den HSV. Auf Fritz und Boenisch wird gegen die starken HSV-Außen jede Menge Arbeit zukommen. Werder ist traditionell durch die Mitte stärker. Am ehesten könnte Özil über links für Gefahr sorgen.

Defensives Mittelfeld

Die Ära Baumann neigt sich bei Werder ihrem Ende entgegen. Der Kapitän hat in der Rückrunde seinen Stammplatz verloren und wird vermutlich auch gegen den HSV auf der Bank sitzen. Torsten Frings bekleidet in der Rückrunde die Position vor der Abwehr, was seinem Spiel sichtlich gut tut. Der Nationalspieler ist zwar noch weit von seiner Bestform aus dem Jahr 2006 entfernt, doch die gröbsten Unsicherheiten aus der Hinrunde hat er abgelegt. In puncto Zweikampfführung macht ihm wieder kaum jemand etwas vor. Um die ehemalige Frings-Position im halbrechten Mittelfeld wetteifern nun Alexandros Tziolis und Peter Niemeyer. Niemeyers Stil und seine Abgeklärtheit gefallen mir gut, doch man merkt auch, dass er nach den vielen und langen Verletzungspausen noch etwas mehr Zeit braucht. Tziolis zeigt in den letzten Spielen immer mehr, warum Werder ihn ausgeliehen hat. Leider kommen von beiden Kandidaten noch zu wenige Impulse für die Offensive. Für Daniel Jensen, der mit seiner technischen Klasse ein Spiel aus dem defensiven Mittelfeld lenken kann, ist die Saison leider schon beendet. Jurica Vranjes bleibt trotz seiner tollen Bilanz nur die Rolle als Notnagel.

Beim HSV schwalbt David Jarolim nun bereits seit sechs Jahren durchs Mittelfeld. Seine permanente Fallsucht lässt es fast etwas in den Hintergrund treten, dass er ein wirklich guter Fußballer ist. Beim Duell mit Diego geht es schließlich nicht nur darum, wer wohl häufiger am Boden liegt. Wirklich beeindruckt hat mich in dieser Saison Dennis Aogo – ein Name, der mir vor der Saison nur sehr wenig sagte. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass sich der Ex-Freiburger in der 1. Liga so schnell durchsetzen würde. Der im Winter verpflichtete Mickael Tavares ist für den UEFA-Cup nicht spielberechtigt, macht ansonsten aber einen guten Eindruck. Es macht sich jedenfalls nicht negativ bemerkbar, dass man Nigel de Jong in der Winterpause für 85 Fantastilliarden Euro nach Manchester schickte. Dahinter wird es allerdings schon eng. Einen weiteren DM von gestandenem Format hat man nicht.

Fazit: Unentschieden mit Tendenz für Werder, da der ansonsten üppige Kader des HSV hier etwas dünn besetzt ist.

Zwischenfazit: Es ist ein enges Rennen, in dem der HSV dank der stärkeren Außenverteidiger leicht im Vorteil sein könnte. Werder zeigt sich defensiv zwar stark verbessert, hat die zweitwenigsten
Gegentore der Rückrunde kassiert, doch strahlt selten Souveränität aus. Insgesamt ist es aber too close to call, da sich beide Mannschaften in der Defensive als anfällig erwiesen haben.

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 1) 0

Gepostet am 21. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Gleich vier Nordderbys stehen in den nächsten drei Wochen bevor. Grund genug, die beiden Mannschaften einmal etwas genauer miteinander zu vergleichen. Heute geht es im ersten Teil um die Geschichte und statistischen Kram, morgen vergleiche ich dann im zweiten Teil die Spielstärke der beiden Mannschaften. Und los geht's.

Gründung

Werder Bremen wurde im Jahr 1899 gegründet. Der HSV beruft sich auf seine längere Geschichte und das Gründungsjahr 1887. Dabei weiß in Bremen jedes Kind, dass der Hamburg-Stellinger erst 1919 das aufrechte Gehen erlernt hat. Mit dem Fußball tut man sich hingegen noch etwas schwer.

Titelsammlung

Hier hat der HSV eindeutig die dickeren Kronjuwelen vorzuweisen: 6 Deutsche Meisterschaften, 1 Sieg im Europapokal der Landesmeister, 1 Europapokal der Pokalsieger, sowie diverse Wald- und Wiesenpokale. Werder steht mit 4 Deutschen Meisterschaften und nur einem Europapokalsieg hinten an. Im DFB-Pokal liegt man jedoch mit 5 zu 3 Siegen in Front. Von Hamburger Seite werden gerne die unzähligen Norddeutschen Meisterschaften zwischen 1948 und 1963 hervor gekramt, in denen man Werder regelmäßig den Hintern versohlte. Selbst Schuld, wenn man sein Pulver so früh verschießt.

Ewige Tabelle

Werder hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, mehr Siege gefeiert, weniger Niederlagen betrauert, mehr Tore geschossen, weniger Gegentore kassiert als der HSV. Deshalb steht Werder (2.) in der ewigen Bundesligatabelle trotz einer gespielten Saison weniger auch vor dem HSV (3.). Dieser Umstand könnte sich jedoch schon während des Nordderby-Marathons ändern, da der Vorsprung derzeit nur noch vier Punkte beträgt. Immerhin bei den Unentschieden haben die Hamburger die Nase vorn. Glückwunsch!

Die jüngere Geschichte

Die Gnade der späten Geburt ersparte es mir bislang, einen Titelgewinn des Hamburger SV bewusst mitzuerleben. 1987 wurde der letzte Pott in die Höhe gestemmt. 1987 spielte beim HSV noch Manfred Kaltz, der Kaiser war Bundestrainer, in Berlin stand eine Mauer und ein Liter Normalbenzin kostete 99 Pfennig. Seitdem hat sich viel getan. Zum Beispiel 3 Deutsche Meisterschaften, 4 Pokalsiege und 1 Europapokalsieg der Pokalsieger des SV Werder Bremen.

Die letzten Begegnungen

Von den letzten zehn Spielen der beiden Mannschaften gewann Werder fünf, der HSV zwei und drei gingen Unentschieden aus. In der Hinrunde siegte Hamburg nach einem Traumtor von Olic mit 2:1. Letzte Saison gewann Werder beide Spiele (2:1, 1:0).

Die letzten wichtigen Begegnungen

Am 1. Mai 2004 schoss Werder den HSV mit 6:0 aus dem Stadion und sich selbst schon einmal warm für den Gewinn der Meisterschaft eine Woche später in München. Uli Hoeneß sah sich daraufhin genötigt, den beiden Vereinen indirekt Absprachen zu unterstellen. Ähnliches hatte es schon 1993 bei Werders 5:0 Sieg im Nordderby gegeben, der Werder mit einem Tor Vorsprung vor dem FC Bayern an die Tabellenspitze bugsierte. Am 13. Mai 2006 siegte Werder mit 2:1 in Hamburg und zog so am letzten Spieltag noch am HSV vorbei auf Platz 2, der die direkte Teilnahme an der Champions League bedeutete. Der HSV bewies wenige Monate später, dass Werder ihm damit eigentlich einen Gefallen getan hatte. Auch letztes Jahr, wiederum im Mai, siegte Werder in der HSH-Nordbank-Arena im Spiel um die Champions League Plätze. Hugo Almeida stellte mit seinem Hammer von der Strafraumgrenze den 1:0 Sieg sicher, ehe Tim Wiese mit seinen Stollen Ivica Olics ohnehin nicht üppiges Haupthaar rasierte.

Diese Saison

Die Ausgangspositionen vor den Spielen könnte unterschiedlicher nicht sein. Während der HSV, unabhängig vom Ausgang, die erfolgreichste und beste Saison seit über zwanzig Jahren spielt, findet sich Werder erstmals seit der Doublesaison 03/04 im Mittelfeld der Tabelle wieder. Trotzdem haben beide Vereine noch Aussichten auf reichlich Gold- und Silberware. Der HSV hat noch in drei Wettbewerben Titelchancen, Werder in zwei. Durch diesen Saisonverlauf geht Werder als leichter Außenseiter in die Spiele gegen Hamburg. Die Spielansetzungen (DFB-Pokalspiel in Hamburg, Rückspiel im UEFA-Cup in Hamburg) sind ein kleiner Vorteil für den HSV, auch wenn Werder in Pokal (4 Siege) und Europapokal (6 Unentschieden) noch ohne Auswärtsniederlage ist. Werder konnte die Liga schon relativ früh abhaken, kann sich zwischen den Pokalspielen mehr oder weniger ausruhen, so dass die Frische ein Vorteil für den SVW sein könnte.

Zwischenfazit

Klarer Vorteil Werder: "Naldo hat eine Riesenkeule." (Zitat: Thomas Schaaf, und der muss es wissen)

(Fortsetzung folgt)

UEFA-Cup Viertelfinale, Rückspiel: One Man Show 0

Gepostet am 18. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Udinese Calcio – Werder Bremen 3:3

Werder bleibt sich treu, in jeglicher Hinsicht: Sechstes Unentschieden im sechsten Auswärtsspiel in dieser Europapokalsaison, defensiv gerät man noch immer schnell ins Schwimmen, auch wenn die Gegentore weniger werden und den Unterschied macht vor allem ein Mann: Diego.

Wenn man sich immer noch darüber ärgern will, dass Diego das Spiel nicht schnell genug macht und sich zu oft in sinnlose Dribblings im Mittelfeld verrennt, dann kann man das nach wie vor tun. Doch was Diego in dieser Rückrunde leistet ist einfach großartig. Obwohl er am Donnerstag ganz offensichtlich nicht 100%ig fit war und das Spiel nicht wie gewohnt an sich riss, war er in den entscheidenden Situationen da und führte Werder ins Halbfinale. Es gibt nicht viele Spieler, die ein Tor wie das zum 1:1 schießen können. Gleiches gilt für das 2:0 im Hinspiel. 5 Tore hat Diego in seinen letzten 3 Spielen gemacht und dabei sogar noch 2 Elfmeter verschossen.

Diego geht mit Leistung voran und reißt dadurch die Mannschaft in dieser wichtigen Saisonphase mit. In allen wichtigen Spielen dieser Rückrunde hat er überzeugt, was für mich eine ganz wichtige Eigenschaft eines Führungsspielers ist. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Form und diesen Killerinstinkt mit in die nächsten Spiele retten kann. Gegen den HSV wird man auf seine Genialität angewiesen sein, denn Hamburg wirkt vor allem mental sehr stark und wird darauf brennen, endlich wieder einmal ein wichtiges Spiel gegen Werder zu gewinnen.

Nun sehen wir also vier Nordderbys in den nächsten drei Wochen. Vier Chancen, die Vorherrschaft im Norden doch noch zu verteidigen, aber auch viermal die Gefahr, ausgerechnet gegen den großen Lokalrivalen die eigenen Saisonziele endgültig zu verspielen. Werder kommt diese Konstellation entgegen: In den Pokalwettbewerben hat die Mannschaft gezeigt, wozu sie fähig ist, wenn es ums Überleben geht und die Einstellung stimmt. In einem Nordderby wird es keiner der Spieler wagen, sich auch nur eine Sekunde lang hängen zu lassen (I'm looking at you, Hugo!). Auch würde sich niemand für die Halbfinalteilnahmen auf die Schulter klopfen lassen, wenn man ausgerechnet dem HSV den Weg in die Finals geebnet hätte. Das kann für Werder nur gut sein.

Am Mittwoch geht es los und ich freue mich auf drei spannende und hoffentlich erfolgreiche Wochen.

Das Leben der Anderen (4): CL Viertelfinale 4

Gepostet am 16. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Bayern München – FC Barcelona 1:1 / 0:4

Wie Barca im Hinspiel gegen chancenlose Bayern aufspielte, war nicht nur demütigend für den deutschen Rekordmeister, sondern auch eine Offenbarung für jeden Fußballfan. Kann Fußball wirklich so schön und erfolgreich sein? So ganz traue ich dem Braten noch nicht, wenngleich Barcelona in dieser Saison einfach phänomenal gut spielt. Bevor sie jedoch gegen eine der englischen Top 4 gespielt haben, lässt sich ihre Leistung nicht endgültig einordnen. Doch egal, wie der Rest der Saison verläuft, über Spieler wie Xavi, Iniesta und Messi wird man in 50 Jahren Gedichte schreiben.

FC Chelsea – FC Liverpool 4:4 / 3:1

7:5 nach zwei Spielen. Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der sich darüber freut, dass Spiele zwischen den beiden Teams nicht mehr durch das erste Tor entschieden werden. Was war das für eine Schlacht am Dienstagabend in London? Nach Chelseas 3:1 Auswärtssieg konnte man nicht mehr unbedingt damit rechnen, ein spannendes Fußballspiel zu Gesicht zu bekommen. Und dann das. Chelsea mit einer ersten Halbzeit wie eine verunsicherte Schülermannschaft. Torwartfehler auf beiden Seiten. Plötzlich dreht Chelsea die Partie und Liverpool zeigt, warum man in den letzten Jahren die erfolgreichste Mannschaft in der Champions League war. Mit so viel Herz spielt kein anderes Team. Beim Stand von 2:2 habe ich aus Scherz zu einem Freund gesagt: Chelsea macht das 3:2 und am Ende gewinnt Liverpool 5:3. Keine 10 Minuten später stand es 3:4. Lampards Tor brachte dann die Entscheidung. Die Blues schmeißen zum zweiten Mal in Folge die Reds aus der Champions League und zeigen sich zum Ende der Saison wieder in ganz starker Form.

FC Arsenal – FC Villareal 3:0 / 1:1

Von den englischen Mannschafte in der Champions League machte Arsenal in dieser Saison den verletzlichsten Eindruck. Dabei ist man nun seit fast einem halben Jahr ungeschlagen. Sehr erfreulich, wie junge Leute wie Gibbs, Walcott und Fabianski gestern Abend aufspielten. Fabregas nähert sich seiner Bestform und auch ohne Gallas, Clichy, Sagna und Almunia steht die Null hinten. Von den verbleibenden Mannschaften ist Arsenal sicher Außenseiter, doch das scheint ihnen in der Champions League besser zu liegen als zu hohe Erwartungen (siehe 2006). Wenn diese lange enttäuschende Saison für Arsenal ein Happy End finden sollte, bauen sie Wenger endgültig ein Denkmal in Nord-London. Villareal musste indes feststellen, dass man ohne Senna nur die Hälfte wert ist.

FC Porto – Manchester United 0:1 / 2:2

Vor einigen Wochen galt Manchester noch als die derzeit wohl stärkste Mannschaft Europas. Der Titelverteidiger drehte in der Liga einsam seine Runden und ist auch in der Champions League seit knapp 2 Jahren ohne Niederlage. Dann folgte eine Schwächephase, die in einer 1:4 Heimklatsche gegen Liverpool kulminierte. Zuletzt fand man in die Erfolgsspur zurück, doch die Souveränität, die die Mannschaft ausstrahlte, ist verloren gegangen. Das 2:2 aus dem Hinspiel war eine schwere Bürde für United und Porto erwies sich als starker Gegner. Am Ende setzten sich individuelle Klasse und Erfahrung durch. Cristiano Ronaldos Tor aus 35 Metern war ein Hingucker. Ein Schuss wie von einem Präzisionsgewehr. Ob es zur Titelverteidigung reicht? Ich glaube eher nicht.

Vorschau auf den UEFA-Cup

Heute dürfen die letzten im Europapokal vertretenen deutschen Mannschaften ran. Sowohl Werder Bremen als auch der HSV müssen auswärts ein 3:1 verteidigen. Bei Werder fällt möglicherweise Diego aus, was die Chancen auf ein Weiterkommen senken würde. Das Gegentor aus dem Hinspiel war sehr ärgerlich. Dennoch sollte man in der Lage sein, auch in Udine zu bestehen. Der zweite Halbfinaleinzug innerhalb von 3 Jahren wäre einer der größten internationalen Erfolge der Vereinsgeschichte, auch wenn es sich noch nicht so anfühlt. Die Hamburger bekommen es in Manchester mit einer harten Nuss zu tun. Zuhause ist ManCity ein ganz anderer Gegner als auswärts. Der HSV wird eine ähnlich gute Leistung wie im Hinspiel benötigen, um sich dort durchzusetzen. 

In den letzten Jahren stand immer eine deutsche Mannschaft im UEFA-Cup Halbfinale (Schalke 2006, Werder 2007, Bayern 2008), um dann sang- und klanglos auszuscheiden. Sollten Werder und Hamburg weiterkommen, wäre auf jeden Fall eine deutsche Mannschaft im Finale. Zum ersten Mal seit 2002. Allein das müsste schon als Erfolg verbucht werden, wie ich überhaupt finde, dass sich der deutsche Fußball wieder im Aufwärtstrend befindet. Nicht im absoluten Spitzenniveau, doch in der Breite scheint es mehr international wettbewerbsfähige Teams zu geben.

HSV-Bashing (21) 0

Gepostet am 28. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Es ist lange her, liebe Hamburger, dass ihr in diesem Blog gebasht wurdet. Ist ja eigentlich auch etwas albern. Doch eine gesunde Rivalität unter Nachbarn kann nicht schaden und alte Traditionen soll man pflegen. Deshalb gibt es also nach langer Zeit mal wieder eine neue Folge des allseits beliebten HSV-Bashings.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 22. Spieltag der Saison 2006/07 wart ihr zu Gast im Weserstadion. Die Vorzeichen waren dabei so klar wie selten: Wir spielten gegen Schalke und Stuttgart um die Meisterschaft und ihr wart Tabellenletzter und musstet euch ernsthafte Sorgen um eure Stadionuhr machen. Doch dann gewannt ihr das Spiel und alles kam ganz anders.

Seitdem hat sich viel verändert. Eure Verantwortlichen haben viel richtig gemacht und so dürft ihr heute gegen Wolfsburg um die Tabellenführung spielen, während wir mit den Bayern um Platz 18 in der Rückrundentabelle ringen. Zum ersten Mal seit vielen, vielen, vielen, VIELEN Jahren könnte man den Eindruck bekommen, ihr wärt auf dem Weg, uns als Nummer Eins des Nordens abzulösen. Ich kann mir gut vorstellen, wie ihr euch darüber freut, dass die kleinen Bremer endlich auch mal wieder mit einer Krise zu kämpfen haben. Und das ist auch völlig ok so. Es sei euch gegönnt, dass von Milliardären gefütterte Inselvereine horrende Beträge für leicht überdurchschnittliche Spieler überweisen. Auch, dass die Dortmunder so freundlich waren, euch die "Tormaschine" Zidan abzunehmen und im Gegenzug einen Weltklassespieler wie Petric zu euch schicken. Es ist ja nicht so, als wäre euer Erfolg nur dem Zufall entsprungen.

Ich kann das so unumwunden eingestehen, weil mir euer Beispiel Hoffnung gibt. Damals, vor zwei Jahren, seid ihr von Platz 18 noch in den UI-Cup und darüber dann in den UEFA-Cup gekommen. Ein perfektes Beispiel, wie man aus einer verkorksten Saison noch etwas zählbares mitnehmen kann. Geschichte wiederholt sich nicht, doch vielleicht endet diese Saison mit umgekehrten Vorzeichen: Hamburg landet am Ende auf Platz 3 hinter dem Überraschungsmeister Hertha BSC, den bis zum 34. Spieltag niemand ernst genommen hat und Werder kommt noch mit Ach und Krach ins internationale Geschäft (den UI-Cup gibt es zum Glück nicht mehr, also darf es gerne auch der UEFA-Cup sein). Und selbst wenn nicht, können wir uns vielleicht trotzdem etwas bei auch abschauen: Vom HSV lernen, heißt Nicht-Absteigen lernen.

Einen kleinen Seitenhieb kann ich mir dann doch nicht verkneifen (der Beitrag muss ja schließlich seinem Titel gerecht werden): Dass wir nun eure supermoderne Fußballarena bezahlen sollen, finde ich dann doch etwas dreist!

Mit besten Grüßen von der Citibank Weser!



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