Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Europa League, 1/16-Finale: Der heimliche Spielmacher 6

Gepostet am 26. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Twente Enschede – Werder Bremen 1:0
Werder Bremen – Twente Enschede 4:1

Als Werderfan kann man heute wirklich zufrieden sein. Aus der schwierigen Ausgangsposition, mit zwei Toren Vorsprung gewinnen zu müssen, hat sich Werder souverän ins Achtelfinale geballert und  dabei über weite Strecken richtig guten Fußball gespielt. Wie schon im Hinspiel vor einer Woche gehörte die erste halbe Stunde des Spiels Werder. Wie im Hinspiel erzielte Enschede dann wie aus dem Nichts ein Tor. Anders als vor einer Woche hatte Werder zu diesem Zeitpunkt aber schon die eigenen Chancen genutzt und mit 3:0 in Führung gelegen. Am Ende kam ein 4:2 Gesamtergebnis heraus, das nach den gezeigten Leistungen über 180 Minuten so in Ordnung geht. Twente hatte insgesamt nur eine Halbzeit lang Oberwasser gegen Bremen, verpasste es dort jedoch, eine noch bessere Ausgangssituation für das Rückspiel herauszuholen.

Die hätte es gestern Abend gebraucht, um gegen eine sehr konzentrierte und kombinationsfreudige Bremer Mannschaft etwas zu holen. Der Knackpunkt für Enschede war sicherlich die vergebene Chance durch Parker, bei der Vander seine – von vielen im Stadion unbemerkte – beste Aktion hatte, und dem folgenden Tor durch Claudio Pizarro. Vander war sehr lange stehen geblieben, gab Parker dadurch nicht die einfache Option, ihn auszugucken und dann einzuschieben. Dass der Schuss  nur an den Außenpfosten ging war dann natürlich auch Glückssache. Dennoch eine (sehr, sehr seltene!) Situation, in der ich ganz froh war, nicht den mit Messer zwischen den Zähnen heranrauschenden Tim Wiese im Kasten zu haben. Im Gegenzug dann Abdennour mit seiner besten Szene, einem gewonnenen Tackling im Mittelfeld und Özils Pass auf Pizarro, der sein bereits zwölftes Tor im zehnten Europa League Spiel erzielte. Danach war die Messe gelesen, ein Aufbäumen Twentes fand nicht mehr statt, obwohl Werder nicht mehr voll konzentriert wirkte.

Bei Özils Auswechslung nur verhaltener Beifall, obwohl er eine gute Leistung gezeigt hatte und an allen Toren beteiligt war. Es läuft noch längst nicht alles rund bei ihm, aber die Formkurve zeigt seit dem Spiel gegen Leverkusen wieder nach oben. Möglicherweise einer der Gründe: Özil musste gestern nicht Spielmacher und Vollstrecker zugleich sein. Die Umstellung mit Almeida und Pizarro gemeinsam im Angriff – zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an – machte sich deutlich bemerkbar. Während Marin und Özil mehr die Außenbahnen beackerten, ließ sich Pizarro (wie auch schon in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim) häufig  gute zehn Meter hinter Almeida fallen und beteiligte sich am Spielaufbau. Eigentlich keine Besonderheit, doch gestern hatte er mit Almeida noch einen wirklichen Stürmer vor sich, der a) auch hoch anspielbar war und b) die Bälle wiederum für Pizarro ablegen konnte – eine Aufgabe die Pizarro zuvor in Personalunion schlecht selbst bewerkstelligen konnte. Trotzdem kann man seine Leistung gar nicht hoch genug bewerten. Großartiges Spielverständnis, gutes Auge, technisch ohnehin klasse. Die Lücke zwischen den defensiv überzeugenden, aber im Aufbauspiel verbesserungswürdigen Frings und Niemeyer und den kleinen Wirblern füllte er blenden aus. Es war, als hätte Werder endlich das fehlende Puzzlestück gefunden. Dazu nutzte Pizarro diesmal auch seine Chancen.

Nach einem zwar konzentrierten, aber etwas zähen Start war es Torsten Frings Pass, der das 1:0 einleitete. In dieser Situation hatte er am schnellsten gedacht, war den Niederländern um einen Schritt voraus und Werder brauchte es über die Stationen Özil, Almeida und Pizarro “nur” noch sauber zuende spielen. Almeidas punktgenaue Hereingabe ist dabei sicherlich ebenfalls hervorzuheben. Danach spielte sich Werder in einen Rausch und die Gäste fanden eine Viertelstunde lang keinen Weg, dem etwas entgegenzusetzen. Werder belohnte sich mit zwei weiteren Toren. Pizarro und Naldo behielten vor ihren jeweiligen Treffern die Nerven und schlossen überlegt ab. Gibt es einen anderen Innenverteidiger in Europa, der auf so viele unterschiedliche Weisen torgefährlich ist, wie Naldo? Kopfbälle, Freistöße und nun im Stile eines abgezockten Klassestürmers den Torwart verladen. Dazu in der Defensive oft im richtigen Moment aus der Viererkette gelöst und dadurch das Angriffsspiel unterbunden. Gerne hätte ich das bei seinem Nebenmann Mertesacker in den beiden Spielen zuvor gegen Janssen und Kroos auch gesehen! Mertesacker war auch gestern für mich neben dem übermotivierten Abdennour der einzige, mit dessen Leistung ich nicht ganz einverstanden war. Er war mit einer Grippe ins Spiel gegangen, was einerseits eine gute Entschuldigung, andererseits natürlich auch ziemlich leichtsinnig ist. Eine wirklich schlechte Leistung war es allerdings auch von ihm nicht. In der Spieleröffnung konnte er Pluspunkte sammeln. Mit Stürmer de Jong hatte er jedoch einige Probleme, weil dieser mit viel Körper- und Armeinsatz in die Luftzweikämpfe ging und sich so erstaunlich gut behaupten konnte.

Es war sicherlich noch nicht alles Gold, was da gestern im Weserstadion schon wieder sehr ansehnlich glänzte, aber es war eindeutig die beste Mannschaftsleistung des Jahres und ein Fingerzeig, wozu diese Mannschaft in der Saison noch fähig sein könnte. Das Comeback von Bargfrede macht zusätzlich Hoffnung. Thomas Schaaf steht nun jedoch vor dem Problem, über drei sehr gute offensive Mittelfeldspieler zu verfügen, die wunderbar harmonieren, nicht jedoch mit dem Zweiersturm Pizarro/Almeida zusammen aufgestellt werden können. Wäre Frings doch nur vier Jahre jünger! So dürfte es in den nächsten Spielen, in denen es nicht von der ersten Minute an einen Rückstand aufzuholen gilt, wieder auf die bekannte Formation hinauslaufen, mit Almeida als Backup für die Sturm- und Drangphase in den letzten dreißig Minuten. Alternativ könnte man natürlich auch einen der drei zuvor genannten auf der Bank lassen, am ehesten wohl Marin, der dann in der Schlussphase dem erschöpften Gegner Knoten in die Beine dribbelt. Nun geht es mit nur einem Tag Pause zum Auswärtsspiel nach Mainz. Eine ohnehin schwierige Aufgabe, bei der Werders Fitness und/oder Reservebank auf eine harte Probe gestellt werden.

Ein paar Randnotizen aus dem Stadion: Viertes Heimspiel in der Europa League, zum vierten Mal live vor Ort, vierter Sieg. Die Sicht vom VIP-Rang ist phänomenal, die Stimmung nicht so ganz. Genörgel über Özil allerorten und nur wenig Interesse fürs oder gar Verständnis vom Spiel. Ein wenig deplatziert fühle ich mich dort schon, auch wenn es vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips TrailMix kaum weniger spießig ist. Dafür immer wieder Begegnungen mit altgedienten Werderspielern (diesmal Mirko Votava). Vor dem Stadion wäre ich dann fast noch von Aaron Hunt über den Haufen gerannt worden, der es wohl sehr eilig hatte, zu seinem Auto zu kommen. Gut so, Aaron, diesen Einsatz will ich von dir in den nächsten vier Jahren bei Werder weiterhin sehen!

UEFA-Cup Halbfinale, Hinspiel: Mach’s noch einmal, Tim 0

Gepostet am 1. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 0:1

Nach dem Spiel sprach Torsten Frings von diesem einen Fehler, den Werder gemacht und den der HSV bestraft habe. Ich fragte mich in dem Moment, ob der Lutscher vom selben Spiel sprach, das ich gerade am Bildschirm verfolgt hatte. Denn egal wie man das Spiel bewertet, eine nahezu fehlerfreie Leistung kann man Werder nun wirklich nicht bescheinigen.

Ich sah ein Spiel, in dem Werder 45 Minuten lang große Probleme hatte, gegen einen konzentriert agierenden Gegner auch nur in die Nähe dessen Tors zu kommen. Im Aufbauspiel machte die Elf von der Weser zu viele Fehler und kam bei den wichtigen Zweikämpfen meist einen Tick zu spät (Frings!). Man hatte es dem erneut starken Tim Wiese zu verdanken, dass es zur Pause bei einem Gegentor geblieben war. Die Führung war für den HSV zur Halbzeit denn auch eindeutig verdient.

Das Tor von Piotr Trochowski war kurios, weil der nur 169 cm kleine Mittelfeldspieler nicht unbedingt als Kopfballungeheuer gilt. Clemens Fritz hatte durch einen Stellungsfehler den Kopfball überhaupt nur ermöglicht. Doch in der Entstehung war es ein wirklich gut herausgespielter Treffer. Pitroipa verzögert gut und nimmt Demel mit, der dann – Stellungsfehler hin oder her – eine ganz starke Flanke schlägt. So sieht gutes Flügelspiel aus.

In der zweiten Hälfte zeigte die Mannschaft dann fast alles, was sie in dieser Saison in den Pokalwettbewerben so weit gebracht hat – bis auf den Torabschluss. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit insgesamt schon überdurchschnittlich war, wurde nun noch besser und packender. Ich kann die negativen Bewertungen seitens des Kommentators und einiger meiner Mitgucker nicht verstehen. Spiele dieser Intensität und Geschwindigkeit gibt es in der Bundesliga vielleicht fünf pro Saison. Eines Halbfinales war das absolut würdig. Eines Halbfinales ganz und gar nicht würdig war Premieres Bildregie. Ich weiß nicht welcher betrunkene Aushilfspraktikant dort hinter den Reglern saß, doch mein vierjähriger Neffe hätte vermutlich keinen schlechteren Job gemacht.

Werder schaffte es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die taktisch gut arbeitenden Hamburger hinten rein zu drängen und sich eigene Chancen zu erspielen. Der HSV blieb bei Kontern gefährlich. Vom Spielverlauf her hätten gut und gerne 3-4 Tore mehr fallen können. Man konnte allerdings auch sehen, dass bei der hohen Geschwindigkeit beide Mannschaften ihre Angriffe nicht mit der notwendigen Präzision abschließen konnten. Die Hamburger ließen einige sehr vielversprechende Konterchancen liegen, während Werder der Ausgleich einfach nicht gelingen wollte. So war der Hamburger Sieg am Ende zwar glücklich, aber dennoch nicht ganz unverdient.

Der Knackpunkt lag bei Werder meiner Meinung nach im defensiven Mittelfeld. Was im Hinspiel mit Baumann-Frings noch so super geklappt hatte, funktionierte gestern Abend mit Frings-Tziolis zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht. Sollte Frings in Zukunft nicht mehr im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft eingesetzt werden, kann er sich die Aufzeichnung dieses Spiels noch einmal anschauen, um zu verstehen warum. Er lief sich zwar einen Wolf, hatte aber die Antizipation eines Altherrenspielers. Eigentlich komisch, denn er hatte doch letzte Woche erst gezeigt, dass er noch zu großen Taten fähig ist. An Tziolis gefällt mir, dass er sich nicht verunsichern lässt, egal wie wenig ihm am Ball auch gelingt. Die Leistung gestern reichte jedoch nicht aus, um seine Aufstellung zu rechtfertigen.

Die vermeintlich offensivere Variante ging also nach hinten los, was zur Folge hatte, das Diego das Spiel deutlich tiefer gestalten musste, als es ihm (und mir) Recht sein konnte. Diegos Leistung würde ich als gut bewerten, doch in der ersten Halbzeit trug seine Arbeit kaum Früchte. Erst in der zweiten Hälfte, als Diego im offensiven Mittelfeld mehr Unterstützung vom nun immer stärker auftrumpfenden Mesut Özil bekam, erspielte sich Werder langsam ein Übergewicht. Eine Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss verhinderte den Ausgleich, der Werder eine etwas erträglichere Ausgangssituation fürs Rückspiel beschert hätte.

Dennoch ist die Situation keineswegs aussichtslos. Die Vorzeichen sind klar: Werder braucht einen Sieg. Wenn Werder in Hamburg ähnlich konzentriert aufspielt wie vor einer Woche, könnte die niedrige Anzahl an Toren im Heimspiel – "Europapokalarithmetik" sei dank – zu einem Vorteil werden. Es wird Zeit für den ersten Auswärtssieg im UEFA-Cup. Bis dahin haben wir jedoch erstmal die Pappnase auf. Damit muss man leben. In der Vorbereitung auf das Spiel kann es sogar hilfreich sein.

Noch ein Wort zum Unparteiischen: Howard Webb war trotz einiger weniger umstrittener Entscheidungen ein guter Schiedsrichter. In der Bewertung des Handspiels in der Schlussphase kann man sicher anderer Meinung sein und Demel hatte großes Glück, dass Webb seinen Sprung mit Bein und Ellenbogen voraus nicht sah. Webb hätte vermutlich auch dann nicht mehr als Gelb gezeigt, doch die Aktion war dicht am Platzverweis. Insgesamt kann ich die deutsche Begeisterung für englische Schiris aber nicht so ganz nachvollziehen (die meisten Engländer wohl auch nicht), doch das ist ein Thema für sich, auf das ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch näher eingehen werde.

Gino Basteri’s Live Blog: Manchester United – Arsenal FC 0

Gepostet am 29. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Chelsea FC 0

Gepostet am 28. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend bloggt Gino live vom Champions League Halbfinalhinspiel Barcelona – Chelsea. Anpfiff ist um 20:45, Gino wird ab ca. 20 Uhr für euch da sein. Mit #Ginolive darf gern wieder von Twitter dazwischengefunkt werden.

UEFA-Cup Viertelfinale, Hinspiel: Das böse Wort mit K 0

Gepostet am 11. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Udinese Calcio 3:1

Der erste Schritt auf dem Weg zum Nordderby im Halbfinale ist gemacht. Werder siegt gegen eine taktisch wie erwartet starke Mannschaft aus Udine, macht sich aber eine beruhigende 3:0 Führung durch eine sehr unkonzentrierte Schlussphase etwas kaputt. Trotzdem hat man ein gutes Ergebnis erzielt, das die Chancen auf ein Weiterkommen sicher nicht gemindert hat. Vielleicht hat das Gegentor ja auch einen positiven Effekt und wird als Warnschuss fürs Rückspiel ernst genommen. Thomas Schaaf bezifferte die Chancen auf ein Weiterkommen nach dem Spiel auf 50:50. Eine gesunde Einstellung, die er hoffentlich auf die Mannschaft übertragen kann.

Erfreulich war bei Werder vor allem die Chancenverwertung. Obwohl das Offensivspiel lange hakte und die Fehlpassquote wie schon gegen Hannover hoch war, nutzte man die wenigen guten Angriffe aus und zeigte ungewohnte Vollstreckerqualitäten. Diego unterstrich mal wieder, wie wichtig er für Werder in dieser Rückrunde ist und noch werden kann. In den Spielen, in denen es drauf ankam, zeigte er stets hohen Einsatz und exzellente Leistungen. Nachlässigkeiten wie in den letzten 10 Minuten wird sich Werder in Udine jedoch kaum erlauben können. Ein 1:3 ist schnell aufgeholt und wer Udines Chancen gesehen hat, der weiß, dass es durchaus zu mehr als einem Tor hätte reichen können. Werders Auswärtsbilanz im Europapokal macht jedoch Mut: Man hat in dieser Saison noch nicht verloren (5 Spiele, 5 Unentschieden).

In den Tagen vor dem Spiel sorgte vor allem ein Name für Aufregung in Bremen: Kevin Kuranyi. Vor ein paar Wochen sagte ich bereits seinen Wechsel nach Bremen voraus. Naja, sowas ähnliches jedenfalls. Wie realistisch diese Spekulationen sind, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube eigentlich nicht, dass der Name ganz oben auf Allofs Liste steht, schon allein aus Kostengründen. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es neben den erwarteten empörten Protesten seitens gar nicht so weniger Fans auch positive Reaktionen gab: Kuranyi? Warum nicht?

Ja, warum eigentlich nicht? Abgesehen von persönlichen Sympathien (bzw. Antipathien) gibt es nicht vieles, das gegen Kuranyi spricht. Damit will ich nicht sagen, dass der Kevin keine Schwächen hat, ganz im Gegenteil. Man kennt seine Schwächen nur zu genau, werden sie doch Woche für Woche, Monat für Monat in den Medien wiedergekäut. Genau das ist das Problem: Der Name Kuranyi verleitet nicht zum träumen. Man weiß genau, was man bekommt, nämlich einen torgefährlichen, kampf- und kopfballstarken Stürmer der gehobenen Klasse, der technische Mängel aufweist, lispelt und selten etwas kluges sagt. Ein Brasilianer wie Fred, den nur wenige Fans mehr als dreimal live spielen gesehen haben, taugt dagegen besser als Objekt der Begierde. Er könnte sich ja zum Weltklassespieler entwickeln.

Um es kurz zu machen: Ich könnte mir Kuranyi als Sturmpartner für Pizarro gut vorstellen, weil ich glaube, dass sie sich gut ergänzen würden. Als Pizarro-Ersatz hingegen nicht wirklich. Allerdings muss ich schon sagen, dass ich mich mit einem Kuranyi im Werdertrikot aus menschlicher Sicht sehr schwer tun würde. Wer jedoch ernsthafte Zweifel an Kuranyis Klasse hat, dem  empfehle ich, sich nochmal einige der letzten Werderspiele gegen Schalke anzuschauen.

UEFA-Cup Viertelfinale, Hinspiel: Spielbericht 0

Gepostet am 10. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Udinese Calcio

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Die Bremer Innenstadt ist schon seit Stunden voller Werderfans. Und ein paar Udinesen (Udiner?) sind auch da.

Oh, oh, nur noch 30 Minuten bis Anpfiff und ich hab noch nix gegessen. Das könnte wieder einen Interessenkonflikt geben… Das erste mal seit über einem Jahr, dass ich bei einem Europapokalheimspiel nicht im Stadion bin.

Die Mannschaften kommen auf den Platz und langsam kommt bei mir das Europapokalfieber.

Die Aufstellungen:

Werder Bremen: Wiese – Fritz, Merte, Naldo, Boenisch – Frings, Tzilois, Özil, Diego – Pizarro, Almeida

Udinese Calcio: Handanovic – Zapata, Domizzi, Felipe, Pasquale – D'Agostino, Inler, Pepe – Sanchez, Asamoah – Quagliarella

Das Spiel:

1' Nach der Schweigeminute für die Erdbebenopfer geht es los.

3' Wiese muss
raus, klärt per Kopf, aber in die Mitte vor die Füsse eines Udinesen
(?), der aber aus 35 Metern weit drüber schießt.

9' Es ist wie so oft: Werder macht das Spiel, versucht Druck aufzubauen, aber die Offensivspieler finden sich noch nicht.

16' Ich würd gern
was schreiben, aber es gibt nichts zu schreiben. Situation so wie
vorhin beschrieben. Keine Torchancen bislang.

20' Werder spielt sehr ungenau, wirkt allerdings deutlich einsatzfreudiger als in der ersten Halbzeit gegen Hannover.

24' Özil setzt sich mal gut per Dribbling durch und zieht in den Strafraum. Pizarro kommt an den Ball, findet aber keine Lücke.

29' Immer wenn
Werder das Spiel schnell machen will, sind die Pässe zu ungenau. Spielt
man langsamer, stellt Udine sehr gut dicht.

31' LATTENKRACHER
von Naldo aus über 30 Metern. Den Abpraller holt sich Pizarro gegen
Handanovic mit unfairen Mitteln. Freistoß Udine.

35' Werder – Udinese Calcio 1:0, Diego. TOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRR!!!!!!!!!!!!! Jetzt war die
Genauigkeit da: Özil mit starkem Pass auf Diego, der von rechts
Richtung Strafraum zieht und ins linke untere Eck schießt.

39' Schiri
Duhamel zeichnet sich bislang durch eine übertrieben kleinliche
Regelauslegung aus. Von "internationaler Härte" keine Spur.

Halbzeit: Werder – Udinese Calcio 1:0. Pünktlich nach 45 Minuten pfeift Duhamel zur Pause. Werder führt
verdient mit 1:0 ohne zu glänzen. Man brauchte eine halbe Stunde um
sich Chancen zu erspielen, war dann aber ungewohnt effektiv.
Premiere schafft
es mal wieder, den Großteil der Halbzeitpause über Bayern zu reden.
Gibt ja auch nur zwei UEFA-Cup Spiele heute…

46' Weiter geht's und Udine gleich mit der Riesenchance. Zentimeter am Tor vorbei. Hab die Entstehung leider verpasst.

50' Ordentlich
Betrieb vor den Toren jetzt auf beiden Seiten. Jetzt Freistoß für
Werder aus 18m, zentrale Position. Diego schießt?

51' Ja, er
schießt, aber von der Mauer abgefälscht und zur Ecke geklärt. Hätte für
das Foul Gelb geben müssen, gab es aber nicht.

57' Chancen auf
beiden Seiten, erst rettet Wiese gegen Quagliarella, dann wird Frings
Schuss geblockt und Fritz vereitelt den Konter.

59' Wieder Wiese gegen Quagliarella, der nicht abseits steht. Lange geht das nicht mehr gut!

64' Udine kann
nun viel besser als in der ersten Hälfte seine Konter setzen. Boenisch
bleibt verletzt liegen, kann aber weiterspielen.

66' Riesenpass von Tziolis auf Almeida, der frei vor dem Tor steht, aber wg. Abseits zurückgepfiffen wird. Habe große Zweifel daran!

67' Werder – Udinese Calcio 2:0, Diego. TOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRR!!!!!

69' Ich komm nicht mehr hinterher, Werder – Udinese Calcio 3:0, Almeida. TOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRR!!!!!!!!! Der Reihe nach: Diego kommt auf links im Strafraum an den Ball, dreht sich und schlenzt wunderschön hoch ins lange Eck. 90 Sekunden
später schickt Boenisch Almeida, der diesmal nicht zurückgepfiffen wird
und überlegt von halblinks am Torwart vorbei schiebt.

73' "Seht ihr
Bayern, so wird das gemacht", schallt es durchs Stadion. Nicht ganz
zutreffender Vergleich aber soll mir recht sein.

74' Torschütze Almeida ist inzwischen ausgewechselt worden. Für ihn im Spiel ist jetzt Aaron Hunt.

76' Nächster Wechsel: Niemeyer für Özil. Die Aufstellung wird Schritt für Schritt defensiver.

82' Pasanen kommt für Boenisch. Der HSV führt inzwischen mit 3:1. Gute Voraussetzungen für ein "Jahr der Nordderbys". Und jetzt die Riesenchance für Quagliarella, weil die Werderabwehr kollektiv pennt! Der Heber geht knapp übers Tor. Puh!

85' Wiese mit
einer Riesenparade nach Freistoß von D'Agostino, der aus halblinker
Position zur Überraschung aller direkt draufhält!

Werder – Udinese Calcio 3:1, Quagliarella. Und jetzt ist es passiert und es ist hochverdient! Der Italiener per Drehschuss aus dem 5m-Raum. Sehr ärgerlich und unnötig!

88' Unglaublich wie Werder seit 5 Minuten schwimmt! Wenn es beim 3:1 bleibt ist das glücklich für Werder!

90' 3 Minuten Nachspielzeit angezeigt. Bitte nicht noch ein Gegentreffer!

90+2' Wieder
kommt Quagliarella im Strafraum zum Abschluss und ich kann nicht
fassen, wie schlecht Werders Abwehr jetzt organisiert ist!

Endstand: Werder -
Udinese Calcio 3:1.
Werder muss feststellen, wie schnell aus einer
hervorragenden eine gute Ausgangssituation wird.
Legt man Anzahl
und Qualität der Chancen zugrunde, ist das Ergebnis sehr schmeichelhaft
für Werder. Nach 80 Minuten schaltete man völlig ab.
Das Positive heute: Die Chancenverwertung und die kompakte Leistung bis zur 80. Minute. Frings wieder richtig gut in der Mitte. Weiß noch nicht
was überwiegt: Ärger über die Leistung der letzten 10 Minuten oder die
Erleichterung, dass Udine nur 1 Tor gemacht hat.

Gino Basteri’s Live Blog: Villareal CF – Arsenal FC 0

Gepostet am 7. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend versucht sich Gino Basteri an einer halbwegs neutralen Berichterstattung vom Champions League Viertelfinalhinspiel Villareal – Arsenal. Anstoß ist um 20:45, Gino beginnt mit seiner "Arbeit" wahrscheinlich schon etwas früher. Einen eigenen Hashtag bei Twitter hat der Gute nun auch: Mit #Ginolive könnt ihr euch von Twitter aus direkt ins Live-Blogg reinhacken.

UEFA-Cup Achtelfinale, Hinspiel: Profis vs. Amateure 4

Gepostet am 14. March 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder – AS St. Etienne 1:0

Werder U23 – Bayern München II 0:0

Die Überschrift könnte darauf hindeuten, dass ich Werders UEFA-Cup Gegner St. Etienne als Amateurmannschaft einstufe. Auch wenn l'ASSE am Donnerstag nicht viel gezeigt hat, was sie von einer solchen abheben würde, will ich sie nicht schlechter machen, als sie waren. Man hat deutlich gesehen, warum diese Mannschaft in Frankreich ums Überleben kämpft. Allerdings kann man davon ausgehen, dass dies nicht die beste Leistung war, die das Team in dieser Saison abrufen kann, sonst hätten sie es kaum ins Achtelfinale geschafft. Der Auftritt gestern erinnerte stark an Famagusta. Verängstigt, ohne größere Offensivambitionen, lieber hinten gut stehen und bloß nicht zu früh draufgehen.

Falls die Taktik der Franzosen so ausgelegt war, kann man sie trotz der Niederlage als geglückt bezeichnen. Werder tat sich trotz ansprechendem Beginn sichtlich schwer, gute Torchancen herauszuspielen. Auch wenn die Stürmer nach dem Spiel in der Kritik stehen – sooo viele wirkliche Torchancen hatte Werder gar nicht. Dabei begann es doch verheißungsvoll. Nach Naldos frühem Führungstor erwarteten nicht wenige Zuschauer eine magische Pokalnacht, in der die Gastmannschaft mit 4-5 Toren Minimum nach Hause geschickt würde. Es kam anders. Vom Ergebnis her: Die Mannschaft hielt das 1:0, schaffte also das, was man ihr eigentlich nicht zutraut, nämlich so ein Schweinespiel einfach mal ohne Gegentor zu gewinnen. Bei allem Frust über vergebene Chancen ist ein 1:0 Heimsieg ein gutes Ergebnis im Europapokal. Vom Spiel her: Werder verkrampfte mit zunehmender Spieldauer immer mehr. Die Offensivaktionen verloren jegliche Präzision und man musste mit dem unguten Gefühl nach Hause gehen, heute eine gute Chance versäumt zu haben, das Viertelfinale schon einzutüten.

Einen Tag später trafen dann die Amateure des SV Werder – die Amateure, die im Titel angesprochen sind, die aber eigentlich längst nicht mehr Amateure heißen, sondern U23 bzw. offiziell Werder Bremen II – auf ihre Pendants aus der bayerischen Hauptstadt. Kontrastprogramm zur Europapokalnacht: Abstiegskampf in der 3. Liga. Hier trifft sich der harte Kern (wobei ich mich nicht dazu zähle, meine Besuche auf Platz 11 halten sich stark in Grenzen). Hier riecht es nach Fußballplatz, nach Rasen, Bier und Rauch. Hier kann man Hermann Gerland aus 5 Metern über die Schulter schauen und hört, wie sich seine Stimme vor Erregung überschlägt, wenn die Mannschaft die Formation nicht einhält. Hier bekommt man ein Gefühl für die Geschwindigkeit des Spiels, das im Fernsehen und in den großen Stadien oft verloren geht.

Das Spiel war keine Augenweide. Die Bayern verstanden sich vorzüglich auf die passive Spielkontrolle: Sie ließen Werder weitestgehend den Ballbesitz und machten ihnen durch gute Defensivarbeit das Leben schwer. Werder spielte mit viel Einsatz und Willen, doch kam nur selten zu guten Tormöglichkeiten. Ikeng und der zur Halbzeit eingewechselte Kruse waren für mich die herausragenden Spieler bei unseren Amas. Den möglichen Sieg vergab Werder in den wenigen Situationen, als die Bayernabwehr nicht dichthielt. Doch dann scheiterte man am Pfosten, am starken Torwart (der sich nach dem Spiel als Jörg Butt zu erkennen gab) und an den eigenen Nerven. Die Bayern hatten im ganzen Spiel nur eine gute Chance. So bringt man jungen Spielern früh bei, auf 0:0 zu spielen.

Insgesamt hat es mir gestern auf Platz 11 wesentlich besser gefallen, als am Donnerstag im Weserstadion, wo man das Gefühl hatte, dass für viele Fans ein mageres 1:0 gegen Frankreichs Rekordmeister schlicht unterhalb des eigenen Niveaus lag. Lediglich die Treuen in der Ostkurve versuchten immer wieder, die Stimmung im Stadion zu verbessern. Das Spiel taugte dazu in der zweiten Halbzeit wahrlich nicht mehr. Doch bei allem Verständnis für Ärger und Enttäuschung verstehe ich die zahlreichen Pfiffe während des Spiels nicht. Zwei Tore mehr und die selben Zuschauer hätten zur Welle angesetzt…

Aber vielleicht bin ich auch etwas überempfindlich. Ich fühle mich außerhalb der Ostkurve im Stadion einfach nicht mehr richtig wohl. Und in der Ostkurve bekomme ich viel zu wenig vom Spiel mit. So bin ich wohl endgültig zur Couch Potato vor dem eigenen Fernseher mutiert, womit sich jegliche Kritik an den Fans im Stadion von selbst verbietet. Außer an dem Pärchen, das 10 Minuten vor der Pause wegging, um Bratwurst zu holen, dann rechtzeitig zur Pause wieder zurück war, in der 65. Minute nochmal Bratwurst holte, um sich dann nach 85 Minuten endgültig zu verabschieden. Dann lieber Platz 11, da schmeckt die Bratwurst auch besser.

UEFA Cup Zwischenrunde, Hinspiel: Eine nachträgliche Stimmungsbeschreibung 0

Gepostet am 22. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder – Milan 1:1

Ich sitze gerade (Freitag, 20.2., Anm.d.Verf.) am Flughafen Schiphol in Amsterdam und warte auf meinen Flug nach Minneapolis. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, schreibe ich nun einige Eindrücke vom UEFA-Cup Spiel am Mittwoch auf. Ich hatte das eigentlich schon gestern vor, doch leider ließen es meine Reiseplanungen nicht zu. Deshalb jetzt also nachträglich.

Zum Spiel selbst brauche ich nicht viel schreiben. Ich nehme an, jeder Leser dieses Blogs hat das Spiel entweder live oder auszugsweise gesehen, bei Twitter die Live-Tweets meiner Konkurrenz Kollegen von @WerderNews verfolgt oder zumindest einen der zahlreichen Spielberichte gelesen (den von kicker.de finde ich außerordentlich zutreffend). Werder spielte engagiert, mit viel Einsatz und Aufwand gegen ein kühles, taktisch wie technisch starkes, allerdings auch etwas lebloses Team aus Milan. Das 1:1 ist sicher kein Wunschergebnis im UEFA-Cup. Es setzt Werder für das Rückspiel unter Zugzwang (wenn schon unentschieden, dann wäre ein 0:0 wegen der Europapokal-Arithmetik besser gewesen). Trotzdem war es ein Spiel, das viele alte Stärken unserer Mannschaft wieder zum Vorschein brachte – einige langjährige Schwächen jedoch leider nicht verbergen konnte.

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Darf ich vorstellen: AC Milan 0

Gepostet am 18. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Da ich heute im Stadion sein werde und T-Mobile es bislang nicht geschafft hat, mir mein bestelltes iPhone zuzuschicken, kann ich vom Spiel gegen Milan leider nicht live bloggen/twittern (es sei denn, es passiert ein kleines Wunder und das Handy wird heute Nachmittag noch geliefert).

Ich könnte jetzt Gerhard-Delling-mäßig überleiten: Ein kleines Wunder braucht auch Werder heute Abend. Doch das wäre nicht zutreffend. Milan hat genug eigene Schwierigkeiten in der Serie A und Werder hat kein Problem, auf diesem hohen Niveau für die Dauer eines einzelnen Spiels mitzuhalten. Fehlende Konstanz lässt sich im UEFA-Cup gut vertuschen. Pokalspiele kommen der Mannschaft sicher mehr entgegen, als der Bundesliga-Alltag. Es muss kein Punkterückstand aufgeholt werden. Die Mannschaft startet von der selben Position, wie ihre 31 verbliebenen Konkurrenten. Endlich muss einmal nicht über die Frage diskutiert werden, ob Werder nur noch Mittelmaß ist. Das kann auch für die Spieler befreiend wirken. Ähnliches gilt aber auch für Milan.

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