Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW



28. Spieltag: Tatsache 2

Gepostet am 29. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 4:2

“Mal wieder ein überzeugender und ungefährdeter Sieg, das wär’s”, dachte ich mir vor dem Spiel und freute mich zur Halbzeit noch darüber, dass Werder meinen Wunsch scheinbar erhört hatte. Der doppelte Mertesacker und Tim Borowski hatten für eine beruhigende 3:0-Führung gesorgt, die in der zweiten Halbzeit nur noch verwaltet werden wollte. Doch dann kam es mal wieder so, wie man es als Werderfan immer befürchten muss: Die Führung beruhigt auch die eigene Mannschaft, die daraufhin ganz ruhig und abgeklärt die Angriffe des Gegners über sich ergehen lässt. Woanders nennt man es Hühnerhaufen, bei uns hat es System. Erst als Nürnberg auf 2:3 herangekommen war, sah man sich genötigt, wieder etwas mehr in das Spiel zu investieren. So kann man natürlich Fußball spielen, die Bayern konnten das mal ganz exzellent, aber die haben dann auch entsprechend verteidigt und dem vom anrennen erschöpften Gegner irgendwann den Garaus gemacht.

Am Ende holte Werder trotz einer wiedermal sehr durchwachsenen (oder eher: wechselhaften) Leistung drei Punkte und steht nun besser da, als man es vor einem Monat noch erträumt hätte. Clemens Fritz machte in der Nachspielzeit alles klar, ein Feel-Good-Moment, nachdem zuvor Frings eine völlig absurde rote Karte gesehen hatte. In meinen Augen war das nicht mal ein Foul, geschweige denn ein absichtliche Handbewegung. Wie man es als Tätlichkeit sehen kann, ist mir wirklich schleierhaft. Aber ok, Schiedsrichter machen Fehler, alles nicht so wild, wenn denn die DFL der DFB den Arsch in der Hose hätte, die Sperre aufzuheben, die Frings heute mit Sicherheit bekommen wird. Kein Wunder, dass technische Hilfsmittel sich im Fußball nicht durchsetzen werden, wenn selbst am grünen Tisch bei einer Entscheidung, die nichts mit dem Spielgeschehen selbst zu tun hat, die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters über dem eindeutigen Fernsehbild steht. Das sind also die Fehlentscheidungen, die den Fußball ausmachen? Dann ist ja gut.

Übrigens ein Treppenwitz, dass Torsten Frings, der bei der WM 2006 aufgrund umstrittener Fernsehbilder nachträglich für das Halbfinale gesperrt wurde, nun trotz eindeutiger Fernsehbilder nicht nachträglich freigesprochen wird.

Im übrigen war es an diesem Spieltag sehr interessant, was auf den anderen Plätzen los war: Dortmund nur remis in Berlin, damit gibt es nun ein richtiges Verfolgerduell am nächsten Wochenende. Das Topthema war nach dem Spiel ein vermeintliches Abseitstor der Hertha, das nicht gegeben wurde und zu hitzigen Diskussionen über die Abseitsregel führte. Für mich ist die Entscheidung vertretbar, erst abzuwarten, ob Gekas aus seiner (zunächst passiven) Abseitsstellung einen Vorteil zieht und dann auf Abseits zu entscheiden. Der HSV patzt in Gladbach und Labbadias Tage scheinen mal wieder nach nur einer Saison gezählt. Die Bayern verlieren erneut und bleiben den Beweis schuldig, dass sie mit der Tabellenführung auch nur ansatzweise besser umgehen können, als ihre Konkurrenten. Schalke demontiert Bayer Leverkusen in deren eigenem Stadion und Felix Magath grüßt mal wieder von der Tabellenspitze. Im Weserstadion war Schalke schon richtig stark, aber das am Samstag war noch eine Nummer härter. Gut für uns, denn nun ist Leverkusen tatsächlich in Reichweite gerückt und ein Sieg in Dortmund würde uns alle Chancen lassen. Unser Restprogramm macht mich aber nur vorsichtig optimistisch, dass es noch etwas wird mit Platz 3.

Alles in allem war es ein Spieltag wie gemalt, auch wenn mein ursprünglicher Wunsch nach einem überzeugenden und ungefährdeten Sieg nicht in Erfüllung ging. Beim Blick auf die Tabelle mir das jedoch gerade ziemlich egal.

11. Spieltag: Begeistert 6

Gepostet am 2. November 2009 von Tobias (Meine Saison)

1. FC Nürnberg – Werder Bremen 2:2

Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Wissen wir. Hinten raus kam ein 2:2 in Nürnberg nach den bislang schlechtesten 55 Minuten der Saison. Trotzdem bin ich begeistert, was nicht nur an Halloween liegt.

Ich bin begeistert von einer Werdermannschaft, die in 35 Minuten eine (bis dahin mehr als verdiente) Niederlage abwendete.

Ich bin begeistert von Tim Wiese, der in der dritten Minute mit einer Harakiri-Aktion an Ball und Gegner vorbeisprang und so das erste Gegentor mitverschuldete, der sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen ließ, der Nervenstärke bewies und Werder mit einigen Klasseparaden im Spiel hielt.

Ich bin begeistert von Naldo und Mertesacker, die selten so schlecht harmonierten, sich teilweise sogar gegenseitig behinderten, etliche haarsträubende Fehler machten und in der Schlussphase trotzdem den Mut hatten, alles zu riskieren, den Weg nach vorne zu suchen, in der Gefahr, am Ende als noch größere Deppen dazustehen.

Ich bin begeistert von unseren Außenverteidigern, die an ganz schlimme Zeiten erinnerten, sich mehrfach überlaufen ließen und am Ende doch den Laden zusammen hielten, als die Viererkette aufgelöst wurde. Dazu eine Torvorbereitung per Flanke von Boenisch.

Ich bin begeistert von unserem Mittelfeld, das lange Zeit kein Bein auf den Boden bekam und kaum einen Pass zum eigenen Mann, das keinerlei Kontrolle übernehmen konnte, das dann jedoch das Spiel ankurbelte, das plötzlich sogar den Totalausfall von Mesut Özil vekraften konnte, das Nürnberg in der Schlussphase in deren eigenen Hälfte einschnürte.

Ich bin begeistert von Tim Borowski und Peter Niemeyer, die beide das Mittelfeld belebten, was ich vor allem bei letzterem nicht unbedingt erwartet hatte.

Ich bin begeistert von Mesut Özil, der mit Spielen wie gestern die Hoffnung weckt, dass man ihn doch noch langfristig an Werder binden kann.

Ich bin begeistert von unserem Angriff, der trotz des Ausfalls der Sturmpartner 1-4 von Marko Marin und trotz nur ganz weniger gelungener Offensivaktionen ackerte und versuchte, die Nürnberger Defensive zu beschäftigen.

Ich bin begeistert von Aaron Hunt, der uns den Punkt gerettet hat, der lange brauchte, um ins Spiel zu finden, der nach Rosenbergs Auswechslung in den Sturm ging und das tat, was Stürmer tun müssen, der nun sogar per Kopf trifft, der uns mit dem 2:2 in der Nachspielzeit jubeln ließ, als hätten wir das Spiel gewonnen, der den Ball mit der Brust herunterpflückt, ihn kurz auftrumpfen lässt, ihm mit dem Außenrist den nötigen Drall verpasst, ihn für den Torwart unerreichbar macht und direkt in den Knick trifft.

Ich bin begeistert von Thomas Schaaf, der den einzigen Vollblutstürmer vom Platz nahm, für ihn einen Mittelfeldspieler brachte, der den Mut hatte, mit Marin und Hunt in der Spitze spielen zu lassen, der nach dem Schlusspfiff somit alles richtig gemacht hatte, der dafür nicht in den Medien gelobt wird, wie van Gaal letzte Woche.

Ich bin begeistert, dass Werder selbst aus diesem absoluten Graupenspiel noch etwas zählbares mitgenommen hat, dass man sich zurück ins Spiel kämpfte, nicht darauf verweisen wollte, dass jede Serie irgendwann enden müsse und man halt mal einen gebrauchten Tag erwischt habe.

Ich bin begeistert von 17 ungeschlagenen Spielen in Serie, von einer Mannschaft, die am Samstag ihr schreckliches zweites Gesicht zeigte, das wir noch aus der Vorsaison kennen, die es jedoch nicht einfach hinnehmen wollte, sich dagegen aufbäumte und so vor allem die eigenen Dämonen vertrieb.

Ich bin begeistert, dass wir in dieser Saison endlich wieder träumen können.

Live-Blog: 1. FC Nürnberg – Werder Bremen 5

Gepostet am 31. October 2009 von Tobias (Meine Saison)

Nach dem das Crossposting mit ScribbleLive in den letzten Wochen meine Datenbank komplett verstopft hat, gibt es heute wieder ein eingebundenes Live-Blog im Extra-Fenster.



↑ Nach oben