Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



Teufelskerle 2

Gepostet am 26. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Champions League, Qualifikation, Rückspiel: UC Sampdoria – Werder Bremen 3:2 n.V.

Werder steht in der Champions League. Warum? Weil Werder Werder ist. Ein Spiel zum alle Haare einzeln rausreißen. Rausgerissen hat sich am Ende auch Werder. Am eigenen Schopf.

Dennoch war am Dienstag mehr als nur ein Haar in der Bremer Champions League Suppe zu finden. Werder spielte eine erste Halbzeit, die man eigentlich gegen keinen Gegner spielen darf, wenn man Profifußball betreibt. Es lief nichts, aber auch wirklich gar nichts zusammen. Kein vernünftiges Aufbauspiel aus dem Zentrum, kein Kombinationsspiel, keine gelungenen Soloaktionen von Marin auf der linken Seite, von Borowski sowieso nicht und erst recht keine Torgefahr von den Stürmern. Dazu nahm sich die Viererkette kollektive Auszeiten, in denen sie ihren Gegenspielern völlig planlos hinterherlief. Nach fünf engagiert geführten Minuten von Werder brach das fragile System in sich zusammen und brauchte eine gute Stunde, um wieder einigermaßen funktionstüchtig zu werden.

Werders 4-2-3-1 zog seine Stärken in der Offensive aus dem Wechselspiel zwischen Hunt, Özil und Marin, die trotz unterschiedlicher Anlagen doch alle variabel in der Mitte und auf den Flügeln agieren können. Mit Marin, Pizarro und Borowski hatte man drei völlig unterschiedliche Spielertypen, die die Positionen relativ statisch hielten und lange Zeit ihr eigenes Süppchen kochten. Wagner war alleine im Sturmzentrum überfordert, was man ihm kaum vorwerfen mag. Auch in der zweiten Halbzeit, als Werder sich peu a peu gegen ein passives Sampdoria zurück ins Spiel arbeitete, war das Fehlen einer ordnenden Hand deutlich erkennbar. Mit Arnautovics Einwechslung bekam Werders Offensivspiel mehr Gleichgewicht. Er hat zum ersten Mal richtig gezeigt, was für ein guter Fußballer er ist. Wenn Werder es schafft ihn richtig ins Team zu integrieren, dann wird er ein herausragender Spieler. Da sich auch Marin auf der anderen Seite nach einer unsäglichen ersten Halbzeit steigerte, kam Werder häufiger in die Angriffszone, ohne sich jedoch viele Torchancen herauszuspielen.

Sampdoria zeigte auf der anderen Seite, dass sie aus dem Hinspiel gelernt hatten. Das statische 4-4-2 wurde durch einige geschickte Rotationen aufgewertet, mit denen sich Werder lange nicht zurecht fand. Der linke Mittelfeldmann Guberti – neu im Team für den Flügelspieler Mannini – zog häufig in die Mitte, während sich Cassano nach außen fallen ließ. Clemens Fritz kam damit in der Anfangsphase überhaupt nicht zurecht und ohne den Platz (und die Zeit) aus dem Hinspiel hatten Frings und Bargfrede vor der Abwehr große Probleme beim Spielaufbau. Auf Sampdorias rechter Seite spielte Semioli einen wesentlich konservativeren Part auf der Außenbahn und wurde von Stankevicius häufig unterstützt. Bevor Werder sich so richtig auf Sampdorias System eingestellt hatte, stand es schon 2:0 für die Gastgeber. Pazzini ist ein wirklich sehr geschickter Strafraumstürmer, der nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Dennoch ist die Lufthoheit des 180 cm Manns nur durch unzureichendes Stellungsspiel und Timing der Bremer Verteidiger zu erklären. Beim ersten Gegentor zögert auch Wiese zu lange. Die Flanke war sehr lange in der Luft, die hätte er abfangen können. Beim zweiten Gegentor hatte sich auch Clemens Fritz dann endgültig an das Niveau der restlichen Abwehr angepasst. Pazzini läuft ihm bei einem Freistoß im Rücken weg und darf im Strafraum mit dem Fuß zum Ball. Ein wirklich schöner Schuss, den man auf diesem Niveau aber niemals zulassen darf.

Werder verdiente sich die Verlängerung am Ende durch eine gute Schlussphase gegen deutlich nachlassende Italiener. Zumindest von der Einstellung her funktioniert die Mannschaft. Das 3:0 fünf Minuten vor dem Ende hätten viele Teams als endgültigen Knock-Out hingenommen. Werder bewies wie schon so oft in der letzten Saison große Moral und kam noch zum 1:3. Sampdoria kam nach Rosenbergs Tor nicht mehr zurück auf die Beine. In der Verlängerung dominierte Werder das Spiel um den nun überragenden Marin fast nach Belieben. Daher ist das Ergebnis nach insgesamt 210 Minuten gerecht, auch wenn man in Genua mit dem eigenen Schicksal hadern wird. Werder stolpert also in die Gruppenphase, fällt aber nicht. Vielleicht ist diese Erkenntnis für das Team ebenso wichtig, wie die erneut deutlich aufgezeigten Schwachpunkte.

Gegen Köln kann man sich nach dieser Partie fast alles vorstellen, von einer Fortsetzung des Hoffenheim-Debakels bis zu einem Schützenfest für Grün-Weiß. Werder scheint im Spätsommer 2010 noch in einer frühen Entwicklungsphase. Wohin die Reise geht? Die Achterbahnfahrt hat wohl gerade erst begonnen.

UC Sampdoria – Werder Bremen (live) 2

Gepostet am 24. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Party like it’s 2004 0

Gepostet am 19. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Champions League Qualifikation, Hinspiel: Werder Bremen – UC Sampdoria 3:1

So darf eine Saison gerne losgehen. Dem zwar einigermaßen souveränen, aber wenig überzeugenden Auftritt gegen Ahlen folgte gegen Sampdoria eine Leistung, die man in dieser frühen Phase der Saison noch nicht erwarten konnte. Werders Spielweise gestern erinnerte an die Spielweise der Ära-Micoud, wenn dieser mal nicht dabei sein konnte. Die Verantwortung war auf viele Spieler verteilt und besonders das Mittelfeld wirkte sehr ausgewogen. Keine Spur mehr von fehlender Balance zwischen Offensive und Defensive. So konnte man gegen einen erwartet starken Gegner das Spiel über weite Strecken kontrollieren, ohne jedoch eine Vielzahl hochkarätiger Chancen herauszuspielen.

Bis zur Halbzeit war es ein engagierter und geduldiger Auftritt, mit gelegentlichen Wacklern in der Viererkette. Prödl und Pasanen je einmal mit einem Katastrophenpass im Aufbau und ein kollektiver Tiefschlaf bei einer schlauen Freist0ßfinte durch Palombo, doch ansonsten sah Werder auch gegen die gut strukturierten Gegenstöße Sampdorias meistens gut aus. Das 0:0 war zu diesem Zeitpunkt trotzdem leistungsgerecht, weil Werder es versäumte, sich gute Abschlussmöglichkeiten zu erspielen. Durch die Mitte kam man nicht ans Ziel, weshalb es die Grün-Weißen häufig mit Fernschüssen und Flanken von außen probierte. Werders beste Chance in Halbzeit 1, Almeidas Kopfball an die Latte, kam jedoch durch einen tollen Pass von Clemens Fritz in die Nahtstelle der Viererkette zustande. Ansonsten verteidigte Sampdoria sehr sicher und gut organisiert, weshalb solche Situationen die Ausnahme blieben.

In der zweiten Hälfte hatte Werder Glück, dass Sampdoria mit einem Fehler entgegen kam und Tissone den Ball für Fritz perfekt auflegte. Dessen Schuss mit links in den Winkel war phänomenal, den hätte auch Robben nicht besser hinbekommen. Nach dem Tor spielte Werder wie gewohnt weiter nach vorne und behielt zunächst auch die Spielkontrolle. Sampdoria versuchte in der Folge jedoch ebenfalls mehr nach vorne zu spielen und brachte mit Poli und Guberti zwei neue Spieler. Gefährlich wurde es meistens über Cassano, der ein gutes Spiel machte, aber mit zunehmender Spieldauer immer ungeduldiger und damit unkonzentrierter wurde. Fünf Minuten lang wirkte Werder verunsichert, was Pazzini mit seinem Pfostenschuss fast bestraft hätte. Danach kam wieder Sampdoria den Bremern entgegen und Werder nutzte die Situation eiskalt aus. Erst verwandelte Frings den Elfmeter nach Lucchinis Foul an Prödl und nur zwei Minuten später kombinierten sich Fritz, Pizarro und Almeida mit Doppelpässen durch Sampdorias dezimierte Hintermannschaft. Pizarro schloss den schönsten Angriff des Spiels mit einem abgefälschten Schuss ins kurze Eck ab.

Danach schien das Spiel gelaufen. Werder verwaltete geschickt und brachte mit Boenisch, Marin und Arnautovic drei Spieler, die noch nach ihrer Bestform suchen. Hätte Werder in dieser Phase noch etwas konsequenter den Abschluss gesucht, wäre das Ergebnis vielleicht noch höher ausgefallen. Wichtiger war es jedoch, hinten die Null zu halten. In der letzten Minute durfte Stankevicius aus dem Halbfeld flanken und Pazzini erzielte unbedrängt von Mertesacker per Kopf den Anschlusstreffer. Aus Werdersicht ein ärgerlicher und vermeidbarer Gegentreffer, auch wenn sich Sampdoria ein Tor verdient hatte. Pazzinis Kopfballstärke ist bekannt, aber von einem Spieler wie Mertesacker darf man in dieser Situation schon ein besseres Stellungsspiel erwarten. Das Ergebnis ist immer noch eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am Dienstag in Genua, aber für Sampdoria braucht es nun kein Fußballwunder mehr, sondern “nur” ein 2:0. Sollte Werder die Leistung aus dem Hinspiel einigermaßen konservieren können, braucht man sich aber keine großen Sorgen zu machen. Vor eineinhalb Jahren hat man sich im UEFA-Cup gegen Udinese Calcio in eine fast identische Situation gebracht und musste im Rückspiel lange zittern. Eine ähnliche Zitterpartie bleibt uns diesmal hoffentlich erspart.

Werders Mittelfeld hat mich gestern auf allen vier Positionen überzeugt, während die Stürmer einen schweren Stand hatten, jedoch mit großer Einsatzfreude agierten. Die Viererkette zeigte hingegen einige Mängel. Hier war nur Fritz voll auf der Höhe und bestätigte seine starke Form. Prödl hat noch ein paar Probleme, zeigt jedoch seine guten Ansätze. Mit zunehmender Matchpraxis wird er hoffentlich auch die Nervosität ablegen können. Arnautovic und Marin werden es zunächst schwer haben in die erste Elf zu rücken, gerade wenn es beim 4-4-2 mit Raute bleibt. Allerdings liegt es auch an ihnen, dieses zu ändern. Mit Marin und Arnautovic in Topform bietet sich ein 4-2-3-1 geradezu an. Werder kann sich glücklich schätzen diese Spieler im Kader zu haben, denn gestern wurde auch deutlich, dass das Kombinationsspiel in dieser Formation sehr gut klappt, jedoch häufig die unerwartete, geniale Einzelaktion fehlt, um einen Angriff gegen einen gut organisierten Gegner zum Abschluss zu bringen. Das war auch ein Manko der Micoud-Ära, wenn der große Meister mal fehlte.

Was gestern ebenfalls deutlich wurde: Der große Unterschied zwischen Diego und Özil. Während Diego das Werderspiel beherrschte, das gesamte Spiel ab Zeitpunkt des Ballgewinns auf sich zog, war mit Özil die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt. Vor einem Jahr spielte Werder erst richtig überzeugend, als neben Özil auch Hunt und später Marin in Form waren und Verantwortung übernahmen. Zwar war auch Özil ein zentraler Spielgestalter, nur war das Spiel viel weniger auf ihn zugeschnitten. Hunt fehlt noch etwas das Timing für den entscheidenden Pass, aber ansonsten konnte er gestern fast nahtlos in Özils Rolle schlüpfen. Diegos Dominanz war Fluch und Segen zugleich für Werder.* Langfristig ist es für ein Mannschaft aber besser, nicht zu abhängig von einem Spieler zu sein. Bei allen Fähigkeiten, die Özil hat, war Werder mit ihm nie ein Ein-Mann-Team. Deshalb wundert es mich nicht, dass Werder nach seinem Weggang nicht in ein temporäres Leistungsloch fällt. Dennoch habe ich mit so einem starken Auftritt nicht gerechnet.

Unterm Strich steht deshalb ein sehr erfreuliches Ergebnis, das die Vorfreude auf die Bundesligasaison noch erhöht hat.

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* Für mich sind das allerdings auch die Gründe, warum Diego auf vielen seiner bisherigen Stationen Probleme hatte. Er braucht diese herausragende Stellung in der Mannschaft, um seine Leistung voll abzurufen. Özil scheint mir da aufgrund seiner hohen Spielintelligenz anpassungsfähiger. Deshalb traue ich ihm auch eine erfolgreichere internationale Karriere zu. Das aber nur am Rande.

Werder Bremen – UC Sampdoria (live) 2

Gepostet am 18. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Darf ich vorstellen: UC Sampdoria 5

Gepostet am 16. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werders letzte Hürde auf dem Weg in die Champions League Gruppenphase 2010/11 heißt UC Sampdoria (oder auch Sampdoria Genua, wie der Verein in Deutschland besser bekannt ist).

Der Verein

Unione Calcio Sampdoria wurde relativ spät gegründet, nämlich erst im Jahr 1946. Die Wurzeln reichen jedoch bis ins Jahr 1891 zurück, als der Verein Ginnastica Sampierdarenese gegründet wurde. Dieser schloss sich nach dem 2. Weltkrieg (und nachdem er zuvor mehrere weitere Fusion durchgemacht hatte) mit einem Verein mit dem wunderbaren Namen Society Andrea Doria zur Unione Calcio Sampdoria zusammen.

Fans und Spieler des Vereins werden in Italien als Blucerchiati (Blaumumrahmte) bezeichnet, weil auf ihren Trikots einige weiß-rot-schwarze Querstreifen auf einem blauen Untergrund abgebildet sind – eine aus Werdersicht fürchterliche Farbkombination.

Sampdoria spielt im Stadio Comunale Luigi Ferraris, das es sich mit dem Lokalrivalen CFC Genua teilen muss. Das 1911 erbaute Stadion wurde vor der WM 1990 komplett abgerissen und neu aufgebaut. Heute hat es ein Fassungsvermögen von 36.600 Zuschauern.

Historie

Die mit Abstand erfolgreichste Zeit erlebte Sampdoria in den späten 80er und frühen 90er Jahren unter dem jugoslawischen Trainer Vujadin Boskov, der noch heute als Scout für den Verein arbeitet. Ende der 70er Jahre spielte Sampdoria in der Serie B und wurde von einem italienischen Öl-Millionär gekauft, der mit einigen Finanzspritzen den Wiederaufstieg in die Serie A ermöglichte. 1985 gewann der Verein seinen ersten großen Titel, den Coppa Italia. Seit dieser Zeit machte sich Sampdoria vor allem als Pokalmannschaft einen Namen. Es folgten weitere Pokalsiege 1988 und 1989, sowie einige Ausrufezeichen im Europapokal. 1990 kam es zum größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte, als Sampdoria mit einem Sieg über RSC Anderlecht den Europapokal der Pokalsieger gewann. Im Jahr zuvor hatte das Team ebenfalls das Finale dieses Wettbewerbs erreicht, verlor jedoch gegen den FC Barcelona. Gegen den selben Gegner unterlag man auch 1992 im letzten Finale des Europapokals der Landesmeister vor der Einführung der Champions League.

In der zu jener Zeit von Arrigo Sacchis AC Milan und Diego Maradonas SSC Neapel dominierten Serie A konnte Sampdoria nur einen großen Erfolg verbuchen: 1991 gewann das Team um Stars wie Gianluca Pagliuca, Gianluca Vialli und Roberto Mancini die italienische Meisterschaft, den Scudetto. Mit dem erneuten Pokalsieg 1994 begann jedoch der langsame Niedergang des Vereins. Trotz namhafter Neuzugänge wie Ruud Gullit, Juan Sebastian Veron, Clarence Seedorf, Ariel Ortega und Christian Karembeu in den folgenden Jahren verabschiedete sich der Verein nach und nach aus der italienischen Spitze. 1999 folgte das, was Werder unter Thomas Schaaf gerade noch verhindern konnte: Der Abstieg in die 2. Liga.

Erst 2003 gelang der Wiederaufstieg in die Serie A. Seitdem kämpft man um Anschluss an die Ligaspitze. Platz 4 in der vergangenen Saison stellt dabei den vorläufigen Höhepunkt dar. Mit einem Sieg über Werder könnte Sampdoria zum ersten Mal den Einzug in die Champions League schaffen und damit den größten internationalen Erfolg seit 18 Jahren.

Die Mannschaft

Insgesamt gab es diesen Sommer abgesehen vom Torwart keine größeren Veränderungen am Kader. Im Gegensatz zum Stadtrivalen hat sich Sampdoria auf dem Transfermarkt bislang zurückgehalten. Die Mannschaft ist eingespielt und dürfte gegen Werder in ähnlicher Zusammensetzung auflaufen, wie in der Vorsaison.

Sampdoria hat keine großen Stars im Kader, doch es wäre falsch, sie als ein Team der Namenlosen zu bezeichnen. Nicht zuletzt Außenverteidiger Reto Ziegler dürfte bei Werderfans bekannt sein, war er doch bis vor kurzem noch als möglicher Neuzugang in Bremen im Gespräch. Der klangvollste Name im Kader ist sicherlich Antonio Cassano. In Genua konnte das enfant terrible des italienischen Fußballs nach der erfolglosen Zeit bei Real Madrid endlich wieder an alte Erfolge bei der Roma anknüpfen. Die riesigen Vorschusslorbeeren, die er zu Beginn seiner Karriere erhielt, konnte er jedoch nie ganz rechtfertigen.

Torhüter Marco Storari wechselte nach nur einem halben Jahr bei Sampdoria zusammen mit dem Trainer zu Juventus Turin. Auch die etatmäßige Nummer 1 der letzten Jahre Luca Castellazzi hat den Verein verlassen, so dass ein neuer Torwart her musste. Verpflichtet wurde Gianluci Curci aus Siena, der lange Zeit Ersatztorwart bei der Roma war und alle Jugendabteilungen der italienischen Nationalmannschaft durchlief. Klingt nach einem interessanten Mann, den ich aber noch nicht bewusst spielen gesehen habe.

Die Viererkette ist mit Ziegler auf der linken Seite gut besetzt. Auf rechts muss der Weggang von Luciano Zauri kompensiert werden. Die Aufgabe könnte zwar von Defensivallrounder Marius Stankevicius übernommen werden, der aus Sevilla zurückkam, aber auf der Position hat Sampdoria eigentlich noch Bedarf. In der Mitte spielen mit Stefano Lucchini und Daniele Gastaldello zwei zuverlässige und taktisch gut geschulte Innenverteidiger, die aber nicht die ganz große Klasse haben.

Im zentralen Mittelfeld stehen mit Kapitän Angelo Palombo und U21-Nationalspieler Andrea Poli zwei defensiv sehr begabte Spieler, die sich jedoch nur selten in die Offensive einschalten und engen Kontakt zu ihren Hinterleuten halten. Im rechten Mittelfeld wird meistens Franco Semioli eingesetzt, ein typischer Flügelspieler, der die Außenbahn beackert und gute Flanken schlägt. Auf der linken Seite gibt es mehrere Möglichkeiten. In der letzten Rückrunde startete oft Stefano Guberti, der nach nach einem halben Jahr Leihe zurück zur Roma ging. Linksverteidiger Ziegler wäre eine sehr defensive Option, wahrscheinlicher ist der Einsatz von Daniele Mannini, der dank seiner Flexibilität auch einen guten Joker abgibt.

Im Angriff sind Cassano und Mittelstürmer Giampaolo Pazzini gesetzt. Pazzini ist ein klassischer Strafraumstürmer, der in der letzten Saison der mit Abstand beste Torjäger Sampdorias war. Er ist extrem Kopfballstark und verwertet die Hereingaben in den Strafraum sehr effektiv. Cassano spielt etwas versetzt hinter ihm und ist mit seinen technischen Fähigkeiten ein guter Sturmpartner für Pazzini. Zusammen haben die beiden mehr als die Hälfte der Ligatore ihrer Mannschaft erzielt. Dieses Sturmduo ist wohl das Prunkstück der Mannschaft.

Die Taktik

Erfolgstrainer Luigi Delneri wechselte nach Ende der letzten Saison zu Juventus wechselte. Der neue Trainer Domenico Di Carlo führte zuletzt Chievo auf den 14. Platz der Serie A und hat bislang keine großen Spuren als Cheftrainer hinterlassen. Fraglich ist, ob er das 4-4-2 System seines Vorgängers unverändert lässt oder Änderungen vornimmt. Bei Chievo spielte er meist mit einer Mittelfeldraute, die er mangels eines hochklassigen Spielmachers bei Sampdoria jedoch eher nicht beibehalten wird.

Bislang spielte Sampdoria ein 4-4-2/4-2-2-2 System, das im Aufbau an den FC Bayern erinnert. Vor der Viererkette spielen zwei defensive zentrale Mittelfeldspieler und zwei offensive Außen. Von den beiden Stürmern spielt einer leicht zurückgezogen, so dass man auch von einem 4-4-1-1 sprechen könnte. Im Unterschied zu den Bayern bleiben die beiden defensiven Mittelfeldspieler meistens weit hinten und schalten sich nicht (wie etwa Schweinsteiger) ins Offensivspiel ein. Die hängende Spitze, in der Regel Cassano, ist nicht besonders fleißig was die Defensivarbeit angeht, weshalb im offensiven zentralen Mittelfeld häufig ein Loch klafft. Im Spiel nach vorne ist die Mannschaft daher auf die Flügelspieler angewiesen. Hier folgte Sampdoria bisher nicht dem Trend, sondern setzt die Außenspieler auf ihrer “richtigen” Seite ein, damit sie Flanken zu den beiden Stürmern in den Strafraum bringen.

Diese Taktik ist relativ berechenbar und statisch (49 Tore in 38 Ligaspielen sprechen nicht für große Offensivstärke), doch für die traditionell über Außen anfällige Werderdefensive bedeutet sie dennoch einen ernsthaften Test. Verhindert man die Flanken in den Strafraum, kann man Pazzini einigermaßen aus dem Spiel nehmen – schafft man das nicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis er ein Tor erzielt. Cassano ist das unberechenbare Element im Spiel der Italiener, mitunter genial, aber ab und zu auch lustlos. Er ist der Mann für die besonderen Tore. Defensiv ist Sampdoria durch die solide Viererkette und das tief stehende defensive Mittelfeld eine gute Mannschaft, jedoch kein Bollwerk. Werder dürfte vor allem im zentralen Mittelfeld viel Platz bekommen, den Frings und Bargfrede (oder wer immer dort spielen wird) ausnutzen können. Ausgehend von diesem Überzahlspiel im Mittelfeld sollte es möglich sein, die Offensivreihe gut ins Spiel zu bringen.

Der Ausblick

Ob das Rückspiel auswärts stattfindet oder zuhause scheint mir aus sportlicher Sicht nicht so wichtig. Für uns ist es mit Hinblick auf den Umbau des Weserstadions jedoch ein Nachteil, schon am 18.8. das Heimspiel zu haben. Insgesamt denke ich, dass Sampdoria ein starker Gegner ist, der leistungsmäßig etwas über unseren Gegnern 2005 (Basel) und 2007 (Dinamo Zagreb) steht. Dennoch geht Werder als Favorit in die Begegnungen, wenn die Liste der Ausfälle nicht noch größer wird. Mit unseren schnellen und technisch beschlagenen Spielern in der Offensive sollten wir für genug Torgefahr sorgen. Dazu kommt die internationale Erfahrung, die Werder deutliche Vorteile verschaffen sollte. Diese Spiele ganz zu Beginn einer Saison sind immer schwierig einzuschätzen, doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit (die angesichts der Bedeutung der Partie selbstverständlich sein sollte) wird sich Werder durchsetzen.

Mein Tipp: Hinspiel 2:1, Rückspiel 1:1

Meine Saison (über den Tellerrand) 2

Gepostet am 26. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Die Saison ist vorbei. Zeit für Rückblicke, Bilanzen, Fazits. Gestern ging es um Werders Saison, heute gibt es einen Blick über den Tellerrand:

Das gefiel mir

Messi. Cesc Fabregas Führungsqualitäten. Xavis Pässe. Der Vergleich Maicon vs. Dani Alves. Mourinhos Jubel im Bernabeu. Der unterschätzte Torjäger Diego Forlan (62 Tore in den letzten beiden Spielzeiten). Die erneute Selbstdemontage des HSV. Fulhams Europa League Saison. Schweinsteigers Verwandlung. Dass van Gaal Recht behalten hat.

Das gefiel mir nicht

John Terry. Cristiano Ronaldos Arroganz. Ryan Shawcross’ Knochenbrecher-Foul an Aaron Ramsey. Die Schiedsrichter in der Champions League. Die Bemessung der Nachspielzeit in der Bundesliga. Sergio Busquets Schauspielerei. Bayerns Geheule über die Ribery-Sperre. Alex Fergusons Geheule über die Bayern. Mein Geheule über deren Geheule. Dass Uli Hoeneß Recht behalten hat.

Spannend

Die Taktikdiskussionen! Angefangen in England, wo mit der Seite zonalmarking.net ein Flaggschiff der Spielanalyse geschaffen wurde. Jonathan Wilsons Ausführungen im Guardian sind eine Offenbarung. In Deutschland wurde von erz die Taktiktafel ins Leben gerufen, eine systematische Auseinandersetzung mit der Taktik im Fußball. Für meinen Geschmack am Anfang ein wenig zu abstrakt, aber immer fundiert und inzwischen auch auf konkrete Beispiele bezogen. Immer wieder interessant sind auch Johan Petersens Toranalysen im Werder-Fußball-Blog. Bitte alle weiter so!

Langweilig

Löw-Bashing. Man kann Löw für viele Dinge kritisieren, kann seine Nominierungen für falsch halten, seinen Umgang mit den Spielern für überheblich und die Spiele der Nationalmannschaft für mittelmäßig. Man kann auch beleidigt sein, weil Spieler X oder Y nicht aufgestellt werden. Kurzum: Man kann das alles für einen riesigen Haufen Dreck halten, wenn man denn gerne möchte. Was mir übel aufgestoßen ist, sind die vielen persönlichen Beleidigungen, die Beschimpfungen unter jeder Gürtellinie, die ich insbesondere von vielen Werderfans in Foren und Kommentaren gelesen habe.

Und noch etwas: Jogi Löws Kader für die WM ist vieles, aber nicht “feige”. Einen Menschen anonym aufs übelste zu beschimpfen, das ist feige!

Spiel der Saison

FC Barcelona – Inter Mailand 1:0. Ein Fußballspiel, das nur am Rande etwas mit Fußball, wie wir ihn kennen, zu tun hatte. 86% Ballbesitz für Barcelona und ein Abwehrriegel, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Aus taktischer Sicht also gar nicht so interessant, sondern eindimensional, wie es eindimensionaler nicht geht. Beeidruckt hat mich vielmehr, wie fehlerlos Inter dieses Abwehrbollwerk über 90 Minuten aufrecht erhalten hat.  Inter hatte sich die Augangsposition dafür im Hinspiel erarbeitet. Das Rückspiel lebte von der Faszination dieser gänzlich gegensätzlichen Ausrichtungen der beiden Mannschaften. Mourinhos perfekte Organisation gegen Guardiolas fast perfektes Passspiel. Am Ende setzte sich Inter hauchdünn durch. Puristen weinten, Defensivstrategen jubilierten, solche Spiele sieht man nicht oft. Nach dem Motto: “Nicht schön, aber selten” ist es für mich das Spiel der Saison.

Spieler der Saison

Xavi Hernandez. Ich komme an ihm einfach nicht vorbei. Nach Barcelonas Aus gegen Inter musste er sich einige Kritik gefallen lassen, weil sein Spiel zu statisch sei, er mit dem Ball am Fuß keine Lücken reißen könne. Man könnte genau so gut Lionel Messi dafür kritisieren, dass er so selten gegnerische Ecken mit dem Kopf klärt oder Gianluigi Buffon für seine schwache Torausbeute. Xavi ist ein Strippenzieher, ein genialer Stratege und der vielleicht beste Passgeber aller Zeiten. Er verliert so gut wie nie den Ball, sieht immer zwei bis drei Schritte voraus und setzt seine Mitspieler brillant in Szene. Er spielt nicht nur die meisten, sondern auch die besten Pässe weit und breit.

Spieler der Hinrunde

Robin van Persie. Wie sein Landsmann Arjen Robben gilt van Persie als verletzungsanfällig. Anders als Robben konnte er in dieser Saison nicht den Gegenbeweis erbringen. Ein halbes Jahr fiel er aus, nachdem er sich in einem Länderspiel verletzt hatte. Bis zu seiner Verletzung zeigte er jedoch, welches Potential in ihm steckt. Seit Adebayors Wechsel zu Manchester City letzten Sommer spielt van Persie im Sturmzentrum des FC Arsenal und hat seine Trefferquote seitdem deutlich gesteigert. Im Herbst schien er auf einem guten Weg, einer der Topstürmer Europas zu werden. Dann kam die Verletzung und warf ihn aus der Bahn. Bei seinem Comeback im April deutete er sofort wieder an, wozu er fähig ist. Bringt alles mit, was ein Stürmer braucht. Wenn er sich nicht wieder verletzt (leider ein ziemlich großes WENN) wird 2010/11 zu seinem Jahr.

Spieler der Rückrunde

Lionel Messi. Über ihn braucht man nicht mehr viel sagen. 34 Tore in La Liga, 47 in allen Wettbewerben zusammen. Die Vergleiche mit Maradona sind absolut angebracht. Er ist seinen Zeitgenossen vielleicht nicht ganz so weit voraus, doch er hat im Gegensatz zum alten Diego nicht mehr die Zeit, seine Aktionen in Ruhe zu planen, bevor der erste Gegenspieler ihn angreift. Messis Geschichte klingt wie ein Märchen: Der kleinwüchsige Junge aus Argentinien zieht mit seiner Familie nach Barcelona, wo sie nichts haben, als die Hoffnung auf eine Profikarriere. Der Junge setzt sich trotz aller körperlichen Nachteile durch, verzaubert die Welt mit seinem Spiel und entscheidet ein Champions League Finale mit einem Kopfballtor. Dieses Jahr hat er gezeigt, dass das Märchen noch nicht vorbei ist.

Newcomer der Saison

Schwierig. Thomas Müller wäre ein Kandidat. Pedro wäre ein Kandidat. Insgesamt war es aber eher eine Saison der Etablierten (Rooney, Ronaldo, Messi, Fabregas) und der – aus welchen Gründen auch immer – fast schon abgeschriebenen (Snejder, Robben, Lucio und Schweinsteiger).

Saisonfazit

Es war eine überraschende und gute Saison. Die englische Dominanz in der Champions League konnte durchbrochen werden. Außenseiter schaffen auf dem europäischen Parkett den Durchmarsch. Es ist eine Saison der Trainer. Van Gaals Positionsspiel ist so erfolgreich und erfrischend, dass es von vielen als Innovation gepriesen wird. Dabei vergessen viele Bayernfans, dass sie ihn im Spätherbst am liebsten noch aus der Stadt gejagt hätten. Die Rieseninvestitionen von Real Madrid und Manchester City zahlten sich (noch) nicht aus. In Europas großen Ligen setzen sich die Favoriten durch. Barcelona holt 99 Punkte in La Liga. Real Madrid erzielt 102 Tore, der FC Chelsea 103. Arsenal scheitert einmal mehr an seinen Verletzungen und am eigenen Phlegma. Der neue Modus der Europa League ist etwas besser als der alte. Ballack wird endlich mit Chelsea Meister, fällt aber dafür bei der Weltmeisterschaft aus. Brasilien und Spanien gelten als beste Nationalmannschaft der Welt auf und doch muss das nichts über den Ausgang der WM aussagen.

Ausblick

Es wird auch in der kommenden Saison wieder Fußball gespielt. Soweit die wichtigste Nachricht. Es gibt keine Stagnation, der Fußball entwickelt sich weiter. Er wird noch schneller, die Spieler körperlich noch mehr gefordert. Es werden wieder Mannschaften kommen, die sich für einen Moment über die anderen heben und mit sich das Spiel auf eine neue Ebene hiefen. Die neue Saison ist offen wie nie. Werden die Engländer zurückschlagen? Kommt Real Madrid international wieder auf Touren? Haben sich die Italiener wirklich schon erholt? Können die Bayern das Niveau halten, es sogar noch ausbauen? Wird es wieder deutsche Nationalspieler geben, die auch für ihren Verein Tore schießen?

Doch zunächst wird die WM die Hackordnung unter den Ländern dieser Welt wieder ins Wanken bringen. Wie schlagen sich die Favoriten? Wird Argentinien wegen oder trotz Maradona Weltmeister? Wie stehen die Sterne für Domenech? Ist Holland so gut, wie seine Einzelspieler? Muss man vor Italien noch Angst haben? Überstehen die Gastgeber die Vorrunde? Und was kann man von Deutschland erwarten? Mit diesem jungen, ersatzgeschwächten Team kann es eigentlich nur heißen: Hop oder Top.

Ich kann diese Fragen nicht beantworten, aber ich freue mich jetzt schon auf die WM und auf die neue Saison.

30. Spieltag: Comeback Kid 7

Gepostet am 11. April 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – SC Freiburg 4:0

Vor einer Woche schrieb ich noch, Werders Bundesligasaison sei beendet. Einem erwarteten Sieg gegen Freiburg, einem vorhersehbaren Punktverlust Leverkusens und einer halbwegs überraschenden Dortmunder Niederlage sei dank, widerspricht mir die Tabelle seit gestern wieder. Werders Schlussprogramm hält meinen Optimismus nach wie vor in Grenzen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Werder sich keinen Punktverlust mehr erlaubt. Dazu sind die verbleibenden Gegner zu stark, dafür ist Werder zu unkonstant. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren!

Der Sieg gegen Freiburg war natürlich verdient. Was der SC in der zweiten Halbzeit ablieferte, lud Werder geradezu zum Toreschießen ein. Es hätte auch gut und gerne wieder ein 6:0 geben können. Werders Leistung fand ich über 90 Minuten gesehen gut, wenn auch nicht so überragend, wie es das Ergebnis vormacht. Man hatte Freiburg fast über die gesamte Spieldauer im Griff, war sehr ballsicher und kombinierte sich immer wieder flüssig und ansehnlich vors Tor. Was mich jedoch gestört hat, war die Fahrlässigkeit, mit der Werder (mal wieder) in der Anfangsphase vorging. Ein Fortschritt zwar, dass die Defensive nie ihre Ordnung verloren hat. In Einzelaktionen (Naldo!) kamen aber einige Male die Unzulänglichkeiten zum Vorschein. Normalerweise muss Freiburg nach 10 Minuten in Führung gehen. Bringt Makiadi den Abpraller aus 8 Metern aufs Tor, ist es zu 80% das 0:1. Danach lief es aber immer besser und ich bin mir nicht sicher, ob es nur an Werders geduldigem Spielaufbau lag, doch Freiburg rannte mit zunehmender Spieldauer nur noch hinterher und konnte überhaupt nicht mehr für Entlastung sorgen. Wichtig, dass in der ersten Halbzeit noch das Tor fällt und Werder nicht gezwungen wird, noch konsequenter nach vorne zu spielen. Pizarro unterstreicht dabei wieder mal seine Klasse. Beim 2:0 durch Hunt zeigt sich dann schon, dass Freiburg kapituliert hat, was angesichts ihrer Tabellensituation überrascht. Danach hatte Werder leichtes Spiel, konnte ungestört sein Programm runterspielen, wobei vor allem Özil glänzte.

Was ich bemerkenswert finde: Barcelona sei dank ist es inzwischen wieder schick, ein Spiel mit viel Ballbesitz und konsequentem Positionsspiel zu gestalten. Dazu braucht es natürlich ein hohes Maß an Ballsicherheit und Passgenauigkeit. Während bei Werder die Tendenz in den letzten Jahren in Richtung Free Form und ständigen Positionswechseln (Baumann ausgenommen) im Mittelfeld ging, entwickelte sich das Spiel bei einigen Mannschaften in die andere Richtung. Spätestens seit Barcelonas Champions Leauge Triumph nimmt die Zahl der Mourinho-Jünger augenscheinlich ab. Der Querpass, vor kurzem noch fast ein Schimpfwort, kommt wieder in Mode. Vor kurzem noch wurde jeder Ball, der nicht direkt vertikal nach vorne gespielt wurde, als Zeitverschwendung angesehen. Mir persönlich gefällt das ganz gut, ich mag Mannschaften, die aktiv (sprich: mit Ballbesitz) versuchen, das Spiel zu gestalten und nicht in erster Linie gegen den Ball arbeiten, um dann sporadisch, aber blitzartig zu kontern. Auch wenn es natürlich nur selten so elegant aussieht, wie bei Barca oder der spanischen Nationalmannschaft. Die Bayern unter van Gaal sind ein gutes Beispiel, wie so ein System aussehen kann. Dort ist längst noch nicht alles perfekt und die Mannschaft tut sich noch schwer, diese Spielweise in Tore umzuwandeln. Zum Glück haben sie Robben. Und Olic. Wie sie gegen Manchester zurückkamen war schon beeindruckend, nicht nur vom psychologischen Aspekt her. Nach dem Platzverweis haben sie konsequent ihren Stiefel runtergespielt, ohne Hektik, ohne Panik, den Ball von einer Seite zur anderen gespielt. Immer auf der Suche nach dem Fehler. Es war dann letztendlich eine Standardsituation, die das Spiel entschied, aber viel wichtiger war für die Bayern, dass sie sich Uniteds Stürmer vom Leib halten konnten. Mit Rooney hatte sich Sir Alex verzockt, Valencia war ins Mittelfeld eingebunden und Nani konnte alleine keine so große Gefahr mehr darstellen wie noch in Hälfte 1. Deshalb war es am Ende trotz der katastrophalen ersten Halbzeit nicht unverdient, dass Bayern weiterkam.

Barcelonas Spiel ist dann noch mal ein bis zwei Stufen ausgereifter. Die Spieler sind seit Jahren, zum Teil seit frühester Jugend, an das System gewöhnt. Die Mannschaft ist nicht nur was das Passspiel angeht eine Klasse für sich, sondern auch was die Balleroberung in der gegnerischen Hälfte angeht. Der Ball wird nicht nur lange gehalten, sondern das zum Großteil in der Zone, wo es für den Gegner gefährlich wird, wenn er nicht mit voller Konzentration gegen den Ball arbeitet. Und dann hat man natürlich auch die Spieler, die diese Gelegenheiten ausnutzen können. Barcas Gegner am Dienstag hat seine Stärken nicht im Spiel gegen den Ball. Es war klar, dass Arsenal das Spiel anders angehen musste als im Hinspiel. Dass man Barcelonas Mittelfeld früher unter Druck setzen und das Spiel weiter vom eigenen Tor entfernt halten musste. 20 Minuten lang klappte das auch sehr gut. Danach kam Messi und Arsenal glitt das Spiel aus den Händen. Eine Mannschaft, der fünf Spieler aus der Startelf fehlen, hat schon mit genügend Problemen zu kämpfen. Ein Messi, der das Repertoire der Sportjournalisten an Superlativen längst aufgebraucht hat, ist dann einfach zu viel. Die beiden Spiele legen aber nahe, dass Arsenal im Camp Nou auch in Bestbesetzung nicht allzu hoch gewonnen hätte. Was angesichts der tollen Offensive immer wieder übersehen wird: Barcelona hat in dieser Saison in 31 Spielen erst 19 Gegentore kassiert. Letzte Saison waren es bei 105 (!!!) geschossenen Toren insgesamt vergleichsweise geringe 35 Gegentore. Ein Beleg für die platte Aussage “Angriff ist die beste Verteidigung”? Eher dafür, dass kontrolliertes Spiel mit viel Ballbesitz dem Gegner wenige Tormöglichkeiten einräumt.

Um nochmal den Bogen zurück zu Werder hinzubekommen: Die Bayern zeigen momentan ganz gut, dass man mit konsquentem Positionsspiel Erfolg haben kann, auch wenn man nicht Barcelona ist. Bayerns Abwehr wirkt alles andere als gefestigt, dennoch hat man mit die wenigsten Gegentore der Liga gefangen. Vorne machen im Zweifel die Ausnahmespieler den Unterschied. Man muss nicht 90 Minute lang anrennen und dem Gegner die Konter auf dem Silbertablett servieren, um zum Torerfolg zu kommen. Mit Pizarro hat Werder einen der besten Stürmer der Liga, mit Marin und Özil zwei dribbelstarke Spieler, die auch über die Außenpositionen immer wieder für Gefahr sorgen. Mit der Kombination Bargfrede/Frings kann man gegen die meisten Gegner das zentrale Mittelfeld kontrollieren. Vielleicht kann die Mannschaft mit der zweitbesten Chancenverwertung der Liga wieder ein wenig Angriffswucht zugunsten von mehr Spielkontrolle aufgeben? Gegen Freiburg war das für mich das Erfolgsrezept. Wobei man nicht vergessen darf, dass Werder vor nicht langer Zeit noch das gegenteilige Problem hatte, wenn ich an die Jahre nach der Doublesaison denke, als man Gegner teilweise über 90 Minuten beherrschte und hinten rein drückte, ohne das entscheidene Tor zu erzielen. Irgendwas ist halt immer.

Phantomschmerz 0

Gepostet am 31. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. In dieser Woche spüre ich das besonders: Es ist die erste Europacup-Runde seit Mai 2008, in der Werder nicht mitspielt. Gut, man kann nach dem Thriller gegen Valencia auch irgendwie ganz froh sein, dass die Nerven nun ein bisschen geschont werden. Werders Ligaspiele reichen schließlich aus, um den Puls konstant auf einem erhöhten Level zu halten. Der Ärger über die absurde Sperre gegen Torsten Frings kommt noch dazu. Eigentlich also kein Problem. Eigentlich.

Trotzdem ist da eine Leere. So ein Gefühl “da müssten wir dabei sein”, wenn es in die entscheidende Phase der europäischen Wettbewerbe geht. Die Champions League findet zu diesem Zeitpunkt immer ohne uns statt, aber in der Europa League, da sollten wir eigentlich noch mitspielen. Da gehören wir hin. Wolfsburg und der HSV sind ja schließlich auch noch drin und dazu gab es die Chance, ein Endspiel in Hamburg zu erreichen. Man sollte nicht mehr drüber nachdenken, es ist immer noch viel zu ärgerlich. So beschäftige ich mich stattdessen lieber mit den Spielen der anderen.

Bayern München – Manchester United 2:1

Ganz schön überraschend, was sich am Dienstag in München abspielte. Es dauerte nur 64 Sekunden, bis der Favorit in Führung ging. Ein Freistoß wurde von van Bommel abgefälscht und Rooney hatte in der Mitte alle Zeit der Welt, um den Ball zu verwerten, weil Demichelis wegrutschte. Bei vielen Bayernfans läuteten nun wohl die Alarmglocken und die Angst vor einem Debakel wie in Barcelona kam auf. Schon bald zeigte sich aber, dass diese Angst unbegründet war. Die Bayern investierten in der Folge mehr in das Spiel, wie man so schön sagt, während United seine Abgeklärtheit zur Schau stellte und nur sporadisch am Spiel teilnahm, dann aber sehr gefährlich wurde. Zur Pause hatte die knappe Führung bestand und sie war nicht unverdient, wenngleich die Leistung der Bayern nicht schlecht war. In der zweiten Hälfte legten die Bayern ein wenig zu und brachten Manchester immer wieder in Bedrängnis. Edwin van der Sar hielt seinen Kasten vorerst jedoch sauber, ohne wirklich geprüft zu werden, da Bayerns Torabschlüsse eher harmlos waren. Auf der anderen Seite fehlte Manchester die Präzision bei den Pässen in die Spitze auf Rooney. Auf den Außen bekamen Badstuber und Lahm ihre Gegenspieler Nani und Park immer besser in den Griff, so dass Alex Ferguson eine taktische Umstellung vornahm, um die Bälle besser zu halten. Der in den letzten Wochen sehr starke Berbatov und Routinier Giggs kamen ins Spiel. Dafür opferte Sir Alex mit Carrick einen zentralen Mittelfeldspieler und änderte das System von 4-5-1 auf 4-2-3-1. Genau in dieser Phase fiel der Ausgleichstreffer für die Bayern: Ein Freistoß von Ribery wurde von Rooney unhaltbar ins Tor abgefälscht. Glückliches Zustandekommen, aber insgesamt zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. Nach dem Ausgleich bekam Manchester das Spiel wieder besser in den Griff und konnte den Ball länger vom eigenen Tor weghalten. Vidic köpfte an die Latte und man hatte nicht den Eindruck, die Bayern könnten noch etwas entgegensetzen. Van Gaal hatte ebenfalls offensiv gewechselt und mit Klose und Gomez zwei weitere Stürmer gebracht. Letzterer hatte die beste Chance für Bayern auf dem Fuß, schloss jedoch aus nicht idealer Position ab und van der Sar hielt den Ball. Als keiner mehr mit einem Tor rechnete, beging Evra einen Fehler, als er einen Ball im eigenen Strafraum unaufmerksam stoppte und den hinter ihm anrennenden Olic nicht bemerkte. Der nahm ihm den Ball vom Fuß, verlud van der Sar und sorgte in der letzten Sekunde des Spiels für den Siegtreffer.

Insgesamt geht das Ergebnis so in Ordnung. Manchester wirkte nicht so, als wollten sie dieses Spiel unbedingt gewinnen. Nach dem frühen Auswärtstor verwaltete man zu viel und schenkte vor allem auf den Außen zu viel her. Das Ergebnis lässt das Rückspiel völlig offen. Die Ausgangssituation hat sich durch das Olic-Tor allerdings verändert: Nun muss United in jedem Fall treffen und gewinnen, dürfte das Spiel im Old Trafford daher ganz anders angehen als in München. Für die Bayern ist der Sieg in jedem Fall ein Achtungserfolg. Ein kleines Ausrufezeichen, dem man nächste Woche gerne ein großes folgen lassen würde. Die Chancen dafür würde ich auf etwa 40% einstufen. Robben und Schweinsteiger sind dann wieder mit von der Partie, deren Fehlen im Hinspiel nicht wirklich auffiel, was hauptsächlich an der starken Leistung von Altintop und dem Formanstieg bei Pranjic und Müller lag. Lahm gefällt mir auf rechts inzwischen richtig gut, schlägt auch gefährliche Flanken, die meistens flach an den Fünfmeterraum kommen. Demichelis war der einzige Spieler, der deutlich abfiel. Man könnte fast sagen, Bayern hat trotz seines Mitwirkens gewonnen. Manchester wirkt vor allem auf den Außen anfällig, Evra ist nicht mehr in der Form der vergangenen Jahre und Neville wirkte gegen Ribery mehrfach überfordert (sein Handspiel führte auch zum Ausgleich). Sollte Rooney ausfallen, könnte es ein sehr unangenehmes Spiel für United werden. Andererseits müssen die Bayern noch zeigen, dass der Sieg mehr war, als ein kleiner Ausreißer nach oben.

Arsenal FC – FC Barcelona 2:2

Vor dem Spiel schwärmten die Freunde des gepflegten Fußballspiels vom Duell der Puristen unter den europäischen Topclubs. Nur eine Mannschaft präsentierte sich dann so, dass sie den hohen Ansprüchen gerecht wurde: Der FC Barcelona. Barca hatte von der ersten Minute an die Zügel in der Hand und setzte Arsenal derart unter Druck, dass man fast Mitleid bekommen musste. Arsenal kam nur selten in Ballbesitz und verlor diesen dann meist schon vor der Mittellinie wieder. Die Balleroberer um Keita und Busquets (man ist der gut!) leisteten fast perfekte Arbeit, rückten früh auf die Gegenspieler auf. Da auch Barcelonas Offensivkräfte jedem Ball hinterhergingen, wurden Arsenals Spieler stetig in der eigenen Hälfte gedoppelt und wussten nicht viel mit den Bällen anzufangen. Wenger war mit hohem Risiko in das Spiel gegangen, hatte die angeschlagenen Fabregas und Gallas in die Anfangsformation berufen. Besonders Fabregas, der aus Barcelonas Jugendabteilung kommt, merkte man die körperlichen Probleme noch deutlich an. Gallas hielt eine knappe Halbzeit lang durch, musste dann jedoch ausgewechselt werden, dazu kam eine weitere Verletzung bei Arshavin. Wenger stellte Mittelfeldspieler Song in die Innenverteidigung, wohl auch, weil er dem alternden Campbell nicht zumuten wollte, gegen die quirligen Messi und Pedro zu spielen und brachte dafür Denilson im Mittelfeld, während Arshavin durch den defensivstärkeren Eboué ersetzt wurde. Es war einer gehörigen Portion Glück und einer bärenstarken Leistung von Torhüter Almunia zu verdanken, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 0:0 stand. Barcelona kontrollierte das Spiel nach Belieben und kam immer wieder gefährlich vor das Tor der Gunners. Messi, der immer wieder die Seiten tauschte, hauptsächlich aber in der Mitte hinter Ibrahimovic agierte, war eine ständige Gefahr, konnte von den defensiven Mittelfeldspielern Song und Diaby nur selten gestellt werden und war immer wieder im Raum zwischen Viererkette und Mittelfeld anspielbar. Xavi zog dahinter in bekannter Manier die Fäden. Das Fehlen von Iniesta machte sich kaum bemerkbar. Das größte Problem bereiteten den Gunners aus meiner Sicht die Außenverteidiger Alves und Maxwell, die so offensiv agierten, dass die Bezeichnung “Viererkette” ad absurdum geführt wurde, und die von Arshavin und Nasri nur wenig dabei gestört wurden. Häufig konnten sie 40 Meter mit dem Ball die Linie entlang laufen und wurden erst kurz vor dem Strafraum von Arsenals Außenverteidigern in Empfang genommen. Den Platz, der sich dadurch in Barcelonas Hintermannschaft bot, konnte Arsenal kaum nutzen. Dennoch gelang es Barcelona nicht, die Überlegenheit vor der Pause in Tore umzumünzen und es ging mit einem 0:0 in die Pause. Almunias Leistung in den ersten 45 Minuten war nach Aussage seines ehemaligen Konkurrenten Jens Lehmann “die beste Torwartleistung, die ich seit langer Zeit gesehen habe.”

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich dieses Urteil relativieren sollte. Ein langer Ball auf Ibrahimovic brachte diesen frei vors Tor, allerdings weit auf der rechten Seite. Anstatt bloß den Winkel zu verkürzen kam Almunia überhastet aus dem Tor gelaufen, zögerte dann kurz und wurde überlupft. Ein sehr einfaches Tor für Ibrahimovic, das in krassem Gegensatz zu den vielen herausgespielten Chancen der ersten Halbzeit steht. Vielleicht macht aber auch gerade das die Stärke Barcelonas in diesem Jahr aus: Eine größere Variabilität. Arsenal bekam daraufhin das Spiel besser in den Griff als über weite Strecken der ersten Hälfte, doch diese Phase war nur von kurzer Dauer. Barca nahm wieder Fahrt auf und drückte auf das 2:0. Trotz vieler schneller Passstaffetten und schneller Angriffszüge war es erneut ein hoher langer Ball, der zum Erfolg führte. Song, der kurz zuvor noch durch eine tolle Rettungsaktion aufgefallen war, darf sich diesen Gegentreffer ankreiden, wobei Almunia bei Ibrahimovics Schuss erneut keine wirklich gute Figur machte und zu früh abtauchte. Es ist jedoch fraglich, ob er an diesen Ball sonst herangekommen wäre. Durch das 0:2 schien nicht nur dieses Spiel, sondern auch das Viertelfinale entschieden. Arsène Wenger hatte jedoch noch einen Trumph im Ärmel, den er nun ausspielte. Er brachte den pfeilschnellen Walcott für Sagna, dessen Position von Eboué eingenommen wurde. Walcott agierte vor ihm auf der rechten Seite und stellte Maxwell endlich defensiv vor Probleme. Ihm blieb dann auch der Anschlusstreffer vorbehalten. Von Bendtner bedient schob er den Ball an Valdes vorbei. Auch in diesem Fall keine gute Aktion des Torhüters, denn der Ball war weder hart noch platziert geschossen. Nun entwickelte sich ein Schlagabtausch, den viele von vornherein erhofft hatten. Arsenal konnte sich immer wieder über die rechte Seite durchsetzen und phasenweise auch Barcas Passspiel im Mittelfeld unterbinden. Guardiola brachte Henry für Ibrahimovic und setzte fortan mehr auf Konter. In der 87. Minute kam es dann zu einer folgenschweren Situation für dieses Duell: Puyol foulte im Strafraum Fabregas, der erneut von Bendtner klasse bedient worden war. Elfmeter für Arsenal und Platzverweis für Kapitän Puyol, der damit ebenso wie sein Nebenmann Pique und sein Gegenstück Fabregas im Rückspiel fehlen wird. Fabregas verwandelte den Elfmeter, verletzte sich dabei jedoch erneut. Da das Wechselkontingent bereits aufgebraucht war, humpelte der Kapitän die letzten fünf Minuten über das Spielfeld. Am Ende war es Arsenal, das sogar noch auf das Siegtor drängte.

Dennoch ist das 2:2 ein glückliches Resultat für die Gunners und entspricht nicht dem Spielverlauf. Durch die starke kämpferische Leistung verdienten sie sich das Ergebnis zumindest ein Stück weit. Im Rückspiel wird auch spielerisch und vor allem taktisch eine bessere Leistung notwendig sein, wenn man eine Chance auf ein Weiterkommen haben möchte. Insgesamt war es ein sehr gutes Fußballspiel, sicher eines der besten dieser Saison, was die Kombination aus spielerischer Klasse, Tempo und Dramatik angeht. Arsenal gebe ich nur geringe Chancen für das Rückspiel. Es muss wohl ein Sieg im Camp Nou her und dazu müsste schon ein mittleres Fußballwunder passieren. Um die Abwesenheit Barcelonas Stamm-Innenverteidiger auszunutzen, muss erst einmal Barcas Dominanz am Ball ein Stück weit durchbrochen werden (oder eben über 90 Minuten konzentriert gegen die ballführenden Spieler gearbeitet werden, siehe Chelsea letztes Jahr, was aber überhaupt nicht Arsenals Ding ist). 65%-35% Ballbesitz, 533-265 erfolgreiche Pässe und 23-6 Torschüsse aus dem Hinspiel sprechen da eine eindeutige Sprache zu Ungunsten der Gunners. Ganz nebenbei sind die Ersatzleute Millito und Marquez ja auch keine Laufkundschaft. Ich schätze Arsenals Chancen auf ein Weiterkommen auf maximal 20%.

Damals, im Herbst 2004 1

Gepostet am 10. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Normalerweise stelle ich an dieser Stelle immer unsere Gegner in den europäischen Wettbewerben vor – wenn es die Zeit zulässt. Werders Gegner am Donnerstag in der Europa League hat jedoch einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, als er in der Champions League zweimal gegen uns antreten musste. Deshalb statt einer Vorstellrunde ein Blick zurück:

Im Herbst 2004 ist Werder Deutscher Meister und darf zum ersten Mal seit 1993/94 wieder in der Champions League antreten. Nach einer ärgerlichen Niederlage bei Inter Mailand holt Werder aus den verbleibenden fünf Gruppenspielen 13 Punkte und zieht ins Achtelfinale ein. Gegen Valencia, den Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger, gelingen unseren Grün-Weißen zwei Siege, die letztendlich entscheidend für das Weiterkommen waren. Vor dem Rückspiel im Mestalla benötigt Werder lediglich ein Unentschieden. Nach einer tollen und konzentrierten Leistung hält Werder bis in die Schlussphase ein 0:0. Nelson Valdez erlöst die Fans schließlich mit zwei späten Toren. Werder feiert den Triumph ausgelassen, die Spanier schleichen mit hängenden Köpfen vom Platz. So hätte es jedenfalls laufen können.

Es kommt jedoch anders. Valencias Spieler haben sich nicht unter Kontrolle, fühlen sich von Werders Torjubel nach dem 0:1 provoziert und versuchen nicht etwa, das Spiel noch zu drehen, sondern suchen nach Vergeltung auf dem Platz. In jedem Zweikampf muss man Angst um die Gesundheit unserer Spieler haben, da es Valencia weniger um das Erobern des Balls geht als darum, den Gegner möglichst hart zu treffen. Angulo schafft es schließlich, Valdez mit voller Wucht umzutreten, ohne die geringste Chance, an den Ball zu kommen. Eines der häßlichsten Fouls, die ich je im Fußball gesehen habe. Nach der fälligen roten Karte spuckt er beim Rausgehen noch Tim Borowski an. Valdez reagiert auf die beste Weise, die es im Fußball gibt: Er schießt den Ball nach dem Freistoß zum entscheidenden 0:2 ins Tor. Danach brechen dann alle Dämme. Tim Borowski wird von einem Mob Valencianischer Spieler verfolgt, von den Rängen regnet es seit Minuten alle erdenklichen Gegenstände auf das Spielfeld. Mehrere Werderspieler kassieren Schläge und Tritte. Bei aller Freude über das Weiterkommen bin ich nach dem Spiel doch sehr entsetzt über das, was sich dort auf dem Platz abgespielt hat.

Das finanzielle Gebahren des Vereins macht ihn nicht sympathischer: Eine halbe Milliarde Euro Schulden. Trotzdem lässt man ein neues Stadion für 250 Millionen Euro bauen. Solchen Scheißvereinen gönne ich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln! Es geht mir gegen den FC Valencia daher nicht nur um das Weiterkommen, sondern um Revanche. Ich möchte diese Mannschaft nach den Spielen gegen uns am Boden liegen sehen.* Sicherlich ist das heute eine andere Mannschaft, die über tolle Spieler verfügt, wie etwa David Villa, David Silva oder Joaquin. Auch bei uns hat sich einiges getan, nur Tim Borowksi, Petri Pasanen (der damals eine Ohrfeige kassierte) und Daniel Jensen stehen aus der damaligen Mannschaft noch im Kader. Ihnen wird es (hoffentlich) nicht in erster Linie um Revanche gehen. Sie sind Profis, müssen mit solchen Situationen anders umgehen, einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht zu Dummheiten hinreißen lassen. Ich als Fan brauche mir darüber keine Gedanken zu machen. Ich kann mich über jeden Valencianischen Fehlpass freuen, bei jedem Foul aufspringen und eine Unsportlichkeit wittern. Wenn ich Spieler wie Vincente, Marchena oder Baraja sehe, kann ich an damals zurückdenken, mir die Szenen vor Augen führen und mich dann umso mehr über jede gelungene Aktion unseres Team freuen.

Also bitte, Özil, Marin, Pizarro und Co., zeigt diesem Möchtegern-Weltklasseverein wozu ihr fähig seid! Spielt eure Klasse aus und werft sie – wie damals – aus dem Wettbewerb!

* Wir reden hier trotzdem von Sport. Ich möchte Valencia durch fußballerische Mittel gedemütigt sehen, nicht durch Unfairness oder Gewalt!

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Manchester United 0

Gepostet am 27. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute verabschiedet sich Gino von dieser Saison. Was wäre dafür ein besserer Rahmen als ein Champions League Finale, noch dazu eines mit so klangvollen Namen? Los geht's ab 20:15. Das Twitter-Zauberwort heißt wieder #Ginolive.



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