Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



30. Spieltag: Comeback Kid 7

Gepostet am 11. April 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – SC Freiburg 4:0

Vor einer Woche schrieb ich noch, Werders Bundesligasaison sei beendet. Einem erwarteten Sieg gegen Freiburg, einem vorhersehbaren Punktverlust Leverkusens und einer halbwegs überraschenden Dortmunder Niederlage sei dank, widerspricht mir die Tabelle seit gestern wieder. Werders Schlussprogramm hält meinen Optimismus nach wie vor in Grenzen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Werder sich keinen Punktverlust mehr erlaubt. Dazu sind die verbleibenden Gegner zu stark, dafür ist Werder zu unkonstant. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren!

Der Sieg gegen Freiburg war natürlich verdient. Was der SC in der zweiten Halbzeit ablieferte, lud Werder geradezu zum Toreschießen ein. Es hätte auch gut und gerne wieder ein 6:0 geben können. Werders Leistung fand ich über 90 Minuten gesehen gut, wenn auch nicht so überragend, wie es das Ergebnis vormacht. Man hatte Freiburg fast über die gesamte Spieldauer im Griff, war sehr ballsicher und kombinierte sich immer wieder flüssig und ansehnlich vors Tor. Was mich jedoch gestört hat, war die Fahrlässigkeit, mit der Werder (mal wieder) in der Anfangsphase vorging. Ein Fortschritt zwar, dass die Defensive nie ihre Ordnung verloren hat. In Einzelaktionen (Naldo!) kamen aber einige Male die Unzulänglichkeiten zum Vorschein. Normalerweise muss Freiburg nach 10 Minuten in Führung gehen. Bringt Makiadi den Abpraller aus 8 Metern aufs Tor, ist es zu 80% das 0:1. Danach lief es aber immer besser und ich bin mir nicht sicher, ob es nur an Werders geduldigem Spielaufbau lag, doch Freiburg rannte mit zunehmender Spieldauer nur noch hinterher und konnte überhaupt nicht mehr für Entlastung sorgen. Wichtig, dass in der ersten Halbzeit noch das Tor fällt und Werder nicht gezwungen wird, noch konsequenter nach vorne zu spielen. Pizarro unterstreicht dabei wieder mal seine Klasse. Beim 2:0 durch Hunt zeigt sich dann schon, dass Freiburg kapituliert hat, was angesichts ihrer Tabellensituation überrascht. Danach hatte Werder leichtes Spiel, konnte ungestört sein Programm runterspielen, wobei vor allem Özil glänzte.

Was ich bemerkenswert finde: Barcelona sei dank ist es inzwischen wieder schick, ein Spiel mit viel Ballbesitz und konsequentem Positionsspiel zu gestalten. Dazu braucht es natürlich ein hohes Maß an Ballsicherheit und Passgenauigkeit. Während bei Werder die Tendenz in den letzten Jahren in Richtung Free Form und ständigen Positionswechseln (Baumann ausgenommen) im Mittelfeld ging, entwickelte sich das Spiel bei einigen Mannschaften in die andere Richtung. Spätestens seit Barcelonas Champions Leauge Triumph nimmt die Zahl der Mourinho-Jünger augenscheinlich ab. Der Querpass, vor kurzem noch fast ein Schimpfwort, kommt wieder in Mode. Vor kurzem noch wurde jeder Ball, der nicht direkt vertikal nach vorne gespielt wurde, als Zeitverschwendung angesehen. Mir persönlich gefällt das ganz gut, ich mag Mannschaften, die aktiv (sprich: mit Ballbesitz) versuchen, das Spiel zu gestalten und nicht in erster Linie gegen den Ball arbeiten, um dann sporadisch, aber blitzartig zu kontern. Auch wenn es natürlich nur selten so elegant aussieht, wie bei Barca oder der spanischen Nationalmannschaft. Die Bayern unter van Gaal sind ein gutes Beispiel, wie so ein System aussehen kann. Dort ist längst noch nicht alles perfekt und die Mannschaft tut sich noch schwer, diese Spielweise in Tore umzuwandeln. Zum Glück haben sie Robben. Und Olic. Wie sie gegen Manchester zurückkamen war schon beeindruckend, nicht nur vom psychologischen Aspekt her. Nach dem Platzverweis haben sie konsequent ihren Stiefel runtergespielt, ohne Hektik, ohne Panik, den Ball von einer Seite zur anderen gespielt. Immer auf der Suche nach dem Fehler. Es war dann letztendlich eine Standardsituation, die das Spiel entschied, aber viel wichtiger war für die Bayern, dass sie sich Uniteds Stürmer vom Leib halten konnten. Mit Rooney hatte sich Sir Alex verzockt, Valencia war ins Mittelfeld eingebunden und Nani konnte alleine keine so große Gefahr mehr darstellen wie noch in Hälfte 1. Deshalb war es am Ende trotz der katastrophalen ersten Halbzeit nicht unverdient, dass Bayern weiterkam.

Barcelonas Spiel ist dann noch mal ein bis zwei Stufen ausgereifter. Die Spieler sind seit Jahren, zum Teil seit frühester Jugend, an das System gewöhnt. Die Mannschaft ist nicht nur was das Passspiel angeht eine Klasse für sich, sondern auch was die Balleroberung in der gegnerischen Hälfte angeht. Der Ball wird nicht nur lange gehalten, sondern das zum Großteil in der Zone, wo es für den Gegner gefährlich wird, wenn er nicht mit voller Konzentration gegen den Ball arbeitet. Und dann hat man natürlich auch die Spieler, die diese Gelegenheiten ausnutzen können. Barcas Gegner am Dienstag hat seine Stärken nicht im Spiel gegen den Ball. Es war klar, dass Arsenal das Spiel anders angehen musste als im Hinspiel. Dass man Barcelonas Mittelfeld früher unter Druck setzen und das Spiel weiter vom eigenen Tor entfernt halten musste. 20 Minuten lang klappte das auch sehr gut. Danach kam Messi und Arsenal glitt das Spiel aus den Händen. Eine Mannschaft, der fünf Spieler aus der Startelf fehlen, hat schon mit genügend Problemen zu kämpfen. Ein Messi, der das Repertoire der Sportjournalisten an Superlativen längst aufgebraucht hat, ist dann einfach zu viel. Die beiden Spiele legen aber nahe, dass Arsenal im Camp Nou auch in Bestbesetzung nicht allzu hoch gewonnen hätte. Was angesichts der tollen Offensive immer wieder übersehen wird: Barcelona hat in dieser Saison in 31 Spielen erst 19 Gegentore kassiert. Letzte Saison waren es bei 105 (!!!) geschossenen Toren insgesamt vergleichsweise geringe 35 Gegentore. Ein Beleg für die platte Aussage “Angriff ist die beste Verteidigung”? Eher dafür, dass kontrolliertes Spiel mit viel Ballbesitz dem Gegner wenige Tormöglichkeiten einräumt.

Um nochmal den Bogen zurück zu Werder hinzubekommen: Die Bayern zeigen momentan ganz gut, dass man mit konsquentem Positionsspiel Erfolg haben kann, auch wenn man nicht Barcelona ist. Bayerns Abwehr wirkt alles andere als gefestigt, dennoch hat man mit die wenigsten Gegentore der Liga gefangen. Vorne machen im Zweifel die Ausnahmespieler den Unterschied. Man muss nicht 90 Minute lang anrennen und dem Gegner die Konter auf dem Silbertablett servieren, um zum Torerfolg zu kommen. Mit Pizarro hat Werder einen der besten Stürmer der Liga, mit Marin und Özil zwei dribbelstarke Spieler, die auch über die Außenpositionen immer wieder für Gefahr sorgen. Mit der Kombination Bargfrede/Frings kann man gegen die meisten Gegner das zentrale Mittelfeld kontrollieren. Vielleicht kann die Mannschaft mit der zweitbesten Chancenverwertung der Liga wieder ein wenig Angriffswucht zugunsten von mehr Spielkontrolle aufgeben? Gegen Freiburg war das für mich das Erfolgsrezept. Wobei man nicht vergessen darf, dass Werder vor nicht langer Zeit noch das gegenteilige Problem hatte, wenn ich an die Jahre nach der Doublesaison denke, als man Gegner teilweise über 90 Minuten beherrschte und hinten rein drückte, ohne das entscheidene Tor zu erzielen. Irgendwas ist halt immer.

Phantomschmerz 0

Gepostet am 31. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. In dieser Woche spüre ich das besonders: Es ist die erste Europacup-Runde seit Mai 2008, in der Werder nicht mitspielt. Gut, man kann nach dem Thriller gegen Valencia auch irgendwie ganz froh sein, dass die Nerven nun ein bisschen geschont werden. Werders Ligaspiele reichen schließlich aus, um den Puls konstant auf einem erhöhten Level zu halten. Der Ärger über die absurde Sperre gegen Torsten Frings kommt noch dazu. Eigentlich also kein Problem. Eigentlich.

Trotzdem ist da eine Leere. So ein Gefühl “da müssten wir dabei sein”, wenn es in die entscheidende Phase der europäischen Wettbewerbe geht. Die Champions League findet zu diesem Zeitpunkt immer ohne uns statt, aber in der Europa League, da sollten wir eigentlich noch mitspielen. Da gehören wir hin. Wolfsburg und der HSV sind ja schließlich auch noch drin und dazu gab es die Chance, ein Endspiel in Hamburg zu erreichen. Man sollte nicht mehr drüber nachdenken, es ist immer noch viel zu ärgerlich. So beschäftige ich mich stattdessen lieber mit den Spielen der anderen.

Bayern München – Manchester United 2:1

Ganz schön überraschend, was sich am Dienstag in München abspielte. Es dauerte nur 64 Sekunden, bis der Favorit in Führung ging. Ein Freistoß wurde von van Bommel abgefälscht und Rooney hatte in der Mitte alle Zeit der Welt, um den Ball zu verwerten, weil Demichelis wegrutschte. Bei vielen Bayernfans läuteten nun wohl die Alarmglocken und die Angst vor einem Debakel wie in Barcelona kam auf. Schon bald zeigte sich aber, dass diese Angst unbegründet war. Die Bayern investierten in der Folge mehr in das Spiel, wie man so schön sagt, während United seine Abgeklärtheit zur Schau stellte und nur sporadisch am Spiel teilnahm, dann aber sehr gefährlich wurde. Zur Pause hatte die knappe Führung bestand und sie war nicht unverdient, wenngleich die Leistung der Bayern nicht schlecht war. In der zweiten Hälfte legten die Bayern ein wenig zu und brachten Manchester immer wieder in Bedrängnis. Edwin van der Sar hielt seinen Kasten vorerst jedoch sauber, ohne wirklich geprüft zu werden, da Bayerns Torabschlüsse eher harmlos waren. Auf der anderen Seite fehlte Manchester die Präzision bei den Pässen in die Spitze auf Rooney. Auf den Außen bekamen Badstuber und Lahm ihre Gegenspieler Nani und Park immer besser in den Griff, so dass Alex Ferguson eine taktische Umstellung vornahm, um die Bälle besser zu halten. Der in den letzten Wochen sehr starke Berbatov und Routinier Giggs kamen ins Spiel. Dafür opferte Sir Alex mit Carrick einen zentralen Mittelfeldspieler und änderte das System von 4-5-1 auf 4-2-3-1. Genau in dieser Phase fiel der Ausgleichstreffer für die Bayern: Ein Freistoß von Ribery wurde von Rooney unhaltbar ins Tor abgefälscht. Glückliches Zustandekommen, aber insgesamt zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. Nach dem Ausgleich bekam Manchester das Spiel wieder besser in den Griff und konnte den Ball länger vom eigenen Tor weghalten. Vidic köpfte an die Latte und man hatte nicht den Eindruck, die Bayern könnten noch etwas entgegensetzen. Van Gaal hatte ebenfalls offensiv gewechselt und mit Klose und Gomez zwei weitere Stürmer gebracht. Letzterer hatte die beste Chance für Bayern auf dem Fuß, schloss jedoch aus nicht idealer Position ab und van der Sar hielt den Ball. Als keiner mehr mit einem Tor rechnete, beging Evra einen Fehler, als er einen Ball im eigenen Strafraum unaufmerksam stoppte und den hinter ihm anrennenden Olic nicht bemerkte. Der nahm ihm den Ball vom Fuß, verlud van der Sar und sorgte in der letzten Sekunde des Spiels für den Siegtreffer.

Insgesamt geht das Ergebnis so in Ordnung. Manchester wirkte nicht so, als wollten sie dieses Spiel unbedingt gewinnen. Nach dem frühen Auswärtstor verwaltete man zu viel und schenkte vor allem auf den Außen zu viel her. Das Ergebnis lässt das Rückspiel völlig offen. Die Ausgangssituation hat sich durch das Olic-Tor allerdings verändert: Nun muss United in jedem Fall treffen und gewinnen, dürfte das Spiel im Old Trafford daher ganz anders angehen als in München. Für die Bayern ist der Sieg in jedem Fall ein Achtungserfolg. Ein kleines Ausrufezeichen, dem man nächste Woche gerne ein großes folgen lassen würde. Die Chancen dafür würde ich auf etwa 40% einstufen. Robben und Schweinsteiger sind dann wieder mit von der Partie, deren Fehlen im Hinspiel nicht wirklich auffiel, was hauptsächlich an der starken Leistung von Altintop und dem Formanstieg bei Pranjic und Müller lag. Lahm gefällt mir auf rechts inzwischen richtig gut, schlägt auch gefährliche Flanken, die meistens flach an den Fünfmeterraum kommen. Demichelis war der einzige Spieler, der deutlich abfiel. Man könnte fast sagen, Bayern hat trotz seines Mitwirkens gewonnen. Manchester wirkt vor allem auf den Außen anfällig, Evra ist nicht mehr in der Form der vergangenen Jahre und Neville wirkte gegen Ribery mehrfach überfordert (sein Handspiel führte auch zum Ausgleich). Sollte Rooney ausfallen, könnte es ein sehr unangenehmes Spiel für United werden. Andererseits müssen die Bayern noch zeigen, dass der Sieg mehr war, als ein kleiner Ausreißer nach oben.

Arsenal FC – FC Barcelona 2:2

Vor dem Spiel schwärmten die Freunde des gepflegten Fußballspiels vom Duell der Puristen unter den europäischen Topclubs. Nur eine Mannschaft präsentierte sich dann so, dass sie den hohen Ansprüchen gerecht wurde: Der FC Barcelona. Barca hatte von der ersten Minute an die Zügel in der Hand und setzte Arsenal derart unter Druck, dass man fast Mitleid bekommen musste. Arsenal kam nur selten in Ballbesitz und verlor diesen dann meist schon vor der Mittellinie wieder. Die Balleroberer um Keita und Busquets (man ist der gut!) leisteten fast perfekte Arbeit, rückten früh auf die Gegenspieler auf. Da auch Barcelonas Offensivkräfte jedem Ball hinterhergingen, wurden Arsenals Spieler stetig in der eigenen Hälfte gedoppelt und wussten nicht viel mit den Bällen anzufangen. Wenger war mit hohem Risiko in das Spiel gegangen, hatte die angeschlagenen Fabregas und Gallas in die Anfangsformation berufen. Besonders Fabregas, der aus Barcelonas Jugendabteilung kommt, merkte man die körperlichen Probleme noch deutlich an. Gallas hielt eine knappe Halbzeit lang durch, musste dann jedoch ausgewechselt werden, dazu kam eine weitere Verletzung bei Arshavin. Wenger stellte Mittelfeldspieler Song in die Innenverteidigung, wohl auch, weil er dem alternden Campbell nicht zumuten wollte, gegen die quirligen Messi und Pedro zu spielen und brachte dafür Denilson im Mittelfeld, während Arshavin durch den defensivstärkeren Eboué ersetzt wurde. Es war einer gehörigen Portion Glück und einer bärenstarken Leistung von Torhüter Almunia zu verdanken, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 0:0 stand. Barcelona kontrollierte das Spiel nach Belieben und kam immer wieder gefährlich vor das Tor der Gunners. Messi, der immer wieder die Seiten tauschte, hauptsächlich aber in der Mitte hinter Ibrahimovic agierte, war eine ständige Gefahr, konnte von den defensiven Mittelfeldspielern Song und Diaby nur selten gestellt werden und war immer wieder im Raum zwischen Viererkette und Mittelfeld anspielbar. Xavi zog dahinter in bekannter Manier die Fäden. Das Fehlen von Iniesta machte sich kaum bemerkbar. Das größte Problem bereiteten den Gunners aus meiner Sicht die Außenverteidiger Alves und Maxwell, die so offensiv agierten, dass die Bezeichnung “Viererkette” ad absurdum geführt wurde, und die von Arshavin und Nasri nur wenig dabei gestört wurden. Häufig konnten sie 40 Meter mit dem Ball die Linie entlang laufen und wurden erst kurz vor dem Strafraum von Arsenals Außenverteidigern in Empfang genommen. Den Platz, der sich dadurch in Barcelonas Hintermannschaft bot, konnte Arsenal kaum nutzen. Dennoch gelang es Barcelona nicht, die Überlegenheit vor der Pause in Tore umzumünzen und es ging mit einem 0:0 in die Pause. Almunias Leistung in den ersten 45 Minuten war nach Aussage seines ehemaligen Konkurrenten Jens Lehmann “die beste Torwartleistung, die ich seit langer Zeit gesehen habe.”

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich dieses Urteil relativieren sollte. Ein langer Ball auf Ibrahimovic brachte diesen frei vors Tor, allerdings weit auf der rechten Seite. Anstatt bloß den Winkel zu verkürzen kam Almunia überhastet aus dem Tor gelaufen, zögerte dann kurz und wurde überlupft. Ein sehr einfaches Tor für Ibrahimovic, das in krassem Gegensatz zu den vielen herausgespielten Chancen der ersten Halbzeit steht. Vielleicht macht aber auch gerade das die Stärke Barcelonas in diesem Jahr aus: Eine größere Variabilität. Arsenal bekam daraufhin das Spiel besser in den Griff als über weite Strecken der ersten Hälfte, doch diese Phase war nur von kurzer Dauer. Barca nahm wieder Fahrt auf und drückte auf das 2:0. Trotz vieler schneller Passstaffetten und schneller Angriffszüge war es erneut ein hoher langer Ball, der zum Erfolg führte. Song, der kurz zuvor noch durch eine tolle Rettungsaktion aufgefallen war, darf sich diesen Gegentreffer ankreiden, wobei Almunia bei Ibrahimovics Schuss erneut keine wirklich gute Figur machte und zu früh abtauchte. Es ist jedoch fraglich, ob er an diesen Ball sonst herangekommen wäre. Durch das 0:2 schien nicht nur dieses Spiel, sondern auch das Viertelfinale entschieden. Arsène Wenger hatte jedoch noch einen Trumph im Ärmel, den er nun ausspielte. Er brachte den pfeilschnellen Walcott für Sagna, dessen Position von Eboué eingenommen wurde. Walcott agierte vor ihm auf der rechten Seite und stellte Maxwell endlich defensiv vor Probleme. Ihm blieb dann auch der Anschlusstreffer vorbehalten. Von Bendtner bedient schob er den Ball an Valdes vorbei. Auch in diesem Fall keine gute Aktion des Torhüters, denn der Ball war weder hart noch platziert geschossen. Nun entwickelte sich ein Schlagabtausch, den viele von vornherein erhofft hatten. Arsenal konnte sich immer wieder über die rechte Seite durchsetzen und phasenweise auch Barcas Passspiel im Mittelfeld unterbinden. Guardiola brachte Henry für Ibrahimovic und setzte fortan mehr auf Konter. In der 87. Minute kam es dann zu einer folgenschweren Situation für dieses Duell: Puyol foulte im Strafraum Fabregas, der erneut von Bendtner klasse bedient worden war. Elfmeter für Arsenal und Platzverweis für Kapitän Puyol, der damit ebenso wie sein Nebenmann Pique und sein Gegenstück Fabregas im Rückspiel fehlen wird. Fabregas verwandelte den Elfmeter, verletzte sich dabei jedoch erneut. Da das Wechselkontingent bereits aufgebraucht war, humpelte der Kapitän die letzten fünf Minuten über das Spielfeld. Am Ende war es Arsenal, das sogar noch auf das Siegtor drängte.

Dennoch ist das 2:2 ein glückliches Resultat für die Gunners und entspricht nicht dem Spielverlauf. Durch die starke kämpferische Leistung verdienten sie sich das Ergebnis zumindest ein Stück weit. Im Rückspiel wird auch spielerisch und vor allem taktisch eine bessere Leistung notwendig sein, wenn man eine Chance auf ein Weiterkommen haben möchte. Insgesamt war es ein sehr gutes Fußballspiel, sicher eines der besten dieser Saison, was die Kombination aus spielerischer Klasse, Tempo und Dramatik angeht. Arsenal gebe ich nur geringe Chancen für das Rückspiel. Es muss wohl ein Sieg im Camp Nou her und dazu müsste schon ein mittleres Fußballwunder passieren. Um die Abwesenheit Barcelonas Stamm-Innenverteidiger auszunutzen, muss erst einmal Barcas Dominanz am Ball ein Stück weit durchbrochen werden (oder eben über 90 Minuten konzentriert gegen die ballführenden Spieler gearbeitet werden, siehe Chelsea letztes Jahr, was aber überhaupt nicht Arsenals Ding ist). 65%-35% Ballbesitz, 533-265 erfolgreiche Pässe und 23-6 Torschüsse aus dem Hinspiel sprechen da eine eindeutige Sprache zu Ungunsten der Gunners. Ganz nebenbei sind die Ersatzleute Millito und Marquez ja auch keine Laufkundschaft. Ich schätze Arsenals Chancen auf ein Weiterkommen auf maximal 20%.

Jahre voller Lust (Teil 1) 3

Gepostet am 4. January 2010 von Tobias (Meine Saison)

Das Jahr 2010 ist da – die Nuller Jahre sind vorbei. Ein Jahrzehnt, das aus der grauen Fußballmaus Werder Bremen einen regelmäßigen Champions League-Teilnehmer machte. Ich habe mir aus jedem Jahr ein besonderes Spiel herausgepickt und paar Zeilen dazu geschrieben. So ist ein sehr persönlicher Rückblick auf die Dekade entstanden, den ich nun in drei Teilen hier im Blog veröffentlichen werde. Heute gibt es den ersten Teil.

23.3.2000: Werder Bremen – Arsenal FC 2:4

Thomas Schaafs erste richtige Saison als Werdertrainer markiert einen Wendepunkt in Werders Geschichte. Nach Rehagels Abgang war man in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zur grauen Maus mutiert und zeigte keine Anzeichen der Besserung. Schaaf gibt der Mannschaft eine offensive Grundausrichtung mit und fördert das Kreativspiel. Claudio Pizarro wird der Überraschungstransfer der Saison und bildet fortan mit dem schon als Fehleinkauf abgestempelten Ailton ein spektakuläres Angriffsduo. Für höhere Ambitionen fehlt es noch an der Konstanz, doch endlich sieht man in Bremen wieder Fußball, der zum Träumen anregt. Besonders im UEFA-Cup überzeugt Werder und rückt bis ins Viertelfinale vor.

Das Hinspiel hat Werder ziemlich chancenlos mit 0:2 verloren, doch es gibt Grund zur Hoffnung, als Arsenal London im Frühling 2000 zum Rückspiel ins Weserstadion kommt. In den Runden zuvor hat Werder in alter „Wunder-von-der-Weser“-Manier Hinspielpleiten im eigenen Wohnzimmer ausgebügelt – etwa gegen die damalige Klassemannschaft AC Parma (0:1, 3:1) und auch Olympique Lyon (0:3, 4:0). Gegen das Team von Arsène Wenger erwarteten die Fans nun eine erneute Aufholjagd. Doch viel zu früh wird klar, dass daraus an diesem Abend nichts werden soll. Schnell liegt Werder durch ein Tor von Ray Parlour hinten und als wiederum Parlour einen 35-Meter-Kracher in den Winkel hämmert, ist das Spiel entschieden. Doch damals ist das Anspruchsdenken in Bremen noch ein anderes. Die Bremer Anhänger unterstützen ihre Mannschaft weiterhin nach Leibeskräften und auch die Fans der Nord-Londoner sorgen für tolle Stimmung im Stadion. Werders Anschlusstreffer werden frenetisch bejubelt, die Sturmläufe – und die rote Karte – des jungen Thierry Henry mit offenem Mund bestaunt. Solchen Fußball bekommt man hier zu dieser Zeit nur selten zu sehen. Am Ende steht ein 2:4 als Ergebnis unter einem Fußballfest (mit einem Dreierpack des defensiven Mittelfeldspielers Parlour), das wohl jeden der anwesenden Zuschauer begeistert. Arsenal hat von diesem Tag an ein paar Sympathisanten mehr in der Hansestadt – diesen Autor mit eingerechnet.

17.2.2001: Werder Bremen – Schalke 04 2:1

Spektakulär ist eine Untertreibung, um Claudio Pizarros Tor gegen den Tabellenführer der Bundesliga zu beschreiben. Einen hohen, weiten Pass vom eigenen Strafraum pflückt der Peruaner mit dem Fuß nicht etwa bloß herunter, sondern tickt ihn so hauchzart und gefühlvoll an, dass er den Ball aus dem Lauf heraus Volley über den herauslaufenden Torwart Olli Reck ins Tor lupfen kann. Ein absolutes Meisterstück und sicherlich eines der schönsten Tore, die je im Weserstadion erzielt wurden. Dass es sich hierbei nicht um einen Zufall handelte, sondern Pizarros Klasse widerspiegelt, beweist der Peruaner mit 19 Toren in seiner zweiten und vorerst letzten Saison für Werder. Seine Leistungen wecken Begehrlichkeiten auf der anderen Seite der Republik und so wechselt Pizarro im Sommer 2001 für die stolze Summe von 16 Millionen DM nach München. Für die einen eine Katastrophe, den Weltklassemann ausgerechnet an die Bayern zu verlieren, für die anderen eine Bestätigung, dass man in Fußballdeutschland wieder ernst genommen wird.

Dazu hatte auch die ausgezeichnete Rückrunde der Bremer beigetragen, in der man neben dem späteren „Meister der Herzen“ auch den FC Bayern bezwingen kann. Wäre man in der Hinrunde ähnlich furios aufgetreten, hätte am Ende auch ein Platz in der Champions League winken können, denn selten holten die Topmannschaften der Liga so wenige Punkte. So bleib neben vielen schönen Toren von Pizza-Toni nur der undankbare 7. Platz (Platz 6 reichte damals für die UEFA-Cup-Teilnahme) und die Gewissheit, einen der besten Stürmer der Vereinsgeschichte verloren zu haben. Man muss es sich wirklich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Pizarro im Jahr 2010 erst seine vierte Saison für Werder spielt. Trotz seiner sechs Jahre bei den Bayern hat er in Bremen nie an Sympathie eingebüßt, was sicher nicht nur an seinen Leistungen auf dem Platz liegt.

10.9.2002: Werder Bremen – 1.FC Nürnberg 4:1

Nicht beständig genug. So lässt sich das Manko der Bremer knapp in Worte fassen. Trotz einer tollen Hinrunde mit Siegen gegen die Meisterschaftsanwärter Bayern und Bayer Leverkusen kann Werder 2002 den Platz in der Spitzengruppe nicht verteidigen. Dank gütiger Mithilfe aus Kaiserslautern sichert sich Werder am letzten Spieltag trotz einer Niederlage gegen den neuen Meister Borussia Dortmund zumindest einen UEFA-Cup-Platz. Selbstverständlich nicht, ohne vorher noch Zünglein an der Waage im Meisterkampf zu spielen, indem man unter äußerst glücklichen Umständen zu einem Auswärtssieg in Leverkusen kommt. Für die neue Saison sieht es nicht wirklich gut aus. Leistungsträger Torsten Frings ist zum Meister gewechselt und Torwart Frank Rost zu dessen Erzrivalen nach Schalke. Ironischerweise wechseln beide, um ihre Chancen auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu verbessern. Im Spätsommer 2002 fehlt Werder vor allem ein Spielgestalter. Jemand, der die Mannschaft inspirieren kann. Es scheint hoffnungslos, einen solchen Spieler zu verpflichten, denn das nötige Kleingeld dafür ist trotz der Abgänge nicht vorhanden. Dennoch wickelt Sportdirektor Allofs im September noch einen Transfer ab, für den er zu Recht bis heute gefeiert wird: Er holt den französischen Mittelfeldspieler Johan Micoud ablösefrei zu Werder.

Es dauert genau 90 Minuten, bis Bremen „König Johan“ zu Füßen liegt. Vom ersten Spiel an kann man die Aura eines Weltklassespielers spüren. Nicht, dass es bei Werder vorher keine ähnlich starken Spieler gegeben hätte, doch im Gegensatz zu Micoud wurden diese in Bremen zu solchen ausgebildet. Micoud hingegen scheint seit seiner Ankunft die gesamte Mannschaft mit seiner Genialität mitzureißen. Nie zuvor und leider auch (noch) nicht danach hatte Werder einen Spieler, mit dieser Fähigkeit, ein Spiel zu „lesen“, es vor sich auszubreiten und nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Neben diesen strategischen Fähigkeiten verfügt Micoud auch über die technischen Fähigkeiten, diese Spielweise auf dem Platz umzusetzen. Ein wirklicher Spielmacher eben, vielleicht der letzte klassische Spielmacher der Bundesliga. Zwar kann auch er Werder nicht auf Anhieb in die Bundesligaspitze hieven, dafür ist der erneute Leistungseinbruch nach der Winterpause zu groß, doch zum ersten Mal seit Andreas Herzog in seiner Glanzzeit hat Werder wieder einen richtigen Regisseur.

In den nächsten Tagen folgen der zweite (2003 – 2006) und der dritte Teil (2007 – 2009).

Adebayor’s “mindless and malicious stamp” 1

Gepostet am 15. September 2009 von Tobias (Meine Saison)

Man stelle sich bitte folgende Situation vor: Im August 2007 trifft Miroslav Klose mit seinem neuen Club FC Bayern auf seinen alten Werder Bremen. Bei den Bremer Fans ist Klose Ende der vergangenen Rückrunde unten durch und wird bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Dürfte niemandem schwerfallen, ist ja auch so passiert (auch wenn man sich an das Ergebnis des Spiels lieber nicht erinnert).

Man stelle sich nun weiterhin jenes Spiel vor. Es läuft die 71. Minute und Klose springt nach einem Zweikampf seinem am Boden liegenden ehemaligen Sturmpartner Ivan Klasnic mit den Stollen voraus aufs Gesicht. Klasnic bleibt blutend am Boden liegen. Der Schiedsrichter steht direkt neben dem Geschehen, hat eigentlich gute Sicht, erkennt dennoch keinen Regelverstoß. Kloses Körpersprache und die Zeitlupen legen jedoch nahe, dass es sich um eine absichtliche Tätlichkeit handelte.

10 Minuten nach diesem Vorfall erzielt Klose das vorentscheidende Tor für die Bayern. Euphorisiert sprintet er vom gegnerischen Fünfmeterraum bis zur eigenen Torauslinie und rutscht auf den Knien direkt vor die Ostkurve, um dort seinen Torerfolg zu “feiern”.

Wie hätten die Fans in der Ostkurve wohl reagiert? Wie hätten sich die Werderfans vor dem Fernseher gefühlt? Wie hättet ihr euch gefühlt?

Nun, diesen Vorfall hat es nie gegeben, ich würde ihn Klose trotz geringer Sympathie auch nun wirklich nicht zutrauen. Doch mithilfe dieses Beispiels kann man in etwa verstehen, wie sich die Fans des FC Arsenal gefühlt haben, als ihr früherer Spieler Emmanuel Adebayor genau das eben beschriebene tat.

Den Torjubel vor der Arsenal-Kurve gibt es hier zu sehen.

Adebayor ist ein sehr guter Stürmer und ein toller Fußballer. Aber es gibt einen Unterschied zwischen guten Spielern und großen Spielern. Ein großer Spieler tut nicht das, was Adebayor tat. Ein großer Spieler begibt sich nicht unterhalb des Niveaus von Kurvenfans. Ein großer Spieler hat zumindest ein Minimum an Respekt vor den Leuten, die jahrelang sein üppiges Gehalt finanzierten. Ein großer Spieler wäre einem Trainer wie Arsene Wenger, der ihn von der Ersatzbank des AS Monaco holte und zu einem der besten Stürmer der Welt formte, bis in alle Ewigkeit dankbar.

Ein großer Spieler wird Emmanuel Adebayor meiner Meinung nach nicht mehr werden.

Gino Basteri’s Live Blog: Manchester United – Arsenal FC 0

Gepostet am 29. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Gino Basteri’s Live Blog: Arsenal FC – Villareal CF 0

Gepostet am 15. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute jährt sich die Hillsborough-Katastrophe zum zwanzigsten Mal. Am 15. April 1989 starben im Sheffielder Hillsborough-Stadion 96 Menschen im Fanblock des FC Liverpool. Es überrascht daher nicht, dass Liverpool darauf bestand, nicht am heutigen Mittwoch in der Champions League antreten zu müssen. So schied man schon gestern in einem in jeglicher Hinsicht unglaublichen Spiel gegen den FC Chelsea aus.

Heute spielt hingegen Arsenal im Emirates Stadium gegen Villareal. Gino Basteri bloggt wieder einmal live von seiner Lieblingsmannschaft und lässt uns wissen, warum auch Arsenals Geschichte untrennbar mit der Hillsborough-Katastrophe verbunden ist: "Wie jeder Fußballfan, der Fever Pitch gelesen hat, weiß, war der 26. Mai 1989 der großartigste Tag aller Zeiten. In einem hervorragenden Artikel im Guardian zeichnet Jason Cowley die Geschichte von Arsenals Last-Minute-Titelgewinn, 6 Wochen nach Hillsborough nach. Unbedingt lesen!"

Ab kurz nach 20 Uhr ist Gino für euch da. Mit #Ginolive könnt ihr euch wieder von Twitter aus zu Wort melden.

Gino Basteri’s Live Blog: Villareal CF – Arsenal FC 0

Gepostet am 7. April 2009 von Tobias (Meine Saison)

Heute Abend versucht sich Gino Basteri an einer halbwegs neutralen Berichterstattung vom Champions League Viertelfinalhinspiel Villareal – Arsenal. Anstoß ist um 20:45, Gino beginnt mit seiner "Arbeit" wahrscheinlich schon etwas früher. Einen eigenen Hashtag bei Twitter hat der Gute nun auch: Mit #Ginolive könnt ihr euch von Twitter aus direkt ins Live-Blogg reinhacken.

Das Leben der Anderen (3): CL Achtelfinalhinspiele 0

Gepostet am 26. February 2009 von Tobias (Meine Saison)

Werder spielt erst Donnerstag im UEFA-Cup beim AC Milan. Das Spiel wird wie erwartet nicht im deutschen Fernsehen übertragen und auch nicht bei Werder.TV. Man muss also entweder auf Live-Streams hoffen oder mit der neunzig minütigen Liveübertragung im Radio vorlieb nehmen. Grund genug, sich mal auf den anderen Plätzen Europas umzuschauen. Die Champions League geht in die nächste Runde:

FC Arsenal – AS Rom 1:0

In der ersten Halbzeit war es ein Spiel, wie man es erwarten konnte: Arsenal mit viel Offensivkraft, viel Ballbesitz (so um die 65%) und auch durchaus mit guten Torchancen. Leider kamen auch die Schwächen im Torabschluss wieder zum Vorschein. Es gab Zeiten, da hätten die Gunners wesentlich mehr aus solchen Chancen gemacht. Das Spiel war typisch für Arsenal auf technisch hohem Niveau, aber auch sehr umständlich. Hätte Mexes kurz vor der Halbzeit nicht Robin Van Persie im Strafraum von den Beinen geholt, bin ich mir nicht sicher, ob die Londoner überhaupt ein Tor geschossen hätten. Der Niederländer verwandelte den Strafstoß selbst und sorgte für die verdiente Pausenführung. Rom war bis dahin nur sporadisch vor dem Arsenal Tor aufgetaucht, war dann aber immer gefährlich und hatte einige gute Chancen.

In Halbzeit zwei investierten die Römer mehr in das Spiel und verlagerten es etwas aus ihrer Hälfte heraus. Arsenal versuchte sich nun mehr an schnellen Gegenstößen, konnte aber aus den sich bietenden Chancen wieder nichts machen (Eboué! Bendtner). Rom hatte Probleme, das eigene Angriffsspiel aufzuziehen, verlor die Bälle spätestens 30 Meter vor dem Tor. So plätscherte das Spiel dann bis zum Abpfiff vor sich hin, vermutlich auch, weil beide Mannschaften mit dem Ergebnis leben können: Arsenal hat einen Vorsprung herausgeholt und kein Gegentor kassiert, Rom wird sich darüber freuen, dass man nur mit einem Tor unterschied verloren und so durchaus noch Chancen aufs Weiterkommen hat.

Weiterlesen →

Perverser Fußball? 0

Gepostet am 23. January 2009 von Tobias (Meine Saison)

Ich bin nicht sehr oft einer Meinung mit Uli Höneß. Noch wesentlich seltener bin ich einer Meinung mit seinem Bruder Dieter. In dieser Sache gebe ich ihm jedoch eindeutig Recht:

"Das ist pervers und ungesund für den Fußball", kommentierte der Hertha Manager den 20-Millionen-Euro-Transfer von Nigel De Jong zu Manchester City. Durch überhöhte Ablösezahlungen, wie auch das inzwischen abgelehnte 125.000.000 € Angebot für Kaka, würden "alle Marktgesetze aufgehoben."

Es gibt jedoch auch gegenteilige Stimmen, etwa von Matthias Sammer und Ottmar Hitzfeld, die in erster Linie das so zusätzlich in den Fußball fließende Kapital begrüßen. Dabei übersehen sie jedoch, dass dadurch auf der anderen Seite auch die Transferpreise steigen: Wird das zusätzliche Geld für Transfers ausgegeben, die deutlich über dem Marktwert liegen, fehlt der entsprechende Gegenwert und es kommt zur Inflation.

Es ist ja nun nicht so, dass der HSV oder Milan die hohen Einnahmen auf selbige Kante legen würden. Sie müss(t)en ja die abgegebenen Spieler ersetzen. Durch die zusätzlichen Millionen können sie dabei großzügig sein und bei Bedarf ebenfalls Preise über dem Marktwert bezahlen. Und Manchester City ist nicht der einzige Verein, der von reichen Investoren gefüttert und zum übermäßigen Geldausgeben verleitet wird.

Auf der anderen Seite wissen das auch deren Verhandlungspartner und versuchen bei Spielerverkäufen ein Extrasümmchen für sich herauszuschlagen. Dem ohnehin als überhitzt geltenden Transfermarkt wird so weiter Feuer unterm Hintern gemacht. Vereine, die bei dieser Ablösespirale nicht mitmachen wollen (oder können), bekommen zunehmend Probleme, gute Spieler zu verpflichten. Diese Erfahrung muss gerade auch der FC Arsenal machen, der nun nicht gerade zu den kleinen Fische gehört. Beim Versuch Andrei Arshavin nach London zu holen, werden ihnen von dessen Arbeitgeber Zenit St. Petersburg immer neue Steine in den Weg gelegt, um dadurch eine immer höhere Ablöseforderung durchzusetzen.

Man kann nun argumentieren, dass es im Zweifel ja die leichtsinnigen Geldgeber sind, die darunter leiden, wenn die entsprechenden Erträge für ihre Investitionen ausbleiben. Dabei leiden die zugehörigen Vereine letztendlich viel mehr. Sie werden durch das viele Geld künstlich aufgepumpt und ihnen dadurch jegliche wirtschaftliche Selbstständigkeit entzogen. Was passiert, wenn eine solche Blase platzt, muss derzeit der FC Chelsea feststellen (wo sich mein Mitleid trotzdem sehr in Grenzen hält).

Es ist schon erstaunlich, dass in einer Zeit, in der auch die Fußballvereine besorgt über die weltweite Finanz- und daraus resultierende Wirtschaftskrise sind, im Fußball genau die Fehler wiederholt werden, die überhaupt dazu geführt haben.

——————————————————

Update (26.1.09): Aktuelles Beispiel für die Kette übertriebener Ablösesummen: West Ham United hat soeben den deutschen U19-Nationalspieler Savio Nsereko von Brescia Calcio verpflichtet. Für knapp 11 Millionen Euro. Damit ist er der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Bei den Hammers soll er den Walliser Craig Bellamy ersetzen, der letzte Woche für 20 Millionen Euro zu – wem auch sonst – Manchester City wechselte…



↑ Nach oben