Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



17. Spieltag: Leistungsgerecht 2

Gepostet am 21. December 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen 2:1

So endet also diese über weite Strecken viel versprechende Hinrunde. Eine Niederlage gegen 10 Hamburger, die sich die drei Punkte sehr hart erarbeitet haben und trotz geschätzten 753 hundertprozentiger Torchancen für Werder diesen Sieg auch verdient haben. Mit 28 Punkten steht Werder nun auf Platz 6 der Tabelle und wenn man ganz ehrlich ist gehört man dort auch hin. Im Fußball geht es eben nicht um Serien, weder niederlagen- noch gegentorlose.

Die Platzverhältnisse in der AOL-Arena oder wie sie gerade heißt waren grauenvoll. Darüber darf man sich als Spieler kurz ärgern, aber dann hat man sich verdammt nochmal damit zu arrangieren und die Spielweise entsprechend anzupassen. Bevor Werder überhaupt gemerkt hatte, dass hier ein Nordderby stattfindet, führte der HSV schon mit 1:0. Leider zeigte Werder danach, wie man momentan mit Druck umgeht: Hunt lässt sich zu 2-3 angedeuteten Tätlichkeiten hinreißen, Wiese stürmt übermotiviert aus dem Tor und schenkt den Hamburgern das 2:0 und ich schwöre hoch und heilig, wenn Marin in der Rückrunde auch nur eine Schwalbe produziert, fahre ich persönlich zum Trainingsplatz und mache ihn noch einen Kopf kürzer, als er sowieso schon ist.

Ab der 30. Minute hatte ich keine Lust mehr, dieses Spiel zu gucken. Es geht mir gar nicht darum, ob der Kontakt zwischen Boatengs Arm und Marins Schulter ausreichend war, um einen 64 Kilo leichten Spieler so zu behindern, dass man es als Regelverstoß ahnden müsste, sondern darum, dass er in der Situation nicht fallen muss. Er fällt aber. So wie er immer fällt, in vergleichbaren Situationen. Ich will das einfach nicht mehr sehen bei Werder! Marin ist ein Riesentalent, aber er ist noch weit davon entfernt in wirklich guter Spieler zu sein. Teil eines “magischen” Drei- bis Vierecks? Lächerlich! Auch Özil ist bei aller Klasse noch immer ein kleiner Junge, der keine Lust mehr hat, wenn man ihm den Ball wegnimmt. Seine Schultern hatten gestern in der zweiten Halbzeit fast schon Bodenkontakt, so sehr ließ er sie hängen. Der bessere Diego?

Erst nach 75 Minuten schien Werder kapiert zu haben, worum es in diesem Spiel eigentlich geht. Selbst danach hätte man die zehn müden Hamburger noch aus ihrem eigenen Stadion schießen können, doch Hunt und Marin trafen wie Naldo in der ersten Hälfte nur die Latte, Borowski schoss aus 16 Metern direkt in Rosts Arme, Pizarro scheiterte aus kurzer Distanz ebenfalls am Keeper und wiederum Hunt und Marin nahmen sich ein Beispiel an Prödl und setzten den Ball aus 4 bzw. 6 Metern am leeren Tor vorbei. Lediglich Naldo traf in der letzten Minute noch 1:2. Zu spät, aber dennoch Grund genug für überschwänglichen Jubel auf Seiten einiger Werderspieler. Na dann.

Was bleibt also an Erkenntnissen nach dieser ersten Auswärtsniederlage seit sieben Monaten? Dass Prödl als rechter Verteidiger nicht bundesligatauglich ist? Keine Neuigkeit, aber vermutlich kein Grund für Allofs in der Winterpause hier tätig zu werden. Es ist dann eben “Pech”, dass Fritz und Boenisch verletzt sind. So kann man es auch sehen. Wie man aber eine “junge Mannschaft” sehen kann, wie Allofs nach dem Spiel ins Sky-Mikrofon diktierte, ist mir ein Rätsel. Jung? Wiese, Naldo, Mertesacker, Pasanen, Frings, Jensen, Pizarro… ach Klausi, selbst Aaron Hunt spielt inzwischen seine sechste Saison als Profi bei Werder.

Dennoch ist nach zwei verlorenen Spielen nicht plötzlich alles schlecht, genau wie vorher nicht alles gut war. Ich glaube auch ich nicht, dass der sportlichen Führung die wahren Probleme verborgen geblieben sind und ich habe immerhin die Hoffnung, dass in der Winterpause daran gearbeitet wird. Sie liegen zum einen im mentalen Bereich. Wo man in der letzten Rückrunde gerade in den entscheidenden Spielen, den nötigen Willen aufbrachte und in Durchschlagskraft umwandelte, bekommt man heute Lektionen erteilt. Dafür spielt man in dieser Saison konstant, was in der letzten Saison völlig abging. The grass is always greener… Andererseits liegen die Problem dort, wo auch die große Stärke liegt: Im Mittelfeld. Einerseits haben wir dort Borowski und Jensen, die das alte Werder-Kombinationsspiel praktizieren, andererseits Özil, Hunt und Marin, die mehr auf 1 gegen 1 Situationen und Schnelligkeit setzen. Gelingt es, diese beiden “Schulen” zusammen zu führen, ist Werder eine absolute Topmannschaft. Gelingt es nicht, zerfällt das Gebilde in seine Einzelteile. Ich habe die Hoffnung, dass es in der Rückrunde noch besser klappt, als schon über weite Strecken der Hinrunde.

Unterm Strich stehen im Kalenderjahr 2009 nach 34 Bundesligaspielen 47 Punkte auf dem Konto. Das ist zwar ebenso eine zahlenspielerei, wie die oben genannten Serien, aber eines hat dieser Autor daraus dennoch gelernt: Nach dem 13. Spieltag gibt man keine Meisterschaftsprognose ab. Period.

Frohe Weihnachten und ein grün-weißes Jahr 2010 allen meinen Lesern!

“Meine Hoffnung ist, dass wir es dieses Jahr packen” 3

Gepostet am 20. December 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute steht das Nordderby an. DAS Nordderby. Nicht irgendein zurecht konstruiertes, sogenanntes “Nordderby” zwischen Werder und Wolfsburg oder Hannover und Rostock. Die Erinnerungen an die vier Nordderbys im Apri und Mai sind noch präsent. Als Werderfan denkt man gerne daran zurück. Grund genug, einmal die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Die andere Seite ist in diesem Fall Florian Neumann, alias nedfuller, der in Neds Blog mit viel Herzblut über den HSV bloggt. Im Interview (meinem ersten hier im Blog) erzählt er unter anderem, warum er mit den Leistungen seiner Mannschaft zufrieden ist, Werder nicht mag und Bruno Labbadia gegenüber skeptisch ist.

Tobias: Hallo Florian, danke, dass du mitmachst bei dem Interview. Nicht unbedingt ganz naheliegend, dich für ein Werder-Blog interviewen zu lassen. Die Saison ist ja bislang für den HSV sehr gemischt verlaufen. Wie beurteilst das insgesamt, bist du zufrieden mit den Leistungen und Ergebnissen?

Florian: Ja und nein. Natürlich bin ich zufrieden, denn wir sind immer noch da wo ich es erwartet habe, auf einem Platz, der für den internationalen Wettbewerb reicht. Bei dem Kader, den wir haben, bin ich insofern ganz froh, dass wir nach den vielen Verletzungen, nicht so stark abgestürzt sind. Es sah am anfang relativ gut aus bei uns, viele Spiele ohne Niederlage, gut gespielt, zwar ab und zu unnötig ein paar Punkte liegen gelassen, aber das doch schon ganz gut gemacht. Durch die ganzen Verletzten war es dann schon sehr eng, was den Kader anging. Deshalb bin ich an sich noch zufrieden.

Du hast das Verletzungspech gerade schon angesprochen. Mit Pechsträhne ist das ja fast noch milde beschrieben. Ich weiß gar nicht, wie viele Verletzte ihr zwischenzeitlich hattet. Dafür, dass so viele Spieler ausgefallen sind, habt ihr euch doch noch ganz gut geschlagen, habt nur vier Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Glaubst du, dass ihr ohne das Verletzungspech jetzt sogar noch wesentlich besser dastehen würdet?

Ja, definitiv. Man merkte es schon im letzten Spiel, als Petric wieder dabei war, dass der Gegner ganz anders gegen uns agiert. Da steht nun kein 19-jähriger Jüngling vorne drin, sondern ein kroatischer Nationalspieler, der in der Bundesliga gefürchtet ist. Dazu kommt irgendwann auch wieder ein Paolo Guerrero, der in den Spielen, die er zu Beginn der Saison gemacht hat, einfach grandios war. Das ist schon ein Unterschied. Es gibt diverse Spiele, bei denen ich in der Kurve gedacht hab: die Flanken kommen rein, aber es steht halt keiner da, der das verwerten kann. Mit den Beiden hätten wir sicher einge Spiele mehr gewonnen, etwa gegen Gladbach oder Hannover.

In den letzten Wochen hat sich eure personelle Situation wieder etwas verbessert. Die Ergebnisse sind ebenfalls besser geworden, die Formkurve geht klar nach oben. Bist du nun sogar traurig, dass die Winterpause kommt oder froh, weil zum Rürckrundenauftakt einige der verletzten Spieler wieder dabei sein könnten?

Ich bin froh, dass die Winterpause kommt, weil wir mit einem kleinen Kader 17 Spiele plus Europa Liga durchmachen mussten, was eben doch sehr anstrengend ist. Auch nach der Winterpause werden weder Ze Roberto noch Guerrero wieder im Kader sein, darauf kann man sich nicht verlassen, deshalb hoffe ich, dass wir für den Sturm noch Verstärkung holen werden.

Heute wurde die nächste Runde der Europa League ausgelost…

Und ich hab euch sooo Schachtjor Donezk gewünscht!

…naja, nun gibt es eben zweimal das Duell Deutschland gegen Holland. Ihr spielt gegen Eindhoven. Bist du zufrieden mit dem Los?

Es hätte wahrscheinlich schlimmer kommen können, gerade wenn man sieht, wie es jetzt Hertha erwischt hat mit Lissabon. Ich kann Eindhoven schlecht einschätzen, weiß gar nicht genau wo die stehen. Ich weiß nur, das Enschede, gegen die ihr nun spielt Erster ist und PSV irgendwo dahinter. Der holländische Fußball ist für mich schwer einzuschätzen. Wir hatten letzte Saison in der Gruppenphase Ajax als Gegner, da haben wir verloren. Wann wir das letzte mal gegen Holländer in der K.O.-Runde gespielt haben weiß ich schon gar nicht mehr. Die Spiele sind im Februar, da steht es auf der Kippe, ob Ze Roberto wieder da ist, aber ich rechne mir gute Chancen aus.

Am Sonntag steht nun das Nordderby an. Lass uns kurz über das Verhältnis zwischen den Vereinen und ihren Anhängern sprechen. Du hast vor dem Interview schon darauf hingewiesen, dass ich nicht auf Sympathien deinerseits gegenüber meinem Verein hoffen kann, weil du Werder nicht magst. Ganz salopp gefragt: Warum eigentlich nicht?

So richtig kann ich gar nicht sagen, warum das so ist. Es hat sicher etwas damit zu tun, dass es ein ewiger Rivale ist, weil Werder Bremen schon immer ein Verein war, gegen den man Derbys hatte. Zum anderen ist es die Abneigung gegen das, was da so passiert. Bremen ist eben doch ein kleines Dorf von uns aus gesehen und trotzdem seid ihr erfolgreich, das muss man schon anerkennen. In den letzten Jahren hattet ihr ein bisschen mehr an Erfolgen als wir. Wir haben in den letzten 23 Jahren keinen Titel gewonnen, bei euch sieht es da etwas anders aus. Das schürt natürlich auch so ein Verhältnis. Ich hab mich immer gefragt, warum wir eine Fanfreundschaft mit Hannover 96 haben. Das liegt natürlich auch daran, dass die uns nicht an den Karren pinkeln. Was mich maßlos geärgert hat war, dass uns Werder in der ewigen Tabelle überholt hat vor zwei Jahren und wir damals auch noch die Champions League Qualifikation verpasst haben im direkten Duell. Das hat weh getan.

Die Rivalität hat also auch etwas damit zu tun, das die Vereine seit langer Zeit auf Augenhöhe sind?

(lacht) Nein, das muss man euch leider zugestehen, das sind wir nicht. Bis auf die letzten paar Jahre. Vorher waren wir es nicht.

Gut, dann lass es mich anders formulieren. Bis in die 70er war das Verhältnis zwischen den Fans gar nicht so schlecht. Vor Gründung der Bundesliga war Hamburg Serienmeister der Oberliga-Nord. in den 60ern gewann Werder zwar mal die Meisterschaft, doch in den 70ern war man eine graue Maus, die immer im Mittelfeld landete. Erst nach dem Wiederaufstieg konkurrierte man sportlich so richtig. 1983 wurdet ihr Meister und wir punktgleich Zweiter. In der Saison gipfelte auch der Hass zwischen den Fans und eskalierte im Tod von Adrian Maleika. Für viele der Ausgangspunkt der heutigen Rivalität zwischen den Fans.

Interessant, dass du das erwähnst. Ich habe gerade im Magazin des Hamburger Supporters Clubs ein Interview mit Maleikas bestem Freund gelesen, der sagt, dass die Situation damals sehr seltsam war. Vorher war nie etwas. Er ist sogar mal bei uns in der Westkurve gewesen und hat dort ein Spiel geguckt. Nicht irgendein Spiel, sondern HSV gegen Werder Bremen. Es fing dann wohl damit an, dass sich die Hooligans beider Vereine gegenseitig angegriffen haben. Es gab zum Beispiel einen Angriff von HSV-Hooligans auf eine S-Bahn mit Leuchtmunition. Vor kurzem gab es einen Angriff auf einen Werder-Bus von HSV-Anhängern mit Steinen und Eisenstangen. Da müssen wir aufpassen, das hatten wir vor 27 Jahren schon mal und da ist jemand gestorben. So sehr ich auch sage, dass Bremen nie mein Lieblingsverein sein wird, es darf nie in Gewalt ausarten. Eine gesunde Rivalität finde ich toll, das gehört auch dazu.

Gab es für dich persönlich ein Schlüsselerlebnis, was deine Abneigung gegen Werder angeht?

Dann hat es auch etwas damit zu tun, dass ich in der letzten Saison zum ersten Mal bei euch im Stadion war zum Bundesliga-Spiel. Da war etwas enttäuscht von dem, was ich geboten bekommen habe. Ich stand nicht in der Gästekurve, sondern saß auf der Südtribüne in Richtung eurer Fankurve und nun habt ihr uns damals mit 2:0 verprügelt. Tim Wiese hat Bälle gehalten, bei denen ich dachte: was ist denn hier los? Ihr habt verdient gewonnen, überhaupt keine Frage. Eigentlich ein Freudentag für euch, aber um mich herum saßen viele Fans, die zwar Schals ums Handgelenk gebunden hatten, aber noch nicht mal zur LaOla aufgestanden sind. Vor uns saß noch so ein Vollidiot, der die HSV-Fans im Block bepöbelt und beim 1:0 in unsere Richtung gejubelt hat. Dazu hab ich mich maßlos über das Stadion geärgert, denn das ist unter aller Sau. Das kann man einem Fußballfan nicht zumuten. Ich kenne das noch aus dem alten Volkspark, da war es ähnlich. So lange schon erfolgreich zu sein und dann so ein Stadion zu haben, das ist für mich unverständlich.

Dazu hat mich das Auftreten einiger eurer Spieler geärgert. Das Auftreten von Diego unter unserer Fankurve war unnötig, das muss er nicht machen. Dass man dann keine Gegenstände auf ihn wirft, ist eine ganz andere Sache, das verurteile ich sofort, aber es war schon sehr provozierend und das nervt dann eben noch mehr. Tim Wieses Aktion mit dem Megafon fand ich dagegen gar nicht so schlimm. Für die Öffentlichkeit war es etwas blöd, aber es ist doch verständlich, wenn ein Bremer Spieler sich über einen Sieg gegen uns freut. Ich wäre ja froh, wenn unsere Spieler das genauso empfinden würden. Lustig fand ich aber die Choreographie mit der Papierkugel. Das war eine tolle Idee, dass ihr eure eigene Leistung darauf beschränkt, denn die Papierkugel hatte mit dem Ausgang des Spiels eigentlich nichts zu tun.

An die letzten vier Nordderbys wirst du vermutlich nicht gerne zurück denken. Vor allem dieses besagte Spiel mit der Papierkugel war ja sehr umstritten. Wie hast du die Partie damals erlebt?

Was mich geärgert hat an der Geschichte mit der Papierkugel ist, dass dadurch die wahre spielentscheidende Szene in den Hintergrund gedrängt wurde. Das war nämlich das zu Unrecht nicht gegebene Tor von Olic. Als das 1:0 für uns fiel, war ich noch nervöser als sonst, weil ich gemerkt hatte: die Bremer wollen heute gewinnen. Die sind ganz anders aufgetreten als wir. Es gab an dem Tag eine Choreo der Fans durch gesamte Stadion, das war unfassbar. Es war eine Stimmung im Stadion, wie ich sie noch nie erlebt habe, das werde ich nie vergessen. Weil wir wussten: es geht um etwas. Es geht um alles! Dieses Gefühl hatte ich von Teilen unserer Mannschaft leider nicht. Bei der Aufstellung habe ich mich gefragt, wo eigentlich das Mittelfeld ist. Wir haben mit zwei Stürmern gespielt, was gut war, da Werder hinten sehr anfällig war, aber wir hatten eben kein Mittelfeld, das die Stürmer mit Bällen versorgt hat. Eine ganz merkwürdige Situation.

Ist Werder für dich ein Angstgegner?

Ja. Natürlich. Ganz einfach, weil Bremen immer eine gewisse Qualität mitbringt. Es ist ja nicht so, dass sie gegen uns glücklich gewinnen, wie vielleicht Bochum oder Gladbach, sondern weil sie die Qualität haben. Das ist dann schon etwas “beängstigend”, wenn man so will.

Die wirklich wichtigen Nordderbys hat Werder in den letzten Jahren eigentlich immer gewonnen. Für mich ist Hamburg trotzdem eine Art Angstgegner. Ich habe Angst vor dem ersten Mal. Ich bin seit 1986 Fußballfan und musste nie einen großen Triumph von euch über uns miterleben, aber irgendwann muss es ja mal dazu kommen.

Meine Hoffnung ist ja, dass wir es dieses Jahr packen. Mein Traum wäre, dass wir euch in der Europa League im Finale in Hamburg schlagen und dann am Samstag darauf die Meisterschale im Weserstadion gewinnen.

Das wäre dann in der Tat die ultimative Revanche. Kommen wir zum Spiel am Sonntag. Köln und vor allem Schalke haben in den letzten Wochen gezeigt, wie man Werder beikommen kann: mit viel Laufbereitschaft und konsequentem Zweikampfverhalten. Glaubst du, dass ihr das Spiel ähnlich angehen werdet oder wird es doch ein offener Schlagabtausch?

Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben. Wenn man es schafft, euch nicht ins Spiel kommen zu lassen, dann hat man eine Chance. Jetzt, wo Petric wieder da ist, haben wir ja auch jemanden vorne drin, der Tore machen kann. Trotzdem ist die Ausrichtung unseres Trainers so, dass man das Spiel machen will. Das kann man gegen euch auch machen. Trotz der wenigen Gegentore habt ihr nicht die besten Innenverteidiger der Liga, aber die meisten eurer Gegner gehen die Spiele defensiv an, weil sie Angst vor dem Offensivfeuerwerk haben, dass ihr veranstaltet. Was machen Mertesacker und Naldo jetzt anders als in der letzten Saison? Nichts. Ich bin der Überzeugung, dass man ihnen mit schnellen Pässen den Garaus machen kann. Wir müssen dann nur darauf achten, bei Ballbesitz Werder den Raum eng zu machen, damit ihr euer Kombinationsspiel nicht aufziehen könnt.

Noch ein paar Worte zu eurem Trainer. Martin Jol war in der letzten Saison doch eigentlich ganz erfolgreich. Ich denke, der hätte mit dem heutigen Kader auch gut gearbeitet. Trotzdem hat man ihn entlassen und mit Labbadia einen neuen Trainer geholt. Wie beurteilst du das und was hältst du von Labbadia?

Jol hatte kein allzu gutes Standing in der Mannschaft. Es gab Irritationen, weil Jols Bruder schon vor den Spielen in die Kabinen der gegnerischen Mannschaften gegangen ist und dort Trikots zu bekommen. Dazu hatte Jol schon viele der jungen Spieler zur Verfügung, hat sie aber nicht wirklich eingesetzt. Boateng hat er zum Beispiel völlig links liegen gelassen, obwohl wir Probleme in der Innenverteidigung hatten. Dann wollte er seine Kompetenzen erweitern und mehr Einfluss im Verein erlangen und das ist eben etwas, das bei uns nicht geht. Wir haben einen Trainer und nicht mehr. Letztendlich ist dann auch der Sportdirektor gegangen, das hatte keiner erwartet, weil es nach außen keine Anzeichen dafür gab.

Bruno Labbadia gegenüber bin ich sehr skeptisch. Ich bin sowas von skeptisch, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich vermisse von Labbadia teilweise ehrliche Worte, auch mal in der Öffentlichkeit. Nach so einer Niederlage wie am Donnerstag möchte ich auch mal Klartext hören. Thomas Doll hat perfektioniert und bis kurz vor seiner Entlassung immer wieder behauptet, wir hätten gut gespielt und unverdient verloren. Dennoch hoffe ich, dass wir einen Trainer gefunden haben, mit dem wir langfristig zusammenarbeiten können, ich glaube es aber einfach noch nicht.

Er ist ja auch für seine – nicht vorgenommenen – Auswechslungen kritisiert worden. Boateng war das glaub ich, der verletzt war und weiterspielen musste?

Ja, genau. Zwei Spiele später war es dann Demel, der Unrund lief und der Trainer hat es nicht gesehen. Labbadia ist noch ein junger Trainer, das muss man auch sagen. Insofern ist es ein Risiko. Er hat vorher Bayer Leverkusen auf den 9. Platz trainiert, das ist keine Auszeichnung, ist mit Fürth nicht in die 1. Liga aufgestiegen. Der einzige Erfolg, den er vorzuweisen hat, ist der Aufstieg mit Darmstadt aus der vierten in die dritte Liga. Er wirkt aber sehr ehrgeizig, steckt viel Arbeit in seinen Job und hat die Rothosen an, als ehemaliger HSV-Spieler. Das finde ich nicht unwichtig, weil er weiß, was es bedeutet, Trainer des HSV zu sein.

Zu guter Letzt: Gibst du einen Tipp ab für das Spiel?

Ja… 2:1. Bei dem Spiel geht es um nichts, also haben wir eine ganz gute Chance.

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche dir alles Gute. Deinem Verein nicht, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Richtig.

HSV-Bashing (24): Tschüß! 0

Gepostet am 13. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Noch ein letzter Gruß und dann ist das Thema Nordderby an dieser Stelle (für diese Saison) auch beendet.

HSV-Bashing (23): Vergoogelt 5

Gepostet am 12. May 2009 von Tobias (Meine Saison)
Nummer 1 im Norden

31. Spieltag: Die Welt ist eine Papierkugel 0

Gepostet am 11. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 2:0

Der letzte Teil der Derbywochen ist vorbei. Insgesamt fünf Spiele Werder gegen HSV gab es in dieser Saison. Lässt man das Elfmeterschießen außen vor, stehen am Ende zwei Werdersiege zu Buche, ein Spiel endete unentschieden und zweimal gewann der HSV. Es ist vielleicht der größte Schlag ins Gesicht der Hamburger, dass sich die trockene Bilanz so ausgeglichen liest. Denn am Ende hatte der Kampf um die Nummer 1 im Norden (Wolfsburg wird nicht als Nordclub anerkannt) einen glasklaren Sieger: Werder Bremen.

Nach Pokal und UEFA-Cup muss der HSV nun auch die Meisterschaft abhaken und steht nur noch auch Platz 6. Selbst ein Sieg heute wäre nur ein schwacher Trost gewesen. Doch letztendlich sprang das deutlichste Ergebnis aller Nordderbys in dieser Saison heraus. Werder spielte auch mit einer Notabwehrkette selbstbewusst und konzentriert. Hamburg war keineswegs chancenlos, machte aber auch nie den Eindruck, das Spiel nach dem Rückstand noch drehen zu können.

Die Fans machten sich einen Spaß aus dem Zwischenfall vom Donnerstag: Beim Einlaufen der Spieler flogen dutzende Papierkügelchen aus der Ostkurve. In der zweiten Halbzeit versuchten sie mehrfach, eine riesige Papierkugel durchs halbe Stadion in den Gästeblock zu befördern, was jedoch von den Ordnern unterbunden wurde. Die Stimmung war ausgelassen, das Spiel nach Almeidas Doppelpack schon früh nach Wiederanpfiff entschieden.

Thomas Schaaf erwies sich zu seinem zehnjährigem Jubiläum wieder als gewiefter Taktiker. Mit Harnik als rechtem Abwehrspieler hatte Hamburg wohl kaum gerechnet. Gegen den starken Jansen hatte er defensiv ein paar Probleme, doch offensiv belebte er das Bremer Spiel. In der zweiten Halbzeit dann eine clevere Umstellung: Özil, der in der ersten Halbzeit noch im Zentrum spielte, kam fast nur noch über seine starke linke Seite. Baumann, Frings und Niemeyer bildeten dahinter in der Mitte ein stabiles Dreiermittelfeld. Almeida und Pizarro ließen sich immer wieder weit zurückfallen. Der HSV hatte große Probleme, gegen die nun häufig nur mit einer Ballberührung spielenden Bremer eine Zuordnung zu finden. In den entscheidenden Duellen war Werder meist einen Tick schneller.

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Schaaf auch nach zehn Jahren Bundesliga immer noch unterschätzt wird. Als ob gutes Offensivspiel nur durch Zufall zustande käme und weniger mit der Taktik des Trainers zu tun hätte als eine konzentrierte Defensivleistung. Und selbst dann: Werder hat in der Rückrunde bislang die wenigsten Gegentore der Liga kassiert. Richtig gelesen. Die wenigsten der Liga und das bei sechs Niederlagen. Zwar kassiert Werder immer noch zu viele vermeidbare Gegentore, aber längst nicht mehr in der erschreckenden Häufigkeit der Hinrunde. Leider ist es viel zu spät um sich in der Liga bezahlt zu machen.

31. Spieltag: Live-Blog 0

Gepostet am 10. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV

Hat am Donnerstag gut geklappt, deshalb auch heute wieder Live-Blog in Kombination mit Twitter:

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Der Norden der Welt 0

Gepostet am 9. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen 2:3

Auch mit zwei Tagen Abstand habe ich noch nicht ganz realisiert, was eigentlich passiert ist. Lässt man Papierkugeln, Torwartfehler und sonstige Gehässigkeiten mal weg, bleibt unterm Strich die zweite Finalteilnahme dieser Saison und die zweite Finalteilnahme der Vereinsgeschichte im Europapokal. Bei allem was man in dieser Saison als erfolgsverwöhnter Werderfan über sich ergehen lassen musste, war dieses Spiel der vorläufige Höhepunkt an Spannung, vorübergehender Hilflosigkeit und schlussendlich grenzenloser Freude.

Wie soll man das alles auch einfach so wegstecken? Innerhalb weniger Tage der angeblich feststehende Weggang Diegos, der Sieg in Hamburg, Diegos Finalsperre, Mertesackers Saisonaus, Spekulationen über einen Wechsel Thomas Schaafs zu Wolfsburg und dazu dessen zehnjähriges Jubiläum als Werders Cheftrainer. Reicht eigentlich für mehrere Wochen und will in kurzer Zeit verarbeitet werden. Denn es steht bereits das nächste Nordderby auf dem Programm. Mit einem erneuten Sieg könnte man den HSV vorübergehend sogar aus den UEFA-Cup-Plätzen kegeln. Es wäre die ultimative Demütigung, wenn die Hamburger am Ende mit ganz leeren Händen dastünden.

Doch noch ist dies auch für Werder möglich. Im Finale gegen Donezk kann Werder ohne Diego und Mertesacker kaum als Favorit gelten. Selbst Almeidas Sperre wiegt ob Rosenbergs nicht enden wollender Formschwäche schwerer als nötig. Nun wird es Werder doch zum Verhängnis, nur mit drei Stürmern (plus Harnik) in die Rückrunde gegangen zu sein. Die gelbe Karte gegen Diego war unverständlich, taugt jedoch nicht zur Legendenbildung. Er hätte bereits vorher für eine Schwalbe verwarnt werden können, stattdessen bekam er einen Freistoß. Es ist mir trotzdem unbegreiflich, wie ein Spieler, der mit David Jarolim in einer Mannschaft spielt, ernsthaft einem anderen Spieler Fallsucht vorwerfen kann. Egal. Mund abputzen und weiter geht’s.

Franz Beckenbauer zeigte sich nach dem Spiel wieder einmal herrlich uninformiert. Nicht, dass ich mich darüber noch wundern oder gar ärgern würde. Ganz im Gegenteil fand ich es äußerst lustig wie der Kaiser nach dem Spiel überrascht feststellte, dass Bremen entgegen seiner Annahme ja doch eine Pokalmannschaft sei. Und das zwei Wochen nachdem Werder die achte Finalteilnahme der letzten 20 Jahre im DFB-Pokal sichergestellt hatte. Zur Einordnung (auch wenn die Zeitspanne willkürlich ist): Im selben Zeitraum standen die Bayern “nur” sieben mal im Pokalfinale.

Die (Un-)Logik des Pokals widerspricht dem über Monate gelernten Eindruck aus der Bundesliga, dass Werder eben keine Spitzenmannschaft mehr sei. In der Meisterschaft schon früh abgeschlagen, in der Champions League blamabel ausgeschieden. Und nun? Mittelmaß my ass! Es könnte eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte werden. Es ist noch nichts Greifbares gewonnen, doch trotzdem sollte man die Saison insgesamt nicht mehr als Misserfolg werten. Das heißt bei weitem nicht, dass alles in Ordnung wäre und die offensichtlich gewordenen Probleme einfach ignoriert werden könnten. Doch ein Rückfall in die Jahre voller Frust ist zumindest vorerst abgewendet.

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Live-Blog 0

Gepostet am 7. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute findet bekanntlich das Rückspiel zwischen Werder und dem Hamburger SV statt. Der SVW muss im Volksparkstadion in der HSH Nordbank Arena einen 0:1 Rückstand aus dem Hinspiel aufholen. Die Bedeutung des Spiels dürfte jedem klar sein. Für Werder wäre ein Sieg der größte internationale Erfolg seit 1992, für den HSV sogar seit 1983.

Deshalb wird es von mir neben der gewohnten Berichterstattung bei Twitter auch ein Live-Blog geben. Technik sei dank lassen sich Tweets und Live-Blog ja super kombinieren, so dass sowohl im Blog als auch bei Twitter mitgelesen und kommentiert (Hash Tag #svwx) werden kann. Ab ca. 19 Uhr geht es los.

HSV-Bashing (22): Die Charme-Offensive 0

Gepostet am 2. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Liebe Hamburger,

ich habe es mir jetzt lange genug mit angeschaut. Schlimm genug, dass ihr die Dreistigkeit besitzt, einfach das Bremer Erfolgsrezept aus hanseatischen Kaufmannsprinzipien, gutem Scouting, kompetenter sportlicher Führung und Geduld zu kopieren. Doch langsam geht ihr zu weit. Da gibt Didi Beiersdorfer kurz vor Beginn der Verlängerung des DFB-Pokals ein Interview, das in Anbetracht der Umstände fast schon eine Bewerbung für einen Fair-Play-Preis sein könnte. Und nun biedert sich auch noch der sowieso schon ekelhaft sympathische Martin Jol mit Aussagen an, die so ehrlich und vernünftig klingen, dass sich einem als Werderfan der Magen umdreht:

"Das ist verrückt, wenn man alle drei Tage ein Spiel hat. Das kann Chelsea wegstecken und Liverpool. Das sind solche starken Mannschaften, mit fantastischen Kadern, dass sie leicht in der Woche drei Spiele machen können. Wir haben das nicht, trotzdem sind wir mit ein bisschen Zufall, viel Charakter und Mentalität lange in drei Wettbewerben dabei gewesen. Und wenn es mich auch manchmal wundert: Meine Spieler leben immer noch."

So etwas wollen wir aus der Weltstadt Hamburg nicht hören. Wir wollen latent größenwahnsinnige Statements, Allmachtphantasien oder zumindest leicht überhebliche Schmähungen gegen die grünweißen Provinzkicker. Tim Wiese hatte mit seinen Spitzen doch eigentlich perfekte Vorarbeit geleistet und dann noch die Frechheit besessen, direkt vor eurer Fankurve drei Elfmeter zu halten. Nach dem Auswärtssieg am Donnerstag hätte ich da schon etwas mehr Schadenfreude erwartet. Payback is a bitch!

Nun gut, man kann niemanden zu seinem Unglück zwingen. Trotzdem kann es so nicht weitergehen. Ich schlage vor, ihr lasst euch für das dritte Nordderby am Donnerstag endlich ein paar markige Worte einfallen und ich google in der Zwischenzeit mal "kognitive Dissonanz".

UEFA-Cup Halbfinale, Hinspiel: Mach’s noch einmal, Tim 0

Gepostet am 1. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 0:1

Nach dem Spiel sprach Torsten Frings von diesem einen Fehler, den Werder gemacht und den der HSV bestraft habe. Ich fragte mich in dem Moment, ob der Lutscher vom selben Spiel sprach, das ich gerade am Bildschirm verfolgt hatte. Denn egal wie man das Spiel bewertet, eine nahezu fehlerfreie Leistung kann man Werder nun wirklich nicht bescheinigen.

Ich sah ein Spiel, in dem Werder 45 Minuten lang große Probleme hatte, gegen einen konzentriert agierenden Gegner auch nur in die Nähe dessen Tors zu kommen. Im Aufbauspiel machte die Elf von der Weser zu viele Fehler und kam bei den wichtigen Zweikämpfen meist einen Tick zu spät (Frings!). Man hatte es dem erneut starken Tim Wiese zu verdanken, dass es zur Pause bei einem Gegentor geblieben war. Die Führung war für den HSV zur Halbzeit denn auch eindeutig verdient.

Das Tor von Piotr Trochowski war kurios, weil der nur 169 cm kleine Mittelfeldspieler nicht unbedingt als Kopfballungeheuer gilt. Clemens Fritz hatte durch einen Stellungsfehler den Kopfball überhaupt nur ermöglicht. Doch in der Entstehung war es ein wirklich gut herausgespielter Treffer. Pitroipa verzögert gut und nimmt Demel mit, der dann – Stellungsfehler hin oder her – eine ganz starke Flanke schlägt. So sieht gutes Flügelspiel aus.

In der zweiten Hälfte zeigte die Mannschaft dann fast alles, was sie in dieser Saison in den Pokalwettbewerben so weit gebracht hat – bis auf den Torabschluss. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit insgesamt schon überdurchschnittlich war, wurde nun noch besser und packender. Ich kann die negativen Bewertungen seitens des Kommentators und einiger meiner Mitgucker nicht verstehen. Spiele dieser Intensität und Geschwindigkeit gibt es in der Bundesliga vielleicht fünf pro Saison. Eines Halbfinales war das absolut würdig. Eines Halbfinales ganz und gar nicht würdig war Premieres Bildregie. Ich weiß nicht welcher betrunkene Aushilfspraktikant dort hinter den Reglern saß, doch mein vierjähriger Neffe hätte vermutlich keinen schlechteren Job gemacht.

Werder schaffte es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die taktisch gut arbeitenden Hamburger hinten rein zu drängen und sich eigene Chancen zu erspielen. Der HSV blieb bei Kontern gefährlich. Vom Spielverlauf her hätten gut und gerne 3-4 Tore mehr fallen können. Man konnte allerdings auch sehen, dass bei der hohen Geschwindigkeit beide Mannschaften ihre Angriffe nicht mit der notwendigen Präzision abschließen konnten. Die Hamburger ließen einige sehr vielversprechende Konterchancen liegen, während Werder der Ausgleich einfach nicht gelingen wollte. So war der Hamburger Sieg am Ende zwar glücklich, aber dennoch nicht ganz unverdient.

Der Knackpunkt lag bei Werder meiner Meinung nach im defensiven Mittelfeld. Was im Hinspiel mit Baumann-Frings noch so super geklappt hatte, funktionierte gestern Abend mit Frings-Tziolis zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht. Sollte Frings in Zukunft nicht mehr im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft eingesetzt werden, kann er sich die Aufzeichnung dieses Spiels noch einmal anschauen, um zu verstehen warum. Er lief sich zwar einen Wolf, hatte aber die Antizipation eines Altherrenspielers. Eigentlich komisch, denn er hatte doch letzte Woche erst gezeigt, dass er noch zu großen Taten fähig ist. An Tziolis gefällt mir, dass er sich nicht verunsichern lässt, egal wie wenig ihm am Ball auch gelingt. Die Leistung gestern reichte jedoch nicht aus, um seine Aufstellung zu rechtfertigen.

Die vermeintlich offensivere Variante ging also nach hinten los, was zur Folge hatte, das Diego das Spiel deutlich tiefer gestalten musste, als es ihm (und mir) Recht sein konnte. Diegos Leistung würde ich als gut bewerten, doch in der ersten Halbzeit trug seine Arbeit kaum Früchte. Erst in der zweiten Hälfte, als Diego im offensiven Mittelfeld mehr Unterstützung vom nun immer stärker auftrumpfenden Mesut Özil bekam, erspielte sich Werder langsam ein Übergewicht. Eine Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss verhinderte den Ausgleich, der Werder eine etwas erträglichere Ausgangssituation fürs Rückspiel beschert hätte.

Dennoch ist die Situation keineswegs aussichtslos. Die Vorzeichen sind klar: Werder braucht einen Sieg. Wenn Werder in Hamburg ähnlich konzentriert aufspielt wie vor einer Woche, könnte die niedrige Anzahl an Toren im Heimspiel – "Europapokalarithmetik" sei dank – zu einem Vorteil werden. Es wird Zeit für den ersten Auswärtssieg im UEFA-Cup. Bis dahin haben wir jedoch erstmal die Pappnase auf. Damit muss man leben. In der Vorbereitung auf das Spiel kann es sogar hilfreich sein.

Noch ein Wort zum Unparteiischen: Howard Webb war trotz einiger weniger umstrittener Entscheidungen ein guter Schiedsrichter. In der Bewertung des Handspiels in der Schlussphase kann man sicher anderer Meinung sein und Demel hatte großes Glück, dass Webb seinen Sprung mit Bein und Ellenbogen voraus nicht sah. Webb hätte vermutlich auch dann nicht mehr als Gelb gezeigt, doch die Aktion war dicht am Platzverweis. Insgesamt kann ich die deutsche Begeisterung für englische Schiris aber nicht so ganz nachvollziehen (die meisten Engländer wohl auch nicht), doch das ist ein Thema für sich, auf das ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch näher eingehen werde.



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