Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



21. Spieltag: Jinx 5

Gepostet am 8. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hertha BSC 2:1

Vor gut 2 1/2 Monaten schrieb ich euphorisiert von Werders 6:0 in Freiburg folgendes:

“Ich lehne mich heute aus dem Fenster und sage: Werder wird Meister 2010!”

Wie dumm von mir! Als Fan lernt man über die Jahre, dass solch eine Aussage einfach nicht unbestraft bleibt. Außer man ist Fan des FC Bayern. Ich fühle mich daher schon mehr als nur ein wenig mitschuldig, dass Werders tolle Serie aus dem Herbst so jäh beendet wurde und es stattdessen bis zum Freitag gedauert hat, bis Werder den nächsten Sieg einfahren konnte. Im Baseball gibt es dafür sogar eine eigene Bezeichnung: jinx. Ein jinx ist ist eine Art Fluch, der durch verschiedene Dinge hervorgerufen werden kann. Es gibt inzwischen ein ganzes Regelwerk für Spieler, die einen jinx vermeiden wollen. Die wichtigste Regel dabei ist: Spreche niemals über die Serie! Im Baseball ist damit die Serie eines Pitchers an No-Hittern gemeint, aber es lässt sich relativ leicht auf andere Sportarten übertragen. Wäre ich Amerikaner hätte es nach meiner Aussage vermutlich keine drei Sekunden gedauert, bis mir jemand zugerufen hätte: “Don’t jinx it!”

Auch in Deutschland hat mir jemand etwas ähnliches zugerufen, nämlich meine Freundin. Dummerweise habe ich nicht auf sie gehört und den schlimmsten Fehler begangen, den man in meiner Situation machen kann: Ich habe meine Aussage nicht etwa zurückgenommen oder relativiert, sondern ihren Einwand als Quatsch abgetan. Ich habe die Existenz des jinx verneint! Wenn es etwas gibt, das den Fluch sogar noch verstärkt, dann ist es, die Existenz des jinx zu leugnen! “There is no such thing as a jinx”, ist daher die dümmste Äußerung, die ein Sportfan in den USA von sich geben kann. Ein absoluter rookie mistake, den sich bestenfalls sportuninteressierte Nerds leisten, die zum ersten Mal eine Sports Bar besuchen und dann von allen Seiten beschimpft werden. Wenn es also einen Schuldigen für Werders elfwöchige Serie ohne Bundesligasieg gibt, dann ist es nicht der Trainer, dann ist es nicht die Mannschaft, sondern dann bin ich es!

Nun stellt sich aber die Frage, wer “Schuld” daran trägt, das Werder am Freitag zumindest vorübergehend zurück in die Erfolgsspur gefunden hat. Andersherum funktioniert der jinx nämlich nicht, auch wenn eine pessimistische Grundeinstellung bis zum sicheren Sieg die Gefahr eines jinx minimiert. Es muss sich also tatsächlich etwas verändert haben in Werders Mannschaft. Bloß was? Häufig sind die Änderungen nicht von außen erkennbar. Es werden vermeintliche Kleinigkeiten geändert, die auf dem Platz eine große Wirkung erzielen. Manchmal sind es aber auch ganz offensichtliche Dinge. Am Freitag waren die personellen Umstellungen in der Mannschaft deutlich: Für den in Gladbach überforderten Abdennour kam Perti Pasanen in die Startelf und im Mittelfeld ersetzte Peter Niemeyer Tim Borowski. Es blieb jedoch nicht nur bei den personellen Umstellungen, auch die Formation auf dem Platz war eine andere. Wer Thomas Schaaf auf die “Raute” im Mittelfeld anspricht, erntet zumeist nur ein müdes Lächeln, ihm sind diese Standardfloskeln ein Dorn im Auge. Viel wichtiger als die Grundformation sind ohnehin die Bewegungen der Spieler in unterschiedlichen Spielsituationen. Gegen die Hertha waren aber deutliche Umstellungen erkennbar, wie ein Blick auf die Durschnittspositionen während des Spiels zeigt.

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Hertha (Durchschnittliche Positionen)

Auf dem oberen Bild ist Werders Mannschaft im Spiel gegen Gladbach zu sehen, auf dem unteren im Spiel gegen Hertha. Was fällt auf? Die Abwehrkette stand beim Heimspiel gegen den Tabellenletzten deutlich tiefer als noch eine Woche zuvor. Am auffälligsten zeigt sich dies bei Per Mertesacker – der gegen Berlin in der ersten Halbzeit fast einen Libero abgab – und bei Petri Pasanen. Eine tiefer stehende Viererkette bedeutet aber auch mehr Raum für den Gegner im Mittelfeld. Während im oberen Bild eine deutliche Raute erkennbar ist (das ist bei Werder längst nicht immer so, weil die Spieler ihre Positionen immer wieder tauschen), sieht man im unteren Bild zwei defensive Mittelfeldspieler im Zentrum. Niemeyer fiel weder durch große Passgenauigkeit, noch durch außergewöhnliche Zweikampfstärke auf, doch er machte in taktischer Hinsicht vieles richtig. Bei Ballverlusten dauerte es keine zwei Sekunden, bis er sich neben Frings eingefunden hatte. Zusammen machten die beiden viele Gegenangriffe der Hertha zunichte, bevor sie auf die sichtlich bemühte, aber verunsichert wirkende Abwehrkette zurollen konnten. Borowski hatte in den Wochen zuvor als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive immer wieder enttäuscht, konnte weder Frings im Zentrum wirklich unterstützen, noch für Impulse im Angriffsspiel sorgen. Die Variante mit Niemeyer scheint bis auf weiteres die stabilere zu sein.

Während man defensiv deutlich mehr Augenmerk auf das Verhindern von Kontergelegenheiten legte, blieb in der Offensive alles beim Alten. Hunt mit ungeheuer viel Laufarbeit, Marin wirbelt und Pizarro sorgt für die entscheidenden Tore (wenn man denn hinten die Bude nicht voll bekommt). Man konnte auch ganz deutlich sehen, wie sehr man sich an Pizarros Torriecher gewöhnt hat. Als er die ersten drei dicken Torchancen gegen den Berliner Schlussmann Drobny liegenließ, wollte man es gar nicht so recht glauben. Der Sieg ging deshalb völlig in Ordnung. Hertha hatte trotz ordentlichen Spiels über die gesamten 90 Minuten kaum Torchancen, benötigte für den zwischenzeitlichen Ausgleich die Mithilfe von Tim Wiese. Den Ärger über die wohl ungerechtfertigte Abseitsentscheidung in der ersten Hälfte kann ich zwar verstehen, aber als spielentscheidende Szene kann man es wohl kaum bezeichnen. Das Sorgenkind auf Bremer Seite heißt leider weiterhin Mesut Özil. Er scheint so sehr mit dem Kampf gegen sein Phlegma beschäftigt, dass er der Mannschaft nicht so richtig weiterhelfen kann. Ich glaube aber erkannt zu haben, dass er diesen Kampf endlich annimmt und ihn auch gewinnen wird.

Ist etwa doch noch etwas drin in dieser Bundesligasaison? Dortmund und unsere Freunde aus Stellingen sind uns freundlicherweise etwas entgegen gekommen. Wenn nun noch Frings die einfachen Fehlpässe im Aufbau abstellen kann, die Abwehrkette ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnt und auch noch Özil zurück zu seiner Form findet, dann, ja dann! I don’t wanna jinx it, but… aber so fangen eigentlich auch nur ziemlich dumme Sätze an.

Live-Blog: Werder Bremen – Hertha BSC 1

Gepostet am 5. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

4. Spieltag: Die üblichen Verdächtigen 1

Gepostet am 31. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hertha BSC – Werder Bremen 2:3

Werder gewinnt also wieder in Berlin. So langsam könnte man sich daran gewöhnen. Auch wenn an Werders Spiel noch vieles verbesserungswürdig ist, hat man sich im Vergleich zum holprigen Start gefangen und steht nun auf dem dritten Platz. Vor zwei Wochen noch fast sicherer Absteiger, nun schon wieder auf Champions League-Kurs?

Thomas Schaaf vertraut weiterhin nicht auf einen zweiten Stürmer neben Pizarro und ließ mit einer Art 4-1-3-2 spielen, bei dem Frings hinter einem Dreiermittelfeld den Abräumer machte und Marko Marin anstelle von Aaron Hunt als hängende Spitze agierte. Was mir sehr gut gefiel, war die Selbstverständlichkeit, mit der Özil oder auch Bargfrede und Borowski mit Marin die Positionen tauschten und so für die Hertha schwer ausrechenbar waren. Eine alte Stärke, die gegen Berlin zum Erfolg führte. Obwohl Werder nach der Pause stark unter Druck geriet und nur dank Tim Wiese und einer umstrittenen Entscheidung von Schiedsrichter Kinhöfer (bei der ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob Wichniarek abhob oder tatsächlich getroffen wurde) nicht in Rückstand geriet, war das 0:1 einfach toll heraus gespielt.

Ich weiß nicht, was mich mehr freut: Marins starke Leistung mit seinen beiden Torvorlagen oder Mesut Özils neue Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. So stelle ich mir einen Klassespieler vor: Selbst wenn es nicht so gut läuft aus dem Nichts auftauchen und die Chance nutzen. Pizarro machte als einzige richtige Spitze ein gutes Spiel. Man sieht, wie sehr Werder von seiner Ballsicherheit profitiert, auch wenn er selbst nicht trifft. Es erstaunt mich, dass Torsten Frings, der Diegos Spielweise häufig kritisiert hat, nun der Spieler ist, der den Ball zu lange hält, statt ihn direkt zum nächsten Mitspieler zu passen. So bringt er sich selbst in schwierige Situationen, denn ein Dribbelgott wird er in diesem Fußballerleben nicht mehr.

In der Defensive das alte Spiel: Kaum wird schnell gespielt, gerät die Viererkette ins Wanken. Meine Prognose von weniger als 40 Gegentoren war vielleicht optimistisch. Die momentane Quote würde am Ende 51 Gegentore bedeuten – eins mehr als in der letzten Saison. Bekommt man endlich etwas mehr Stabilität in diesen Mannschaftsteil, kann Werder in dieser Saison wieder vorne mitspielen.

Nicht mitspielen dürfen hingegen Torsten Frings und Tim Wiese. In der Nationalmannschaft. Während Wiese bis zum noch nicht fest angesetzten Spiel gegen Chile vertröstet wurde, scheint Frings in den Planungen keine Rolle mehr zu spielen. Ich kann beide Entscheidungen nachvollziehen, halte sie aber dennoch für falsch. Frings ist momentan nicht gut genug, einen Stammplatz in der Nationalelf einzufordern. Mit seinen lauten Rufen nach Berücksichtigung hat er sich ein wenig selbst ins Abseits manövriert. Dennoch war Frings viele Jahre lang ein wichtiger Spieler für Deutschland, hat eine starke (2002) und eine überragende (2006) WM gespielt. Es gehört zu den Aufgaben eines Trainers dazu, ältere Spieler auszusortieren. Die Kriterien, nach denen dies bei Joachim Löw geschieht, sind jedoch höchst undurchsichtig.

Statt einem Spieler klar zu sagen, dass er in der Nationalmannschaft keine Zukunft mehr hat, wird er monatelang hingehalten und erhält immer neue Nackenschläge. Es ist einerseits verständlich, dass sich Löw noch nicht endgültig um die Option Frings berauben will, falls dieser noch einmal zu seiner Topform zurück findet. Das vermeintliche Überangebot im zentralen/defensiven Mittelfeld ist spätestens seit Jones Absprung keines mehr. Andererseits wird der Spieler, wie Frings schon vor einem Jahr sagte, respektlos behandelt. Man kann nicht auf der einen Seite ein tadelloses Verhalten seitens der Spieler fordern und sich auf der anderen Seite so verhalten, wie Löw es in seinen Personalentscheidungen immer wieder tut: Hildebrandt, Kuranyi, Jones. Hier werden Spieler durch einen unaufrichtigen Umgang mit ihnen zu Reaktionen getrieben, die dann als Begründung für ihren Ausschluss herangezogen werden. Was ich bei Klinsmann (Wörns, Kahn, wiederum Kuranyi) noch in Ansätzen verstehen konnte, wirkt nun völlig deplatziert und muss dem Bundestrainer als Schwäche ausgelegt werden.

Das Leistungsprinzip wird nur dann als Begründung verwendet, wenn es gerade passt. Ein Lukas Podolski darf trotz fehlenden Einsätzen und dem taktischen Spielverständnis eines 10-Jährigen über Jahre hinweg ein Spiel nach dem anderen machen und wird selbst für einen tätlichen Angriff auf dem Spielfeld gegen den eigenen Mannschaftskapitän nur halbgar abgemahnt. Was wäre wohl mit Spielern wie Kuranyi, Jones oder Wiese in dieser Situation passiert?

Überhaupt Wiese. Nimmt man die grün-weiße Vereinsbrille mal ab, dann kann man die Entscheidung pro Enke (nichts anderes war es) durchaus verstehen. Robert Enke ist ein sehr guter Torhüter, strahlt Ruhe aus, macht wenig Fehler. Wiese hat sich ungemein verbessert, wächst immer häufiger über sich hinaus. Von der Klasse her nehmen sich beiden nicht mehr viel, doch Wiese ist – im Positiven wie im Negativen – der unberechenbarere von beiden. Mit Manuel Neuer und René Adler hat man zwei starke, junge Torhüter in der Hinterhand, die bei der WM Turniererfahrung sammeln können. So weit, so gut, doch warum sagt man das Tim Wiese nicht? Warum macht man ihm über ein Jahr lang vor, er habe eine reelle Chance auf einen Platz im WM-Kader? Wiese hat sich seit seiner ersten Nominierung nichts zu Schulden kommen lassen, gut trainiert und bei Werder konstante Leistungen auf sehr hohem Niveau abgeliefert. Dazu hat er sich in seinen früheren Schwachpunkten (Herauslaufen, 1-gegen-1, Strafraumbeherrschung) klar verbessert und verfügt über die größte internationale Erfahrung.

Trotzdem erhielt er nie die Chance, sich in der Nationalmannschaft zu beweisen. Ihn nun ohne ersichtlichen Grund zurück zu stufen gleicht einer Ohrfeige, wie sie schallender nicht sein könnte. Ein weiterer Spieler, der durch den Trainer Löw verbrannt wird. Die Personalpolitik der Nationalmannschaft erscheint so in einem immer schlechteren Bild. Ein Trainer muss sich eben nicht nur an seinen Trainingsmethoden und taktischen Kenntnissen messen lassen, sondern auch an seiner Menschenführung. In letzterem Bereich könnten ein paar Lehrstunden für den Bundestrainer nicht schaden. Ich wüsste da auch einen Trainer, der sie ihm geben könnte…

Live-Blog: Hertha BSC – Werder Bremen 1

Gepostet am 30. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Meine Saisonvorschau 09/10 (Teil 2) 2

Gepostet am 8. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Nach meiner Einschätzung des Werderkaders folgen heute meine Erwartungen an die neue Saison (inklusive meiner Abschlusstabelle, bei der ich schon traditionell hoffnungslos daneben liege).

Entwicklung der Bundesliga

Im internationalen Vergleich steht die Bundesliga so gut da, wie schon lange nicht mehr. Zwar ist der Abstand auf die europäischen Spitzenclubs nicht geringer geworden, doch insgesamt gibt es wieder mehr Bundesligamannschaften, die gehobenes internationales Niveau haben. In der letzten Saison konnte man eine deutliche Zweiteilung der Liga erkennen, mit Werder auf Platz 10 als Bruchstelle. Dadurch war es oben wie unten spannend, echte Überraschungen durch Underdogs bleiben jedoch aus. Wolfsburgs Meisterschaft schien vor einem Jahr nicht völlig utopisch, fast alle hatten sie zumindest für die Plätze 3-5 auf der Rechnung. Im Fall Hoffenheim überraschte nur der frühe Zeitpunkt, nicht die Etablierung in der Spitze selbst. Erleben wir also eine Spaltung der Bundesliga?

Es sieht danach aus, und das ist auch gut so! Da es – anders als in England, Spanien und Italien – nur eine Mannschaft gibt, die seit vielen Jahren national und international immer ganz oben dabei ist, tun sich die zweiten und dritten Kräfte im Land schwer. Wird nun der Kreis der Spitzenmannschaften erweitert, wird es naturgemäß schwieriger, sich gegen diese durchzusetzen. Mal ganz ökonomisch gedacht: Mehr Wettbewerb führt zu einem besseren Ergebnis. Der FC Bayern sah sich zum zweiten Mal in drei Jahren gezwungen, seinen Kader für viel Geld zu verstärken. Es reicht nicht mehr, die besten Leute der Konkurrenz weg zu kaufen, wenn diese, wie Wolfsburg oder Hoffenheim, finanziell in der gleichen Liga spielt. Davon wird man auch international profitieren. Einen deutschen Champions League Sieger sehe ich in den nächsten Jahren trotzdem nicht.

Meine Prognose

Der Meisterschaftskampf dürfte in dieser Saison wieder etwas langweiliger werden. Es ist zwar nicht sonderlich sexy auf einen Meister Bayern München am 31. Spieltag zu tippen, aber der Rekordmeister hat sich wirklich gut verstärkt und mit Louis Van Gaal einen hervorragenden Trainer, den ich noch aus seiner Zeit bei Ajax Amsterdam Mitte der 90er sehr schätze. Damals fügte er den Bayern im Europapokal eine empfindliche Niederlage zu und gewann schließlich mit einer sehr jungen Mannschaft die Champions League. Der Start könnte noch etwas holprig werden, doch auf lange Sicht wird sich die Klasse der Bayern wohl durchsetzen.

Dahinter wird es einen knappen und spannenden Kampf um die Champions- und Europa League Plätze geben. Vorbei sind die Zeiten als Werder und Schalke den 2. und 3. Platz unter sich ausmachten. Insgesamt 8 Kandidaten scheinen sich auf ähnlichem Niveau zu bewegen: Wolfsburg, Hoffenheim, HSV, Schalke, Dortmund, Stuttgart, Leverkusen und auch Werder. Ob eine dieser Mannschaften den Bayern einen spannenden Meisterkampf liefern können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dahinter dürfte es allemal knapp werden.

Rechnen muss man sicher mit den Neureichen aus Wolfsburg und Hoffenheim, die die Bundesliga letzte Saison kräftig durcheinander gewirbelt haben. Beim VfL Wolfsburg wurde der Meisterkader zusammen gehalten und sogar punktuell verstärkt. Den unglaublichen Lauf der letzten Rückrunde wird man nicht wiederholen können. Dennoch ist Wolfsburg wieder ein Kandidat für die Spitzenplätze. 1899 Hoffenheim spielte nach begeisternder Hinrunde eine schwache Rückserie. In der neuen Saison werden sie sich davon erholt haben und wieder häufiger ihr Gesicht aus 2008 präsentieren. Der Kader ist qualitativ besser als vor einem Jahr und die Erfahrungen der letzten Saison helfen Hoffenheim, sich weit oben zu platzieren.

Schalke 04 ist mit Felix Magath einiges zuzutrauen. Der ganz große Wurf dürfte aber noch nicht gelingen, dafür halte ich den Kader für zu schwach. Mehr als ein 5. Platz wäre für mich eine Überraschung. Wie jedes Jahr wird auch der Hamburger SV hoch gehandelt. Nach dem Theater in der sportlichen Führung und dem unsäglichen Machtkampf zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer habe ich jedoch weiterhin Zweifel, ob in Hamburg alle an einem Strang ziehen. Der Kader verspricht wieder viel, die Qualität ist da. Doch kann der in Leverkusen gescheiterte Labbadia daraus eine Meistermannschaft formen? Zwischen Platz 2 und 9 ist für die Hamburger vieles drin. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Entscheidung darüber am 34. Spieltag im Bremer Weserstadion fiele.

Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart halte ich aus unterschiedlichen Gründen für die schwächeren der genannten Teams. Bei Leverkusen ist mir noch immer Schleierhaft, warum man das eigene Potential nie über eine ganze Saison hinweg ausschöpft. Im Ernstfall stellt man sich selbst oft ein Bein in den Weg. Ich sehe auch nicht, wie sich dies in Zukunft ändern soll. Schönen Fußball wird es in Leverkusen bestimmt geben, aber keinen greifbaren Erfolg. Dortmund macht unter Klopp vieles besser als in der Vergangenheit und es fehlt nicht viel, um ein ernsthafter Titelkandidat zu werden. So ganz reicht es meiner Meinung nach aber noch nicht. Bei Trainer Klopp könnten sich in diesem Jahr erste Abnutzungseffekte zeigen, die er zwar in den Griff bekommen wird, die jedoch ein besseres Abschneiden verhindern. Stuttgart hat weiterhin eine starke Mannschaft, die ohne Gomez allerdings nur die Hälfte wert ist. Der Transfererlös wurde in Hleb und Pogrebniak sinnvoll investiert. Die Lücke, die Gomez hinterlässt, erscheint mir aber zu groß.

Hertha BSC sehe ich in dieser Saison nur im (gesicherten) Mittelfeld. Die Mannschaft ist schwer zu spielen, was ein Verdienst von Trainer Favre ist. Offensiv fehlt aber die Klasse. Wichniarek ist kein Voronin. Dahinter beginnt auch schon der Abstiegskampf. Köln und Nürnberg scheinen mir am ehesten die Klasse zu besitzen, in die Phalanx der letztjährigen Top 10 einzudringen. Für Hannover 96 wird es dagegen nicht zum Klassenerhalt reichen. Wenn dort nicht endlich das Ruder herumgerissen wird, ist die Mannschaft 2010 einfach mal dran. Mitabsteiger werden Mainz und Mönchengladbach sein. Freiburg, Frankfurt und Bochum heißen folglich die glücklichen Mannschaften, die sich in letzter Sekunde vor der Relegation retten können.

Und was ist mit Werder?

Es wird mal wieder eine typische Werder-Saison. Gute Hinrunde, Krise zu Beginn der Rückrunde, Aufholjagd im letzten Drittel und am letzten Spieltag werden die Positionen mit dem HSV getauscht. Werder wird Dritter und landet in der Champions League Qualifikation.

Vieles scheint möglich in diesem Jahr – nach oben wie nach unten. In Werders Kader steckt viel Talent, bei einem guten Beginn könnte man schnell einen Lauf bekommen. Zweifel an der Konstanz einiger Spieler sind aber angebracht. Diese hat Werder in den letzten 1 1/2 Jahren vermissen lassen. Man wird schon am oberen Limit spielen müssen, um meinen Tipp in Erfüllung gehen zu lassen. Mit der falschen Einstellung kann man schnell wieder ins Mittelfeld durchgereicht werden. Zum ersten Mal seit 2004 wird Werder von vielen Fußballinteressierten zum Favoritenkreis auf die Meisterschaft gezählt. In der Vergangenheit war dies häufig nicht die schlechteste Ausgangsposition.

Meine Abschlusstabelle

  1. Bayern München
  2. 1899 Hoffenheim
  3. Werder Bremen
  4. Hamburger SV
  5. VfL Wolfsburg
  6. Schalke 04
  7. VfB Stuttgart
  8. Borussia Dortmund
  9. Bayer Leverkusen
  10. 1. FC Köln
  11. Hertha BSC
  12. 1. FC Nürnberg
  13. SC Freiburg
  14. VfL Bochum
  15. Eintracht Frankfurt
  16. Borussia Mönchengladbach
  17. Mainz 05
  18. Hannover 96

28. Spieltag: Berlin, Testreise 0

Gepostet am 20. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hertha BSC – Werder Bremen 2:1

Wer einsnull führt, der stets verliert. Seit dem Spiel gestern geistert dieser nicht zutreffende und absolut dämliche Spruch durch meine Gehirnwindungen. Gegen Hertha verspielte Werder eine glückliche, wenn auch nicht unverdiente Führung in der zweiten Halbzeit und kassierte eine unglückliche, aber ebenfalls nicht ganz unverdiente Niederlage. So nimmt man aus Berlin nichts mit, außer dem Willen, die Saison bitteschön auch dort zu beenden.

Ohne Diego und Mesut Özil im Gepäck war man zum Auswärtsspiel gereist. Da mit dem langzeitverletzten Daniel Jensen und in der zweiten Hälfte Aaron Hunt auch alle anderen Spieler ausfielen, deren Namen irgendwie mit Kreativität im Mittelfeld in Verbindung gebracht werden, stand in der zweiten Halbzeit wohl das defensivste Mittelfeld der Ära Schaaf auf dem Platz: Baumann, Frings, Niemeyer, Tziolis. Passt zu Werders Bundesligasaison: Solides Mittelmaß. Trotzdem kam Werder nach einer schwächeren Anfangsphase zu guten Tormöglichkeiten, die eben jene Baumann, Tziolis und Niemeyer ungenutzt ließen.

Das 1:0 aus Werdersicht erzielte dann einer der drei gelernten Innenverteidiger auf dem Platz, nämlich Per Mertesacker, nachdem ihm der Ball nach einer Ecke erst an die Hand und von dort über mehrere Umwege ins Tor sprang. Danach schaffte es Werder gut, dem Gegner im Mittelfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne spielerisch mehr Esprit zu versprühen, als es nominell zu erwarten war. Doch plötzlich kam Hertha dank eines starken, aber nicht unhaltbaren Kopfballs von Simunic zum Ausgleich und tat danach viel für den Sieg, während Werder nur das Unentschieden über die Zeit retten wollte. Das Siegtor fiel dann jedoch durch einen unglücklichen Zufall: Naldo vertändelt den Ball, Chermiti mit einem ganz schwachen Pass auf Raffael und dieser dann per abgefälschtem Fernschuss (wer hier ein Wortspiel finde, darf es behalten) über Wiese ins Tor.

Vor den mit Spannung erwarteten Duellen mit dem HSV ist die Niederlage zumindest vom Gefühl her bedeutungslos. Ich habe selten ein Gegentor in der Schlussphase so gefasst zur Kenntnis genommen. Dabei ist seit gestern eines klar: Werder kann nun auch theoretisch nicht mehr Deutscher Meister werden. Es wird Zeit fürs erste Nordderby!

28. Spieltag: Spielbericht 2

Gepostet am 19. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hertha BSC – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem Liveblog bei Twitter.)


Vor dem Spiel:

So, bisschen spät dran heute. In 10 Minuten geht's los mit Hertha – Werder. Für Hertha geht's
um die letzte Meisterschaftschance, für Werder um… nichts. Gar
nichts. Bloß nicht verletzen vor den Nordderbys.
Wird interessant,
ob Werder ohne Diego und Özil mit Raute spielt oder nicht. Ich tippe
auf "flache Vier" um Druck von Hunt zu nehmen.

Aufstellungen:

Hertha BSC: Drobny – Stein, Von Bergen, Simunic, Cufre – Dardai, Kacar, Nicu, Cicero – Pantelic, Raffael

Werder Bremen: Wiese – Prödl, Merte, Naldo, Fritz – Baumann, Frings, Tziolis – Hunt – Pizarro, Rosenberg

Das Spiel:

1' Das Spiel läuft.

2' Fritz heute als Linksverteidiger, Prödl auf rechts. Hunt auf der linken Außenbahn.

3' Pantelic tanzt Fritz aus, passt zurück auf Kacar, doch der schlägt aus viel versprechender Position ein Luftloch!

10' Werder hat
sichtlich Schwierigkeiten, mit den vielen Veränderungen ein
vernünftiges Spiel aufzuziehen. War zu erwarten/befürchten.

11' Allerdings ist ein deutliches Bemühen erkennbar. Hier wirkt niemand so, als wolle er sich für Mittwoch schonen.

15' Tolles Tackling von Mertesacker gegen Pantelic als letzter Mann im Strafraum. Mit sehr viel Übersicht und gutem Timing.

17' Ecke Frings landet auf Naldos Kopf, schafft es aber nicht bis zum Tor.

18' Prödl mit einem blitzsauberen Tackling gegen Cicero, das von Rafati als Foul ausgelegt wird. Lächerlich.

21' Kacar mit
weiterer großer Chance, zögert aber zu lange mit dem Abschluss und wird
dann geblockt. Wiese mit Flugeinlage hinterm Tor.

25' Werder weiter
mit Problemen im Passspiel in der gegnerischen Hälfte, obwohl Hunt sehr
aktiv ist und viel die Seiten wechselt.

26' Großes Glück
für Werder: Kopfball von Cicero geht an den Pfosten, springt von dort an
Wieses Hand, aber dann zum Glück zur Seite weg.

29' Endlich mal ein Steilpass der ankommt. Pizarro schickt Rosenberg auf links, aber der stolpert über den Ball.

30' Beste Chance
für Werder durch Baumann. Fritz flankt mit rechts von links, Hunt legt
per Kopf am langen Pfosten zurück. Baumann trifft den Ball nicht richtig und sein Schuss geht deutlich übers Tor.

36' Tzilois kommt
5 m vor dem Tor mit dem Kopf an den Ball, trifft ihn aber nicht
wirklich und der Ball geht vorbei. Werder jetzt stärker.

40' Mertesacker versucht nach einer Ecke eine Schlenzer (!) aufs lange Eck. Knapper drüber als man denken würde

41' Nächste Chance durch Prödl, der nach Vorlage von Pizarro vom rechten Strafraumeck draufknallt, aber Drobny wehrt ab.

42' Hertha – Werder 0:1, Mertesacker. TOOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!!! Unglaubliches Gestocher im Strafraum nach Ecke Frings. Merte wohl als letzter am Ball

45' Tor ist verdient. Werder in den letzten 10 Minuten mit 4-5 guten Chancen. Hab Prödl noch nie so offensiv gesehen.

Halbzeit: Hertha
- Werder 0:1.
Nach einer unterhaltsamen, aber spielerisch nicht
hochklassigen Halbzeit führt Werder verdient mit 1:0.
30 Minuten lang
tat sich sehr wenig, Hertha wirkte gefährlicher. Dann erspielte sich
Werder Chancen und kam mit einer Ecke zum Führungstor.
Interessantes
System bei Werder heute. Hunt vogelfrei, hinter ihm drei defensive
Mittelfeldspieler und offensive Außenverteidiger.

46' Wechsel bei Werder. Niemeyer kommt für Hunt, der wohl angeschlagen ist. Hmja… Spiel läuft wieder.

47' Bei Hunt wurde eine Bänderdehnung festgestellt. Mal sehen wie sich das Mittelfeld in der Zusammensetzung schlägt.

55' Ruhige zweite
Halbzeit bislang. Werder sehr kompakt im Mittelfeld, versucht Herthas
Spiel schon im Ansatz zur ersticken. Bislang klappt's.

57' Jetzt erster Wechsel Hertha: Piszeck (wird der so geschrieben?) für Nicu.

59' Werder mit
Konter 3 gegen 3. Tziolis spielt auf Rosenberg, aber der schließt
schwach ab. Deutlich links daneben. Vorher Verdacht auf Foul.

60' Frings setzt
sich über links durch und flankt aufs lange Eck. Pizarro legt auf
Niemeyer zurück und der köpft aus zentraler Position drüber.

61' Das hätte es sein können für Werder! Bei Hertha kommt ein weiterer Spieler mit vielen Konsonanten im Namen (für Pantelic).

64' Hertha jetzt
mal wieder mit einer Ecke. Cicero köpft aufs Tor und Wiese hält. Erste
Chance für Hertha seit einer halben Stunde.

65' Erst fällt
Fritz im Strafraum, Rafati lässt weiterspielen. Dann Niemeyer gegen
Cicero im anderen Strafraum. Zweimal kein Elfmeter.

67' Zweiter Wechsel bei Werder. Almeida kommt für den unglücklichen Rosenberg. Bei Hertha letzter Wechsel Chermiti für Stein.

68' Auch wenn
Werder hier kreativ keine Bäume ausreißt, ist das eine wirklich
anständige Leistung gegen eine insgesamt schwache Hertha.

71' Hertha – Werder 1:1, Simunic. Und kaum sag ich das, macht Hertha den Ausgleich! Ausgehend von einem Freistoß köpft Simunic eine Flanke von Dardai über Wiese ins lange Eck. Der Pass von Cicero auf Dardai war so offensichtlich, da hätte man in der Zwischenzeit noch ein Spiegelei braten können.

76' Erstaunlich, was ein Tor bewirken kann. Hertha wirkt jetzt viel wacher und aktiver.

77' Rafati ist eine so unglaubliche Pfeife, der sollte nie wieder Bundesliga pfeifen! Kacar nagelt
Mertesacker von der Seite um, Ball ist seit Sekunden weg. Gibt aber
nicht Gelb-Rot, sondern nur eine Ermahnung. Unglaublich!

81' Werder verwaltet weiterhin nur. Hertha versucht, auf das Siegtor zu drängen, erspielt sich aber keine Chancen.

83' Was ist hier
los? Chermiti köpft an den Pfosten, Wiese wie versteinert. Beim
Nachschuss blocken sich die Berliner gegenseitig. Kurios!

88' Hertha -
Werder 2:1, Raffael.
Leck mich doch.
Hertha macht beim Konter alles falsch und dann haut Raffael aus der
Distanz einfach drauf, abgefälscht über Wiese ins Tor.
Naldo hatte sich da den Ball im Aufbau von Chermiti
vom Fuß nehmen lassen. Darf nicht passieren!

90' Eine Minute Nachspielzeit. Die Stimmungsmache des Berliner Stadionsprechers ist ein wenig peinlich.

Endstand: Hertha – Werder 2:1. Dumm, unglücklich, unverdient. Werder vergibt die eigenen Chancen und verspielt dann die Führung. Die Gegentore in der Entstehung eine Mischung aus unglücklichen Zufällen und eigener Unkonzentriertheit. Die Leistung sehr solide, aber in den letzten 25 Minuten zu sehr auf die Defensivstärke und Herthas Schwäche verlassen. Dazu ein
Schiedsrichter Rafati, der wieder einmal seine Bundesligauntauglichkeit
unter Beweis stellte. Aber keine Ausrede für Werder!

Perverser Fußball? 0

Gepostet am 23. January 2009 von Tobias (Meine Saison)

Ich bin nicht sehr oft einer Meinung mit Uli Höneß. Noch wesentlich seltener bin ich einer Meinung mit seinem Bruder Dieter. In dieser Sache gebe ich ihm jedoch eindeutig Recht:

"Das ist pervers und ungesund für den Fußball", kommentierte der Hertha Manager den 20-Millionen-Euro-Transfer von Nigel De Jong zu Manchester City. Durch überhöhte Ablösezahlungen, wie auch das inzwischen abgelehnte 125.000.000 € Angebot für Kaka, würden "alle Marktgesetze aufgehoben."

Es gibt jedoch auch gegenteilige Stimmen, etwa von Matthias Sammer und Ottmar Hitzfeld, die in erster Linie das so zusätzlich in den Fußball fließende Kapital begrüßen. Dabei übersehen sie jedoch, dass dadurch auf der anderen Seite auch die Transferpreise steigen: Wird das zusätzliche Geld für Transfers ausgegeben, die deutlich über dem Marktwert liegen, fehlt der entsprechende Gegenwert und es kommt zur Inflation.

Es ist ja nun nicht so, dass der HSV oder Milan die hohen Einnahmen auf selbige Kante legen würden. Sie müss(t)en ja die abgegebenen Spieler ersetzen. Durch die zusätzlichen Millionen können sie dabei großzügig sein und bei Bedarf ebenfalls Preise über dem Marktwert bezahlen. Und Manchester City ist nicht der einzige Verein, der von reichen Investoren gefüttert und zum übermäßigen Geldausgeben verleitet wird.

Auf der anderen Seite wissen das auch deren Verhandlungspartner und versuchen bei Spielerverkäufen ein Extrasümmchen für sich herauszuschlagen. Dem ohnehin als überhitzt geltenden Transfermarkt wird so weiter Feuer unterm Hintern gemacht. Vereine, die bei dieser Ablösespirale nicht mitmachen wollen (oder können), bekommen zunehmend Probleme, gute Spieler zu verpflichten. Diese Erfahrung muss gerade auch der FC Arsenal machen, der nun nicht gerade zu den kleinen Fische gehört. Beim Versuch Andrei Arshavin nach London zu holen, werden ihnen von dessen Arbeitgeber Zenit St. Petersburg immer neue Steine in den Weg gelegt, um dadurch eine immer höhere Ablöseforderung durchzusetzen.

Man kann nun argumentieren, dass es im Zweifel ja die leichtsinnigen Geldgeber sind, die darunter leiden, wenn die entsprechenden Erträge für ihre Investitionen ausbleiben. Dabei leiden die zugehörigen Vereine letztendlich viel mehr. Sie werden durch das viele Geld künstlich aufgepumpt und ihnen dadurch jegliche wirtschaftliche Selbstständigkeit entzogen. Was passiert, wenn eine solche Blase platzt, muss derzeit der FC Chelsea feststellen (wo sich mein Mitleid trotzdem sehr in Grenzen hält).

Es ist schon erstaunlich, dass in einer Zeit, in der auch die Fußballvereine besorgt über die weltweite Finanz- und daraus resultierende Wirtschaftskrise sind, im Fußball genau die Fehler wiederholt werden, die überhaupt dazu geführt haben.

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Update (26.1.09): Aktuelles Beispiel für die Kette übertriebener Ablösesummen: West Ham United hat soeben den deutschen U19-Nationalspieler Savio Nsereko von Brescia Calcio verpflichtet. Für knapp 11 Millionen Euro. Damit ist er der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Bei den Hammers soll er den Walliser Craig Bellamy ersetzen, der letzte Woche für 20 Millionen Euro zu – wem auch sonst – Manchester City wechselte…



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