Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW


Archiv für ‘Überflüssiges Gedankengut’


Wir Gutmenschen 5

Gepostet am 23. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Wir gucken Fußball.
Wir schalten den Fernseher an und irgendwann wieder aus.
Bevor Waldis WM-Club anfängt.
Oder wir gehen ins Stadion.
Bratwurst und Bier in einem Becher mit Spieleraufdruck.
Behalten oder Pfand zurück?
Wir gehen nie vor Abpfiff nach Hause.
Und auch danach tun wir es nur, weil dort jemand auf uns wartet.
Und sei es nur Waldis WM-Club.

Wir arbeiten.
Mal mehr, mal weniger.
Wir kommen pünktlich, gehen rechtzeitig, weil bald das Spiel anfängt.
Wir müssen die Vorberichterstattung sehen, obwohl uns die Aufstellungen seit Tagen ins Hirn gebrannt sind.
Wir arbeiten den Stapel Papier auf unserem Schreibtisch ab.
Ein Blatt nach dem anderen.
Wir kritzeln unsere Wunschformation auf ein leeres Blatt Kopierpapier.
Wir malen Pfeile und bunte Kringel.
Das Blatt landet im Aktenvernichter.
Wir basteln uns aus 2-Cent-Münzen eine Viererkette.

Wir gehen in die Kirche.
Warum wissen wir nicht.
Wir zünden Kerzen an und spenden.
Wir spenden für die Opfer der letzten Naturkatastrophe in einem Land, das uns fremd ist.
Das Fernsehen zeigt die Bilder.
Es ist schrecklich.
Wir fühlen uns schuldig, weil es uns doch eigentlich so gut geht.
Das halbnackte Kind mit dem abgerissenen Arm begleitet uns vor dem inneren Auge.
Bis das Spiel losgeht.
Wieder sehen wir schmerzverzerrte Gesichter.
Schwalbe!

Wir schützen die Umwelt.
Im Rahmen unserer Möglichkeiten.
Windenergie.
Pakete werden nur noch CO2-neutral verschickt.
Wir kennen unseren Carbon Footprint.
Man kann viel Wasser sparen, wenn man beim Einseifen die Dusche ausmacht.
Wir lassen das Auto mal stehen.
Ins Stadion fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Einen Parkplatz bekommt man sowieso nicht und das Ticket gilt als Fahrkarte.
Die Straßenbahn ist in unserer Hand.
Wer nicht hüpft, der ist kein Bremer.

Wir machen uns Sorgen um die Zukunft.
Reicht das Geld im Alter?
Besser noch einen zweiten Rentenvertrag abschließen.
Oder doch lieber im Heute leben, weil morgen alles zu spät ist?
Alles wird teurer.
Eine kleine Tasse Kaffee für 2 Euro.
Wir kaufen ihn lieber im Fair Trade Laden und kochen ihn selbst.
170 Euro für die billigste Dauerkarte.
Begleitperson eines Rollstuhlfahrers müsste man sein.
Wer Spitzenfußball sehen will, muss Opfer bringen.

Wir kümmern uns um unsere Mitmenschen.
Wir haben eine Schwäche für die Schwachen.
You’ll never walk alone.
Wir sind sozial.
Großverdiener sind uns suspekt.
Und erst diese Banken!
Aber Sozialschmarotzer wollen wir auch nicht finanzieren.
Viele versuchen es ja gar nicht mehr, kleben nur noch vor der Glotze.
Schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission.
So geht Bank heute.

Wir fühlen uns schlecht, weil wir mehr tun könnten.
Wir könnten noch einen Euro mehr spenden.
Einen Liter Wasser mehr sparen.
Wir könnten noch öfter auf dem Wochenmarkt einkaufen, statt bei Aldi.
Obwohl wir nicht reich sind fehlt es uns an nichts.
Wir schämen uns, weil wir so undankbar sind.
Ein bisschen mehr Menschlichkeit für unsere Welt.
Seid fair zum 23. Mann.
Ich bremse auch für Bayernfans.

Wir machen uns Gedanken über die Probleme dieser Welt.
Und über den nächsten Gegner im Pokal.
Wir sind überall mit dabei, aber drehen uns um uns selbst.
Wir sind Fußballfans.
Wir können nichts dafür.

Die Glaskugel 2011 3

Gepostet am 20. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Vor Saisonbeginn treffe ich hier regelmäßig wilde Vorhersagen, wie die Spielzeit laufen wird. Wäre meine Trefferquote dabei nicht so absurd schlecht (Hoffenheim als Vizemeister 2010), könnte ich mich mit Fug und Recht als Krakenorakel der Fußballblogger bezeichnen. So muss ich mich hinter Paul in die Reihe der niederen Weichtiere einreihen. Meine Saisonvorschau 2011 möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten:

Die Abschlusstabelle

  1. Bayer Leverkusen – Richtig gelesen. Bayer macht es dieses Jahr mal anders herum und hält sich über weite Strecken der Saison auf den Plätzen 2 – 4 auf. Am 31. Spieltag holt sich Leverkusen dann die Tabellenführung und gibt sie zum Erstaunen aller Beobachter nicht mehr ab.
  2. Werder Bremen – Spielt eine starke Saison, muss zum Ende aber mal wieder der Mehrfachbelastung Tribut zollen. Werder schafft es in der Champions League bis ins Achtelfinale und spielt beflügelt durch diesen Erfolg eine starke Rückrunde. Leider wird man kurz vor Schluss von Leverkusen überholt und steht mit leeren Händen da.
  3. Bayern München – Eine Saison zum Vergessen für den Rekordmeister. Eigentlich sieht trotz großen Verletzungspechs lange alles gut aus (Herbstmeisterschaft), doch dann kommt das Aus im Champions League Viertelfinale gegen Barcelona und mehrere unnötige Punktverluste gegen kleinere Gegner. Am Ende reicht es deshalb nur zu Platz 3 und einem erneuten Sieg im DFB-Pokal.
  4. Borussia Dortmund – Der BVB kann den Aufwärtstrend der letzten beiden Jahre fortsetzen und etabliert sich in der Spitzengruppe. Erst im letzten Drittel kann man nicht mehr mithalten, erreicht dank der schwächelnden Konkurrenz aber einen sicheren Platz in der Europa League.
  5. Hamburger SV – Einer starken Hinrunde (Platz 2) folgt – wie könnte es auch anders sein – eine durchwachsene Rückrunde mit vielen kleineren und größeren Rückschlägen. Der HSV rettet die Saison mit dem 5. Platz, doch Armin Veh steht zu Beginn der Sommerpause intern heftig in der Kritik. Mal wieder ein bewegter Sommer in der Hansestadt.
  6. VfL Wolfsburg – Der VfL wollte eigentlich an die Erfolge unter Felix Magath anknüpfen, doch trotz hochpreisiger Neuverpflichtungen kommen die Wolfsburger nicht richtig aus den Startlöchern. Ein sechster Platz, der diesmal nicht fürs internationale Geschäft reicht, ist das Ergebnis einer enttäuschenden Saison.
  7. Schalke 04 – Schalke nur auf Platz 7? Trotz ansehnlicher Spielweise stolpert Schalke schon zu Beginn der Saison einige Male und droht den Anschluss zu verlieren. In der Rückrunde kommt es zum Eklat zwischen Trainer und den verfeindeten Grüppchen im Team. Magath gibt daraufhin seinen Rücktritt bekannt. Feuerwehrman Klaus Toppmöller holt am Ende nur einen 7. Platz heraus.
  8. VfB Stuttgart – Die Schwaben mit einem 5. Platz im Winter in Lauerstellung. Leider bleibt dir traditionell gute Rückrunde diesmal aus und Stuttgart versinkt im Mittelfeld der Liga. Den internationalen Wettbewerb sichert man sich durch den Einzug ins Pokalfinale jedoch trotzdem.
  9. 1. FC Kaiserslautern – Überraschungsaufsteiger ohne zu glänzen. Kaiserslautern kämpft sich im letzten Saisondrittel aus dem Abstiegskampf ins gesicherte Mittelfeld. Nicht mehr, nicht weniger.
  10. 1899 Hoffenheim – Hoffenheim beendet die Ära Rangnick im Niemandsland der Tabelle. Nach einer erneut durchwachsenen und spielerisch selten überzeugenden Saison kommt Dietmar Hopp zu dem Entschluss, dass ein Trainer von Weltformat her muss. Rangnick wird daraufhin Nachfolger von Matthias Sammer, der nach wüsten Beschimpfungen gegen Löw und Bierhoff seinen Posten als Sportdirektor beim DFB räumen muss.
  11. 1. FC Köln – Viva Colonia, der sympathische Karnevalsverein aus dem Rheinland hat den Poldi-Blues. Der Nationalspieler kann erneut nicht an seine Form in der Nationalmannschaft anknüpfen. Dennoch zeigen sich die Kölner spielerisch verbessert und holen sich am Ende einen gesicherten Mittelfeldplatz. Für Kölner Verhältnisse ein akzeptables Ergebnis, fürs Selbstbild mindestens zehn Plätze zu schlecht.
  12. FSV Mainz 05 – Der zweite Karnevalsverein erlebt im Winter seine größte Krise seit dem Wiederaufstieg. Trainer Tuchel erweist sich jedoch auch in dieser Zeit als Klopp-Nachfolger und führt die Mainzer noch rechtzeitig aus dem Keller.
  13. FC St. Pauli – Kampf, Leidenschaft und noch mal Kampf. St. Pauli rückt von den eigenen Idealen nicht ab, vernachlässigt aber das spielerische Element, das in der letzten Saison noch für den Aufstieg sorgte. Diese Umstellung macht die Spieler der Hamburger nicht attraktiv, aber sichert letztlich den Klassenerhalt in Liga 1.
  14. Borussia Mönchengladbach – Der guten Frühform (8 Punkte nach 5 Spielen) folgt eine katastrophale Hinrunde, die auf Platz 18 abgeschlossen wird. Zwar gelingt am Ende durch einen Kraftakt noch der Klassenerhalt, doch die schwache Saison des auf dem Papier eigentlich starken Kaders gibt den Verantwortlichen zu denken.
  15. Eintracht Frankfurt – Die Eintracht befindet sich am 30. Spieltag plötzlich im Abstiegskampf. Warum weiß keiner. Heimlich still und leise waren die Hessen, die zwischenzeitlich sogar am oberen Tabellendrittel anklopften, bis auf Platz 15 abgerutscht. Diesen Platz kann man zum Glück verteidigen…
  16. 1. FC Nürnberg – …weil Nürnberg gerne wieder in die Relegation möchte. Die Nürnberger spielen eine konstante Saison, liegen an 27 von 34 Spieltagen auf Platz 16. Der Klassenerhalt wird diesmal erst in der Verlängerung gegen Union Berlin perfekt gemacht, was den Jubel beim Relegationsmeister jedoch nicht trübt – ganz im Gegenteil.
  17. Hannover 96 – Frust in Hannover. Kaum ist die eine schlimme Saison vorbei, fängt die nächste schlimme Saison an. Zwar bleiben dem Verein persönliche Tragödien dieses Mal erspart, aber dafür sieht es sportlich noch schlechter aus. Am Ende steht der Abstieg, gegen den selbst die Verantwortlichen keine guten Argumente mehr finden.
  18. SC Freiburg – Die Wundertüte aus dem Breisgau. Leider reicht es diese Saison hinten und vorne nicht. Spielerisch ganz nett, aber nicht gut genug, um in der Bundesliga richtig mithalten zu können. Wir freuen uns aber schon auf den nächsten Besuch in der Bundesliga, denn der kommt bestimmt.

Aufsteiger

  1. Hertha BSC – Wie konnte das eigentlich passieren mit dem Abstieg letztes Jahr? In Berlin weiß es nach einer überzeugenden Saison in der 2. Liga keiner mehr. Schon bald ist die Hertha wieder im internationalen Geschäft dabei, oder etwa nicht?
  2. Arminia Bielefeld – Das Team aus der Stadt, die es auch bei Google Streetview nicht gibt, steigt zum elfzehnten Mal auf. Freuen wir uns also auf mindestens neun weitere Monate Erstligafußball der Arminia.
  3. Union Berlin – Wie eben schon erwähnt hat Union Berlin in diesem Jahr die Arschkarte gezogen und scheidet gegen Nürnberg in der Relegation aus. Während die Nürnberger sich mehrere Monate auf die anstehenden Spiele vorbereiten konnte, musste Union bis kurz vor Schluss um den dritten Platz kämpfen. Das Leben ist ungerecht.

Torschützenkönig

  1. Ruud Van Nistelrooy - Van the Man wird zu Van ze German. 20 Tore reichen dem Stürmer zum Gewinn der Torjägerkanone. Von Altersmüdigkeit keine Spur.
  2. Patrick Helmes – Jedes Jahr die gleiche Leier, der beste deutsche Torschütze wird von Löw nicht ausreichend berücksichtigt. Mit seinen 18 Saisontoren schießt Helmes immerhin seine Mannschaft zum Titel.
  3. Claudio Pizarro und Edin Dzeko – Zu beiden gibt es nicht mehr viel zu sagen. Pizza liefert in Bremen beständig seine Tore und Dzeko untermauert in einer schwachen Wolfsburger Mannschaft seine Wechselambitionen zu einem europäischen Spitzenverein.

Let’s talk business… 2

Gepostet am 14. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Betrachtet man den Fußball und insbesondere die Vertragsverhandlungen zwischen Spielern (bzw. deren Beratern) und Vereinen von einer rein geschäftlichen Seite, dann erhält man ein ziemlich unromantisches Bild. Dann geht es eben um Angebot (an spielerischen Fähigkeiten, Entwicklungs- und Vermarktungspotenzial) und Nachfrage (seitens der Vereine). Dann gibt es eben einen Markt für Fußballspieler, auf dem alle Akteure nach dem für sie größten Nutzen suchen. Dann unterscheidet sich der individuelle Nutzen eines Spielers eben häufig von dem seines Arbeitgebers und erst recht von dem eines Fans.

Das Verhältnis zwischen Spieler und Verein manifestiert sich dann eben in einem befristeten Arbeitsvertrag, an dessen Ende es keinerlei Verpflichtungen beider Seiten mehr gibt. Seit dem Bosman-Urteil wurde die Position der Spieler deutlich gestärkt, da nun das Prinzip der freien Arbeitsplatzwahl gilt und abgebende Vereine nach Vertragsende keine Ablöseforderungen mehr stellen dürfen. In Hinblick auf die Liberalisierung der europäischen Arbeitsmärkte eine folgerichtige Entscheidung, die auf den Profifußball jedoch weitreichende Auswirkungen hatte, die längst nicht von allen als positiv angesehen werden. Doch das ist ein Thema für sich.

Die Verpflichtung eines Spielers ist für einen Verein als Wirtschaftsunternehmen deshalb mehr denn je zu einem Investment geworden. Nehmen wir hier ruhig einmal Werders Verpflichtung von Mesut Özil zur Verdeutlichung: Werder hat ihn im Winter Januar 2008 für 4,25 Millionen Euro von Schalke gekauft und mit ihm einen 3 1/2 Jahresvertrag abgeschlossen. Zu den 4,25 Millionen kommen noch Handgelder, Gehälter und Prämien, die zusammen die Gesamtkosten der Investition bilden. Diesen Kosten stehen die Erlöse gegenüber, die sich für Werder mit Özil in diesen 3 1/2 Jahren erwirtschaften lassen. Neben den Einnahmen aus der Vermarktung des Spielers (z.B. Merchandising und Ticketverkäufe) sind das vor allem die Einnahmen, die Werder durch sportliche Erfolge erzielt. Diese lassen sich im Mannschaftssport Fußball wiederum nur schwer einem einzelnen Spieler zurechnen. Die Berechnungen basieren deshalb immer auf einer gewissen Unsicherheit. Hier wird mit Wahrscheinlichkeiten kalkuliert. Ein vielleicht etwas übertriebenes Beispiel: Wie wahrscheinlich ist eine Champions League Teilnahme mit Özil und wie wahrscheinlich ohne (wohl gemerkt im Januar 2008, nicht im August 2010)? Bleibt nach Berücksichtigung aller Kosten und Erträge unter dem Strich etwas übrig, amortisieren sich die Anschaffungskosten über die Laufzeit, dann ist das Investment für den Verein lohnenswert. Im Fall Özil hat es Werder also als lohnenswert erachtet.

Im Unterschied zur Investition in bspw. eine Maschine gibt es bei Profifußballern einen großen Unterschied: Der Fußballer kann zum Ende der Laufzeit nicht mehr verkauft werden. Bei einer Maschine gibt es in der Regel einen Restwert, der sich schon Jahre vorher einigermaßen gut abschätzen lässt. Der Anschaffungswert Mesut Özils (4,25 Millionen) muss also über die Vertragsdauer komplett abgeschrieben werden. Im Sommer 2011 beträgt der Restwert des Spielers 0. Bei linearer Abschreibung beträgt er in diesem Sommer somit noch rund 1,2 Millionen Euro – zumindest in Werders Büchern. Dies entspricht aber natürlich nicht dem tatsächlichen Marktwert des Spielers, der bei Mesut Özil (laut transfermarkt.de) derzeit 27 Millionen Euro beträgt. Müsste Werder den Spieler nun in einem Jahr kostenlos abgeben, dann hätte man doch Verlust gemacht, oder?

Zumindest auf dem Papier stimmt das nicht, denn in Werders Büchern ist Özil in einem Jahr tatsächlich nichts mehr wert. Dies wird schon bei Abschluss des Vertrags berücksichtigt und entsprechend kalkuliert. Eine etwaige Wertsteigerung des Spielers als zukünftige Einnahme mit in die Kalkulation aufzunehmen ist sehr risikoreich, wenn auch sicher nicht ganz ungewöhnlich im Fußballgeschäft. In diesem Fall ist man unbedingt auf einen Wiederverkauf (bzw. eine vorzeitige Vertragsverlängerung) angewiesen, um keinen Verlust zu erleiden. Erfüllt der Spieler nicht die sportlichen Erwartungen, verliert der Verein dann sogar doppelt: Zunächst zieht er weniger sportlichen (und damit finanziellen) Nutzen aus dem Spieler selbst und dann entwickelt sich der Marktwert auch noch schlechter als angenommen, sprich: Die Transfereinnahmen sind geringer, bzw. fallen unter Umständen ganz weg, wenn der Spieler bis zum Ende der Vertragslaufzeit bleibt.

Deshalb tun seriös wirtschaftende Vereine gut daran, solche spekulativen Kalkulationen zu unterlassen und tatsächlich vom Restwert 0 auszugehen. Werder ist zwar immer wieder auf Transfererlöse angewiesen, um finanziell mit den deutschen Topvereinen mithalten zu können, gilt aber als vorsichtig, wenn es um die Schätzung zukünftiger Einnahmen geht. Gehen wir also davon aus, das Werder dies im Fall Özil so gemacht hat, dann haben wir nun die folgende Situation: Verkauft Werder Özil in diesem Sommer für mehr als 1,2 Millionen Euro, dann haben sie auf dem Papier Gewinn gemacht. Allerdings hat Özil für Werder in der kommenden Saison einen Wert, der weit darüber hinaus geht. Diesen (geschätzten) Wert, abzüglich der Gehälter und Prämien, müsste Werder für Özil in diesem Sommer bekommen, um ihn tatsächlich gewinnbringend verkaufen zu können. In dieser Kalkulation spielt auch der Wiederbeschaffungswert eine Rolle: Wie schwierig und teuer ist es, einen Ersatz auf dem Transfermarkt zu beschaffen? Sportliche Überlegungen fließen ebenfalls mit ein, etwa die Frage, ob der Spieler durch einen anderen, bereits unter Vertrag stehenden Spieler ersetzt werden kann.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ein akzeptabler Preis für Werder weit oberhalb der 1,2 Millionen Euro liegt, aber auch unterhalb der (geschätzten) 27 Millionen Euro Marktwert. Dies ist auch den interessierten Vereinen klar, weshalb es schwierig werden könnte, eine Ablösesumme zu erreichen, die von den Fans als angemessen erachtet wird. Ein Manager muss mit diesem Spannungsfeld umgehen können, einerseits wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen und andererseits die Erwartungen der Fans nicht zu enttäuschen. Nicht zuletzt haben seine Entscheidungen auch Einfluss auf die Reputation bei zukünftigen Verhandlungspartnern. So kann es in manchen Fällen durchaus sinnvoll sein, selbst bei finanziell lohnenswerten Angeboten mit der Faust auf den Tisch zu hauen und einen Transfer zu verweigern. Allerdings läuft man dabei auch Gefahr, dass der Bluff auffliegt und man am Ende mit leeren Händen dasteht.

Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

  1. Bei Spielertransfers ist die Formel Verkaufspreis – Einkaufspreis = Erlös viel zu kurz gedacht. Auch meine Beispiele sind schon stark vereinfacht und berücksichtigen viele zusätzliche Einflussfaktoren nicht (vertragliche Sondervereinbarungen, komplizierte Verteilung der Transferrechte, unterschiedliche Finanzierungsformen etc.).
  2. Im Fall Özil ist Werders Situation längst nicht so schlecht, wie sie von vielen dargestellt wird. Auch ohne Verkauf in diesem Sommer wird man an der Personalie Özil ganz sicher keinen Verlust gemacht haben. Ein Verkauf ist daher nicht zwingend notwendig. Interessant wird es jedoch, wenn man die Opportunitätskosten in die Rechnung mit einbezieht, also die entgangenen möglichen Einnahmen, wenn man Özil nächstes Jahr ablösefrei gehen lassen muss.
  3. Spieler und Vereine verfolgen egoistische Motive, die in manchen Fällen nicht kompatibel sind. Die Beziehung untereinander ist eine Zweckgemeinschaft, die solange aufrecht erhalten wird, wie beiden davon ausreichend profitieren. Für den Spieler ist sein Verein nur einer von vielen möglichen Arbeitgebern. Für den Verein sind seine Spieler Humankapital, das gekauft, gehalten, abgestoßen oder verkauft werden kann.

Das klingt alles nicht wirklich nach dem Fußball, den sich die meisten Fans vorstellen oder zumindest wünschen. Diese nüchterne Betrachtungsweise hat auch wenig mit dem Erleben eines Fans zu tun. Was jedoch auffällt ist die Art und Weise, wie selektiv Kritik an bestimmten Ausprägungen dieser Entwicklung genommen wird, während andere als völlig normal akzeptiert werden. Kein Fan beschwert sich über die Einnahmen seines eigenen Vereins aus Spielerverkäufen, denn dieser darf ganz selbstverständlich seine wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund stellen. Tut dies jedoch ein Spieler, sei es durch hohe Gehaltsforderungen oder einen Wechsel aus finanziellen Gründen, wird das Verhalten nicht nur nicht akzeptiert, sondern sogar als moralisch verwerflich angesehen. Diese Sichtweise ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Interessen des Vereins sich (im Gegensatz zu den Interessen einzelner Spieler) weitgehend mit den Interessen der Fans dieses Vereins decken.

Ein erhobener Zeigefinger ist deshalb wenig hilfreich, schließlich sind auch die Fans in ihrer Liebe und Hingabe zu ihrem Verein Teil des Fußballgeschäfts und ermöglichen dieses als solches erst. Trotzdem kann es sicher nicht schaden, sich seinen eigenen (egoistischen) Motiven bewusst zu werden, bevor mit der Moralkeule auf gewisse Spieler eingedroschen wird – nicht nur im Interesse dieser Spieler, sondern vor allem auch des eigenen Vereins.

Auf eine erfolgreiche grün-weiße Saison ohne Buhrufe gegen eigene Spieler!

Immer wieder Sky 6

Gepostet am 5. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Wie schon erwähnt habe ich seit einiger Zeit Probleme mit Sky Deutschland, da sich das Unternehmen nicht an die telefonisch getroffenen Vereinbarungen halten will. Am 17. Juni habe ich eine Beschwerdemail an Sky geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe vor einigen Tagen einen neuen Vertrag mit Ihnen abgeschlossen, basierend auf einem Sonderangebot für alte Premiere-Kunden. Es sollten für 32,90 € pro Monat die Pakete Sky Welt + Sport + Sky Welt Extra sowie zusätzlich Sky Bundesliga freigeschaltet werden. Letzteres fehlt jedoch in dem Bestätigungsschreiben, das ich heute von Ihnen erhalten habe. Die Sky Bundesliga Kanäle funktionieren bislang auch nicht.

Außerdem wurden letzte Woche 99 Euro Aktivierungsgebühr von meinem Konto abgebucht. Ich habe diese Abbuchung storniert und bin auch nicht bereit diese Gebühr zu zahlen, da mir Ihre Mitarbeiterin am Telefon auf Nachfrage zugesichert hat, dass keine Aktivierungsgebühren anfallen.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese beiden Punkte korrigieren könnten und das fehlende Paket so bald wie möglich freischalten.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Singer

Ganze vier Wochen später, am 13. Juli, erhielt ich eine Antwort vom sogenannten Kundenservice des Unternehmens:

Sehr geehrter Herr Singer,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort.

Wir haben Ihr Anliegen geprüft und Ihren Vertrag umgestellt. Dieser beinhaltet die Pakete Sky Welt, Sky Welt Extra und Sky Fußball Bundesliga für monatlich 32,90 Euro und Ihre Vertragslaufzeit startete am 28. Mai 2010 für ein Jahr. Als besonderes Angebot schenken wir Ihnen zwölf Monate das Sport Paket, welches am 31. Mai 2011 automatisch ausläuft. Wir bedauern, dass es zu einem Missverständnis kam. Sie erhalten in den kommenden Tagen nochmals eine Bestätigung per separater Post.

Da Sie sich für einen neuen HD-Receiver zur kostenlosen Leihe entschieden haben, berechneten wir im Rahmen unserer zu derzeit aktuellen Angebote eine einmalige Aktivierungsgebühr in Höhe von 99 Euro zuzüglich 7,50 Euro Versandkostenpauschale. Eine Gutschrift ist hierfür leider nicht möglich.

Wir bedanken uns für Ihre Geduld und wünschen Ihnen nun wieder viele besondere Momente mit Sky.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Sky Team

Der erste Teil ist soweit ok, wobei ich mich schon frage, warum Sky wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ich für die 6 Wochen, in denen das Bundesliga-Paket nicht freigeschaltet war, den vollen Monatsbeitrag zahle. Beim zweiten Abschnitt hat es mir hingegen die Sprache verschlagen! Mit keinem Wort wird zu meiner Beschwerde Stellung genommen. Es war telefonisch explizit vereinbart, dass KEINE Aktivierungsgebühr anfällt. Und die Antwort ist: Eine Gutschrift (sic!) ist hierfür leider nicht möglich.

Auf das Schreiben habe ich umgehend reagiert, den Sachverhalt erneut geschildert und mit Anwalt gedroht, falls Sky weiterhin ungerechtfertigte Forderungen stellt. Bislang kam auch hierauf keine Antwort. Vier Wochen scheint dort wohl die übliche Bearbeitungsdauer bei Beschwerden zu sein. Stattdessen buchte Sky nun gestern erneut Monatsbeiträge + Versandkosten + Aktivierungsgebühr + Servicegebühr von meinem Konto ab. Nun darf ich also zum zweiten Mal die Lastschrift stornieren und werde bei der Gelegenheit gleich ein Schreiben aufsetzen, dass Sky alle zukünftigen Abbuchungen untersagt. Merke: Ohne Anwalt wird man bei Sky nicht ernst genommen.

Das versteht dieses Unternehmen also unter den “vielen besonderen Momenten mit Sky”.

Quatsch mit Sosa 3

Gepostet am 1. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Sommerpause, Nach-WM-Kater, Vorbereitungszeit. Alles irgendwie nicht schön für den gemeinen Fußballfan, der nach seiner wöchentlichen Dosis lechzt. Aus diesem Grund gibt es Wettbewerbe wie den LIGA total!™ Cup©®. Testspiele sind für die Saisonvorbereitung natürlich wichtig und da ist es doch umso schöner, wenn man ein paar namhafte Teams gegeneinander antreten lässt. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass mit ein Spiel gegen Schalke oder Bayern besser gefallen würde, als eine 1:2-Testspielniederlage gegen Szombathelyi Haladás. Trotzdem machen die von Sat.1 übertragenen Spiele des besagten sog. Blitzturniers vielmehr deutlich, was mir momentan fehlt, als dass sie diese Lücke zumindest ansatzweise ausfüllen. Als Ersatzdroge verfehlen sie eindeutig ihren Zweck.

Bayerntrainer Louis van Gaal würde sicherlich auch lieber auf das Turnier verzichten, als mit einem Team ohne die urlaubenden WM-Teilnehmer für ein paar Extraeinnahmen zwei halbwegs von der Öffentlichkeit beachtete Spiele auszutragen. Ein ernsthafter sportlicher Test ist es jedenfalls nicht. Wenigstens bleiben den Bundesligateams die Strapazen einer Nordamerika- oder Asienreise aus Vermarktungsgründen erspart, die englische und spanische Spitzenvereine in der Sommerpause durchmachen.

Normalerweise lassen sich solche Nicht-Events ganz einfach ignorieren, aber der Mangel an echtem Fußball verändert auf Dauer die Wahrnehmung. Deshalb: Schluss mit dem Vorgeplänkel, ich möchte Bundesliga, Pokal, CL-Quali!

Unsere Kaderstruktur 7

Gepostet am 31. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Ein kleines Experiment. Ich habe für alle Spieler aus Werders aktuellem Kader das Alter und die Anzahl der Bundesligaspiele gegenübergestellt und in einem Streudiagramm abgebildet. Dann habe ich eine Trendlinie eingefügt, um zu sehen wo in etwa der Soll-Wert liegt. Das Ergebnis ist eine schnuckelige, kleine Infografik*:

Anklicken zum Vergrößern

Anhand des Ergebnisses habe ich die Spieler in fünf Kategorien eingeteilt:

Nachwuchsspieler (Alter 18-23, unterdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Felix Kroos, Florian Trinks, Lennart Thy, Felix Wiedwald, Pascal Testroet, Onur Ayik, Marko Arnautovic, Sebastian Miellitz, Niklas Andersen, Timo Perthel, Said Husejinovic, Sandro Wagner, José-Alex Ikeng, Dominik Schmidt, Sebastian Prödl, Philipp Bargfrede.

Keine Überraschungen. Bargfrede liegt knapp über dem Strich, hat aber erst eine Saison als Profi absolviert. Wird er in der kommenden Saison weiter regelmäßig eingesetzt, rückt er zu den “Senkrechtstartern” vor. Prödl liegt dagegen knapp unter dem Strich. Die kommende Saison ist bei ihm entscheidend: “Mitläufer” oder “Leistungsträger”? Arnautovic und Wagner zählen als junge Neuzugänge ebenfalls in diese Kategorie.

Senkrechtstarter (Alter 18-23, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Marko Marin, Mesut Özil, Sebastian Boenisch, Aaron Hunt.

Der Name Boenisch überrascht vielleicht einige, doch der 23-Jährige spielt regelmäßig und liegt deutlich über den Strich.

Leistungsträger (Alter 24-29, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Per Mertesacker, Hugo Almeida, Naldo, Tim Wiese, Clemens Fritz.

Almeida und Fritz liegen nur knapp über bzw. unter dem Strich. Da sie schon lange bei Werder sind und regelmäßig spielen, zähle ich sie noch zu den Leistungsträgern.

Häuptlinge (Alter 30+, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Tim Borowski, Claudio Pizarro, Torsten Frings.

Frings hat mit Abstand die meisten Bundesligaspiele absolviert. Borowski muss sich steigern, um nicht bald zum “Mitläufer” zu verkommen.

Mitläufer (Alter 24+, unterdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Peter Niemeyer, Markus Rosenberg, Petri Pasanen, Christian Vander, Daniel Jensen.

Rosenberg kratzt von den genannten am ehesten an der Grenze zum Leistungsträger. Nach den letzten beiden Jahren eigentlich ein Witz. Jensen und Niemeyer auch aufgrund von Verletzungen weit unten.

—–

* Zur Klarstellung: Die Einteilung der Kategorien ist willkürlich anhand vorher festgelegter Kriterien. Die Daten sind nur auf Werder Bremen bezogen, die Trendlinie gibt also keine Durchschnittswerte der Bundesliga wieder. Die ausschließliche Berücksichtigung von Bundesligaspielen ist ebenfalls willkürlich und benachteiligt Spieler wie Niemeyer, Jensen oder Pasanen, die viele Spiele im Ausland bestritten haben. Andererseits wäre es auch Quatsch, Spiele in bspw. der dänischen Superliga mit Bundesligaspielen gleichzusetzen. Hier wird aber auch kein wissenschaftlicher Anspruch gestellt. In erster Linie geht es um eine Überprüfung subjektiver Einschätzungen zu unseren Spielern. Datenquelle: werder.de

“Meine Saison” Leser stellen sich vor 12

Gepostet am 22. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Lachen oder weinen? Ganz eindeutig lachen!

Da schreibt man einen an sich neutralen, aber die Ansichten mancher Fans kritisierenden Artikel über Mesut Özil, der im Werder-Forum verlinkt wird, und schon bekommt man zwei nette Emails von einer anonymen Person, die viel zu schön sind, um sie euch vorzuenthalten (alle Leerzeilen zur besseren Lesbarkeit von mir eingefügt):

Email 1:

“was schreibst du da für ein scheiß über die fans was wir über mesut denken du warst doch bestimmt noch nicht mal im stadion und bist eigentlich eigendlich hiv-fan du opfer!!!

wenn mesut immer nur lügt und nicht mal klar sagt was sache ist brauch er sich nicht wundern wenn die fans in nicht mehr ab könn da hat der dann einfach pech gehabt. selbst schuld sag ich da nur!!!!!

mesut und sein geld geiler berater können gehn wo der pfeffer wächst dem weinen wir ECHTEN werder fans keine träne nach aber so ein heimlicher hiv-fan wie du kappiert das eh nicht!!!!!

der wird bei barca oder bei manu auf der bank versauern und dann irgentwann mekren das er kein fussball spielen kann so wie das alle mit ahnung von dem sport schon längst gemerkt ham!!

such dir besser mal nen richtigen job oder komm mal inne ost wenn du dich traust da siehst du dann mal wie ECHTE fans drauf sind!!!!!!!!”

Email 2:

“ach so was ich noch vergessen hab zu schreiben bei der wm war mesut nur gegen australien gut und die waren ja wohl total müll da hätte auch trochowski geglänzt!!!

aber bei der schwulen truppe von yogi und der obertunte bierhof ist schon klar das die das nicht merken und die presse mit der blöd-zeitung den hochjubeln!!!!!!”

Ist Spanien das Deutschland der 70er? 0

Gepostet am 5. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Zur WM werden ja immer gerne Parallelen zu früheren Turniern gezogen. Spieler X erinnert an Spieler Y und Mannschaft A ist noch besser als Mannschaft B vor 16 Jahren. Ebenfalls beliebt sind bestimmte wiederkehrende Muster, nach denen sich der kommende Weltmeister ganz zweifelsfrei vorhersagen lässt. Ich springe jetzt einfach mal auf den fahrenden Zug auf und sage: Spanien wird Weltmeister!

Der Grund ist nicht ihr tolles Passspiel oder die Qualität ihrer Spieler, sondern, viel banaler: Spanien ist Deutschland 1974*! Als amtierender Europameister haben sie sich in den letzten Jahren viel Bewunderung erspielt und wurden vor dem Turnier als einer der großen Favoriten gehandel. Dann geriet ihr Motor jedoch irgendwie ins stocken. Die Vorrunde war ok, jedoch kein Glanzstück und dann gab es diese peinliche Niederlage gegen einen Fußballzwerg. In der K.O.-Phase erholte man sich langsam und spielte erfolgreichen, wenn auch nicht begeisternden Fußball. Im Halbfinale trifft man nun auf die Überraschungsmannschaft des Turniers und muss sich ernsthafte Sorgen machen, das Finale gegen die Holländer nicht zu erreichen. Dank eines Unwetters reicht es dann aber am Ende doch und das Finale wird auf äußerst schmeichelhafte Weise ebenfalls gewonnen.

Ob Del Bosque wohl schon Regentänze für Mittwoch einstudiert hat?

* Um die Analogie komplett zu machen: Deutschland ist Polen, die Schweiz ist die DDR und die Holländer sind die Holländer (wenn auch ganz anders).

Das Sky-Abenteuer geht weiter 2

Gepostet am 1. July 2010 von Tobias (Meine Saison)

Vorab: Eigentlich sollte dies ein positiver Bericht über meinen neuen Vertrag bei Sky werden. Die Ereignisse der letzten 2 Wochen haben dann aber dafür gesorgt, dass er wie folgt ausfällt:

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog vom Ende meiner Beziehung mit Sky berichtet. Aufgrund eines stark verbesserten Angebots habe ich meinen Vertrag Anfang des Monats dann doch verlängert. Zu den alten Konditionen und inkl. eines neuen HD-Receivers. Aus heutiger Sicht muss ich schon wieder sagen: Es war ein Fehler! Hätte ich bloß auf meinen eigenen Blogeintrag gehört.

Die Vertragsverlängerung habe ich telefonisch durchgeführt, unter einer kostenfreien 0800-Nummer, die bei den ersten beiden Angeboten seitens Sky noch eine kostenpflichtige 01805-Nummer war. Es hat alles wunderbar geklappt, die Frau aus dem Service war sehr freundlich, nichts zu bemängeln. Der neue Receiver war auch schnell da. Beim Freischalten dann aber die ersten Probleme: Die Bundesliga-Kanäle sind gesperrt. Gut, kann passieren und ist in der Sommerpause auch nicht ganz so schlimm. Anruf bei Sky auf die ToDo-Liste gesetzt.

Am nächsten Tag jedoch eine unangenehme Überraschung: Sky hat 140 Euro von meinem Konto abgebucht. 40 Euro für Monatsbeitrag und Versandkosten (alles ok) und 99 Euro für die Freischaltung. Freischaltung? Am Telefon hatte ich extra gefragt, ob noch weitere Gebühren hinzukommen, z.B. für die Freischaltung, was verneint wurde. Und nun eine Abbuchung? Gut, lässt sich bestimmt alles über die Hotline klären. Anruf bei Sky ganz oben auf die ToDo-Liste gesetzt und vorsichtshalber die Lastschrift zurückbuchen lassen.

Am Abend dann der Anruf bei der Sky Service-Hotline. Kostenpflichtig. Im ersten Versuch durch irgendwelche Computeransagen aus der Leitung geflogen. Wohl falsche Taste gedrückt. Beim zweiten Versuch in der Warteschleife und nach ein paar Minuten im Service gelandet. Meine Probleme mitgeteilt. Antwort: Das brauchen wir schriftlich, können wir hier nicht bearbeiten, bitte schicken Sie uns eine Email. Kein Problem, direkt nach dem Anruf eine Mail an Sky geschrieben und abgeschickt. Daraufhin eine nette Empfangsbestätigung bekommen mit der Info, dass sie in der Regel 2 Werktage zur Beantwortung brauchen. Also Abwarten und Teetrinken.

Das war vor 14 Tagen. Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten, dafür aber eine Mahnung und Zahlungsaufforderung über den zurückgebuchten Betrag inklusive der Stornogebühren + Servicepauschale sowie ein weiteres Angebot zur Vertragsverlängerung zu schlechteren Konditionen. Das kann natürlich alles passieren, ist bei einem so großen Unternehmen auch schwer zu vermeiden, weil viele Dinge automatisiert und unabhängig voneinander passieren. Allerdings hätte ich nach nunmehr 2 Wochen doch mit irgendeiner Reaktion auf meine Email gerechnet. Ich habe einfach keine Lust mehr auf kostenpflichtige Anrufe, Warteschleifen, elektronische Antwortemails. Ich bin inzwischen so gefrustet von Sky, dass ich bis zu einer eindeutigen Klärung (sprich: Fortführung des Vertrags zu den telefonisch vereinbarten Konditionen) keinen Cent mehr an dieses Unternehmen zahlen werde.

Letztendlich bin ich selbst Schuld. Ich hätte es dabei belassen sollen: Nie wieder Sky. Wie heißt es so schön? Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.

Sommerpause (Teil 1): Der ganz normale Wahnsinn 9

Gepostet am 10. June 2010 von Tobias (Meine Saison)

Während sich die Fußballwelt auf die anstehende WM konzentriert, laufen bei den Vereinen die Personalplanungen für die kommende Saison auf Hochtouren. So auch bei Werder Bremen, wo mit dem Österreicher Marko Arnautovic schon der erste hochkarätige Neuzugang vorgestellt wurde.

Sommerzeit ist immer auch Spekulationszeit und die transfer mill, die Transfermühle, läuf bereits auf Hochtouren. Berater bringen ihre Spieler bei Vereinen ins Gespräch, Manager baggern heftig an ihren Wunschspielern herum und wehe es wird mal ein Scout in einem fremden Stadion gesichtet – die Presse ist immer auf der Suche nach dem heißesten Transfergerücht. Kein Wunder, dass da mancher Fan ein wenig hyperventiliert.

In jedem Fall wird munter mitspekuliert, wen die Verantwortlichen, in Werders Fall Klaus Allofs, zur Verstärkung der Mannschaft aus dem Hut zaubern. Dabei werden gerne auch Zahlenspielchen veranstaltet und spätestens kurz vor Beginn der neuen Saison, wenn noch nicht alle Wunschspieler unter Vertrag genommen wurden, unterteilen sich die Fans in zwei Fraktionen. Die eine schwört Stein und Bein, dass einfach kein Geld vorhanden sei, von dem neue Spieler gekauft werden könnten. Der Stadionumbau, die Bankenkrise, die noch nicht sichere Champions League Teilnahme. Die andere will Taten sehen, vermutet die eine oder andere Million unter der Matraze unseres Sportdirektors und des notorisch geizigen Aufsichtsrats. Wo ist denn das ganze Geld aus fünf Jahren Champions League und dem Diego-Transfer geblieben? Und überhaupt müsse man doch endlich mal richtig investieren, wenn man dauerhaft oben angreifen will. Der Sturz ins Mittelmaß stünde sonst unmittelbar bevor.

Am Ende gibt es meistens eine Handvoll Transfers, von denen sich der eine oder andere als Verstärkung und der Rest mehr oder weniger als Flop entpuppt. Die beiden Fraktionen merken sich in der Regel nur die Transfers, die ihren Standpunkt unterstützen und begründen damit in der nächsten Transferperiode erneut ihre Meinung. Allofs wird dabei jeweils zur Managerikone bzw. zum Trottel vom Dienst stilisiert. Sagt die eine Seite Micoud, Ismael, Pizarro, Diego ruft die andere Seite Carlos Alberto, Nery, Tosic, Moreno. Lustigerweise riefen sie vor zwei Jahren auch Moreno. Damals aber, weil Werder Moreno eben nicht verpflichtet hatte. Überhaupt die ganzen Nicht-Verpflichtungen! Romagnoli. Monsoreau. Baros. Fred. Mandzukic. Was würden wir heute Carlos Alberto hinterherweinen, wenn wir ihn 2007 nicht verpflichtet hätten!

Interessant sind vor allem auf Seiten der Allofs-Kritiker die Widersprüchlichkeiten in der Argumentation. Einerseits sollen bitte alle wichtigen Spieler mit 5-Jahres-Verträgen an den Verein gebunden werden. Andererseits wird gemurrt, wenn man Spieler wie etwa Carlos Alberto dann nicht so einfach wieder los wird. Einerseits ist man stolz auf Werders hanseatisch-sparsames Kaufmannsgeschick und blickt hämisch in den Westen der Republik. Andererseits wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass man doch nun endlich mal Geld in die Hand nehmen müsse, wenn man sportlich nicht den Anschluss verlieren möchte. Einerseits fordert man lautstark die Verpflichtung von Spielern, die man nur aus YouTube-Zusammenschnitten kennt. Andererseits wird dem ahnungslosen Vorstand jeder Fehlgriff sofort um die Ohren gehauen. Eines kann man dabei nicht bestreiten: Es wird nicht langweilig! Ein Blick in die Fan-Foren ist um diese Jahreszeit immer wieder höchst unterhaltsam. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass differenzierte Meinungen dabei untergehen. Mit jeder Kritik macht man sich sofort verdächtig, zu den fanatischen Schwarzsehern zu gehören. Mit jedem Lob wird man von der anderen Seite als naiver Allofs-Fanboy angesehen.

Bleiben wir trotzdem mal bei den Tatsachen: Werder hat in den letzten 10 Jahren überwiegend mit Gewinn gewirtschaftet, Spieler verpflichtet, die den Verein auf eine neue Ebene hoben und sich langfristig in der nationalen Spitze festgesetzt. Allerdings schaffte es Werder nur selten, die besten Spieler über einen längeren Zeitraum zu halten, konnte die Bayern als Nummer 1 des Landes nicht ernsthaft angreifen und auch keinen deutlichen Vorsprung auf Schalke, Stuttgart oder den HSV aufbauen. Bei den Neuverpflichtungen spielt man inzwischen in einer anderen Liga als noch nach dem Doublegewinn, als man die 5 Mio. Euro für den Klose-Transfer mühsam aus dem Aufsichtsrat herausklopfen musste. Heute kauft man für knapp 9 Mio. Euro Marko Marin und bekommt hinterher zu hören, man würde keine Hochkaräter verpflichten. Tatsache ist auch, dass Werder seit Jahren auf die Verpflichtung “schwieriger” Spieler setzt, die hochtalentiert, aber eben nicht etabliert sind. Micoud galt in Italien als Pflegefall, Diego war Reservist in Porto, Ismael war auf keiner seiner vorherigen Stationen wirklich glücklich und über Ailton brauchen wir gar nicht zu reden. Es sollte eigentlich klar sein, dass die Fehlerquote dabei nicht bei Null liegen kann. Ein solcher Transfer kann nach hinten losgehen, wie bei Carlos Alberto oder ein Volltreffer sein, wie bei Mesut Özil. Auch Thomas Schaaf kann nicht mit jedem Spieler klarkommen.

Es ist jedoch ein schmaler Grat, wenn ein Transfer für Werder am finanziellen Limit liegt und sich der Erfolg nicht einstellen will. Carlos Alberto dient dabei als warnendes Beispiel, das sicher dazu beigetragen hat, dass Werder die 10-Millionen-Grenze bislang nicht überschritten hat. Man müsste für diesen Preis schon eine Erfolgsgarantie mitgeliefert bekommen. Gestandene Nationalspieler bekommt Werder deshalb nur selten, wie im Fall Per Mertesacker. Neben den genannten Risikotransfers bringt Werder auch immer wieder Spieler groß raus, die kein oder kaum Geld gekostet haben. Fabian Ernst zum Beispiel oder Torsten Frings, Tim Borowski, Frank Baumann, Ivan Klasnic und zuletzt Phillip Bargfrede. Es ist ein Balanceakt, diese beiden Bausteine erfolgreich miteinander zu kombinieren. Dies gelingt Werder insgesamt seit Jahren außerordentlich gut. Es reicht jedoch nicht, um den hohen Erwartungen der Fans immer wieder ganz gerecht zu werden.

Es folgen:

Sommerpause (Teil 2): Die Systemfrage reloaded
Sommerpause (Teil 3a): Personalplanung 2011 – Tor und Abwehr
Sommerpause (Teil 3b): Personalplanung 2011 – Mittelfeld und Angriff



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