Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



19. Spieltag: Konjunktiv 1

Gepostet am 27. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Bayern München 2:3

Niederlagen gegen die Bayern sind schon per Definition immer unglücklich und unverdient. Diesmal war es jedoch anders. Eine offensiv bärenstarke Mannschaft aus München fegte durch das Weserstadion, nahm die drei Punkte mit nach Hause und hinterher konnte niemand behaupten, dieser Sieg wäre nicht verdient gewesen. Werder stand von der dritten Minute an defensiv völlig neben der Spur und wurde vornehmlich über die Außenbahnen eiskalt ausgekontert.

Es muss sich wohl zu Louis van Gaal herumgesprochen haben, dass Werders Viererkette meist sehr hoch steht. So gut, wie die Bayern am Samstag, hat es aber selten ein Gegner verstanden, dies für sich auszunutzen. Robben ließ Neuzugang Abdennour auf der linken Abwehrseite trotz einer couragierten Defensivleistung ein ums andere Mal stehen und in der Mitte hatten Naldo und Mertesacker keinen sonderlich guten Tag erwischt. Lediglich Clemens Fritz hatte seine Seite fest im Griff, auch nachdem Franck Ribery eingewechselt wurde. Es fällt mir immer noch schwer zu beurteilen, ob Bayern wirklich so gut war, wie es mir während des Spiels vorkam, oder ob es doch eher an Werders Schwäche lag. Mit dem Juve-Spiel im Hinterkopf neige ich jedoch eher zur ersten Version. Das Bayernspiel wirkte brachial und manchmal ein wenig unkontrolliert, doch verfehlte seine Wirkung selten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Überraschungsmomente im Spiel der Bayern gesehen zu haben. Vielleicht ging es auch den Spielern selbst so. Das würde jedenfalls die schlechte Chancenverwertung des Rekordmeisters erklären. Es schien fast so, als wären sie selber überrascht über die Einfachkeit, mit der sie durch Werders Hälfte kombinieren konnten.

Damit soll es aber genug sein der Lobhudelei. Defensiv stellten sich die Bayern nämlich nicht viel besser an als die Bremer. Deshalb fragt man sich schon so ein bisschen, was wohl möglich gewesen wäre, mit einem Pizarro in der Starelf, einem Mesut Özil, der wieder konstant so spielt, wie in den letzten 15 Minuten und einem, sagen wir, Sack Reis anstelle von Tim Borowski. Natürlich hätte es auch eine viel herbere Klatsche geben können, wenn nicht Aaron Hunt gleich die erste Bremer Chance mit einem strammen Linksschuss genutzt hätte. Natürlich hätte Bayern den Sack längst zumachen können, bevor Hugo Almeida das 2:2 auf eine Art erzielte, wie es nur wenige Spieler können. Natürlich hätte Werder das Spiel nach Tim Wieses missglücktem Tackling gut und gerne zu Zehnt beenden können. Doch – ich sag es immer wieder ungerne – wer wüsste besser, dass ein überlegen geführtes Spiel mit einer Vielzahl an Torchancen noch lange nicht den Sieg bedeuten muss, als ein leidgeprüfter Werderfan? Was wäre beispielsweise gewesen, wenn Schiedsrichter Kircher das Foul an Markus Rosenberg geahndet und Elfmeter für Werder gepfiffen hätte? Oder wenn er den Pass auf den sich in einer Abseitsposition befindenden Marko Marin kurz vor Schluss dem Fuß des Bayernverteidigers zugeordnet hätte? Werder hätte dieses Spiel mit 0:6 verlieren können, aber es hätte ebenso zu einem – sehr glücklichen – Unentschieden oder sogar einem Sieg reichen können. Verrückte Fußballwelt!

Es lässt sich schwer sagen, ob das Spiel für Werder ein Fortschritt war oder nicht. Die Mannschaft wirkte sehr unausgewogen. Während einige Spieler überzeugen konnten (Hunt, Fritz, Almeida, Özil in der Schlussphase) hatten andere einen wirklich schlechten Tag erwischt (Mertesacker, Naldo, Borowski, Özil in der ersten Halbzeit). Irgendwo dazwischen bewegte sich Torsten Frings, dessen Leistung sowohl seinen Befürwortern als auch seinen Gegnern genug Nährstoff zur Bestätigung ihrer jeweiligen Positionen lieferte. Was nimmt man aus diesem Spiel mit? Wer vier Spiele in Folge verliert, der muss erstmal kleine Fischbrötchen backen. Die personelle Situation ist nicht rosig, Schaaf mangelte es am Samstag in allen Mannschaftsteilen an Alternativen und Geld für Neuverpflichtungen scheint auch nicht da zu sein. Doch Werder wäre nicht Werder, wenn daraus nicht trotzdem noch etwas Gutes entstehen könnte. Es gibt noch zwei Pokalwettbewerbe und auch in der Liga ist der Zug zu den internationalen Plätzen noch nicht abgefahren. So langsam sollte man sich jedoch auf den Weg machen, wenn man noch aufspringen möchte. Drei Punkte aus Gladbach wären ein guter Anfang.

Live-Blog: Werder Bremen – Bayern München 1

Gepostet am 23. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder muss gewonn! 3

Gepostet am 21. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Am Samstag steigt im Bremer Weserstadion der sogenannte “Nord-Süd-Schlager” und er steigt unter ungewöhnlichen Voraussetzungen. Normalerweise sind wir es von den Bayern gewohnt, dass reichlich Nebengeräusche in den Medien mitklingen, bevor ein solches Spiel stattfindet und vor gar nicht langer Zeit wäre es auch noch so gewesen: Im November 2009 verzauberte Werder die Liga und beim Rekordmeister stand Trainer Louis Van Gaal mächtig in der Kritik. Dieser Tage stehen die Bayern zwar noch immer nicht da, wo sie hinwollen, doch sie haben eine – aus Bremer Sicht zwar kurze, aber dennoch beeindruckende – Siegesserie hingelegt. Es waren zwar bis auf Juventus Turin (an jenem Abend grottenschlecht) und mit Abstrichen Hoffenheim keine wirklich starken Gegner dabei, aber trotzdem sind die Münchner beständig in der Tabelle nach oben geklettert. Dazu kommt mit Ribery der Star der vergangenen beiden Jahre zurück in den Kader. Muss Werder Angst und Bange werden?

Vielleicht, doch das liegt nicht in erster Linie an der Stärke der Bayern, die erst noch beweisen müssen, dass sie wirklich schon so gut sind, wie sie momentan in jedes sich bietende Mikrofon diktieren. Werder muss vor allem Angst vor sich selbst haben. Angst vor dem Schlendrian, der in den letzten beiden Monaten in die Mannschaft Einzug erhalten hat und aus dem Titelaspiranten eine ziemlich biedere Durchschnittsmannschaft machte. Angst davor, dass sich das Theater um Mesut Özil in den Medien noch weiter verselbständigt und jede schlechte Leistung des Nationalspielers mit dessen Vertragspoker in Verbindung bringt. Angst vor der Abhängigkeit von Claudio Pizarro, der im Angriff weiterhin unersetzlich ist und selbst mit einer deutlich sichtbaren Verletzung besser spielt als seine Ersatzleute. Angst vor den alten Fehlern in der Abwehr, wo die mannschaftliche Geschlossenheit inzwischen ebenso fehlt wie in der Offensive. Angst vor einer erneuten Saison im Mittelmaß der Liga, die nur mit viel Willen und Glück erneut durch Erfolge in den Pokalwettbewerben wettgemacht werden könnte.

All das kann die Mannschaft auf dem Platz lähmen oder zu einer Höchstleistung gegen die Bayern anspornen. Vielleicht spielt es auch gar keine große Rolle, doch je nach Ergebnis wird es entsprechend interpretiert. Das trägt natürlich immer mehr dazu bei, dass sich die Prophezeiung selbst erfüllt. Herr Özil, wie sehr belastet sie die aktuelle Situation? Herr Frings, haben sie die Nichtnominierung durch den Bundestrainer verarbeitet? Natürlich machen sich die Spieler erst Recht darüber Gedanken, wenn sie zwölf mal am Tag danach gefragt werden. Objektiv gesehen könnte Özils Situation kaum besser sein, er hat schließlich viele Optionen für seine Zukunft, von denen keine ganz schlecht sein wird. Auch Torsten Frings dürfte die Ausbootung durch Joachim Löw eher als zusätzlichen Ansporn sehen, denn sein langsamer Abschied aus der Nationalelf hatte sich über 18 Monate mehr als nur angedeutet. Thomas Schaaf hat die Mannschaft den Spielern zufolge unter der Woche hart rangenommen. Nun wird es Zeit, auch den Gegner mal wieder hart ranzunehmen und damit meine ich keinesfalls eine unfaire Spielweise.

In der Hinrunde hat Werder im Spiel gegen die Bayern den ersten Schritt zur langen Serie ohne Niederlage getan. Es sah damals noch sehr nach harter Arbeit aus und längst nicht so leichtfüßig, wie die Spiele im Herbst. Will man in der Rückrunde wieder zu dieser Leichtigkeit und dem tollen Angriffsfußball zurückkehren, muss zuerst die harte Arbeit erledigt werden. Es geht nur auf diese Weise, das weiß Thomas Schaaf und das wissen inzwischen auch die Spieler. Ob sie es umsetzen können bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen sind gar nicht so schlecht, wie man denken könnte: Es soll schneien, Werder ist in der Außenseiterrolle und unser Lieblingsmaskottchen Ailton ist im Stadion. Musse mache gut Spiel un Feue mache mit Mannschaft! Ach, Toni…

Jahre voller Lust (Teil 2) 1

Gepostet am 8. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Das Jahr 2010 ist da – die Nuller Jahre sind vorbei. Ein Jahrzehnt, das aus der grauen Fußballmaus Werder Bremen einen regelmäßigen Champions League-Teilnehmer machte. Ich habe mir aus jedem Jahr ein besonderes Spiel herausgepickt und paar Zeilen dazu geschrieben. So ist ein sehr persönlicher Rückblick auf die Dekade entstanden, den ich nun in drei Teilen hier im Blog veröffentlichen werde. Heute gibt es den zweiten Teil.

30.7.2003: Superpfund Pasching – Werder Bremen 4:0

Pasching. Dieses Wort hat jeder Werderfan noch immer im Gedächtnis und wird es wohl auch für immer dort behalten. Es wird zum Synonym für die Initialzündung zu einer Bremer Meisterschaft, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellte. Das weiß zu diesem Zeitpunkt freilich noch niemand (auch wenn ich gerne immer wieder betone, dass ich im Herbst 1999 gewettet habe, dass Werder innerhalb der kommenden fünf Jahren Meister werden würde). Das Trauerspiel, das die Mannschaft in Pasching abliefert, sorgt daher in Bremen für große Besorgnis. Von Abstiegskampf ist die Rede und das minütlich wachsende Misstrauen gegenüber der Mannschaft ist während der Partie in Österreich fast schon mit den Händen zu greifen. Ich erinnere vor allem deshalb gerne an diese Situation, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung fast keine Rolle mehr spielt. Wenn Wolfsburgs Meisterschaft im letzten Jahr als „größte Sensation seit Kaiserslautern 1998“ bezeichnet wird, sollte man (von Stuttgarts Meisterschaft 2007 mal ganz abgesehen) bedenken, dass die Wölfe als Kandidat für die CL- oder zumindest UEFA-Cup-Plätze in die Saison gegangen sind, während Werder im Juli 2003 von vielen „Experten“ als Abstiegskandidat gehandelt wird.

In Pasching zeigt Werder alle negativen Eigenschaften, die eine Mannschaft haben kann: Mangelnde Laufbereitschaft, schwaches Zweikampfverhalten, unpräzise Pässe, schlechtes Positionsspiel und dazu haarsträubende individuelle Fehler. Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: wohl selten hat eine Mannschaft ihre Lektionen aus einem Spiel so gut gelernt. Vom Saisonauftakt in Berlin bis zum Saisonende wiederum in Berlin legt Werder keine dieser negativen Eigenschaften mehr an den Tag und spielt so die wohl beste Saison der Vereinsgeschichte. Über die „Werder-Dösis“ lacht die Bild-Zeitung im August 2003. Auch ich lache heute gerne darüber, denn Pasching ist untrennbar mit den kommenden Erfolgen verbunden. Eine peinliche 0:4-Klatsche in Österreich nimmt man dafür gerne in Kauf – im Nachhinein zumindest.

8.5.2004: Bayern München – Werder Bremen 1:3

Der 8. Mai 2004 kann ohne Zweifel als größter Tag in der Geschichte unseres Vereins bezeichnet werden. Der Gewinn der Meisterschaft im Stadion des größten Rivalen, auf diese Art und Wiese, das ist schon ein einmaliger Moment im Leben eines Fans. Der Killer, der König und der Kugelblitz setzen die letzten Ausrufezeichen unter die für Werder traumhafte Bundesligasaison. Der vor dem Spiel tönende Uli Hoeneß und der patzende „Torwart-Titan“ Oliver Kahn werden zu den tragischen Figuren im Olympiastadion und in Bremen zum Sinnbild für den Triumph der fußballerischen Klasse über überbordenden Ehrgeiz und Arroganz. Entschieden wird die Saison zwar schon vorher, doch aufgrund der Last-Minute-Meisterschaften der Bayern in den Jahren 2000 und 2001 bleiben auch bei mir leichte Restzweifel. Nach 30 Minuten sind diese weggewischt. Der Bremer Domshof tobt und für Wochen ist unser „Dorf mit Straßenbahn“ in Grün und Weiß geschmückt (inklusive besagter Straßenbahn).

Der Doublegewinn 2004 hat zu jedem Spieler eine Geschichte parat: Ob nun der entfesselt am Zaun rüttelnde Frank Baumann, der Prophet Ümit Davala, der Nobody-Abwehrchef Valerien Ismael oder der per Auto aus Spanien angereiste Andreas Reinke – sie alle sind Teil der Bremer Meistergeschichte. Doch keiner hat eine so rührende Geschichte wie Torschützenkönig Ailton. Toni erzielt in seiner letzten Saison im Werdertrikot ganze 28 Tore und hat so entscheidenden Anteil an den Erfolgen seiner Mannschaft. Seine Torquote ist das Ergebnis eines Offensivspiels, das (fast) ganz Fußballdeutschland begeistert. Zu seinem und Bremens Enttäuschung hat Ailton jedoch schon im September 2003 einen Vertrag beim FC Schalke unterschrieben, was sich im Nachhinein als größerer Verlust für den Brasilianer als für Werder herausstellt. In Miroslav Klose findet Werder einen – zumindest spielerisch – mehr als würdigen Nachfolger (ich weiß, wie sehr es viele Fans immer noch schmerzt, dies einzugestehen). Ailton wird dagegen weder auf Schalke, noch an einer seiner folgenden Stationen wirklich glücklich und kickt seit kurzem in den Niederungen des deutschen Amateurfußballs beim KFC Uerdingen. Der 8. Mai 2004 bleibt auch der größte Tag in der fußballerischen Karriere des Ailton Goncalves da Silva. Schon deshalb wird er immer in den Herzen der Werderfans bleiben.

19.4.2005: Schalke 04 – Werder Bremen 7:6 n.E.

Im Jahr 2005 darf Werder die Erfahrung machen, dass es als amtierender Meister nicht ganz einfach ist, sich in der Spitze der Liga zu halten. Zum Ligaalltag kommt die Champions League hinzu, die Werder eine Menge abverlangt. In der Gruppenphase kann sich Werder mit 13 Punkten fürs Achtelfinale qualifizieren und besiegt dabei zweimal den amtierenden Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger FC Valencia. Vor allem das Außwärtsspiel hat es in sich, als Werder durch zwei späte Tore von Valdez den Sieg sicherstellt und Valencias Spielern daraufhin die Lampen durchbrennen. Dieser Tage winkt ein Wiedersehen im Achtelfinale der Europa League, sollten beide Teams die nächste Runde überstehen. In der Champions League holt sich Werder gegen Olympique Lyon eine Abreibung, die es in sich hat. Mit insgesamt 2:10 Toren aus den beiden Spielen verabschiedet man sich aus dem Wettbewerb. Während man beim 0:3 zuhause noch eine spielerisch gute, aber zu naive Vorstellung zeigt, geht man im Rückspiel mit fliegenden Fahnen unter. Vor allem Trainer Schaaf ist nach dem Spiel angeschlagen, da seine äußerst offensive und riskante Aufstellung so nach hinten losgegangen ist.

Ein Happy End hat die Saison trotzdem: Am Ende wird Werder in der Bundesliga etwas unerwartet Dritter und kann sich erneut für die Champions League qualifizieren. Das emotionalste Spiel der Saison findet jedoch im DFB-Pokal statt – gegen den neuen Lieblingsfeind Schalke und die alten Bekannten Mladen Krstajic und Ailton. Das Spiel braucht eine Weile, bis es richtig in Fahrt kommt, doch dann bekommen die Fans in der Arena auf Schalke eine wahre Pokalschlacht zu Gesicht. Schalke geht zunächst verdient in Führung, doch Werder schafft es, wie so oft zu dieser Zeit, in der Schlussphase mächtig Druck aufzubauen. Valerien Ismael erzielt fünf Minuten vor dem Ende den Ausgleich und fast wird Werders Schlussoffensive noch belohnt. Ivan Klasnics vermeintlicher Siegtreffer in der 90. Minute wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Im Gegenzug hat Werder Glück, dass Ailton nur den Pfosten trifft und Reinke im Nachschuss gegen Lincoln rettet. In der Verlängerung geht es auf und ab, mit Chancen auf beiden Seiten. Werder geht zunächst durch ein schönes Tor von Borowski in Führung, doch nur zwei Minuten später erzielt (ausgerechnet…) Ailton den erneuten Ausgleich. Das Elfmeterschießen hätte sich auch ein Drehbuchautor aus Hollywood nicht spannender ausdenken können. Nachdem zunächst Stalteri und dann auch Borowski verschießen, hat Schalke zweimal die Chance, den Sack zuzumachen. Ailton donnert den Ball an die Latte – wie wir heute wissen nicht sein letztes Gastgeschenk an seinen ehemaligen Arbeitgeber. Werder ist also wieder im Spiel. Dann tritt Fabian Ernst an den Elfmeterpunkt, der wenige Wochen vorher seinen Wechsel im Sommer zu den Schalkern bekanntgegeben hat. Er rutscht beim Anlauf aus und gibt einem anderen Ex-Bremer, nämlich Torwart Frank Rost, die Gelegenheit, das Spiel durch seinen selbst verwandelten Elfmeter zu entscheiden. Schalke steht im Finale und für Werder bleibt nur die Gewissheit, Teil eines begeisternden Fußballspiels gewesen zu sein.

7.3.2006: Juventus Turin – Werder Bremen 2:1

Zugegeben, es gibt schönere Erinnerungen an das Jahr 2006, als das vermaledeite Ausscheiden aus der Champions League gegen Juventus Turin. Zum Beispiel das Hinspiel im Weserstadion, in dem Werder in den letzten Minuten einen 1:2 Rückstand noch in einen Sieg drehen kann oder das Saisonfinale in Hamburg, als man dem HSV noch die Vizemeisterschaft entreißt und in der Bremer Innenstadt Erinnerungen an die Double-Saison hochkommen. Doch dieses Spiel ist so prägend für die restliche Saison und auch für die Seele der Werderfans, dass es trotzdem mein Highlight aus dem Jahr 2006 ist. An keine Niederlage habe ich in den Jahren danach so häufig zurückgedacht, wie an das Rückspiel im Delle Alpi. Keine beschreibt dieses Gefühl besser, trotz einer tollen Leistung am Ende doch mit leeren Händen dazustehen. Es ist die grausamste aller Niederlagen, herbeigeführt durch eine Slapstickeinlage des damaligen Ersatztorhüters Tim Wiese, die Werder um den verdienten Lohn bringt.

Zuvor hat man das 3:2 aus dem Hinspiel nicht nur verteidigt, sondern durch ein Tor von Micoud sogar noch ausgebaut. Als Juventus zum 1:1 trifft, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Spiel kippt. Juve ist damals eine der besten Mannschaften Europas, dominiert die italienische Liga nach Belieben – wie wir heute wissen nicht nur aus sportlichen Gründen. Werder ist der Emporkömmling, der der alten Dame kräftig ans Bein pinkelt. Gegen Ende des Spiels werden Turins Angriffe nicht etwa gefährlicher, sondern zunehmend kopflos. Es ist ziemlich genau eine Minute nachdem ich mich zum ersten Mal dabei ertappe, wirklich an das Weiterkommen zu glauben, als Wiese diese Flanke abfängt, eine Rolle vorwärts macht und den Ball vor den Füße des Brasilianers Emerson fallenlässt. Der Rest ist Geschichte. Fassungslosigkeit allerorten: Auf dem Platz macht Werder keine Anstalten, das Spiel noch einmal zu drehen (woher vermutlich die weit verbreitete Ansicht kommt, das Tor sei in der letzten Minute gefallen). Vor dem Fernseher keine Regung. Es scheint fast, als bliebe die Zeit für einen Moment stehen. Dann ertönt der Schlusspfiff und bald darauf weidet sich Fußballdeutschland an den Bildern des Wiese-Patzers. Es ist die tragische Geschichte einer Mannschaft, die auf der Schwelle dazu steht, in die Phalanx der europäischen Spitzenmannschaften einzubrechen und sich dann selbst die Tür vor der Nase zuschlägt. Dieses Gefühl kommt Ende des Jahres noch einmal zurück, als man kurz davor steht, den Titelverteidiger FC Barcelona aus der Champions League zu werfen, dann aber im entscheidenden Spiel im Camp Nou völlig chancenlos ist.

2006 ist vielleicht Werders bestes Jahr unter Thomas Schaaf. Saisonübergreifend holt man 70 Punkte, mehr als jede andere Mannschaft und auch international scheint der Durchbruch trotz großen Lospechs zum Greifen nah. Das überrascht vor allem deshalb, weil Werder im Sommer in Johan Micoud den prägenden Spieler der letzten Jahre verliert. Sein Nachfolger kommt von der Ersatzbank des FC Porto und sorgt in seiner ersten Hinrunde in Bremen gleich für viel Aufsehen. Werder gewinnt den Ligapokal, schlägt die Bayern auch in der Liga überlegen, schießt dreimal auswärts 6 Tore und wird von vielen schon als der kommende Meister angesehen. Doch es gibt auch Nebengeräusche. Kleine Rückschläge, wie das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Pirmasens oder die Niederlagen gegen Schalke und Stuttgart. Trotzdem sieht die Welt zu Weihnachten nicht nur für Tim Wiese wieder rosa aus.

Den ersten Teil der Serie (2000 – 2002) findet ihr hier. In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil (2007 – 2009).

Mein Senf zum Münchner Weißwurstfrühstück 4

Gepostet am 23. November 2009 von Tobias (Meine Saison)

Es liegt mir eigentlich fern, mich hier im Blog zum FC Bayern zu äußern, zumindest wenn es nicht in Zusammenhang zu einem Spiel gegen Werder steht. Einen eigenen Eintrag wollte ich dem Rekordmeister schon gar nicht widmen, doch heute muss es einfach mal sein.

Es ist kein Geheimnis, dass ich dem FC Bayern trotz meiner bayerischen Wurzeln keine große Sympathie entgegen bringe, um es vorsichtig auszudrücken. Allerdings muss ich gestehen, dass mich die Vepflichtung van Gaals als Trainer und die scheinbare Bereitschaft zum Neuaufbau einer Mannschaft überzeugt haben. Ich kann nicht sagen, dass ich dem “Projekt” Erfolg gegönnt hätte, aber zumindest hätte ich mich über eine bajuwarische Dominanz nicht zu sehr geärgert. Ganze vier Monate später präsentiert sich der große FCB als zertstrittener Scherbenhaufen.

Da wagt es der kleine Phlipp Lahm in einem Zeitungsinterview einfach so, die Clubführung zu kritisieren und alle geben ihm Recht. Alle? Nein, Uli Hoeneß wischt die Kritikpunkte mit einem Handstreich weg. Alles Kokolores, der hat doch keine Ahnung. Dahinter steckt der Berater, der sich profilieren möchte. Reicht als Begründung, um der Kritik sämtliche Rechtfertigung zu entziehen. Ohnehin: Wer will diesem Uli Hoeneß schon in die Parade fahren? 30 Jahre lang erfolgreicher Manager, den FC Bayern national und zeitweise auch international zum Branchenführer gemacht. Auf sein Lebenswerk kann Uli Hoeneß wirklich stolz sein. Doch woher nimmt er die Chuzpe jeden anderen zurecht zu weisen?

Real? Pah! Barca? Nichts als Schulden! Arsenal? Kein internationaler Titel! ManUtd? Lächerlich! Werder? Keine Titel und keine Boulevardmedien! Überhaupt, die Medien! Die überzogene Erwartungshaltung wird doch nur von außen geschürt. Und dann das Internet mit seinen anonymen Foren! Und ständig dieser Lärm! Was soll’n die Nachbarn sagen? Ein solcher Rundumschlag ist nichts neues. Nach außen. Wenn sein Baby angegriffen wird, schlägt Hoeneß um sich. Nicht umsonst hat sich die Bezeichnung “Abteilung Attacke” eingebürgert. Gerade das schätzen viele Fans an ihm, diese Mischung aus sozialer Wärme nach innen und überbordendem Selbstbewusstsein nach außen. Allerdings war die Kritik an der sportlichen Führung der Bayern selten größer als heute. In dieser Situation zeigt sich Hoeneß größte Schwäche: Mangelnde Selbstreflexion.

Kaum eine Woche später passiert dann aber etwas, das ich nicht für möglich gehalten hätte: Hoeneß und Franz Beckenbauer geben ein Interview in der Bild-Zeitung und demontieren ihren Trainer darin dermaßen, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, wie eine langfristige Zusammenarbeit mit ihm aussehen soll. Van Gaal soll also ein anderes System spielen, einen Teil “Verantwortung” (sprich: Entscheidungsmacht) an die sportliche Führung abgeben, aber, hey, das lernt der schon noch. Wie kann man einen Trainer von der Reputation eines Louis van Gaal holen und ihn öffentlich derartig vorführen? Kommt es wirklich so überraschend, dass der Holländer so ist wie er ist? Wusste man das nicht, als man ihn verpflichtet hat? Oder hat sich der 58-jährige in seinen 5 Monaten München so sehr verändert? Und falls nicht, soll sich der 58-jährige nun für seinen Job bei den Bayern ändern? Was erwarten Hoeneß und Beckenbauer eigentlich?

Erfolg erwarten sie. Von Anfang an. Moment, waren das nicht die Medien? Ja, aber! Sämtliche Probleme, die der FC Bayern seit Jahren mit sich rumschleppt sind a) gar keine Probleme, werden b) nur von außen in den Verein getragen, kommen c) nur daher, dass alle anderen Unrecht haben und liegen im Zweifel d) in der Verantwortung des Trainers. Und e) seid ihr alle gemein und ich spiele jetzt nicht mehr mit euch. Kindergarten FC Bayern!

Es könnte mir eigentlich egal sein, ja eigentlich könnte ich mich sogar darüber freuen, macht es eine Münchner Aufholjagd doch nicht gerade wahrscheinlicher. Ich könnte mich genüsslich zurücklehnen, wenn Beckenbauer bei Sky90 über die gesamte Sendezeit nichts anderes zu Bayerns Problemen einfällt als “Ribery” oder wenn Verwaltungsbeirat Helmut Markwort einem von van Gaal verpflichteten Spieler die Bundesligatauglichkeit abspricht. Es freut mich aber nicht, es ärgert mich. Nicht, weil es die Bayern sind, sondern trotzdem. Weil es mich wütend macht, wenn die Arbeit eines Trainers, der viel riskiert, um den Verein aus seiner comfort zone zu treiben, so mit Füßen getreten wird.

Kein Wort mehr davon, dass van Gaal viele Probleme zu seinem Amtsantritt geerbt hat. Übernommen hat er auch einen sehr starken Kader, keine Frage. Einen Kader jedoch, der unausgewogen wirkt, noch nicht so harmoniert, wie er es müsste, um Titel zu gewinnen. Wird es gewürdigt, dass van Gaal mit Badstuber und Müller zwei junge Talente ins Team integriert hat? Dass er den Bayern ein System und eine spielerische Identität zu verleihen versucht? Es wird ihm lieber vorgeworfen, dass er in der Anfangszeit vieles ausprobierte und keine klare Vorstellung davon hatte, wie das Team spielen soll. Doch wozu holt man einen Fachmann wie van Gaal zum Verein, wenn man gar nicht möchte, dass etwas verändert, dass etwas neu aufgebaut wird? Wenn man auf sein Urteil nicht vertraut? Ein großer Umbruch geht nie ohne Scherben vonstatten. Hätte man Sicherheit gewollt, hätte man damals Hitzfeld behalten müssen. Stattdessen holte man mit Klinsmann einen Erneuerer. Der Mut zum Risiko überraschte viele, mich eingeschlossen. Auch van Gaal ist ein Experiment. Allerdings ist hier nicht der Trainer das Versuchsobjekt, sondern der Verein. Kann Bayern mit einem solch knorrigen, sturen und kauzigen Trainer Erfolg haben?

Ich glaube leider, dass die sportliche Führung die Antwort auf diese Frage bereits gegeben hat.

Bremer Transfers 1997-2009 10

Gepostet am 20. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Auf Anregung von Probek habe ich mal eine kleine Übersicht über die Bremer Einkäufe der letzten 12 Jahre angefertigt. Es ging dabei um die Frage, ob Bayerns Transferpolitik wirklich so schlecht ist, wie von vielen behauptet, und ob Werders Transferpolitik im Vergleich besser abschneidet. Die Frage kann hier natürlich nicht abschließend beantwortet werden, doch der Vergleich ist schon interessant:

Zunächst ein paar Anmerkungen zur Tabelle:

  • Alle Daten (Zugänge, Transfersummen) stammen von Transfermarkt.de.
  • Die Transfers wurden um die Spieler bereinigt, die ausschließlich für den Amateurbereich verpflichtet wurden.
  • Spieler, die zunächst auf Leihbasis geholt und später fest verpflichtet wurden, habe ich nur einmal berücksichtigt und Leihgebühr und Ablösesumme addiert.
  • Spieler, die während ihrer Zeit bei Werder verliehen wurden und danach zurückkehrten, habe ich ebenfalls nur einmal berücksichtigt.
  • Die Bewertung der Spieler ist natürlich subjektiv. Ich habe sie nach den von Probek verwendeten Kriterien vorgenommen (war das Geld wert, war das Geld nicht wert, hat sich durchgesetzt, kostete eh kaum etwas, bekam keine Chance, war dauerverletzt uswusf.).
  • Mir ist durchaus bewusst, dass es sich bei den Ergebnissen deshalb nicht um “harte” Daten handelt, aber hier werden ja auch keine wissenschaftlichen Ziele verfolgt.
  • Im Gegensatz zu Probek habe ich aus Zeitgründen die Anzahl der Spiele, die die Spieler für den Verein absolviert haben, nicht berücksichtigt.

Das Ergebnis:

  • Werder hat seit 1997 96 Spieler für den Profikader verpflichtet (zum Vergleich: Bayern: 94).
  • Die Transfers habe ich folgendermaßen bewertet: 27 positiv, 40 neutral (darunter die bisherigen 8 Neuzugänge dieser Saison), 29 negativ (Bayern: 30 – 35 – 29).
  • Insgesamt hat Werder 115,9 Mio. € für die Transfers ausgegeben (Bayern: 318,4 Mio. €). Im Schnitt sind dies 1,2 Mio € pro Spieler (Bayern: 3,4 Mio. €).
  • 73,2 Mio. € wurden in Spieler investiert, die ich positiv oder neutral bewertet habe (ausgenommen die Transfers dieser Saison), 26,8 Mio. € in Spieler, die ich negativ bewertet habe (Bayern: 173,5 Mio. € bzw. 94,2 Mio. €).
  • Relativ gesehen hat Werder 26,8 % der Transferausgaben für Fehleinkäufe ausgegeben (Bayern: 35,2 %).
  • Die Kosten pro erfolgreichem Transfer (Bewertung = positiv) liegen bei 3,7 Mio. € (Bayern: 8,9 Mio. €).
  • Die drei teuersten Fehleinkäufe sind: 1. Carlos Alberto (8,5 Mio. €), 2. Mohammed Zidan (3,5 Mio. €), 3. Manuel Friedrich (2,5 Mio. €).

Und was sagt uns das jetzt?

  • Die Transferbilanz ohne Berücksichtigung der Kosten ist sehr ausgeglichen und ähnelt der des FC Bayern.
  • Werder hat weder absolut noch relativ mehr geglückte Transfers zu verbuchen als Bayern.
  • Berücksichtigt man die Ausgaben kann man folgendes festhalten: Werder hat mit etwas mehr als einem Drittel des finanziellen Aufwands der Bayern ein ähnlich gutes Ergebnis erreicht.
  • Aber: Die Ansprüche der Vereine und deren Fans unterscheiden sich, was insbesondere für die Zeit vor 2003/2004 gilt. Die Bewertung der Spieler dürfte also nicht oder zumindest nicht durchgängig nach denselben Maßstäben erfolgt sein.
  • Bei vielen Spielern war eine Bewertung nicht einfach und kann sicher heftig diskutiert werden (z.B. Sanogo, Fritz, Jensen, Davala). Christoph Dabrowski habe ich bspw. vor allem deshalb positiv bewertet, weil uns sein Tor 1999 vor dem Abstieg bewahrt hat.
  • Ist der Felix Magath, der nun als bester Trainer der Bundesliga gilt, wirklich derselbe Felix Magath, der uns Spieler wie Pawel Wojtala und Dirk Weetendorf zugemutet hat? Eigentlich hätte dem HSV der Handel mit solchen Spielern untersagt werden müssen.
  • Die Betrachtung ist unvollständig, da weder Gehälter und Handgelder noch Transfererlöse berücksichtigt wurden.
  • Ein allgemeingültiges Urteil kann man auf Grundlage der Tabellen nicht fällen. Allerdings wird die pauschale Behauptung, Werder Bremen betreibe eine bessere Transferpolitik als Bayern München, nicht bestärkt.

Die Transfers anderer Vereine:

2. Spieltag: Back to Basics 1

Gepostet am 16. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Bayern München – Werder Bremen 1:1

Fußball kann ein ganz einfaches Spiel sein. Werder Bremen ist unter Thomas Schaaf jedoch nur selten in den Verdacht geraten dieses einfache Spiel zu praktizieren. Am Samstag gegen die Bayern war das anders. Mit einfachsten Mitteln erkämpfte sich die Mannschaft einen Punkt in der Allianz-Arena und wirkte dabei wie ein Team aus dem unteren Tabellendrittel. Anscheinend hat man nicht nur aus dem Spiel gegen sondern auch von Eintracht Frankfurt gelernt. Dem Gegner das Mittelfeld überlassen, mit zwei Viererketten in der eigenen Hälfte warten und hoffen, dass sich die individuellen Fehler in Grenzen halten. Gegen einen FC Bayern, der sich in der Offensive noch nicht richtig gefunden hat, reichte diese Taktik immerhin zu einem Unentschieden.

Ein wenig Glück war sicher auch dabei und nicht zuletzt Tim Wieses Paraden verhinderten eine größere Torausbeute des Rekordmeisters. Beim Gegentor würde ich die aktuelle Nr. 2 der Deutschen Nationalmannschaft fast komplett von einer (Mit-)Schuld freisprechen. Diese flache Flanke an den Fünfmeterraum war äußerst schwer zu antizipieren. Sie hätte jedoch von Sebastian Boenisch verhindert werden können, der Philipp Lahm auf der linken Abwehrseite nur unzureichend unter Druck setzte.

Auf der anderen Seite hätte Werder das Spiel auch gewinnen können, wäre die Passgenauigkeit etwas höher gewesen. Chancen zu Kontern gab es in der zweite Halbzeit zur Genüge. Werders Offensivabteilung schaffte es jedoch nur selten, die Bälle unfallfrei in die Spitze zu spielen. Dort konnte wieder einmal nur Boubacar Sanogo überzeugen. Der Ivorer ist in hervorragender Verfassung, wurde jedoch zu selten mit verwertbaren Bällen gefüttert. Dafür zeigte er eine starke kämpferische und läuferische Leistung, meist mit dem Rücken zum Tor. Aaron Hunt konnte dagegen seine überraschende Nominierung als zweite Spitze nicht rechtfertigen und Hugo Almeida hat seine gute Frühform leider pünktlich zu Saisonbeginn verloren.

Nach dem erschreckenden Heimspiel letzten Samstag darf die Partie als klarer Fortschritt angesehen werden, auch wenn spielerisch fast gar nichts ging. Werder muss es nur endlich verstehen, diese Konzentration und Disziplin im Defensivspiel auch gegen die vermeindlichen Leichtgewichte an den Tag zu legen. Spielerisch braucht man sich nur wenig Sorgen zu machen. Das neuformierte Mittelfeld braucht noch etwas Eingewöhnungszeit, sollte es bei der vorhandenen Qualität aber schaffen, für genügend Durschlagskraft in der Offensive zu sorgen. Angedeutet hat man dies auch gegen die Bayern, vor allem beim schön herausgespielten Führungstor über die Stationen Borowski, Hunt und Özil.

Ein kleiner Trost über die magere Punkteausbeute zum Saisonstart: Immerhin bleibt Thomas Schaafs positive Bilanz gegen die Bayern weiter bestehen:

Werders Auswärtsbilanz gegen Bayern München unter Thomas Schaaf: 4 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen.
Werders Heimbilanz gegen Bayern München unter Thomas Schaaf: 4 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen.

Live-Blog: Bayern München – Werder Bremen 1

Gepostet am 14. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Samstag, 15.8.2009, 15:30 Uhr: Erstes Live-Blogging dieser Saison vom Auswärtsspiel beim Rekordmeister.

Meine Saisonvorschau 09/10 (Teil 2) 1

Gepostet am 8. August 2009 von Tobias (Meine Saison)

Nach meiner Einschätzung des Werderkaders folgen heute meine Erwartungen an die neue Saison (inklusive meiner Abschlusstabelle, bei der ich schon traditionell hoffnungslos daneben liege).

Entwicklung der Bundesliga

Im internationalen Vergleich steht die Bundesliga so gut da, wie schon lange nicht mehr. Zwar ist der Abstand auf die europäischen Spitzenclubs nicht geringer geworden, doch insgesamt gibt es wieder mehr Bundesligamannschaften, die gehobenes internationales Niveau haben. In der letzten Saison konnte man eine deutliche Zweiteilung der Liga erkennen, mit Werder auf Platz 10 als Bruchstelle. Dadurch war es oben wie unten spannend, echte Überraschungen durch Underdogs bleiben jedoch aus. Wolfsburgs Meisterschaft schien vor einem Jahr nicht völlig utopisch, fast alle hatten sie zumindest für die Plätze 3-5 auf der Rechnung. Im Fall Hoffenheim überraschte nur der frühe Zeitpunkt, nicht die Etablierung in der Spitze selbst. Erleben wir also eine Spaltung der Bundesliga?

Es sieht danach aus, und das ist auch gut so! Da es – anders als in England, Spanien und Italien – nur eine Mannschaft gibt, die seit vielen Jahren national und international immer ganz oben dabei ist, tun sich die zweiten und dritten Kräfte im Land schwer. Wird nun der Kreis der Spitzenmannschaften erweitert, wird es naturgemäß schwieriger, sich gegen diese durchzusetzen. Mal ganz ökonomisch gedacht: Mehr Wettbewerb führt zu einem besseren Ergebnis. Der FC Bayern sah sich zum zweiten Mal in drei Jahren gezwungen, seinen Kader für viel Geld zu verstärken. Es reicht nicht mehr, die besten Leute der Konkurrenz weg zu kaufen, wenn diese, wie Wolfsburg oder Hoffenheim, finanziell in der gleichen Liga spielt. Davon wird man auch international profitieren. Einen deutschen Champions League Sieger sehe ich in den nächsten Jahren trotzdem nicht.

Meine Prognose

Der Meisterschaftskampf dürfte in dieser Saison wieder etwas langweiliger werden. Es ist zwar nicht sonderlich sexy auf einen Meister Bayern München am 31. Spieltag zu tippen, aber der Rekordmeister hat sich wirklich gut verstärkt und mit Louis Van Gaal einen hervorragenden Trainer, den ich noch aus seiner Zeit bei Ajax Amsterdam Mitte der 90er sehr schätze. Damals fügte er den Bayern im Europapokal eine empfindliche Niederlage zu und gewann schließlich mit einer sehr jungen Mannschaft die Champions League. Der Start könnte noch etwas holprig werden, doch auf lange Sicht wird sich die Klasse der Bayern wohl durchsetzen.

Dahinter wird es einen knappen und spannenden Kampf um die Champions- und Europa League Plätze geben. Vorbei sind die Zeiten als Werder und Schalke den 2. und 3. Platz unter sich ausmachten. Insgesamt 8 Kandidaten scheinen sich auf ähnlichem Niveau zu bewegen: Wolfsburg, Hoffenheim, HSV, Schalke, Dortmund, Stuttgart, Leverkusen und auch Werder. Ob eine dieser Mannschaften den Bayern einen spannenden Meisterkampf liefern können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dahinter dürfte es allemal knapp werden.

Rechnen muss man sicher mit den Neureichen aus Wolfsburg und Hoffenheim, die die Bundesliga letzte Saison kräftig durcheinander gewirbelt haben. Beim VfL Wolfsburg wurde der Meisterkader zusammen gehalten und sogar punktuell verstärkt. Den unglaublichen Lauf der letzten Rückrunde wird man nicht wiederholen können. Dennoch ist Wolfsburg wieder ein Kandidat für die Spitzenplätze. 1899 Hoffenheim spielte nach begeisternder Hinrunde eine schwache Rückserie. In der neuen Saison werden sie sich davon erholt haben und wieder häufiger ihr Gesicht aus 2008 präsentieren. Der Kader ist qualitativ besser als vor einem Jahr und die Erfahrungen der letzten Saison helfen Hoffenheim, sich weit oben zu platzieren.

Schalke 04 ist mit Felix Magath einiges zuzutrauen. Der ganz große Wurf dürfte aber noch nicht gelingen, dafür halte ich den Kader für zu schwach. Mehr als ein 5. Platz wäre für mich eine Überraschung. Wie jedes Jahr wird auch der Hamburger SV hoch gehandelt. Nach dem Theater in der sportlichen Führung und dem unsäglichen Machtkampf zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer habe ich jedoch weiterhin Zweifel, ob in Hamburg alle an einem Strang ziehen. Der Kader verspricht wieder viel, die Qualität ist da. Doch kann der in Leverkusen gescheiterte Labbadia daraus eine Meistermannschaft formen? Zwischen Platz 2 und 9 ist für die Hamburger vieles drin. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Entscheidung darüber am 34. Spieltag im Bremer Weserstadion fiele.

Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart halte ich aus unterschiedlichen Gründen für die schwächeren der genannten Teams. Bei Leverkusen ist mir noch immer Schleierhaft, warum man das eigene Potential nie über eine ganze Saison hinweg ausschöpft. Im Ernstfall stellt man sich selbst oft ein Bein in den Weg. Ich sehe auch nicht, wie sich dies in Zukunft ändern soll. Schönen Fußball wird es in Leverkusen bestimmt geben, aber keinen greifbaren Erfolg. Dortmund macht unter Klopp vieles besser als in der Vergangenheit und es fehlt nicht viel, um ein ernsthafter Titelkandidat zu werden. So ganz reicht es meiner Meinung nach aber noch nicht. Bei Trainer Klopp könnten sich in diesem Jahr erste Abnutzungseffekte zeigen, die er zwar in den Griff bekommen wird, die jedoch ein besseres Abschneiden verhindern. Stuttgart hat weiterhin eine starke Mannschaft, die ohne Gomez allerdings nur die Hälfte wert ist. Der Transfererlös wurde in Hleb und Pogrebniak sinnvoll investiert. Die Lücke, die Gomez hinterlässt, erscheint mir aber zu groß.

Hertha BSC sehe ich in dieser Saison nur im (gesicherten) Mittelfeld. Die Mannschaft ist schwer zu spielen, was ein Verdienst von Trainer Favre ist. Offensiv fehlt aber die Klasse. Wichniarek ist kein Voronin. Dahinter beginnt auch schon der Abstiegskampf. Köln und Nürnberg scheinen mir am ehesten die Klasse zu besitzen, in die Phalanx der letztjährigen Top 10 einzudringen. Für Hannover 96 wird es dagegen nicht zum Klassenerhalt reichen. Wenn dort nicht endlich das Ruder herumgerissen wird, ist die Mannschaft 2010 einfach mal dran. Mitabsteiger werden Mainz und Mönchengladbach sein. Freiburg, Frankfurt und Bochum heißen folglich die glücklichen Mannschaften, die sich in letzter Sekunde vor der Relegation retten können.

Und was ist mit Werder?

Es wird mal wieder eine typische Werder-Saison. Gute Hinrunde, Krise zu Beginn der Rückrunde, Aufholjagd im letzten Drittel und am letzten Spieltag werden die Positionen mit dem HSV getauscht. Werder wird Dritter und landet in der Champions League Qualifikation.

Vieles scheint möglich in diesem Jahr – nach oben wie nach unten. In Werders Kader steckt viel Talent, bei einem guten Beginn könnte man schnell einen Lauf bekommen. Zweifel an der Konstanz einiger Spieler sind aber angebracht. Diese hat Werder in den letzten 1 1/2 Jahren vermissen lassen. Man wird schon am oberen Limit spielen müssen, um meinen Tipp in Erfüllung gehen zu lassen. Mit der falschen Einstellung kann man schnell wieder ins Mittelfeld durchgereicht werden. Zum ersten Mal seit 2004 wird Werder von vielen Fußballinteressierten zum Favoritenkreis auf die Meisterschaft gezählt. In der Vergangenheit war dies häufig nicht die schlechteste Ausgangsposition.

Meine Abschlusstabelle

  1. Bayern München
  2. 1899 Hoffenheim
  3. Werder Bremen
  4. Hamburger SV
  5. VfL Wolfsburg
  6. Schalke 04
  7. VfB Stuttgart
  8. Borussia Dortmund
  9. Bayer Leverkusen
  10. 1. FC Köln
  11. Hertha BSC
  12. 1. FC Nürnberg
  13. SC Freiburg
  14. VfL Bochum
  15. Eintracht Frankfurt
  16. Borussia Mönchengladbach
  17. Mainz 05
  18. Hannover 96

32. Spieltag: Wechselspiele 2

Gepostet am 14. May 2009 von Tobias (Meine Saison)

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen – er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen – remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.



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