Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Pokalfinale: Nadelstiche und das offene Messer 11

Gepostet am 16. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Bayern München 0:4

Es war vor dem Spiel klar, dass die Bayern momentan in ihrer eigenen Liga spielen. Doch es war Pokal und man durfte zumindest darauf hoffen, dass Werder einen richtig guten Tag erwischt und bei den Münchnern zwischen Meisterschaft und Champions League so ein bisschen die Luft raus ist. Beides war nicht der Fall.

Während Louis van Gaal seine Stammformation aufs Feld schickte, passte Thomas Schaaf zum zweiten Mal in den letzen Wochen sein Team dem Gegner an. Es kommt selten vor, dass Werder dem Gegner das Spiel einfach so überlässt, doch es müssen die Lehren aus der Niederlage im Januar und dem Spiel gegen Schalke gewesen sein, die ihn zu diesem Schritt bewegten. Für den Fan, dessen Team seit 2004 in 95 % der Fälle das Spiel gemacht hat, eine gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Und so dürften sich viele so wie ich verwundert die Augen gerieben haben, als sie Werders Aufstellung sahen: Ein flaches 4-4-2 mit einer defensiv ausgerichteten Viererkette im Mittelfeld, Boenisch für den verletzten Pasanen als Linksverteidiger, Hunt als rechten Mittelfeldspieler und davor Pizarro und Özil als Angreifer. Eine ängstliche Aufstellung, die nur so lange gut gehen konnte, wie die Bayern nicht in Führung gingen.

Die ersten Minuten des Spiels waren erschreckend. Werder zog sich weit zurück, versuchte nicht in die Nähe des Balles zu kommen und ließ die Bayern mal machen. Nachdem der Ball einige Male durch die bayerische Abwehrreihe zirkuliert war und man sich an die defensive Ausrichtung gewöhnt hatte, kam zum ersten Mal die Frage auf: Hat das etwa System? Den starken Flügeln der Bayern wurden zwei Dreierblöcke entgegengesetzt. Fritz, Hunt und Bargfrede auf der rechten sowie Boenisch, Borowski und Frings auf der linken Seite. Ab der Grenze zum Angriffsdrittel der Bayern spielte Werder dann Pressing. Robben wurde von Boenisch über weite Strecken in Manndeckung genommen und bis an die Mittellinie verfolgt. So konnte man dem Angriffsspiel der Bayern zwar nicht ganz den Zahn ziehen, aber es fürs erste unter Kontrolle halten. Die eigene Offensive beschränkte sich auf Nadelstiche. Den ersten setzte Claudio Pizarro schon nach 8 Minuten und es war der Beste, den Werder an diesem Abend ausführte. Eine klasse Einzelaktion von Pizza, der geschickt verzögert und dann frei vor Butt nicht den besten Schuss erwischt.

In den ersten 20 Minuten ging Werders Taktik auf, dann kamen die ersten Wackler und die Bayern kamen immer wieder gefährlich vors Tor. Die Geduld der Bayern ist beängstigend. Das Spiel wird von einer Seite auf die andere verschoben, im festen Vertrauen darauf, dass sich die benötigte Lücke früher oder später bietet. Werders Spieler müssen sich vorgekommen sein wie auf einer Schiffschaukel, immer hin und her. Wurde dann plötzlich das Tempo verändert, der Ball schnell auf die andere Seite verlagert, wurde es gefährlich. Arjen Robben drehte langsam den Motor auf und es schien nur eine Frage der Zeit, bis das Führungstor fallen würde. Es fiel dann auf äußerst unglückliche Weise für Werder. Mertesacker bekam den Ball aus kurzer Distanz an den Arm – Elfmeter. Jeder Feldspieler, der aus dieser Distanz den Ball absichtlich mit der Hand spielt, gehört eigentlich ins Tor. Dennoch eine vertretbare Entscheidung. Der Schiedsrichter hat nur Indizien für die Absicht des Spielers und die unnatürliche Armhaltung verbunden mit der Ruderbewegung gegen den Ball dürfte den Ausschlag gegeben haben. Wiese war wie immer in der richtigen Ecke, doch Robbens Elfmeter war zu hart und präzise.

Werder musste sich nun etwas einfallen lassen und reagierte zunächst mit einer Veränderung im Mittelfeld: Hunt und Borowski tauschten die Seiten. Sonst änderte sich wenig und so ging es in den verbleibenden Minuten bis zur Pause nur um Schadensbegrenzung. Die große Verwandlung sollte in der Pause erfolgen. Hugo Almeida kam für Hunt in die Partie und Werder stellte auf Raute um. Es kam eine offensive Werdermannschaft aus der Kabine, die Bayern sofort in die eigene Hälfte drängte und durch Almeida die große Chance zum Ausgleich hatte. Hinten spielte man nun ein riskantes 1-gegen-1, das sich schnell rächen sollte. Robben dribbelte Boenisch dermaßen Knoten in die Beine, dass dieser Schwierigkeiten gehabt haben dürfte, alleine zurück in die Kabine zu kommen. Es war dann aber ein dummes Zufallstor, das Bayern endgültig auf die Siegerstraße brachte. Eine Ecke konnte Mertesacker per Kopf nur an den Rücken von van Buyten abwehren. Von dort fiel der Ball vor Olics Füße, der aus kurzer Distanz abstaubte. Nun brauchte es schon ein kleines Offensivfeuerwerk, um zurück ins Spiel zu kommen. Werder hat es in dieser Saison oft genug geschafft, nach Rückständen (auch nach 0:2) die Partie noch einmal spannend zu machen oder sogar zu drehen. Schaaf brachte Marin für Bargfrede – beim Poker hätte man gesagt “all in”.

Leider hatte van Gaal das deutlich bessere Blatt. Werder tat sich nun schwer, vor das Tor des Gegners zu kommen. Özil hatte schon früh den Glauben verloren und Frings und Borowski hatten Probleme mit dem Spielaufbau. Und so rannte Werder in  den zweiten 45 Minuten voll ins offene Messer. Ein sauberer Konter über Ribery genügte, um das Spiel zu entscheiden. Das Tor von Schweinsteiger kurz vor Schluss tat schon nicht mehr weh. Sehr gerne verzichtet hätte ich dafür auf das hässliche Foul von Frings. Gelb-Rot war eigentlich ein Witz, vielleicht eine politische Entscheidung des Schiedsrichters, der dem schon entschiedenen Spiel den Zündstoff nehmen wollte. Überhaupt eine richtig gute Leistung von Kinhöfer.

Am Ende war das Ergebnis auch in der Höhe verdient, wenngleich das Spiel bis zum 0:3 nicht so einseitig war, wie es der Kommentator glauben machen wollte. Von Marcel Reif ist zwar bekannt, dass er sich früh auf die Seite der vermeintlich siegreichen Mannschaft schlägt und dann sogar deren Fehlpässe weltklasse findet, aber was er da gestern an orgiastischem Gestöhne fabrizierte, lässt selbst Fritz von Turn und Taxis vor Neid erblassen. Eigentlich kann man sich Kommentatorenschelte auch schenken, doch wenn ein Marcel Reif die Schlussphase des Spiels zu einem “Charaktertest für Werder” hochstilisiert, für eine Mannschaft, die in der abgelaufenen Bundesligasaison 6 (SECHS!) Mal von einem 2-Tore-Rückstand zurück kam und noch mindestens einen Punkt holte, dann bleibt mir wirklich die Spucke weg!

Das ändert aber alles nichts am völlig verdienten Pokalsieg der Bayern und einer insgesamt tollen Saison des SV Werder. Der krönende Abschluss blieb versagt, doch der eigentliche Schlusspunkt kommt erst noch. Mit einem Sieg in der Champions League Qualifikation kann sich die Mannschaft im August selbst belohnen und sich zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins in Lostopf 1 bei der Auslung schießen.

Finalfieber: Die Schlüsselduelle 6

Gepostet am 13. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Nachdem der Fokus gestern auf den möglichen taktischen Formationen lag, schauen wir uns heute die direkten Duelle der Partie an. Es gibt für mich drei Schlüsselduelle, die im wesentlichen den Ausgang dieses Spiels beeinflussen werden:

Petri Pasanen vs. Arjen Robben

Die rechte Seite mit Lahm und Robben ist das Prunkstück der Bayern. Robben ist seit seiner Ankunft zu Saisonbeginn der Star bei den Bayern. Nach ein paar gesundheitlichen Problemen ist er der Mann für die entscheidenden Spielsituationen und hat mit einem grandiosen Solo für den Finaleinzug gegen Schalke gesorgt. Mit 16 Saisontoren war er als nominell rechter Mittelfeldspieler genau so erfolgreich, wie Werders Claudio Pizarro. Robbens Torgefahr geht von seinem starken linken Fuß aus. Er zieht von der Außenbahn nach innen, verwendet dabei fast immer den gleichen Trick, der erstaunlicherweise jedes Mal wieder funktioniert. Beim Torabschluss hat er aus dieser Position alle Möglichkeiten und die nötige Schusstechnik, diese auch auszuschöpfen.

Petri Pasanen ist ein erfahrener, routinierter und abgeklärter Spieler. Er hat es in seinen fünf Jahren bei Werder nicht längerfristig zum Stammspieler geschafft, kommt aufgrund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit und Verlässlichkeit jedoch regelmäßig zu seinen Einsätzen. In der Rückrunde kam er nach Boenischs Verletzung und Abdennours Wacklern in die Startformation und spielt seit dem einen soliden Part auf der linken Seite der Viererkette. Pasanen ist kein gelernter linker Verteidiger, ist im Spiel nach vorne limitiert und hat als Rechtsfuß auch wenige Optionen beim flanken. Er ist nicht der schnellste, geht auch deshalb wenige Risiken nach vorne ein und verfügt über ein starkes Stellungsspiel.

Auf dem Papier ist Arjen Robben durch seine Technik und Schnelligkeit in diesem Duell klar überlegen. Pasanen hat jedoch einen wichtigen Vorteil: Als Rechtsfuß fällt es ihm leichter, Robben an seinen Sololäufen in die Mitte zu hindern. Er lässt sich nicht auf Spielereien ein und beschränkt sich auf das Wesentliche. Sicherlich wird Pasanen die von Robben ausgehende Gefahr nicht komplett neutralisieren können, doch wenn er einen guten Tag hat, kann er sie vielleicht so weit eindämmen, dass Robben wesentlich weniger Chancen bekommt, als im letzten Aufeinandertreffen der Mannschaften, wo Robben dem überforderten Abdennour Knoten in die Beine dribbelte.

Torsten Frings vs. Thomas Müller

Thomas Müller ist der Shooting-Star der Saison beim Rekordmeister. Er zeigt für einen so jungen Spieler eine ungewöhnliche Abgeklärtheit und nutzt den Platz zwischen Viererkette und Mittelfeld des Gegners clever aus. Er ist weder ein richtiger Stürmer, noch ein Mittelfeldspieler und so für seine Gegenspieler schwer auszurechnen. Im Gegensatz zu Werders jungen Offensivspielern bewegt sich Müller auch bei Ballbesitz des Gegners sehr gut, stellt Passwege zu und setzt die defensiven Mittelfeldspieler unter Druck. Dazu ist er ein guter Vollstrecker, der vor dem Tor die Übersicht behält. Diese außergewöhnliche Kombination hat ihn nicht nur bei den Bayern trotz starker Konkurrenz zum unumstrittenen Stammspieler gemacht, sondern auch zu einem Platz im WM-Kader von Joachim Löw verholfen.

Torsten Frings wurde von vielen schon zum alten Eisen gezählt. Nach einer insgesamt schwachen Vorsaison bekam der Bremer Kapitän seine neue Rolle als Baumann-Nachfolger immer besser in den Griff. Im Winter sortierte ihn Löw endgültig aus dem Kreis der Nationalmannschaft aus und Frings reagierte endlich mit der lange erhofften Leistungssteigerung. In der Schlussphase der Saison erreichte Frings seine Topform und zählt so wieder zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Liga. Mit dem starken Newcomer Bargfrede an seiner Seite prägt er den Spielaufbau seiner Mannschaft und hat auch zum sicheren und überlegten Passspiel zurückgefunden. Daneben machen ihn seine Zweikampfstärke und sein nie enden wollender Kampfgeist für das Team äußerst wertvoll.

In der Grundformation treffen Frings und Müller nicht unmittelbar aufeinander. Zwar wird Frings sicher den einen oder anderen Zweikampf mit Müller suchen, wenn dieser sich zurückfallen lässt, doch in erster Linie werden sie es wohl bei Ballbesitz des Bremer Kapitäns miteinander zu tun bekommen. Frings größte Schwäche ist das schnelle Kombinationsspiel. Er nimmt die Bälle, die von den Innenverteidigern zu ihm geleitet werden, in der Regel erst an, schaut sich um und leitet sie erst dann weiter. Wird er sofort unter Druck gesetzt, geht er schon mal ins Dribbling oder versucht, einen Freistoß herauszuholen. Darunter leidet dann Werders Aufbauspiel. Thomas Müller hat genau hier seine Stärke. Frings ist daher auf seinen Nebenmann Phillipp Bargfrede angewiesen, der ihn entlasten und so die Gefahr durch Müllers frühes Stören abmildern kann.

Mesut Özil vs. Mark Van Bommel

Mark Van Bommel gilt bei den gegnerischen Fans vor allem als unfairer Spieler, der gerne mal über die Strenge schlägt. Es lässt sich schwer abstreiten, dass seine Spielweise hart ist und die Grenzen des Fair Plays mitunter überschreitet. Dazu ist er auch sehr geschickt darin, gegnerischen Spielern zu Karten zu “verhelfen”. Es wäre jedoch sehr kurz gedacht, ihn auf diese Eigenschaften zu beschränken. Ähnlich wie Frings bei Werder ist Van Bommel ein unermüdlicher Antreiber, der nie aufgibt und seiner Mannschaft als gutes Vorbild voran geht. Mit Schweinsteiger hat er nun wieder einen spielstarken Nebenmann, der seine Mankos in der Offensive überdeckt. In Van Gaals System muss er das Spiel nicht gestalten, sondern die Bälle in erster Linie auf die Außenpositionen verteilen. In der Defensive kommen seine Stärken dagegen voll zum Vorschein. Als Ausputzer vor der Viererkette spielt er seine vielleicht beste Saison bei den Bayern und macht seinen Gegenspielern das Leben schwer.

Mesut Özil trat in der Hinrunde endgültig aus Diegos Schatten. Gemeinsam mit Marin und Hunt machte er den brasilianischen Spielmacher vergessen. Seine brillante Technik und die Fähigkeit, den entscheidenden Pass in die Spitze zu spielen, machten ihn auch zum Hoffnungsträger der Nationalmannschaft. Dazu zeigte er sich auch im Torabschluss verbessert und traf regelmäßig selbst. Im Winter folgte dann jedoch ein Leistungseinbruch, der wahlweise auf sein Privatleben, die andauernden Vertragsverhandlungen oder seine körperliche Fitness geschoben wurde. Thomas Schaaf hielt jedoch an seinem Spiegestalter fest, gönnte ihm einige frühe Auswechslungen und hat so großen Anteil daran, dass Özil nun schon seit einigen Monaten aufsteigende Form zeigt. Zum Saisonende wirkt er wieder so dominant, wie über weite Strecken der Hinrunde und könnte im Pokalfinale wieder zum entscheidenden Mann werden.

Özil lässt sich noch zu leicht die Spielfreude nehmen, wenn seine Gegenspieler ihm wenig Freiräume lassen und er kaum Ballbesitz hat. Gegen Schalke zeigte er jedoch, dass er dazugelernt hat und auch auf seine Chance warten kann, ohne das nötige Selbstvertrauen zu verlieren. Die hängenden Schultern, die seine Resignation signalisieren, sind seltener geworden. Gegen die Bayern könnte er den nächsten Schritt in diese Richtung machen. Der Defensivverbund aus Van Bommel und Schweinsteiger ist der beste der Liga und wird ihm alles abverlangen. Besonders der Niederländer wird ihn mit allen legalen und halblegalen Mitteln bearbeiten, um ihm die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Kann Özil diesem Druck standhalten?

Selbstverständlich gibt es daneben noch weitere Duelle, die das Spiel entscheiden könnten, vor allem, wenn die oben genannten keine klaren Sieger aufweisen. Olic bereitet Mertesacker schon seit Jahren Kopfschmerzen, Pizarro und Almeida sind im Verbund nur schwer zu stoppen und dann gibt es ja auch noch Ribery, der in seinem einzigen Finale sicher groß aufspielen will. Und nicht zuletzt hätten wir dann noch das Torhüterduell: Auf der einen Seite Jogi Löws neue Nummer 3 – und auf der anderen Seite Jörg Butt…

DFB Pokal, Halbfinale: Hauptsache Berlin 0

Gepostet am 26. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – FC Augsburg 2:0

Es ist halt doch schon ein wenig Routine, so ein Pokalfinale. Zum zehnten Mal insgesamt und zum neunten Mal in den letzten 21 Jahren steht Werder nun dort. Sechsmal hat man ihn gewonnen. Zugegeben, in diesem Jahr war es mit vier Heimspielen und den vier (zum jeweiligen Zeitpunkt) besten Zweitligisten als Gegner ungleich einfacher als im letzten Jahr. Man kann eben nicht alles haben. Trotzdem: Berlin ist Berlin und bekommt in schöner Regelmäßigkeit einen Besuch von uns abgestattet – wenn auch zukünftig nur noch einmal pro Jahr.

Von einem Heimspiel gegen einen Zweitligisten erwartet man nunmal, dass man es deutlich gewinnt. Egal, wie gut dieser momentan drauf ist. Egal, wie viele Tore deren bester Stürmer schon geschossen hat. Werder kann schließlich auf eine 22jährige Serie ungeschlagener Heimspiele im DFB-Pokal zurückblicken: Die letzte Pokalniederlage im Weserstadion gab es 1988 gegen Frankfurt.* Entsprechend ging die Mannschaft auch in dieses Spiel. Nach ein paar Minuten Abtasten übernahm Werder die Kontrolle über das Spiel und gab sie bis zum Führungstor nicht mehr her. Zwar tat sich die Mannschaft schwer, gegen die tiefstehenden Augsburger Abwehr- und Mittelfeldreihen zwingende Torchancen herauszuspielen, doch der Ball lief gut durch die eigenen Reihen und es schien nur eine Frage der Zeit, bis eine Kombination zum Erfolg führen sollte. Nach 25 Minuten war es dann so weit: Marin im Doppelpass mit Özil durch die Mitte und dann ein hauchzarter Ballstreichler am Torwart vorbei ins Netz. Ein großartiges Tor, das die Zuschauer von den Sitzen riss. Dazu die Erleichterung, endlich mal wieder in Führung zu liegen statt einem frühen Rückstand hinterherlaufen zu müssen.

Das Problem bei der Sache war nur, dass Werder letzteres inzwischen zwar sehr gut kann, mit ersterem aber so seine Probleme hat. Nach dem Führungstor bauten die Grün-Weißen den Gegner mit einigen leichtsinnigen Abspielfehlern wieder auf. Augsburg nahm das dankend an und erinnerte sich ab der 30. Minute daran, dass man selbst auch ganz passabel Fußball spielen kann. Wie gewohnt brachte das Werders Defensivabteilung in Kalamitäten. Ein verlorener Zweikampf hier, eine schlecht gestellte Abseitsfalle dort und schon steht es 1:1. Hätte es jedenfalls stehen können, wenn Thurks Ball nicht nur Torhüter Wiese, sondern auch die Torlinie überwunden hätte. Der Innenpfosten und Per Mertesacker retteten jedoch in höchster Not. Ein Warnschuss vor der Pause also. Eine Ermahnung, dem Gegner nicht zuviel anzubieten und keine unnötigen Räume in der Defensive freizugeben. Wie gewohnt verhallte sie ungehört.

Die zweite Halbzeit war aus Bremer Sicht lange Zeit ein Ärgerniss. Augsburg erspielte sich eine Handvoll guter Torgelegenheiten, war aber nie so nah am Ausgleich, wie man es als Werderfan in dieser Phase befürchtete. In den letzten 20 Minuten standen Abwehr und defensives Mittelfeld dann wieder besser sortiert und Werder gewann die Spielkontrolle zurück. Gegen einen stärkeren Gegner hätte man sich eine solche halbstündige Auszeit nicht nehmen können. Es war dann ein schnell und exakt ausgeführter Freistoß von Frings, der die Entscheidung zu Werders Gunsten einleitete. Empfänger Pizarro bewies mal wieder, dass ihm schwierige Bälle einfach besser liegen. Die Ballmitnahme war erste Sahne, der Abschluss wohl nicht ganz unhaltbar, aber ein schönes Tor, das zeigt, wie einfach Fußball sein kann, wenn der Gegner nicht ganz bei der Sache ist. Der Sieg war insgesamt verdient, wenn auch nicht sonderlich schön herausgespielt. Der Sympathiepreis geht ohnehin an die Augsburger Fans, die ihre Mannschaft vorbildlich unterstützten und für tolle Stimmung im Stadion sorgen. Am Ende sangen sie “Augsburg ist viel schöner als Berlin”. So hat jeder bekommen, was er wollte. Und wenn Augsburg so weiter spielt, stehen die Chancen gut, dass sie auch nächste Saison nicht nach Berlin müssen.**

Unser zwischenzeitlich als “magisches Dreieck” bezeichnete offensive Mittelfeld scheint mir die Rollen getauscht zu haben: Marko Marin ist in Topform, trifft, bereitet vor und kurbelt das Angriffsspiel an. Er hat Mesut Özils Rolle aus der Hinrunde übernommen. Özil selbst hat sein Formtief überwunden, spielte eine starke erste Hälfte, wirkt aber kräftemäßig nicht ganz auf der Höhe. Erinnert stark an den Marko Marin der Hinrunde. Vielleicht hilft es auch hier, den Spieler durch frühe Auswechslungen wieder heranzuführen, ohne dass er den Spielrhythmus verliert. Und Aaron Hunt? Kriselt ein wenig, wirkt aber zumindest körperlich auf der Höhe. Mit viel Einsatz, aber ohne Erfolg in den meisten seiner Aktionen. Wenn da mal nicht der Özil des letzten Winters in ihm hochkommt?***

Der Gegner im Finale heißt Bayern München und das ist auch gut so! Erstens dürfte es ein wesentlich attraktiveres Spiel werden, als gegen die destruktiven, aber nicht minder gefährlichen Schalker. Zweitens kann sich Werder so den Pokalsieg wirklich verdienen und trotz des relativ einfachen Wegs nach Berlin auf dieses Finale verweisen. Und drittens sind Spiele gegen die Bayern immer ein Highlight, in einem Pokalfinale umso mehr. Natürlich ist Werder nicht der Favorit in diesem Finale, aber ich freue mich einfach unglaublich auf das Spiel. Möge der Grünweißere gewinnen!

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* Diese Niederlage war zu verschmerzen, denn es war Werders wohl erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: Deutscher Meister, Pokal-Halbfinale und UEFA-Cup-Halbfinale.

** Seit dem 5:1 Sieg der Berliner in Wolfsburg verstößt Hertha-Bashing nicht mehr gegen die Genfer Konvention.

*** Ein Satz, den höchstens Fritz von Thurn und Taxis noch homoerotischer formulieren könnte!

DFB-Pokal Finale: Sing For the Moment 0

Gepostet am 31. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 0:1

Der Tag danach beginnt, wie der vorherige aufgehört hat: mit Kopfschmerzen. Doch als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster dringen und sich die Augen langsam ans Tageslicht gewöhnen, fällt mir alles wieder ein: Werder ist Pokalsieger. Wir haben es geschafft. Wenigstens etwas mitgenommen aus dieser über weite Strecken verkorksten Saison.

Die Geschichte des Spiels ist keine zum Nacherzählen. Es gab wenige Szenen, die in den Köpfen bleiben werden. Frank Baumanns Auswechslung nach einer Stunde, die wird hängenbleiben. Der Mann, den viele seit Jahre nicht mehr in der Mannschaft sehen wollten, nimmt nun seinen Hut und viele Tränen werden ihm nachgeweint. Auch von mir. Es ist vielleicht das Schicksal eines ruhigen Defensivspielers wie ihm, nur durch Abwesenheit Aufmerksamkeit zu erregen. Baumann hat das nie gestört. Baumann, der fleißige Arbeiter, der unaufgeregt seine Zweikämpfe gewinnt. Immer mit dem Auge für den einfachen, aber klugen Pass im Aufbau. Und manchmal auch mit der Technik, diesen sauber zu spielen. Zum Abschied zeigte er noch einmal ein Spiel, das typischer für ihn kaum sein konnte, und durfte am Ende den Pokal in Empfang nehmen.

Dann wird natürlich das Tor in Erinnerung bleiben. Diego passt auf Mesut Özil, der – mit Unterstützung des Ex-Bremers Friedrich – den entscheidenen Treffer erzielt. Vergangenheit trifft Zukunft und sorgt in der Gegenwart für den Titel, den sich Diego zum Abschied gewünscht hat. Sein Weggang kann Werder an den Abgrund bringen oder befreien, das wird sich nach der Sommerpause zeigen. In dieser Saison jedenfalls war Diego unglaublich wichtig. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein einzelner Spieler eine solche Ausnahmestellung bei Werder eingenommen hat. Dabei sehe ich Diego noch immer nicht als wirklichen Spielmacher. Er ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der seine Stärken erst 30 Meter vor dem gegnerischen Tor richtig entfalten kann. Vorher gibt es zuviel Dribbling, zu wenig Raumgewinn und Tempo. Diegos Stellung in diesem Jahr hängt auch mit der Verletzung von Daniel Jensen zusammen. Der Däne zog in der letzten Saison hinter Diego die Fäden und machte Werders Spiel variantenreicher. Doch dieser Tage flößt schon Diegos bloße Anwesenheit dem Gegner Angst und Schrecken ein. Selbst wenn es bei ihm nicht gut läuft, zieht er mehrere Gegenspieler auf sich und schafft dadurch Platz für andere – manifestiert in der Vorbereitung zum 1:0.

Özil, der hoch talentierte, oft noch schüchterne, manchmal geniale Nachwuchsmann. Vor einem Jahr war er ein Junge, der mit hängenden Schultern über den Platz schlurfte. Zuweilen fällt er noch in diese Phase zurück, doch seine exzellente Entwicklung ist unverkennbar. Özil wird weiter wachsen müssen, denn der Beschützer an seiner Seite ist nun weg. Sicher erwartet niemand von Özil, dass er Diego ersetzen kann. Doch er wird mehr Verantwortung tragen müssen. Er wird Ellenbogen (im übertragenen, nicht im vanbommelschen Sinne) zeigen müssen und sich weniger Auszeiten erlauben dürfen. Wer Mesut Özil spielen sieht, dem kann nicht wirklich bange um Werders Zukunft sein.

Nicht-Bremer werden vermutlich das Interview mit Bruno Labbadia nicht so schnell vergessen. Es könnte auch sein Abschiedsspiel gewesen sein. Es wird bei Bayer Leverkusen über Zeitpunkt, Stil und Inhalt seiner Aussagen diskutiert werden. Hat Labbadia dem Verein bzw. der Mannschaft geschadet? Und wie lassen sich seine späten Wechsel deuten? Wollte er den Spielern signalisieren: "Los, jetzt macht es selbst"? Hätte ein Toni Kroos die nicht immer sattelfeste Bremer Defensive nicht noch stärker in Bedrängnis bringen können, wenn er 15 Minuten früher ins Spiel gekommen wäre? So scheuten beide Mannschaften nach Werders Führung das Risiko. Sowohl Werder als auch Leverkusen sind in der Vergangheit schon häufiger mit fliegenden Fahnen untergegangen. Nun reichte Werder eine taktisch disziplinierte letzte halbe Stunde, um Bayer in Schach zu halten. Während das Spiel in der ersten Halbzeit wenigstens technisch auf hohem Niveau stattfand, verschwand in der zweiten Hälfte zusehens auch die Spielkultur. Aufgrund des Spielstands vor allem Leverkusen anzukreiden bzw. Werder anzurechnen.

Am Ende steht ein dreckiger 1:0-Sieg. Der Pokalsieg 2009 ist das Kontrastprogramm zum Double 2004. Statt der Krönung einer herausragenden Saison ist er der einzige gemeinsame Nenner für Fatalisten, Realisten und Optimisten, bei denen die Bewertung dieser Saison ansonsten weit auseinander geht. Im Gegensatz zu 2004 halten sich die Sympathiebekundungen durch Nicht-Werderfans in Grenzen. Ganz im Gegenteil. Doch es fühlt sich keinen Deut schlechter an. Sympathie hatten wir schon, den Schönheitspreis dürfen auch mal andere gewinnen. Wir haben den Pokal. Und die Qualifikation für die Europa League, doch das ist Zukunftsmusik.

Heute zählt nur der Moment.

DFB-Pokal Finale: Live-Blog 0

Gepostet am 30. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Bayer Levekusen – Werder Bremen

Das Live-Blog beginnt ca. eine Stunde vor Spielbeginn, also gegen 19 Uhr. Ein wenig Lesestoff zur Vorbereitung gibt es hier und hier.

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Manchester United 0

Gepostet am 27. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute verabschiedet sich Gino von dieser Saison. Was wäre dafür ein besserer Rahmen als ein Champions League Finale, noch dazu eines mit so klangvollen Namen? Los geht's ab 20:15. Das Twitter-Zauberwort heißt wieder #Ginolive.

UEFA-Cup Finale: Italien 0

Gepostet am 21. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Schachtar Donezk – Werder Bremen 2:1 n.V.

Was macht man am Tag nach dem Finale? Sich davon überzeugen, dass das Leben um einen herum weitergeht? Tut es das denn? Ein Blick nach draußen sagt: ja. Die Vögel zwitschern, die Freunde und Bekannten ebenfalls. Das Weserstadion steht immer noch dort, wo die Weser einen großen Bogen macht. Auch die Scharen gläubiger Menschen, die sich zum Kirchentag versammelt haben, sind noch da. Für heute werden 500.000 Teilnehmer erwartet. Damit wäre Bremen heute eine Millionenstadt. Doch was ist schon eine Millionenstadt ohne Titel? Hamburg? Berlin?

Werder hat die erste von zwei Chancen auf einen Pokal in dieser Saison vergeben. Zu keiner Zeit hat man im Finale von Istanbul den Offensivdruck entwickeln können, mit dem man den HSV und AC Milan in  den Runden zuvor niedergerungen hatte. In einem insgesamt eher mäßigen Spiel war Donezk die bessere, die leichtfüßigere Mannschaft. Ein spielerischer Klassenunterschied, der einem beim Zuschauen wehtat. Vorbei die Zeiten, da Werder für sein technisch anspruchsvolles Kurzpassspiel Schönheitspreise gewann. Da half es auch nichts, dass Claudio Pizarro in der letzten Minute der Verlängerung ein vermeintlich reguläres Tor erzielte, dem Schiedsrichter Cantalejo die Anerkennung verweigerte. Ein harter Brocken, hier auf Foul zu entscheiden. Nüchtern betrachtet wohl vertretbar, aber nicht seiner vorherigen Linie entsprechend. Hätte es in der Situation mit vertauschten Rollen Elfmeter gegeben? Wohl kaum.

Der größte Respekt gebührt sicherlich Donezks Trainer Lucescu. Seine Offensivtaktik mit allen fünf Brasilianern in der Startaufstellung ging voll auf. Dazu schaffte man es im Mittelfeld, Mesut Özil weitgehend zu isolieren. Die restlichen Bremer Offensivbemühungen konnten Schachtar nur selten in Bedrängnis bringen. Schaaf kann man kaum einen Vorwurf machen. Seine Alternativen bei der Personalentscheidung waren sehr begrenzt, was man auch bei den Einwechslungen sehen konnte. Ob Tim Wiese nun beim ersten, beim zweiten oder bei beiden Gegentoren nicht gut aussah, ist mir egal. Kein anderer Torwart in der Bundesliga hat sich im letzten Jahr so weiterentwickelt wie er. Wenn er sich nicht zufrieden gibt und weiter so an sich arbeitet, hat er eine realistische Chance in der Nationalmannschaft.

Das Spiel erinnerte mich in merhfacher Hinsicht an das Halbfinalaus der deutschen Mannschaft bei der WM 2006 gegen Italien. Auch damals hatte ich vor dem Spiel ein gutes Gefühl, dachte den stärksten Gegner schon in der Runde zuvor besiegt zu haben. Auch damals fiel der vielleicht entscheidende Spieler unter umstrittenen Umständen für das Spiel aus und konnte nicht adäquat ersetzt werden. Auch damals überraschte der gegnerische Trainer durch eine erstaunlich offensive Ausrichtung seiner Mannschaft. Auch damals hatte man das sichere Gefühl bei einem möglichen Elfmeterschießen siegreich vom Platz zu gehen.

Letztendlich verlor man das Spiel heute wie damals verdient in der Verlängerung und am Ende bleibt nur eine große Leere, ein Nichts, das nur schwer wieder aufgefüllt werden kann. Damals gab es ein versöhnliches Spiel um Platz 3, das die Enttäuschung über das verpasste Finale bei vielen Zuschauern milderte. Gestern gab es nur Medallien, einen feuchten Händedruck von Michel Platini und einen flüchtigen Blick auf das Objekt der Begierde, den Pokal. Nur gucken, nicht anfassen. Vielleicht hätte man noch jedem Spieler eine Teilnehmerurkunde überreichen können, um noch weiter in den Wunden zu bohren.

Es wird mit Sicherheit der Tag kommen, wenn die Freude, dieses Finale überhaupt erreicht zu haben, überwiegen wird. Vielleicht wird es morgen sein, vielleicht erst in einigen Wochen. Zum Glück bleibt nicht viel Zeit zum Trübsal blasen. Das nächste Finale wartet schon in neun Tagen. In Berlin wird für Werder eine Ära zu Ende gehen. Ich fordere nicht den Titel, doch ich wünsche mir ein tolles und begeisterndes Spiel, in dem Werder eine Leistung zeigt, auf die jeder Spieler und jeder Fan stolz sein kann. Vor fünf Jahren haben wir schon einmal einen kleinen Brasilianer unter Tränen in Berlin verabschiedet. Es war ein gutes Pflaster.

UEFA-Cup Finale: Live-Blog 0

Gepostet am 20. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Schachtar Donezk – Werder Bremen

Ab kurz nach 19 Uhr blogge/twittere ich live vom UEFA-Cup Finale in Istanbul.

Darf ich vorstellen: Schachtar Donezk 0

Gepostet am 20. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Es ist soweit. Heute ist UEFA-Cup-Finale. 5.000 Werderfans sind mit nach Istanbul gereist und werden die Mannschaft bestimmt nach Leibeskräften unterstützen. Die reine Anzahl der mitgereisten Fans ist nicht hoch, was sicher auch an der weiten Entfernung liegt, doch wenn ich die Begeisterung bei unseren bisherigen Auswärtsspielen gesehen habe, dann mache ich mir keine Sorgen, auch wenn 7.000 Zuschauer aus Donezk da sein werden. In Bremen selbst wird viel los sein. Heute beginnt der Deutsche Evangelische Kirchentag, zu dem über 100.000 Gäste erwartet werden. Eine größere Public Viewing Veranstaltung findet daher nur etwa außerhalb in der Waterfront in Bremen-Gröpelingen statt, denn alle zentralen Plätze sind bereits durch Veranstaltungen des Kirchentages belegt.

Über Werders Gegner habe ich in den letzten Tagen viel gelesen und mal wieder festgestellt: Lesen bildet! Ich nehme an, der Name unseres Gegners war nicht nur für mich verwirrend. In Deutschland ist die Mannschaft gemeinhin unter dem Namen Schachtjor Donezk bekannt. "Schachtjor" bezieht sich auf den russischen Namen (?????? ??????). Im Ukrainischen heißt die Mannschaft hingegen ?????? ???????, was im Deutschen "Schachtar" heißt (Quelle ist zwar nur Wikipedia, aber dafür reichen selbst meine Kyrillischkenntnisse noch). Auch in der international verwendeten englischen Version Shakhtar Donetsk bezieht man sich auf den ukrainischen Namen.

Aber Namen sind Schall und Rauch. Viel wichtiger ist natürlich, zu welcher Leistung diese Mannschaft auf dem Platz fähig ist. Schaut man sich die letzten Jahre an, dann muss man Schachtar sicherlich Respekt zollen, aber nicht vor Ehrfurcht im Boden versinken. Wie Werder spielte Donezk in dieser Saison zum fünften Mal in Folge in der Champions League. Allerdings reichte es nie für ein Weiterkommen über die Gruppenphase hinaus. In der ukrainischen Liga konnte man Rekordmeister Dynamo Kiew in den letzten Jahren etwas auf Distanz halte und wurde in drei der letzten vier Jahre Meister, doch in dieser Saison steht Donezk mit deutlichem Rückstand auf Kiew nur auf Platz 2.

Da ich mich weder in der ukrainischen Liga, noch mit Schachtars Kader wirklich gut auskenne, möchte ich auf einen Eintrag im Worum-Blog verweisen, in dem zwei Kenner dieser Mannschaft, deren Stärken und Schwächen anschaulich beschreiben. Ich habe Donezks Spiele im Halbfinale gegen Kiew gesehen und war ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Das Niveau der Spiele war nicht schlecht und Donezk insgesamt auch die bessere Mannschaft, aber insgesamt lag das schon etwas unter der Klasse der Nordderbys im anderen Halbfinale. Ansonsten habe ich ein Spiel aus der UEFA-Cup Saison 2006/2007 vor Augen, als Donezk auf gutem Weg war, Titelverteidiger FC Sevilla aus dem Wettbewerb zu schmeißen, bevor Torhüter Palop seine Mannschaft durch ein Tor in der Nachspielzeit noch in die Verlängerung rettete, wo man sich dann letztendlich durchsetzte. Matuzalems 1:0 war sicher eines der schönsten Tore jener Saison.

Ob Werder nun leichter Favorit ist oder nicht, spielt in so einem Finale keine Rolle. Es wird ein großer Kraftakt nötig sein um den Pokal zu gewinnen und ich hoffe unsere Spieler sind bereit für diese Aufgabe. Diegos Ausfall ist bitter, da er selbst an einem schlechten Tag ein Spiel durch eine Einzelaktion entscheiden kann und Freiräume für seine Mitspieler schafft. Nun hängt vieles an Özil, aber auch an Frings. Das Mittelfeld ist bei beiden Mannschaften der beste Mannschaftsteil. Hier muss Werder die physischen Vorteile ausnutzen und spielerisch mit Donezk mithalten. Donezk wird sicherlich am Ausfall von Thomas Hübschman zu knabbern haben (daher ist Diegos Ausfall gleich doppelt schade). Großen Respekt habe ich vor Darijo Srna, der auch zu den Leistungsträgern der kroatischen Nationalmannschaft gehört. Ihn würde ich sogar als eine größere Bedrohung für Werder einstufen, als etwa Fernandinho oder Jadson.

Doch nun genug der vielen Worte. Geht's raus und spuits Fußball!



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