Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Party like it’s 2004 0

Gepostet am 19. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Champions League Qualifikation, Hinspiel: Werder Bremen – UC Sampdoria 3:1

So darf eine Saison gerne losgehen. Dem zwar einigermaßen souveränen, aber wenig überzeugenden Auftritt gegen Ahlen folgte gegen Sampdoria eine Leistung, die man in dieser frühen Phase der Saison noch nicht erwarten konnte. Werders Spielweise gestern erinnerte an die Spielweise der Ära-Micoud, wenn dieser mal nicht dabei sein konnte. Die Verantwortung war auf viele Spieler verteilt und besonders das Mittelfeld wirkte sehr ausgewogen. Keine Spur mehr von fehlender Balance zwischen Offensive und Defensive. So konnte man gegen einen erwartet starken Gegner das Spiel über weite Strecken kontrollieren, ohne jedoch eine Vielzahl hochkarätiger Chancen herauszuspielen.

Bis zur Halbzeit war es ein engagierter und geduldiger Auftritt, mit gelegentlichen Wacklern in der Viererkette. Prödl und Pasanen je einmal mit einem Katastrophenpass im Aufbau und ein kollektiver Tiefschlaf bei einer schlauen Freist0ßfinte durch Palombo, doch ansonsten sah Werder auch gegen die gut strukturierten Gegenstöße Sampdorias meistens gut aus. Das 0:0 war zu diesem Zeitpunkt trotzdem leistungsgerecht, weil Werder es versäumte, sich gute Abschlussmöglichkeiten zu erspielen. Durch die Mitte kam man nicht ans Ziel, weshalb es die Grün-Weißen häufig mit Fernschüssen und Flanken von außen probierte. Werders beste Chance in Halbzeit 1, Almeidas Kopfball an die Latte, kam jedoch durch einen tollen Pass von Clemens Fritz in die Nahtstelle der Viererkette zustande. Ansonsten verteidigte Sampdoria sehr sicher und gut organisiert, weshalb solche Situationen die Ausnahme blieben.

In der zweiten Hälfte hatte Werder Glück, dass Sampdoria mit einem Fehler entgegen kam und Tissone den Ball für Fritz perfekt auflegte. Dessen Schuss mit links in den Winkel war phänomenal, den hätte auch Robben nicht besser hinbekommen. Nach dem Tor spielte Werder wie gewohnt weiter nach vorne und behielt zunächst auch die Spielkontrolle. Sampdoria versuchte in der Folge jedoch ebenfalls mehr nach vorne zu spielen und brachte mit Poli und Guberti zwei neue Spieler. Gefährlich wurde es meistens über Cassano, der ein gutes Spiel machte, aber mit zunehmender Spieldauer immer ungeduldiger und damit unkonzentrierter wurde. Fünf Minuten lang wirkte Werder verunsichert, was Pazzini mit seinem Pfostenschuss fast bestraft hätte. Danach kam wieder Sampdoria den Bremern entgegen und Werder nutzte die Situation eiskalt aus. Erst verwandelte Frings den Elfmeter nach Lucchinis Foul an Prödl und nur zwei Minuten später kombinierten sich Fritz, Pizarro und Almeida mit Doppelpässen durch Sampdorias dezimierte Hintermannschaft. Pizarro schloss den schönsten Angriff des Spiels mit einem abgefälschten Schuss ins kurze Eck ab.

Danach schien das Spiel gelaufen. Werder verwaltete geschickt und brachte mit Boenisch, Marin und Arnautovic drei Spieler, die noch nach ihrer Bestform suchen. Hätte Werder in dieser Phase noch etwas konsequenter den Abschluss gesucht, wäre das Ergebnis vielleicht noch höher ausgefallen. Wichtiger war es jedoch, hinten die Null zu halten. In der letzten Minute durfte Stankevicius aus dem Halbfeld flanken und Pazzini erzielte unbedrängt von Mertesacker per Kopf den Anschlusstreffer. Aus Werdersicht ein ärgerlicher und vermeidbarer Gegentreffer, auch wenn sich Sampdoria ein Tor verdient hatte. Pazzinis Kopfballstärke ist bekannt, aber von einem Spieler wie Mertesacker darf man in dieser Situation schon ein besseres Stellungsspiel erwarten. Das Ergebnis ist immer noch eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am Dienstag in Genua, aber für Sampdoria braucht es nun kein Fußballwunder mehr, sondern “nur” ein 2:0. Sollte Werder die Leistung aus dem Hinspiel einigermaßen konservieren können, braucht man sich aber keine großen Sorgen zu machen. Vor eineinhalb Jahren hat man sich im UEFA-Cup gegen Udinese Calcio in eine fast identische Situation gebracht und musste im Rückspiel lange zittern. Eine ähnliche Zitterpartie bleibt uns diesmal hoffentlich erspart.

Werders Mittelfeld hat mich gestern auf allen vier Positionen überzeugt, während die Stürmer einen schweren Stand hatten, jedoch mit großer Einsatzfreude agierten. Die Viererkette zeigte hingegen einige Mängel. Hier war nur Fritz voll auf der Höhe und bestätigte seine starke Form. Prödl hat noch ein paar Probleme, zeigt jedoch seine guten Ansätze. Mit zunehmender Matchpraxis wird er hoffentlich auch die Nervosität ablegen können. Arnautovic und Marin werden es zunächst schwer haben in die erste Elf zu rücken, gerade wenn es beim 4-4-2 mit Raute bleibt. Allerdings liegt es auch an ihnen, dieses zu ändern. Mit Marin und Arnautovic in Topform bietet sich ein 4-2-3-1 geradezu an. Werder kann sich glücklich schätzen diese Spieler im Kader zu haben, denn gestern wurde auch deutlich, dass das Kombinationsspiel in dieser Formation sehr gut klappt, jedoch häufig die unerwartete, geniale Einzelaktion fehlt, um einen Angriff gegen einen gut organisierten Gegner zum Abschluss zu bringen. Das war auch ein Manko der Micoud-Ära, wenn der große Meister mal fehlte.

Was gestern ebenfalls deutlich wurde: Der große Unterschied zwischen Diego und Özil. Während Diego das Werderspiel beherrschte, das gesamte Spiel ab Zeitpunkt des Ballgewinns auf sich zog, war mit Özil die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt. Vor einem Jahr spielte Werder erst richtig überzeugend, als neben Özil auch Hunt und später Marin in Form waren und Verantwortung übernahmen. Zwar war auch Özil ein zentraler Spielgestalter, nur war das Spiel viel weniger auf ihn zugeschnitten. Hunt fehlt noch etwas das Timing für den entscheidenden Pass, aber ansonsten konnte er gestern fast nahtlos in Özils Rolle schlüpfen. Diegos Dominanz war Fluch und Segen zugleich für Werder.* Langfristig ist es für ein Mannschaft aber besser, nicht zu abhängig von einem Spieler zu sein. Bei allen Fähigkeiten, die Özil hat, war Werder mit ihm nie ein Ein-Mann-Team. Deshalb wundert es mich nicht, dass Werder nach seinem Weggang nicht in ein temporäres Leistungsloch fällt. Dennoch habe ich mit so einem starken Auftritt nicht gerechnet.

Unterm Strich steht deshalb ein sehr erfreuliches Ergebnis, das die Vorfreude auf die Bundesligasaison noch erhöht hat.

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* Für mich sind das allerdings auch die Gründe, warum Diego auf vielen seiner bisherigen Stationen Probleme hatte. Er braucht diese herausragende Stellung in der Mannschaft, um seine Leistung voll abzurufen. Özil scheint mir da aufgrund seiner hohen Spielintelligenz anpassungsfähiger. Deshalb traue ich ihm auch eine erfolgreichere internationale Karriere zu. Das aber nur am Rande.

Werder Bremen – UC Sampdoria (live) 2

Gepostet am 18. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Phantomschmerz 0

Gepostet am 31. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. In dieser Woche spüre ich das besonders: Es ist die erste Europacup-Runde seit Mai 2008, in der Werder nicht mitspielt. Gut, man kann nach dem Thriller gegen Valencia auch irgendwie ganz froh sein, dass die Nerven nun ein bisschen geschont werden. Werders Ligaspiele reichen schließlich aus, um den Puls konstant auf einem erhöhten Level zu halten. Der Ärger über die absurde Sperre gegen Torsten Frings kommt noch dazu. Eigentlich also kein Problem. Eigentlich.

Trotzdem ist da eine Leere. So ein Gefühl “da müssten wir dabei sein”, wenn es in die entscheidende Phase der europäischen Wettbewerbe geht. Die Champions League findet zu diesem Zeitpunkt immer ohne uns statt, aber in der Europa League, da sollten wir eigentlich noch mitspielen. Da gehören wir hin. Wolfsburg und der HSV sind ja schließlich auch noch drin und dazu gab es die Chance, ein Endspiel in Hamburg zu erreichen. Man sollte nicht mehr drüber nachdenken, es ist immer noch viel zu ärgerlich. So beschäftige ich mich stattdessen lieber mit den Spielen der anderen.

Bayern München – Manchester United 2:1

Ganz schön überraschend, was sich am Dienstag in München abspielte. Es dauerte nur 64 Sekunden, bis der Favorit in Führung ging. Ein Freistoß wurde von van Bommel abgefälscht und Rooney hatte in der Mitte alle Zeit der Welt, um den Ball zu verwerten, weil Demichelis wegrutschte. Bei vielen Bayernfans läuteten nun wohl die Alarmglocken und die Angst vor einem Debakel wie in Barcelona kam auf. Schon bald zeigte sich aber, dass diese Angst unbegründet war. Die Bayern investierten in der Folge mehr in das Spiel, wie man so schön sagt, während United seine Abgeklärtheit zur Schau stellte und nur sporadisch am Spiel teilnahm, dann aber sehr gefährlich wurde. Zur Pause hatte die knappe Führung bestand und sie war nicht unverdient, wenngleich die Leistung der Bayern nicht schlecht war. In der zweiten Hälfte legten die Bayern ein wenig zu und brachten Manchester immer wieder in Bedrängnis. Edwin van der Sar hielt seinen Kasten vorerst jedoch sauber, ohne wirklich geprüft zu werden, da Bayerns Torabschlüsse eher harmlos waren. Auf der anderen Seite fehlte Manchester die Präzision bei den Pässen in die Spitze auf Rooney. Auf den Außen bekamen Badstuber und Lahm ihre Gegenspieler Nani und Park immer besser in den Griff, so dass Alex Ferguson eine taktische Umstellung vornahm, um die Bälle besser zu halten. Der in den letzten Wochen sehr starke Berbatov und Routinier Giggs kamen ins Spiel. Dafür opferte Sir Alex mit Carrick einen zentralen Mittelfeldspieler und änderte das System von 4-5-1 auf 4-2-3-1. Genau in dieser Phase fiel der Ausgleichstreffer für die Bayern: Ein Freistoß von Ribery wurde von Rooney unhaltbar ins Tor abgefälscht. Glückliches Zustandekommen, aber insgesamt zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. Nach dem Ausgleich bekam Manchester das Spiel wieder besser in den Griff und konnte den Ball länger vom eigenen Tor weghalten. Vidic köpfte an die Latte und man hatte nicht den Eindruck, die Bayern könnten noch etwas entgegensetzen. Van Gaal hatte ebenfalls offensiv gewechselt und mit Klose und Gomez zwei weitere Stürmer gebracht. Letzterer hatte die beste Chance für Bayern auf dem Fuß, schloss jedoch aus nicht idealer Position ab und van der Sar hielt den Ball. Als keiner mehr mit einem Tor rechnete, beging Evra einen Fehler, als er einen Ball im eigenen Strafraum unaufmerksam stoppte und den hinter ihm anrennenden Olic nicht bemerkte. Der nahm ihm den Ball vom Fuß, verlud van der Sar und sorgte in der letzten Sekunde des Spiels für den Siegtreffer.

Insgesamt geht das Ergebnis so in Ordnung. Manchester wirkte nicht so, als wollten sie dieses Spiel unbedingt gewinnen. Nach dem frühen Auswärtstor verwaltete man zu viel und schenkte vor allem auf den Außen zu viel her. Das Ergebnis lässt das Rückspiel völlig offen. Die Ausgangssituation hat sich durch das Olic-Tor allerdings verändert: Nun muss United in jedem Fall treffen und gewinnen, dürfte das Spiel im Old Trafford daher ganz anders angehen als in München. Für die Bayern ist der Sieg in jedem Fall ein Achtungserfolg. Ein kleines Ausrufezeichen, dem man nächste Woche gerne ein großes folgen lassen würde. Die Chancen dafür würde ich auf etwa 40% einstufen. Robben und Schweinsteiger sind dann wieder mit von der Partie, deren Fehlen im Hinspiel nicht wirklich auffiel, was hauptsächlich an der starken Leistung von Altintop und dem Formanstieg bei Pranjic und Müller lag. Lahm gefällt mir auf rechts inzwischen richtig gut, schlägt auch gefährliche Flanken, die meistens flach an den Fünfmeterraum kommen. Demichelis war der einzige Spieler, der deutlich abfiel. Man könnte fast sagen, Bayern hat trotz seines Mitwirkens gewonnen. Manchester wirkt vor allem auf den Außen anfällig, Evra ist nicht mehr in der Form der vergangenen Jahre und Neville wirkte gegen Ribery mehrfach überfordert (sein Handspiel führte auch zum Ausgleich). Sollte Rooney ausfallen, könnte es ein sehr unangenehmes Spiel für United werden. Andererseits müssen die Bayern noch zeigen, dass der Sieg mehr war, als ein kleiner Ausreißer nach oben.

Arsenal FC – FC Barcelona 2:2

Vor dem Spiel schwärmten die Freunde des gepflegten Fußballspiels vom Duell der Puristen unter den europäischen Topclubs. Nur eine Mannschaft präsentierte sich dann so, dass sie den hohen Ansprüchen gerecht wurde: Der FC Barcelona. Barca hatte von der ersten Minute an die Zügel in der Hand und setzte Arsenal derart unter Druck, dass man fast Mitleid bekommen musste. Arsenal kam nur selten in Ballbesitz und verlor diesen dann meist schon vor der Mittellinie wieder. Die Balleroberer um Keita und Busquets (man ist der gut!) leisteten fast perfekte Arbeit, rückten früh auf die Gegenspieler auf. Da auch Barcelonas Offensivkräfte jedem Ball hinterhergingen, wurden Arsenals Spieler stetig in der eigenen Hälfte gedoppelt und wussten nicht viel mit den Bällen anzufangen. Wenger war mit hohem Risiko in das Spiel gegangen, hatte die angeschlagenen Fabregas und Gallas in die Anfangsformation berufen. Besonders Fabregas, der aus Barcelonas Jugendabteilung kommt, merkte man die körperlichen Probleme noch deutlich an. Gallas hielt eine knappe Halbzeit lang durch, musste dann jedoch ausgewechselt werden, dazu kam eine weitere Verletzung bei Arshavin. Wenger stellte Mittelfeldspieler Song in die Innenverteidigung, wohl auch, weil er dem alternden Campbell nicht zumuten wollte, gegen die quirligen Messi und Pedro zu spielen und brachte dafür Denilson im Mittelfeld, während Arshavin durch den defensivstärkeren Eboué ersetzt wurde. Es war einer gehörigen Portion Glück und einer bärenstarken Leistung von Torhüter Almunia zu verdanken, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 0:0 stand. Barcelona kontrollierte das Spiel nach Belieben und kam immer wieder gefährlich vor das Tor der Gunners. Messi, der immer wieder die Seiten tauschte, hauptsächlich aber in der Mitte hinter Ibrahimovic agierte, war eine ständige Gefahr, konnte von den defensiven Mittelfeldspielern Song und Diaby nur selten gestellt werden und war immer wieder im Raum zwischen Viererkette und Mittelfeld anspielbar. Xavi zog dahinter in bekannter Manier die Fäden. Das Fehlen von Iniesta machte sich kaum bemerkbar. Das größte Problem bereiteten den Gunners aus meiner Sicht die Außenverteidiger Alves und Maxwell, die so offensiv agierten, dass die Bezeichnung “Viererkette” ad absurdum geführt wurde, und die von Arshavin und Nasri nur wenig dabei gestört wurden. Häufig konnten sie 40 Meter mit dem Ball die Linie entlang laufen und wurden erst kurz vor dem Strafraum von Arsenals Außenverteidigern in Empfang genommen. Den Platz, der sich dadurch in Barcelonas Hintermannschaft bot, konnte Arsenal kaum nutzen. Dennoch gelang es Barcelona nicht, die Überlegenheit vor der Pause in Tore umzumünzen und es ging mit einem 0:0 in die Pause. Almunias Leistung in den ersten 45 Minuten war nach Aussage seines ehemaligen Konkurrenten Jens Lehmann “die beste Torwartleistung, die ich seit langer Zeit gesehen habe.”

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich dieses Urteil relativieren sollte. Ein langer Ball auf Ibrahimovic brachte diesen frei vors Tor, allerdings weit auf der rechten Seite. Anstatt bloß den Winkel zu verkürzen kam Almunia überhastet aus dem Tor gelaufen, zögerte dann kurz und wurde überlupft. Ein sehr einfaches Tor für Ibrahimovic, das in krassem Gegensatz zu den vielen herausgespielten Chancen der ersten Halbzeit steht. Vielleicht macht aber auch gerade das die Stärke Barcelonas in diesem Jahr aus: Eine größere Variabilität. Arsenal bekam daraufhin das Spiel besser in den Griff als über weite Strecken der ersten Hälfte, doch diese Phase war nur von kurzer Dauer. Barca nahm wieder Fahrt auf und drückte auf das 2:0. Trotz vieler schneller Passstaffetten und schneller Angriffszüge war es erneut ein hoher langer Ball, der zum Erfolg führte. Song, der kurz zuvor noch durch eine tolle Rettungsaktion aufgefallen war, darf sich diesen Gegentreffer ankreiden, wobei Almunia bei Ibrahimovics Schuss erneut keine wirklich gute Figur machte und zu früh abtauchte. Es ist jedoch fraglich, ob er an diesen Ball sonst herangekommen wäre. Durch das 0:2 schien nicht nur dieses Spiel, sondern auch das Viertelfinale entschieden. Arsène Wenger hatte jedoch noch einen Trumph im Ärmel, den er nun ausspielte. Er brachte den pfeilschnellen Walcott für Sagna, dessen Position von Eboué eingenommen wurde. Walcott agierte vor ihm auf der rechten Seite und stellte Maxwell endlich defensiv vor Probleme. Ihm blieb dann auch der Anschlusstreffer vorbehalten. Von Bendtner bedient schob er den Ball an Valdes vorbei. Auch in diesem Fall keine gute Aktion des Torhüters, denn der Ball war weder hart noch platziert geschossen. Nun entwickelte sich ein Schlagabtausch, den viele von vornherein erhofft hatten. Arsenal konnte sich immer wieder über die rechte Seite durchsetzen und phasenweise auch Barcas Passspiel im Mittelfeld unterbinden. Guardiola brachte Henry für Ibrahimovic und setzte fortan mehr auf Konter. In der 87. Minute kam es dann zu einer folgenschweren Situation für dieses Duell: Puyol foulte im Strafraum Fabregas, der erneut von Bendtner klasse bedient worden war. Elfmeter für Arsenal und Platzverweis für Kapitän Puyol, der damit ebenso wie sein Nebenmann Pique und sein Gegenstück Fabregas im Rückspiel fehlen wird. Fabregas verwandelte den Elfmeter, verletzte sich dabei jedoch erneut. Da das Wechselkontingent bereits aufgebraucht war, humpelte der Kapitän die letzten fünf Minuten über das Spielfeld. Am Ende war es Arsenal, das sogar noch auf das Siegtor drängte.

Dennoch ist das 2:2 ein glückliches Resultat für die Gunners und entspricht nicht dem Spielverlauf. Durch die starke kämpferische Leistung verdienten sie sich das Ergebnis zumindest ein Stück weit. Im Rückspiel wird auch spielerisch und vor allem taktisch eine bessere Leistung notwendig sein, wenn man eine Chance auf ein Weiterkommen haben möchte. Insgesamt war es ein sehr gutes Fußballspiel, sicher eines der besten dieser Saison, was die Kombination aus spielerischer Klasse, Tempo und Dramatik angeht. Arsenal gebe ich nur geringe Chancen für das Rückspiel. Es muss wohl ein Sieg im Camp Nou her und dazu müsste schon ein mittleres Fußballwunder passieren. Um die Abwesenheit Barcelonas Stamm-Innenverteidiger auszunutzen, muss erst einmal Barcas Dominanz am Ball ein Stück weit durchbrochen werden (oder eben über 90 Minuten konzentriert gegen die ballführenden Spieler gearbeitet werden, siehe Chelsea letztes Jahr, was aber überhaupt nicht Arsenals Ding ist). 65%-35% Ballbesitz, 533-265 erfolgreiche Pässe und 23-6 Torschüsse aus dem Hinspiel sprechen da eine eindeutige Sprache zu Ungunsten der Gunners. Ganz nebenbei sind die Ersatzleute Millito und Marquez ja auch keine Laufkundschaft. Ich schätze Arsenals Chancen auf ein Weiterkommen auf maximal 20%.

Europa League, 1/16-Finale: Der heimliche Spielmacher 6

Gepostet am 26. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Twente Enschede – Werder Bremen 1:0
Werder Bremen – Twente Enschede 4:1

Als Werderfan kann man heute wirklich zufrieden sein. Aus der schwierigen Ausgangsposition, mit zwei Toren Vorsprung gewinnen zu müssen, hat sich Werder souverän ins Achtelfinale geballert und  dabei über weite Strecken richtig guten Fußball gespielt. Wie schon im Hinspiel vor einer Woche gehörte die erste halbe Stunde des Spiels Werder. Wie im Hinspiel erzielte Enschede dann wie aus dem Nichts ein Tor. Anders als vor einer Woche hatte Werder zu diesem Zeitpunkt aber schon die eigenen Chancen genutzt und mit 3:0 in Führung gelegen. Am Ende kam ein 4:2 Gesamtergebnis heraus, das nach den gezeigten Leistungen über 180 Minuten so in Ordnung geht. Twente hatte insgesamt nur eine Halbzeit lang Oberwasser gegen Bremen, verpasste es dort jedoch, eine noch bessere Ausgangssituation für das Rückspiel herauszuholen.

Die hätte es gestern Abend gebraucht, um gegen eine sehr konzentrierte und kombinationsfreudige Bremer Mannschaft etwas zu holen. Der Knackpunkt für Enschede war sicherlich die vergebene Chance durch Parker, bei der Vander seine – von vielen im Stadion unbemerkte – beste Aktion hatte, und dem folgenden Tor durch Claudio Pizarro. Vander war sehr lange stehen geblieben, gab Parker dadurch nicht die einfache Option, ihn auszugucken und dann einzuschieben. Dass der Schuss  nur an den Außenpfosten ging war dann natürlich auch Glückssache. Dennoch eine (sehr, sehr seltene!) Situation, in der ich ganz froh war, nicht den mit Messer zwischen den Zähnen heranrauschenden Tim Wiese im Kasten zu haben. Im Gegenzug dann Abdennour mit seiner besten Szene, einem gewonnenen Tackling im Mittelfeld und Özils Pass auf Pizarro, der sein bereits zwölftes Tor im zehnten Europa League Spiel erzielte. Danach war die Messe gelesen, ein Aufbäumen Twentes fand nicht mehr statt, obwohl Werder nicht mehr voll konzentriert wirkte.

Bei Özils Auswechslung nur verhaltener Beifall, obwohl er eine gute Leistung gezeigt hatte und an allen Toren beteiligt war. Es läuft noch längst nicht alles rund bei ihm, aber die Formkurve zeigt seit dem Spiel gegen Leverkusen wieder nach oben. Möglicherweise einer der Gründe: Özil musste gestern nicht Spielmacher und Vollstrecker zugleich sein. Die Umstellung mit Almeida und Pizarro gemeinsam im Angriff – zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an – machte sich deutlich bemerkbar. Während Marin und Özil mehr die Außenbahnen beackerten, ließ sich Pizarro (wie auch schon in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim) häufig  gute zehn Meter hinter Almeida fallen und beteiligte sich am Spielaufbau. Eigentlich keine Besonderheit, doch gestern hatte er mit Almeida noch einen wirklichen Stürmer vor sich, der a) auch hoch anspielbar war und b) die Bälle wiederum für Pizarro ablegen konnte – eine Aufgabe die Pizarro zuvor in Personalunion schlecht selbst bewerkstelligen konnte. Trotzdem kann man seine Leistung gar nicht hoch genug bewerten. Großartiges Spielverständnis, gutes Auge, technisch ohnehin klasse. Die Lücke zwischen den defensiv überzeugenden, aber im Aufbauspiel verbesserungswürdigen Frings und Niemeyer und den kleinen Wirblern füllte er blenden aus. Es war, als hätte Werder endlich das fehlende Puzzlestück gefunden. Dazu nutzte Pizarro diesmal auch seine Chancen.

Nach einem zwar konzentrierten, aber etwas zähen Start war es Torsten Frings Pass, der das 1:0 einleitete. In dieser Situation hatte er am schnellsten gedacht, war den Niederländern um einen Schritt voraus und Werder brauchte es über die Stationen Özil, Almeida und Pizarro “nur” noch sauber zuende spielen. Almeidas punktgenaue Hereingabe ist dabei sicherlich ebenfalls hervorzuheben. Danach spielte sich Werder in einen Rausch und die Gäste fanden eine Viertelstunde lang keinen Weg, dem etwas entgegenzusetzen. Werder belohnte sich mit zwei weiteren Toren. Pizarro und Naldo behielten vor ihren jeweiligen Treffern die Nerven und schlossen überlegt ab. Gibt es einen anderen Innenverteidiger in Europa, der auf so viele unterschiedliche Weisen torgefährlich ist, wie Naldo? Kopfbälle, Freistöße und nun im Stile eines abgezockten Klassestürmers den Torwart verladen. Dazu in der Defensive oft im richtigen Moment aus der Viererkette gelöst und dadurch das Angriffsspiel unterbunden. Gerne hätte ich das bei seinem Nebenmann Mertesacker in den beiden Spielen zuvor gegen Janssen und Kroos auch gesehen! Mertesacker war auch gestern für mich neben dem übermotivierten Abdennour der einzige, mit dessen Leistung ich nicht ganz einverstanden war. Er war mit einer Grippe ins Spiel gegangen, was einerseits eine gute Entschuldigung, andererseits natürlich auch ziemlich leichtsinnig ist. Eine wirklich schlechte Leistung war es allerdings auch von ihm nicht. In der Spieleröffnung konnte er Pluspunkte sammeln. Mit Stürmer de Jong hatte er jedoch einige Probleme, weil dieser mit viel Körper- und Armeinsatz in die Luftzweikämpfe ging und sich so erstaunlich gut behaupten konnte.

Es war sicherlich noch nicht alles Gold, was da gestern im Weserstadion schon wieder sehr ansehnlich glänzte, aber es war eindeutig die beste Mannschaftsleistung des Jahres und ein Fingerzeig, wozu diese Mannschaft in der Saison noch fähig sein könnte. Das Comeback von Bargfrede macht zusätzlich Hoffnung. Thomas Schaaf steht nun jedoch vor dem Problem, über drei sehr gute offensive Mittelfeldspieler zu verfügen, die wunderbar harmonieren, nicht jedoch mit dem Zweiersturm Pizarro/Almeida zusammen aufgestellt werden können. Wäre Frings doch nur vier Jahre jünger! So dürfte es in den nächsten Spielen, in denen es nicht von der ersten Minute an einen Rückstand aufzuholen gilt, wieder auf die bekannte Formation hinauslaufen, mit Almeida als Backup für die Sturm- und Drangphase in den letzten dreißig Minuten. Alternativ könnte man natürlich auch einen der drei zuvor genannten auf der Bank lassen, am ehesten wohl Marin, der dann in der Schlussphase dem erschöpften Gegner Knoten in die Beine dribbelt. Nun geht es mit nur einem Tag Pause zum Auswärtsspiel nach Mainz. Eine ohnehin schwierige Aufgabe, bei der Werders Fitness und/oder Reservebank auf eine harte Probe gestellt werden.

Ein paar Randnotizen aus dem Stadion: Viertes Heimspiel in der Europa League, zum vierten Mal live vor Ort, vierter Sieg. Die Sicht vom VIP-Rang ist phänomenal, die Stimmung nicht so ganz. Genörgel über Özil allerorten und nur wenig Interesse fürs oder gar Verständnis vom Spiel. Ein wenig deplatziert fühle ich mich dort schon, auch wenn es vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips TrailMix kaum weniger spießig ist. Dafür immer wieder Begegnungen mit altgedienten Werderspielern (diesmal Mirko Votava). Vor dem Stadion wäre ich dann fast noch von Aaron Hunt über den Haufen gerannt worden, der es wohl sehr eilig hatte, zu seinem Auto zu kommen. Gut so, Aaron, diesen Einsatz will ich von dir in den nächsten vier Jahren bei Werder weiterhin sehen!

UEFA-Cup Halbfinale, Hinspiel: Mach’s noch einmal, Tim 0

Gepostet am 1. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 0:1

Nach dem Spiel sprach Torsten Frings von diesem einen Fehler, den Werder gemacht und den der HSV bestraft habe. Ich fragte mich in dem Moment, ob der Lutscher vom selben Spiel sprach, das ich gerade am Bildschirm verfolgt hatte. Denn egal wie man das Spiel bewertet, eine nahezu fehlerfreie Leistung kann man Werder nun wirklich nicht bescheinigen.

Ich sah ein Spiel, in dem Werder 45 Minuten lang große Probleme hatte, gegen einen konzentriert agierenden Gegner auch nur in die Nähe dessen Tors zu kommen. Im Aufbauspiel machte die Elf von der Weser zu viele Fehler und kam bei den wichtigen Zweikämpfen meist einen Tick zu spät (Frings!). Man hatte es dem erneut starken Tim Wiese zu verdanken, dass es zur Pause bei einem Gegentor geblieben war. Die Führung war für den HSV zur Halbzeit denn auch eindeutig verdient.

Das Tor von Piotr Trochowski war kurios, weil der nur 169 cm kleine Mittelfeldspieler nicht unbedingt als Kopfballungeheuer gilt. Clemens Fritz hatte durch einen Stellungsfehler den Kopfball überhaupt nur ermöglicht. Doch in der Entstehung war es ein wirklich gut herausgespielter Treffer. Pitroipa verzögert gut und nimmt Demel mit, der dann – Stellungsfehler hin oder her – eine ganz starke Flanke schlägt. So sieht gutes Flügelspiel aus.

In der zweiten Hälfte zeigte die Mannschaft dann fast alles, was sie in dieser Saison in den Pokalwettbewerben so weit gebracht hat – bis auf den Torabschluss. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit insgesamt schon überdurchschnittlich war, wurde nun noch besser und packender. Ich kann die negativen Bewertungen seitens des Kommentators und einiger meiner Mitgucker nicht verstehen. Spiele dieser Intensität und Geschwindigkeit gibt es in der Bundesliga vielleicht fünf pro Saison. Eines Halbfinales war das absolut würdig. Eines Halbfinales ganz und gar nicht würdig war Premieres Bildregie. Ich weiß nicht welcher betrunkene Aushilfspraktikant dort hinter den Reglern saß, doch mein vierjähriger Neffe hätte vermutlich keinen schlechteren Job gemacht.

Werder schaffte es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die taktisch gut arbeitenden Hamburger hinten rein zu drängen und sich eigene Chancen zu erspielen. Der HSV blieb bei Kontern gefährlich. Vom Spielverlauf her hätten gut und gerne 3-4 Tore mehr fallen können. Man konnte allerdings auch sehen, dass bei der hohen Geschwindigkeit beide Mannschaften ihre Angriffe nicht mit der notwendigen Präzision abschließen konnten. Die Hamburger ließen einige sehr vielversprechende Konterchancen liegen, während Werder der Ausgleich einfach nicht gelingen wollte. So war der Hamburger Sieg am Ende zwar glücklich, aber dennoch nicht ganz unverdient.

Der Knackpunkt lag bei Werder meiner Meinung nach im defensiven Mittelfeld. Was im Hinspiel mit Baumann-Frings noch so super geklappt hatte, funktionierte gestern Abend mit Frings-Tziolis zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht. Sollte Frings in Zukunft nicht mehr im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft eingesetzt werden, kann er sich die Aufzeichnung dieses Spiels noch einmal anschauen, um zu verstehen warum. Er lief sich zwar einen Wolf, hatte aber die Antizipation eines Altherrenspielers. Eigentlich komisch, denn er hatte doch letzte Woche erst gezeigt, dass er noch zu großen Taten fähig ist. An Tziolis gefällt mir, dass er sich nicht verunsichern lässt, egal wie wenig ihm am Ball auch gelingt. Die Leistung gestern reichte jedoch nicht aus, um seine Aufstellung zu rechtfertigen.

Die vermeintlich offensivere Variante ging also nach hinten los, was zur Folge hatte, das Diego das Spiel deutlich tiefer gestalten musste, als es ihm (und mir) Recht sein konnte. Diegos Leistung würde ich als gut bewerten, doch in der ersten Halbzeit trug seine Arbeit kaum Früchte. Erst in der zweiten Hälfte, als Diego im offensiven Mittelfeld mehr Unterstützung vom nun immer stärker auftrumpfenden Mesut Özil bekam, erspielte sich Werder langsam ein Übergewicht. Eine Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss verhinderte den Ausgleich, der Werder eine etwas erträglichere Ausgangssituation fürs Rückspiel beschert hätte.

Dennoch ist die Situation keineswegs aussichtslos. Die Vorzeichen sind klar: Werder braucht einen Sieg. Wenn Werder in Hamburg ähnlich konzentriert aufspielt wie vor einer Woche, könnte die niedrige Anzahl an Toren im Heimspiel – "Europapokalarithmetik" sei dank – zu einem Vorteil werden. Es wird Zeit für den ersten Auswärtssieg im UEFA-Cup. Bis dahin haben wir jedoch erstmal die Pappnase auf. Damit muss man leben. In der Vorbereitung auf das Spiel kann es sogar hilfreich sein.

Noch ein Wort zum Unparteiischen: Howard Webb war trotz einiger weniger umstrittener Entscheidungen ein guter Schiedsrichter. In der Bewertung des Handspiels in der Schlussphase kann man sicher anderer Meinung sein und Demel hatte großes Glück, dass Webb seinen Sprung mit Bein und Ellenbogen voraus nicht sah. Webb hätte vermutlich auch dann nicht mehr als Gelb gezeigt, doch die Aktion war dicht am Platzverweis. Insgesamt kann ich die deutsche Begeisterung für englische Schiris aber nicht so ganz nachvollziehen (die meisten Engländer wohl auch nicht), doch das ist ein Thema für sich, auf das ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch näher eingehen werde.

Gino Basteri’s Live Blog: Manchester United – Arsenal FC 0

Gepostet am 29. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Chelsea FC 0

Gepostet am 28. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend bloggt Gino live vom Champions League Halbfinalhinspiel Barcelona – Chelsea. Anpfiff ist um 20:45, Gino wird ab ca. 20 Uhr für euch da sein. Mit #Ginolive darf gern wieder von Twitter dazwischengefunkt werden.

UEFA-Cup Viertelfinale, Hinspiel: Das böse Wort mit K 0

Gepostet am 11. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Udinese Calcio 3:1

Der erste Schritt auf dem Weg zum Nordderby im Halbfinale ist gemacht. Werder siegt gegen eine taktisch wie erwartet starke Mannschaft aus Udine, macht sich aber eine beruhigende 3:0 Führung durch eine sehr unkonzentrierte Schlussphase etwas kaputt. Trotzdem hat man ein gutes Ergebnis erzielt, das die Chancen auf ein Weiterkommen sicher nicht gemindert hat. Vielleicht hat das Gegentor ja auch einen positiven Effekt und wird als Warnschuss fürs Rückspiel ernst genommen. Thomas Schaaf bezifferte die Chancen auf ein Weiterkommen nach dem Spiel auf 50:50. Eine gesunde Einstellung, die er hoffentlich auf die Mannschaft übertragen kann.

Erfreulich war bei Werder vor allem die Chancenverwertung. Obwohl das Offensivspiel lange hakte und die Fehlpassquote wie schon gegen Hannover hoch war, nutzte man die wenigen guten Angriffe aus und zeigte ungewohnte Vollstreckerqualitäten. Diego unterstrich mal wieder, wie wichtig er für Werder in dieser Rückrunde ist und noch werden kann. In den Spielen, in denen es drauf ankam, zeigte er stets hohen Einsatz und exzellente Leistungen. Nachlässigkeiten wie in den letzten 10 Minuten wird sich Werder in Udine jedoch kaum erlauben können. Ein 1:3 ist schnell aufgeholt und wer Udines Chancen gesehen hat, der weiß, dass es durchaus zu mehr als einem Tor hätte reichen können. Werders Auswärtsbilanz im Europapokal macht jedoch Mut: Man hat in dieser Saison noch nicht verloren (5 Spiele, 5 Unentschieden).

In den Tagen vor dem Spiel sorgte vor allem ein Name für Aufregung in Bremen: Kevin Kuranyi. Vor ein paar Wochen sagte ich bereits seinen Wechsel nach Bremen voraus. Naja, sowas ähnliches jedenfalls. Wie realistisch diese Spekulationen sind, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube eigentlich nicht, dass der Name ganz oben auf Allofs Liste steht, schon allein aus Kostengründen. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es neben den erwarteten empörten Protesten seitens gar nicht so weniger Fans auch positive Reaktionen gab: Kuranyi? Warum nicht?

Ja, warum eigentlich nicht? Abgesehen von persönlichen Sympathien (bzw. Antipathien) gibt es nicht vieles, das gegen Kuranyi spricht. Damit will ich nicht sagen, dass der Kevin keine Schwächen hat, ganz im Gegenteil. Man kennt seine Schwächen nur zu genau, werden sie doch Woche für Woche, Monat für Monat in den Medien wiedergekäut. Genau das ist das Problem: Der Name Kuranyi verleitet nicht zum träumen. Man weiß genau, was man bekommt, nämlich einen torgefährlichen, kampf- und kopfballstarken Stürmer der gehobenen Klasse, der technische Mängel aufweist, lispelt und selten etwas kluges sagt. Ein Brasilianer wie Fred, den nur wenige Fans mehr als dreimal live spielen gesehen haben, taugt dagegen besser als Objekt der Begierde. Er könnte sich ja zum Weltklassespieler entwickeln.

Um es kurz zu machen: Ich könnte mir Kuranyi als Sturmpartner für Pizarro gut vorstellen, weil ich glaube, dass sie sich gut ergänzen würden. Als Pizarro-Ersatz hingegen nicht wirklich. Allerdings muss ich schon sagen, dass ich mich mit einem Kuranyi im Werdertrikot aus menschlicher Sicht sehr schwer tun würde. Wer jedoch ernsthafte Zweifel an Kuranyis Klasse hat, dem  empfehle ich, sich nochmal einige der letzten Werderspiele gegen Schalke anzuschauen.

UEFA-Cup Viertelfinale, Hinspiel: Spielbericht 0

Gepostet am 10. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Udinese Calcio

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Die Bremer Innenstadt ist schon seit Stunden voller Werderfans. Und ein paar Udinesen (Udiner?) sind auch da.

Oh, oh, nur noch 30 Minuten bis Anpfiff und ich hab noch nix gegessen. Das könnte wieder einen Interessenkonflikt geben… Das erste mal seit über einem Jahr, dass ich bei einem Europapokalheimspiel nicht im Stadion bin.

Die Mannschaften kommen auf den Platz und langsam kommt bei mir das Europapokalfieber.

Die Aufstellungen:

Werder Bremen: Wiese – Fritz, Merte, Naldo, Boenisch – Frings, Tzilois, Özil, Diego – Pizarro, Almeida

Udinese Calcio: Handanovic – Zapata, Domizzi, Felipe, Pasquale – D'Agostino, Inler, Pepe – Sanchez, Asamoah – Quagliarella

Das Spiel:

1' Nach der Schweigeminute für die Erdbebenopfer geht es los.

3' Wiese muss
raus, klärt per Kopf, aber in die Mitte vor die Füsse eines Udinesen
(?), der aber aus 35 Metern weit drüber schießt.

9' Es ist wie so oft: Werder macht das Spiel, versucht Druck aufzubauen, aber die Offensivspieler finden sich noch nicht.

16' Ich würd gern
was schreiben, aber es gibt nichts zu schreiben. Situation so wie
vorhin beschrieben. Keine Torchancen bislang.

20' Werder spielt sehr ungenau, wirkt allerdings deutlich einsatzfreudiger als in der ersten Halbzeit gegen Hannover.

24' Özil setzt sich mal gut per Dribbling durch und zieht in den Strafraum. Pizarro kommt an den Ball, findet aber keine Lücke.

29' Immer wenn
Werder das Spiel schnell machen will, sind die Pässe zu ungenau. Spielt
man langsamer, stellt Udine sehr gut dicht.

31' LATTENKRACHER
von Naldo aus über 30 Metern. Den Abpraller holt sich Pizarro gegen
Handanovic mit unfairen Mitteln. Freistoß Udine.

35' Werder – Udinese Calcio 1:0, Diego. TOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRR!!!!!!!!!!!!! Jetzt war die
Genauigkeit da: Özil mit starkem Pass auf Diego, der von rechts
Richtung Strafraum zieht und ins linke untere Eck schießt.

39' Schiri
Duhamel zeichnet sich bislang durch eine übertrieben kleinliche
Regelauslegung aus. Von "internationaler Härte" keine Spur.

Halbzeit: Werder – Udinese Calcio 1:0. Pünktlich nach 45 Minuten pfeift Duhamel zur Pause. Werder führt
verdient mit 1:0 ohne zu glänzen. Man brauchte eine halbe Stunde um
sich Chancen zu erspielen, war dann aber ungewohnt effektiv.
Premiere schafft
es mal wieder, den Großteil der Halbzeitpause über Bayern zu reden.
Gibt ja auch nur zwei UEFA-Cup Spiele heute…

46' Weiter geht's und Udine gleich mit der Riesenchance. Zentimeter am Tor vorbei. Hab die Entstehung leider verpasst.

50' Ordentlich
Betrieb vor den Toren jetzt auf beiden Seiten. Jetzt Freistoß für
Werder aus 18m, zentrale Position. Diego schießt?

51' Ja, er
schießt, aber von der Mauer abgefälscht und zur Ecke geklärt. Hätte für
das Foul Gelb geben müssen, gab es aber nicht.

57' Chancen auf
beiden Seiten, erst rettet Wiese gegen Quagliarella, dann wird Frings
Schuss geblockt und Fritz vereitelt den Konter.

59' Wieder Wiese gegen Quagliarella, der nicht abseits steht. Lange geht das nicht mehr gut!

64' Udine kann
nun viel besser als in der ersten Hälfte seine Konter setzen. Boenisch
bleibt verletzt liegen, kann aber weiterspielen.

66' Riesenpass von Tziolis auf Almeida, der frei vor dem Tor steht, aber wg. Abseits zurückgepfiffen wird. Habe große Zweifel daran!

67' Werder – Udinese Calcio 2:0, Diego. TOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRR!!!!!

69' Ich komm nicht mehr hinterher, Werder – Udinese Calcio 3:0, Almeida. TOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRR!!!!!!!!! Der Reihe nach: Diego kommt auf links im Strafraum an den Ball, dreht sich und schlenzt wunderschön hoch ins lange Eck. 90 Sekunden
später schickt Boenisch Almeida, der diesmal nicht zurückgepfiffen wird
und überlegt von halblinks am Torwart vorbei schiebt.

73' "Seht ihr
Bayern, so wird das gemacht", schallt es durchs Stadion. Nicht ganz
zutreffender Vergleich aber soll mir recht sein.

74' Torschütze Almeida ist inzwischen ausgewechselt worden. Für ihn im Spiel ist jetzt Aaron Hunt.

76' Nächster Wechsel: Niemeyer für Özil. Die Aufstellung wird Schritt für Schritt defensiver.

82' Pasanen kommt für Boenisch. Der HSV führt inzwischen mit 3:1. Gute Voraussetzungen für ein "Jahr der Nordderbys". Und jetzt die Riesenchance für Quagliarella, weil die Werderabwehr kollektiv pennt! Der Heber geht knapp übers Tor. Puh!

85' Wiese mit
einer Riesenparade nach Freistoß von D'Agostino, der aus halblinker
Position zur Überraschung aller direkt draufhält!

Werder – Udinese Calcio 3:1, Quagliarella. Und jetzt ist es passiert und es ist hochverdient! Der Italiener per Drehschuss aus dem 5m-Raum. Sehr ärgerlich und unnötig!

88' Unglaublich wie Werder seit 5 Minuten schwimmt! Wenn es beim 3:1 bleibt ist das glücklich für Werder!

90' 3 Minuten Nachspielzeit angezeigt. Bitte nicht noch ein Gegentreffer!

90+2' Wieder
kommt Quagliarella im Strafraum zum Abschluss und ich kann nicht
fassen, wie schlecht Werders Abwehr jetzt organisiert ist!

Endstand: Werder -
Udinese Calcio 3:1.
Werder muss feststellen, wie schnell aus einer
hervorragenden eine gute Ausgangssituation wird.
Legt man Anzahl
und Qualität der Chancen zugrunde, ist das Ergebnis sehr schmeichelhaft
für Werder. Nach 80 Minuten schaltete man völlig ab.
Das Positive heute: Die Chancenverwertung und die kompakte Leistung bis zur 80. Minute. Frings wieder richtig gut in der Mitte. Weiß noch nicht
was überwiegt: Ärger über die Leistung der letzten 10 Minuten oder die
Erleichterung, dass Udine nur 1 Tor gemacht hat.

Gino Basteri’s Live Blog: Villareal CF – Arsenal FC 0

Gepostet am 7. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend versucht sich Gino Basteri an einer halbwegs neutralen Berichterstattung vom Champions League Viertelfinalhinspiel Villareal – Arsenal. Anstoß ist um 20:45, Gino beginnt mit seiner "Arbeit" wahrscheinlich schon etwas früher. Einen eigenen Hashtag bei Twitter hat der Gute nun auch: Mit #Ginolive könnt ihr euch von Twitter aus direkt ins Live-Blogg reinhacken.



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