Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



WM 2010: Deutschland – Spanien 7

Gepostet am 8. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Deutschland – Spanien 0:1

Aus der Traum vom vierten Stern. Die Spanier waren gestern eine Nummer zu groß für diese junge Mannschaft. Sicher kein Grund so richtig enttäuscht zu sein, denn das deutsche Team hat eine tolle WM gespielt. Die Siege gegen Argentinien und England und die Art und Weise, wie sie herausgespielt wurden, werden noch lange nachhallen. In Südafrika wurde ein neues Fundament geschaffen, auf dem man für die nächsten 6 – 8 Jahre aufbauen kann.

Dank einer überraschenden taktischen Umstellung (Pedro statt Torres) konnten die Spanier ihr Kurzpassspiel wie gewohnt aufziehen und trotzdem für Gefahr über die Flügel sorgen. Defensiv kann man dem deutschen Team kaum einen Vorwurf machen, außer dass sie sich zu weit nach hinten drängen ließen. Das war schon 2008 das Problem. Spanien beherrscht es wie kein zweites Team bei dieser WM, seine Gegner hinten einzuschnüren. Man kann diese Spielweise mit scheinbar endlosen Ballstaffetten langweilig finden, weil sie gegen gute Gegner nicht zu einem allzu schnellen Spiel oder vielen Torchancen führt. Sie aber (wie Marcel Reif gestern abend) als schlecht zu bezeichnen, schießt deutlich am Ziel vorbei. Das Spiel war auf einem hohen Niveau und eines WM-Halbfinales absolut würdig. Mit Spanien hat es auch den verdienten Sieger gefunden.

Nach dem Spiel fühle ich mich ein bisschen bestätigt in meinen Aussagen bezüglich Spaniens Plan B. Die Taktik wurde für das Spiel leicht angepasst, aber die allgemeine Spielweise blieb über die gesamten 90 Minuten fast gleich. Als einzige Mannschaft schafften sie es, sowohl Özil aus dem Spiel zu nehmen (mein Man of the Match: Sergio Busquets) als auch die defensiven Mittelfeldspieler pausenlos unter Druck zu setzen. Nach dem Führungstor gaben die Spanier den Deutschen etwas mehr Ballbesitz, zogen sich jedoch nicht vollständig zurück, sondern störten den Spielaufbau weiterhin bevor er richtig gefährlich wurde. Eine wirkliche Ausgleichschance konnte sich die deutsche Mannschaft nicht erspielen. Wenn also eine Mannschaft einen Plan B benötigte, dann die Deutschen. Falls dieser Plan B die Einwechslung von Mario Gomez gewesen sein soll, dann ist sie kläglich gescheitert. Ein detaillierte taktische Aufarbeitung des Spiels gibt’s (wie immer) bei Zonal Marking. Dort steht eigentlich alles drin, was es dazu zu sagen gibt.

Gewurmt hat mich neben der passiven Herangehensweise, die man dieser jungen Mannschaft jedoch nicht vorwerfen sollte, die Entstehung des Führungstores. Wahrscheinlich hätte Spanien irgendwann auch aus dem Spiel heraus getroffen, zur Not in der Verlängerung. Trotzdem sollte man es dem Gegner nicht so leicht machen bei einer Standardsituation. Dieses Tor war kein Zufallsprodukt, sondern ein einstudierter Spielzug, den ich gestern nicht zum ersten Mal gesehen habe: Die Ecke wird auf Pique gespielt, der zum Kopfball hochsteigt, aber nicht zum Ball geht. Dadurch schirmt er den Ball vor den Verteidigern ab. Von hinten kommt dann ein anderer Spieler – in diesem Fall Puyol – und köpft den Ball rein. Das funktioniert natürlich nur gegen Mannschaften, die bei Standards Raumdeckung spielen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die deutschen Scouts das Team nicht auf diese Variante vorbereitet haben. Umso trauriger, dass Spanien auf so einfache Weise das Spiel entscheiden konnte.

Nun bin ich sehr gespannt, wie sich die Niederlande im Finale schlagen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gegen Spanien von einem Rückstand zurückkommen können. Allerdings haben sie die Erfahrung und den Zynismus, die Spanier über 90 Minuten zu nerven und vielleicht einen entscheidenden Konter zu setzen. Ein schnelles Spiel sollte man auch hier nicht erwarten. Für Deutschland geht es gegen Uruguay zumindest um den dritten Platz, der zwar nur ein schwacher Trost, aber eine verdiente Belohnung für dieses tolle Turnier wäre. Löw hat sich die Spanier zum Vorbild genommen und seiner Mannschaft einen ähnlichen Stil beigebracht. Gestern hat sich das Original durchgesetzt. Spaniens goldene Generation hat ihren Zenit erreicht. Deutschlands goldene Generation steht noch am Anfang ihrer Entwicklung und ist dafür schon verdammt weit.

Die Sache mit dem Plan B 1

Gepostet am 7. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Ein Vorwurf, dem sich unser heutiger Gegner Spanien immer wieder ausgesetzt sieht, ist der, dass sie keinen Plan B haben. Ähnlich Vorwürfe gibt es auch immer wieder gegen den FC Barcelona, der ähnlich spielt. Die Teams, so der Vorwurf, seien nicht in der Lage, auf unvorhergesehene Situationen adäquat zu reagieren, indem sie ihre Spielweise umstellen.

Grundsätzlich sollte man die Frage stellen, warum ein “Plan B” hier überhaupt nötig ist. Ist eine Mannschaft, die im Jahr 1 nach der erfolgreichsten Saison der europäischen Vereinsfußballgeschichte den Rekord von 99 Punkten in der heimischen Liga aufstellt, mit ihrem Plan A nicht erfolgreich genug? Braucht eine Mannschaft, die amtierender Europameister ist, seit dem Titelgewinn bis WM-Beginn von 26 Spielen 25 gewonnen hat, in den letzten 43 Monaten nur zwei Fußballspiele verloren hat und nun im WM-Halbfinale steht, wirklich einen Plan B? Klingt doch nach einem ziemlich guten Plan A.

Die Idee des Plan B ist es, auf Situationen, in denen die Ausgangstaktik nicht funktioniert, reagieren zu können. Sei es durch eine Umstellung des Systems, der Spielweise oder durch Variationen. Hierbei wird schon deutlich, dass es sich beim Problem der Spanier wie Katalanen um ein Luxusproblem handelt. Die Ausgangstaktik funktioniert fast immer. Das liegt unter anderem daran, dass man im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften sowohl eine ausgereifte Spielidee als auch das passende Spielermaterial dazu hat. Das geniale an der Spielidee ist, dass sie sowohl als Offensiv- wie als Defensivkonzept taugt. Die Tormaschinen Spanien und Barcelona gehören zu den Teams, die mit die wenigsten Gegentore im europäischen Fußball kassieren. Das verstärkt einerseits natürlich die Wahrnehmung, dass es einen Mangel an Variation gibt, wenn die Spielweise bei 0:1 sich von der Spielweise bei 3:0 kaum unterscheidet. Andererseits ist es für die Spieler viel einfacher, weil sie sich nur marginal umstellen müssen. Die Änderungen erfolgen dann eher in Details, aber das große Ganze bleibt gleich.

Mir scheint es eher ein Wahrnehmungsproblem zu sein, als ein Versäumnis der Spanier. Die Gleichung Plan A = Plan B ist für manche Beobachter eben nicht zufriedenstellend. Dennoch hat z.B. der FC Barcelona in der vergangenen Saison versucht, seine Optionen zu erweitern und in Zlatan Ibrahimovic einen großen Mittelstürmer eingekauft. Wenn man so will ist das ein Plan B im eigentlichen Sinne. Interessant ist dabei, dass genau in den Spielen, die gemeinhin als Paradebeispiel für den fehlenden Plan B angeführt werden – die Champions League Partien gegen Inter Mailand – diese Variante nicht funktionierte. Besonders im Rückspiel wurde Barcelona erst dann richtig torgefährlich, als Ibrahimovic vom Feld ging und der eigentliche Plan A zum Einsatz kam. Interessant ist auch, dass Inter in diesem Rückspiel keinerlei Plan B im Gepäck hatte und mit einem ultradefensiven Plan A zum Erfolg kam. Nur: Der Erfolg bestand in einer 0:1 Niederlage, die billigend in Kauf genommen wurde. Selbst ein fast ausnahmslos gegen den Ball arbeitendes Inter Mailand konnte Barcas Torgefahr nicht vollständig stoppen. Die spannende Frage ist nun: Hätte Barcelona mit einem anderen Konzept, also in diesem Fall einem Plan C, bessere Chancen auf ein Weiterkommen gehabt?

Dieser Aspekt wird bei der Diskussion um den Plan B gerne vergessen: Die Erfolgswahrscheinlichkeit des Plan A. Wenn Spanien 95% der Spiele wie gegen die Schweiz mit seinem Plan A zumindest nicht verliert, wie sinnvoll ist dann eine Umstellung auf einen wie auch immer gearteten Plan B? Als Beobachter hat man den Vorteil, den Ausgang des Spiels abwarten zu können und dann eine Aussage darüber zu treffen. Als Trainer muss man die Entscheidung vor oder während des Spiels treffen, was wesentlich schwieriger ist. Die Zielsetzung kann es daher gar nicht sein, eine zu 100% richtige Entscheidung zu treffen (was unter Unsicherheit sowieso nicht möglich ist), sondern die Erfolgswahrscheinlichkeit zu maximieren. Das klappt sowohl bei der spanischen Auswahl als auch beim FC Barcelona seit Jahren hervorragend, führt aber eben nicht zu einer Siegesgarantie. Gerade bei einem Turnier mit K.O.-Spielen macht das den Reiz aus, weil ein Ausrutscher nicht ausgeglichen werden kann (und ergo nicht immer die “beste” Mannschaft das Turnier gewinnt).

Im Hinblick auf das Spiel heute Abend habe ich keine Angst vor einem spanischen Plan B, sondern viel mehr davor, dass Plan A zu dem Ergebnis führt zu dem er meistens führt: zu einem spanischen Sieg. Allerdings hoffe ich, dass die deutsche Mannschaft schon so gut ist, dass sie mit ihrem eigenen Plan A (einen Plan B habe ich da nämlich ebenfalls nicht entdecken können) auch die Spanier ausschalten kann.

Inspiriert von Marcel Reif und diesem Beitrag bei allesaussersport

Ist Spanien das Deutschland der 70er? 0

Gepostet am 5. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Zur WM werden ja immer gerne Parallelen zu früheren Turniern gezogen. Spieler X erinnert an Spieler Y und Mannschaft A ist noch besser als Mannschaft B vor 16 Jahren. Ebenfalls beliebt sind bestimmte wiederkehrende Muster, nach denen sich der kommende Weltmeister ganz zweifelsfrei vorhersagen lässt. Ich springe jetzt einfach mal auf den fahrenden Zug auf und sage: Spanien wird Weltmeister!

Der Grund ist nicht ihr tolles Passspiel oder die Qualität ihrer Spieler, sondern, viel banaler: Spanien ist Deutschland 1974*! Als amtierender Europameister haben sie sich in den letzten Jahren viel Bewunderung erspielt und wurden vor dem Turnier als einer der großen Favoriten gehandel. Dann geriet ihr Motor jedoch irgendwie ins stocken. Die Vorrunde war ok, jedoch kein Glanzstück und dann gab es diese peinliche Niederlage gegen einen Fußballzwerg. In der K.O.-Phase erholte man sich langsam und spielte erfolgreichen, wenn auch nicht begeisternden Fußball. Im Halbfinale trifft man nun auf die Überraschungsmannschaft des Turniers und muss sich ernsthafte Sorgen machen, das Finale gegen die Holländer nicht zu erreichen. Dank eines Unwetters reicht es dann aber am Ende doch und das Finale wird auf äußerst schmeichelhafte Weise ebenfalls gewonnen.

Ob Del Bosque wohl schon Regentänze für Mittwoch einstudiert hat?

* Um die Analogie komplett zu machen: Deutschland ist Polen, die Schweiz ist die DDR und die Holländer sind die Holländer (wenn auch ganz anders).

DFB Pokal, Halbfinale: Hauptsache Berlin 0

Gepostet am 26. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – FC Augsburg 2:0

Es ist halt doch schon ein wenig Routine, so ein Pokalfinale. Zum zehnten Mal insgesamt und zum neunten Mal in den letzten 21 Jahren steht Werder nun dort. Sechsmal hat man ihn gewonnen. Zugegeben, in diesem Jahr war es mit vier Heimspielen und den vier (zum jeweiligen Zeitpunkt) besten Zweitligisten als Gegner ungleich einfacher als im letzten Jahr. Man kann eben nicht alles haben. Trotzdem: Berlin ist Berlin und bekommt in schöner Regelmäßigkeit einen Besuch von uns abgestattet – wenn auch zukünftig nur noch einmal pro Jahr.

Von einem Heimspiel gegen einen Zweitligisten erwartet man nunmal, dass man es deutlich gewinnt. Egal, wie gut dieser momentan drauf ist. Egal, wie viele Tore deren bester Stürmer schon geschossen hat. Werder kann schließlich auf eine 22jährige Serie ungeschlagener Heimspiele im DFB-Pokal zurückblicken: Die letzte Pokalniederlage im Weserstadion gab es 1988 gegen Frankfurt.* Entsprechend ging die Mannschaft auch in dieses Spiel. Nach ein paar Minuten Abtasten übernahm Werder die Kontrolle über das Spiel und gab sie bis zum Führungstor nicht mehr her. Zwar tat sich die Mannschaft schwer, gegen die tiefstehenden Augsburger Abwehr- und Mittelfeldreihen zwingende Torchancen herauszuspielen, doch der Ball lief gut durch die eigenen Reihen und es schien nur eine Frage der Zeit, bis eine Kombination zum Erfolg führen sollte. Nach 25 Minuten war es dann so weit: Marin im Doppelpass mit Özil durch die Mitte und dann ein hauchzarter Ballstreichler am Torwart vorbei ins Netz. Ein großartiges Tor, das die Zuschauer von den Sitzen riss. Dazu die Erleichterung, endlich mal wieder in Führung zu liegen statt einem frühen Rückstand hinterherlaufen zu müssen.

Das Problem bei der Sache war nur, dass Werder letzteres inzwischen zwar sehr gut kann, mit ersterem aber so seine Probleme hat. Nach dem Führungstor bauten die Grün-Weißen den Gegner mit einigen leichtsinnigen Abspielfehlern wieder auf. Augsburg nahm das dankend an und erinnerte sich ab der 30. Minute daran, dass man selbst auch ganz passabel Fußball spielen kann. Wie gewohnt brachte das Werders Defensivabteilung in Kalamitäten. Ein verlorener Zweikampf hier, eine schlecht gestellte Abseitsfalle dort und schon steht es 1:1. Hätte es jedenfalls stehen können, wenn Thurks Ball nicht nur Torhüter Wiese, sondern auch die Torlinie überwunden hätte. Der Innenpfosten und Per Mertesacker retteten jedoch in höchster Not. Ein Warnschuss vor der Pause also. Eine Ermahnung, dem Gegner nicht zuviel anzubieten und keine unnötigen Räume in der Defensive freizugeben. Wie gewohnt verhallte sie ungehört.

Die zweite Halbzeit war aus Bremer Sicht lange Zeit ein Ärgerniss. Augsburg erspielte sich eine Handvoll guter Torgelegenheiten, war aber nie so nah am Ausgleich, wie man es als Werderfan in dieser Phase befürchtete. In den letzten 20 Minuten standen Abwehr und defensives Mittelfeld dann wieder besser sortiert und Werder gewann die Spielkontrolle zurück. Gegen einen stärkeren Gegner hätte man sich eine solche halbstündige Auszeit nicht nehmen können. Es war dann ein schnell und exakt ausgeführter Freistoß von Frings, der die Entscheidung zu Werders Gunsten einleitete. Empfänger Pizarro bewies mal wieder, dass ihm schwierige Bälle einfach besser liegen. Die Ballmitnahme war erste Sahne, der Abschluss wohl nicht ganz unhaltbar, aber ein schönes Tor, das zeigt, wie einfach Fußball sein kann, wenn der Gegner nicht ganz bei der Sache ist. Der Sieg war insgesamt verdient, wenn auch nicht sonderlich schön herausgespielt. Der Sympathiepreis geht ohnehin an die Augsburger Fans, die ihre Mannschaft vorbildlich unterstützten und für tolle Stimmung im Stadion sorgen. Am Ende sangen sie “Augsburg ist viel schöner als Berlin”. So hat jeder bekommen, was er wollte. Und wenn Augsburg so weiter spielt, stehen die Chancen gut, dass sie auch nächste Saison nicht nach Berlin müssen.**

Unser zwischenzeitlich als “magisches Dreieck” bezeichnete offensive Mittelfeld scheint mir die Rollen getauscht zu haben: Marko Marin ist in Topform, trifft, bereitet vor und kurbelt das Angriffsspiel an. Er hat Mesut Özils Rolle aus der Hinrunde übernommen. Özil selbst hat sein Formtief überwunden, spielte eine starke erste Hälfte, wirkt aber kräftemäßig nicht ganz auf der Höhe. Erinnert stark an den Marko Marin der Hinrunde. Vielleicht hilft es auch hier, den Spieler durch frühe Auswechslungen wieder heranzuführen, ohne dass er den Spielrhythmus verliert. Und Aaron Hunt? Kriselt ein wenig, wirkt aber zumindest körperlich auf der Höhe. Mit viel Einsatz, aber ohne Erfolg in den meisten seiner Aktionen. Wenn da mal nicht der Özil des letzten Winters in ihm hochkommt?***

Der Gegner im Finale heißt Bayern München und das ist auch gut so! Erstens dürfte es ein wesentlich attraktiveres Spiel werden, als gegen die destruktiven, aber nicht minder gefährlichen Schalker. Zweitens kann sich Werder so den Pokalsieg wirklich verdienen und trotz des relativ einfachen Wegs nach Berlin auf dieses Finale verweisen. Und drittens sind Spiele gegen die Bayern immer ein Highlight, in einem Pokalfinale umso mehr. Natürlich ist Werder nicht der Favorit in diesem Finale, aber ich freue mich einfach unglaublich auf das Spiel. Möge der Grünweißere gewinnen!

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* Diese Niederlage war zu verschmerzen, denn es war Werders wohl erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: Deutscher Meister, Pokal-Halbfinale und UEFA-Cup-Halbfinale.

** Seit dem 5:1 Sieg der Berliner in Wolfsburg verstößt Hertha-Bashing nicht mehr gegen die Genfer Konvention.

*** Ein Satz, den höchstens Fritz von Thurn und Taxis noch homoerotischer formulieren könnte!

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Der Norden der Welt 0

Gepostet am 9. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Hamburger SV – Werder Bremen 2:3

Auch mit zwei Tagen Abstand habe ich noch nicht ganz realisiert, was eigentlich passiert ist. Lässt man Papierkugeln, Torwartfehler und sonstige Gehässigkeiten mal weg, bleibt unterm Strich die zweite Finalteilnahme dieser Saison und die zweite Finalteilnahme der Vereinsgeschichte im Europapokal. Bei allem was man in dieser Saison als erfolgsverwöhnter Werderfan über sich ergehen lassen musste, war dieses Spiel der vorläufige Höhepunkt an Spannung, vorübergehender Hilflosigkeit und schlussendlich grenzenloser Freude.

Wie soll man das alles auch einfach so wegstecken? Innerhalb weniger Tage der angeblich feststehende Weggang Diegos, der Sieg in Hamburg, Diegos Finalsperre, Mertesackers Saisonaus, Spekulationen über einen Wechsel Thomas Schaafs zu Wolfsburg und dazu dessen zehnjähriges Jubiläum als Werders Cheftrainer. Reicht eigentlich für mehrere Wochen und will in kurzer Zeit verarbeitet werden. Denn es steht bereits das nächste Nordderby auf dem Programm. Mit einem erneuten Sieg könnte man den HSV vorübergehend sogar aus den UEFA-Cup-Plätzen kegeln. Es wäre die ultimative Demütigung, wenn die Hamburger am Ende mit ganz leeren Händen dastünden.

Doch noch ist dies auch für Werder möglich. Im Finale gegen Donezk kann Werder ohne Diego und Mertesacker kaum als Favorit gelten. Selbst Almeidas Sperre wiegt ob Rosenbergs nicht enden wollender Formschwäche schwerer als nötig. Nun wird es Werder doch zum Verhängnis, nur mit drei Stürmern (plus Harnik) in die Rückrunde gegangen zu sein. Die gelbe Karte gegen Diego war unverständlich, taugt jedoch nicht zur Legendenbildung. Er hätte bereits vorher für eine Schwalbe verwarnt werden können, stattdessen bekam er einen Freistoß. Es ist mir trotzdem unbegreiflich, wie ein Spieler, der mit David Jarolim in einer Mannschaft spielt, ernsthaft einem anderen Spieler Fallsucht vorwerfen kann. Egal. Mund abputzen und weiter geht’s.

Franz Beckenbauer zeigte sich nach dem Spiel wieder einmal herrlich uninformiert. Nicht, dass ich mich darüber noch wundern oder gar ärgern würde. Ganz im Gegenteil fand ich es äußerst lustig wie der Kaiser nach dem Spiel überrascht feststellte, dass Bremen entgegen seiner Annahme ja doch eine Pokalmannschaft sei. Und das zwei Wochen nachdem Werder die achte Finalteilnahme der letzten 20 Jahre im DFB-Pokal sichergestellt hatte. Zur Einordnung (auch wenn die Zeitspanne willkürlich ist): Im selben Zeitraum standen die Bayern “nur” sieben mal im Pokalfinale.

Die (Un-)Logik des Pokals widerspricht dem über Monate gelernten Eindruck aus der Bundesliga, dass Werder eben keine Spitzenmannschaft mehr sei. In der Meisterschaft schon früh abgeschlagen, in der Champions League blamabel ausgeschieden. Und nun? Mittelmaß my ass! Es könnte eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte werden. Es ist noch nichts Greifbares gewonnen, doch trotzdem sollte man die Saison insgesamt nicht mehr als Misserfolg werten. Das heißt bei weitem nicht, dass alles in Ordnung wäre und die offensichtlich gewordenen Probleme einfach ignoriert werden könnten. Doch ein Rückfall in die Jahre voller Frust ist zumindest vorerst abgewendet.

UEFA-Cup Halbfinale, Rückspiel: Live-Blog 0

Gepostet am 7. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute findet bekanntlich das Rückspiel zwischen Werder und dem Hamburger SV statt. Der SVW muss im Volksparkstadion in der HSH Nordbank Arena einen 0:1 Rückstand aus dem Hinspiel aufholen. Die Bedeutung des Spiels dürfte jedem klar sein. Für Werder wäre ein Sieg der größte internationale Erfolg seit 1992, für den HSV sogar seit 1983.

Deshalb wird es von mir neben der gewohnten Berichterstattung bei Twitter auch ein Live-Blog geben. Technik sei dank lassen sich Tweets und Live-Blog ja super kombinieren, so dass sowohl im Blog als auch bei Twitter mitgelesen und kommentiert (Hash Tag #svwx) werden kann. Ab ca. 19 Uhr geht es los.

UEFA-Cup Halbfinale, Hinspiel: Mach’s noch einmal, Tim 0

Gepostet am 1. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hamburger SV 0:1

Nach dem Spiel sprach Torsten Frings von diesem einen Fehler, den Werder gemacht und den der HSV bestraft habe. Ich fragte mich in dem Moment, ob der Lutscher vom selben Spiel sprach, das ich gerade am Bildschirm verfolgt hatte. Denn egal wie man das Spiel bewertet, eine nahezu fehlerfreie Leistung kann man Werder nun wirklich nicht bescheinigen.

Ich sah ein Spiel, in dem Werder 45 Minuten lang große Probleme hatte, gegen einen konzentriert agierenden Gegner auch nur in die Nähe dessen Tors zu kommen. Im Aufbauspiel machte die Elf von der Weser zu viele Fehler und kam bei den wichtigen Zweikämpfen meist einen Tick zu spät (Frings!). Man hatte es dem erneut starken Tim Wiese zu verdanken, dass es zur Pause bei einem Gegentor geblieben war. Die Führung war für den HSV zur Halbzeit denn auch eindeutig verdient.

Das Tor von Piotr Trochowski war kurios, weil der nur 169 cm kleine Mittelfeldspieler nicht unbedingt als Kopfballungeheuer gilt. Clemens Fritz hatte durch einen Stellungsfehler den Kopfball überhaupt nur ermöglicht. Doch in der Entstehung war es ein wirklich gut herausgespielter Treffer. Pitroipa verzögert gut und nimmt Demel mit, der dann – Stellungsfehler hin oder her – eine ganz starke Flanke schlägt. So sieht gutes Flügelspiel aus.

In der zweiten Hälfte zeigte die Mannschaft dann fast alles, was sie in dieser Saison in den Pokalwettbewerben so weit gebracht hat – bis auf den Torabschluss. Das Spiel, das in der ersten Halbzeit insgesamt schon überdurchschnittlich war, wurde nun noch besser und packender. Ich kann die negativen Bewertungen seitens des Kommentators und einiger meiner Mitgucker nicht verstehen. Spiele dieser Intensität und Geschwindigkeit gibt es in der Bundesliga vielleicht fünf pro Saison. Eines Halbfinales war das absolut würdig. Eines Halbfinales ganz und gar nicht würdig war Premieres Bildregie. Ich weiß nicht welcher betrunkene Aushilfspraktikant dort hinter den Reglern saß, doch mein vierjähriger Neffe hätte vermutlich keinen schlechteren Job gemacht.

Werder schaffte es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die taktisch gut arbeitenden Hamburger hinten rein zu drängen und sich eigene Chancen zu erspielen. Der HSV blieb bei Kontern gefährlich. Vom Spielverlauf her hätten gut und gerne 3-4 Tore mehr fallen können. Man konnte allerdings auch sehen, dass bei der hohen Geschwindigkeit beide Mannschaften ihre Angriffe nicht mit der notwendigen Präzision abschließen konnten. Die Hamburger ließen einige sehr vielversprechende Konterchancen liegen, während Werder der Ausgleich einfach nicht gelingen wollte. So war der Hamburger Sieg am Ende zwar glücklich, aber dennoch nicht ganz unverdient.

Der Knackpunkt lag bei Werder meiner Meinung nach im defensiven Mittelfeld. Was im Hinspiel mit Baumann-Frings noch so super geklappt hatte, funktionierte gestern Abend mit Frings-Tziolis zumindest in der ersten Hälfte überhaupt nicht. Sollte Frings in Zukunft nicht mehr im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft eingesetzt werden, kann er sich die Aufzeichnung dieses Spiels noch einmal anschauen, um zu verstehen warum. Er lief sich zwar einen Wolf, hatte aber die Antizipation eines Altherrenspielers. Eigentlich komisch, denn er hatte doch letzte Woche erst gezeigt, dass er noch zu großen Taten fähig ist. An Tziolis gefällt mir, dass er sich nicht verunsichern lässt, egal wie wenig ihm am Ball auch gelingt. Die Leistung gestern reichte jedoch nicht aus, um seine Aufstellung zu rechtfertigen.

Die vermeintlich offensivere Variante ging also nach hinten los, was zur Folge hatte, das Diego das Spiel deutlich tiefer gestalten musste, als es ihm (und mir) Recht sein konnte. Diegos Leistung würde ich als gut bewerten, doch in der ersten Halbzeit trug seine Arbeit kaum Früchte. Erst in der zweiten Hälfte, als Diego im offensiven Mittelfeld mehr Unterstützung vom nun immer stärker auftrumpfenden Mesut Özil bekam, erspielte sich Werder langsam ein Übergewicht. Eine Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss verhinderte den Ausgleich, der Werder eine etwas erträglichere Ausgangssituation fürs Rückspiel beschert hätte.

Dennoch ist die Situation keineswegs aussichtslos. Die Vorzeichen sind klar: Werder braucht einen Sieg. Wenn Werder in Hamburg ähnlich konzentriert aufspielt wie vor einer Woche, könnte die niedrige Anzahl an Toren im Heimspiel – "Europapokalarithmetik" sei dank – zu einem Vorteil werden. Es wird Zeit für den ersten Auswärtssieg im UEFA-Cup. Bis dahin haben wir jedoch erstmal die Pappnase auf. Damit muss man leben. In der Vorbereitung auf das Spiel kann es sogar hilfreich sein.

Noch ein Wort zum Unparteiischen: Howard Webb war trotz einiger weniger umstrittener Entscheidungen ein guter Schiedsrichter. In der Bewertung des Handspiels in der Schlussphase kann man sicher anderer Meinung sein und Demel hatte großes Glück, dass Webb seinen Sprung mit Bein und Ellenbogen voraus nicht sah. Webb hätte vermutlich auch dann nicht mehr als Gelb gezeigt, doch die Aktion war dicht am Platzverweis. Insgesamt kann ich die deutsche Begeisterung für englische Schiris aber nicht so ganz nachvollziehen (die meisten Engländer wohl auch nicht), doch das ist ein Thema für sich, auf das ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht noch näher eingehen werde.

Muss ich nicht vorstellen: Hamburger SV 1

Gepostet am 30. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

In den letzten UEFA-Cup-Runden habe ich an dieser Stelle immer unsere Gegner kurz vorgestellt. Beim HSV dürfte dies wohl kaum nötig sein, liegt das letzte Aufeinandertreffen doch gerade mal eine Woche zurück. In den drei Teilen meines ultimativen Schwanzvergleichs habe ich bereits alles zum Duell gesagt, was ich für wichtig halte. Deshalb als kleinen Appetitanreger für heute Abend nur ein kleines Video:

Arnd Zeigler hat sein Reimlexikon befragt und ausgespuckt hat es die neue Bremer Pokalhymne "Werder, mein Werder".

P.S. Von mir wird es heute Abend leider keine Live-Berichterstattung via Twitter geben. Haltet euch an einfach an @WerderNews auf Twitter, die 11 Freunde oder auch das Live-Blog von Bremen 4u.

Gino Basteri’s Live Blog: Manchester United – Arsenal FC 0

Gepostet am 29. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Chelsea FC 0

Gepostet am 28. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend bloggt Gino live vom Champions League Halbfinalhinspiel Barcelona – Chelsea. Anpfiff ist um 20:45, Gino wird ab ca. 20 Uhr für euch da sein. Mit #Ginolive darf gern wieder von Twitter dazwischengefunkt werden.



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