Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW


Archiv für ‘Andere Vereine, andere Sitten’


Mikaël Silvestre: Erfahrener Haudegen oder altes Eisen? 6

Gepostet am 30. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Als ich gehört habe, dass Werder Interesse an einer Verpflichtung von Mikaël Silvestre hat, war mein erster Gedanke: Um Gottes Willen! Mein zweiter Gedanke war: Bitte nicht! Warum eigentlich? War Silvestre nicht über Jahre hinweg bei Manchester United als Linksverteidiger gesetzt? War er nicht einer der Besten in Europa auf seiner Position? Ist er nicht dazu noch flexibel einsetzbar? Kann Werders Abwehr von solch einem Spieler nicht noch eine Menge lernen?

Silvestre der Weltklassespieler

Silvestres Erfolge sprechen für sich: 275 Spiele in der Premier League, 79 in der Champions League. Seine letzten Stationen hießen Inter Mailand, Manchester United und FC Arsenal. Seit 1998 hat er in jeder Saison in der Königsklasse gespielt. 1999 gewann er mit United den Weltpokal, neun Jahre später die Champions League. Nach seiner schweren Verletzung vor drei Jahren hielt ihn Arsène Wenger noch immer für gut genug, seiner jungen Mannschaft den nötigen Rückhalt in der Abwehr zu geben.

Silvestre war nie ein spektakulärer Spieler, eher ein Arbeiter, der seinen Job auf hohem Niveau zuverlässig erledigte. Als gelernter Innenverteidiger verbrachte er den Großteil seiner Karriere auf der linken Abwehrseite. Zweikampfstark, laufstark, gutes Stellungsspiel – der Fokus lag bei ihm stets zunächst auf dem Verteidigen und erst dann auf dem Spiel nach vorne. Das heißt jedoch nicht, dass er im Offensivspiel nicht zu gebrauchen war. Seine Flanken waren ziemlich passabel und die weiten Wege eines Außenverteidigers scheute er auch nicht. Allerdings suchte er jedoch längst nicht so konsequent und häufig den Weg nach vorne, wie heutzutage Philipp Lahm, Maicon oder Dani Alves. Silvestres größtes Plus war seine Konstanz. Über die Jahre zeigte er kaum Leistungsschwankungen, weshalb er sich um seinen Stammplatz lange Zeit keine Sorgen machen musste. Erst nach der Verpflichtung von Patrice Evra und einem Kreuzbandriss wurde Silvestres Standing bei den Red Devils nach und nach immer schlechter.

Silvestre der Aushilfsspieler

Im Sommer 2008 verpflichtete der FC Arsenal Silvestre und gab ihm einen Zweijahresvertrag. Von Alex Ferguson nicht mehr regelmäßig berücksichtigt war er für Arsène Wenger genau der richtige Mann, um seiner jungen Mannschaft etwas mehr Stabilität in der Defensive zu geben. Hinter den etatmäßigen Innenverteidigern William Gallas und Kolo Touré war Silvestre Ergänzungsspieler in der Innenverteidigung. Auf der Position der Linksverteidigers war mit dem in der Vorsaison starken Gaël Clichy ebenfalls ein Spieler gesetzt. Trotzdem kam Silvestre bei den von Verletzungsprobleme geplagten Gunners zunächst regelmäßig zum Einsatz. In der Rückrunde musste er jedoch meistens auf der Bank Platz nehmen. Insgesamt absolvierte er 23 Saisonspiele für Arsenal, davon 14 in der Premier League. In der folgenden Saison wurden seine Einsatzzeiten noch weniger. Erst gegen Ende der Saison, als Arsenal erneut Verletzungssorgen in der Abwehr hatte, wurde er regelmäßig in die Startelf berufen.

Von den Fans des FC Arsenal wurde Silvestre nie wirklich akzeptiert und hatte eine schwierige Zeit in Nord-London. Zunächst wurde er kritisch beäugt, weil er vom langjährigen Konkurrenten Manchester United kam und daher einen schlechten Ruf bei den Gooners hatte. Ein solcher Wechsel zwischen den beiden Vereinen ist absolut unüblich und kommt maximal alle 10 Jahre einmal vor. Zudem fragten sich viele Beobachter, warum Alex Ferguson ihn zu einem Spottpreis zu einem direkten Konkurrenten transferieren sollte, wenn er noch die nötige Qualität besäße. Für seine Leistungen auf dem Platz wurde Silvestre ebenfalls kritisiert und erlangte schnell einen Status als Unsicherheitsfaktor in der Viererkette. Arsène Wenger setzte trotz aller Probleme weiterhin auf ihn. Silvestre sollte vor allem auch neben dem Platz ein wichtiger Spieler für ihn sein, von dem seine jungen Spieler lernen konnten. Auf dem Platz kam er jedoch nie über den Status als Ergänzungsspieler hinaus und wurde von Wenger nur dann eingesetzt, wenn Not am Mann war.

Silvestre der Unsicherheitsfaktor

Im Juni 2010 endete Silvestres Zeit beim FC Arsenal. Wenger und der nun 33-jährige Ex-Nationalspieler konnten sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen, was vor allem auf die wenigen Einsatzzeiten des Spielers zurückzuführen ist. Zu Weihnachten hatte es noch nach einer Verlängerung des Kontrakts ausgesehen. Wenger betonte immer wieder die Wichtigkeit Silvestres für sein Team, schenkte ihm jedoch nicht sein volles Vertrauen auf dem Platz. Die Nichtberücksichtigung Silvestres für den Kader beim Spiel gegen den FC Liverpool im Februar führte zu einem Bruch zwischen Spieler und Trainer. Die Trennung im Sommer nahm immer konkretere Formen an, auch wenn Wenger betonte, Silvestre gerne ein weiteres Jahr lang behalten zu wollen.

Im für Arsenal sehr ernüchternden Saisonendspurt spielte Silvestre wieder häufiger von Anfang an, was seinen Ruf bei den eigenen Fans jedoch noch mehr ramponierte. Bei den bitteren Niederlagen gegen Barcelona und Tottenham machte er eine unglückliche Figur und wurde für mehrere Gegentore verantwortlich gemacht. Bei den Gooners hielt sich die Trauer um seinen Abschied daher stark in Grenzen. Vielmehr waren viele Fans froh den vermeintlichen Unsicherheitsfaktor endlich los zu sein. Trotz anhaltender Abwehrsorgen und mehrerer Abgänge (Gallas, Senderos, Campbell) blieb Silvestre für die Saison 2010/11 unerwünscht.

Silvestre bei Werder Bremen

Die Kritik der Arsenalfans war sicherlich nicht ganz unbegründet, doch insgesamt gesehen zu hart. Auch wenn Silvestre nicht mehr den höchsten Ansprüchen genügt, war er doch ein zumindest einigermaßen solider Backup. Für Arsenals Ansprüche war dies auf dem Platz jedoch am Ende nicht mehr ausreichend. Nun kommt Silvestre in die Bundesliga zu einem Team, das eine ähnliche Spielphilosophie verfolgt und dessen Abwehrprobleme noch größer sind. Die Reaktionen der Fans sind gemischt, allerdings mit einem Übergewicht der positiven Kommentare. Doch was verspricht sich der Verein von Silvestre und wie realistisch sind diese Ansprüche?

Erfahrung – Silvestre ist zweifellos ein sehr erfahrener Spieler, der über ein Jahrzehnt auf höchsten Niveau Fußball gespielt hat. Diese Erfahrung soll er nun – wie beim FC Arsenal – an die jüngeren Spieler weitergeben. Nun liegen Werders Abwehrprobleme nicht unbedingt an mangelnder Erfahrung: Naldo, Per Mertesacker, Clemens Fritz und Petri Pasanen sind/waren gestandene Nationalspieler, die seit vielen Jahren Profis sind und regelmäßig spielen. Als junge Abwehrspieler bleiben lediglich Sebastian Prödl und Sebastian Boenisch. Dennoch kann Silvestre hier möglicherweise noch wichtige Impulse geben. Die Erfahrungen, die er bei mehreren europäischen Top-Teams gemacht hat, sind womöglich doch noch etwas höher einzuschätzen. Fraglich ist nur, wie schnell sich der Franzose ins Team integrieren und seine Erfahrungen weitergeben kann.

Vielseitigkeit – Silvestre ist gelernter Innenverteidiger, der den Großteil seiner Karriere als linker Verteidiger gespielt hat. Dabei hat er häufig betont, dass ihm die Position in der Mitte der Abwehr besser zusagt. Klingt irgendwie bekannt. Haben wir genau diesen Spieler nicht schon in Petri Pasanen? Eine Notlösung auf links, die sich dort eigentlich nicht so richtig wohl fühlt? Nun, Silvestre hatte auf dieser Position immerhin einen Stammplatz bei Manchester United. Allerdings ist er im Alter nicht schneller geworden und spielte bei Arsenal meistens in der Innenverteidigung. Eine Ideallösung für die linke Abwehrseite sieht anders aus, auch wenn Silvestre angesichts Werders Probleme auf dieser Position sicher Chancen auf einen Stammplatz hat.

Abgeklärtheit – Dieses Attribut schreibt man älteren Spielern mit viel Erfahrung gerne pauschal zu. Silvestre hat in seiner Karriere seine Abgeklärtheit häufig unter Beweis gestellt. Bei seinem letzten Arbeitgeber gelang im dies jedoch nicht wirklich. Silvestre wirkte häufig unsicher, was in Verbindung mit fehlender Schnelligkeit zu einem großen Problem werden kann. Zudem bekam er bei Arsenal und in seiner letzten Saison bei ManUtd wenig Spielpraxis, hat in den letzten drei Jahren nur 49 Pflichtspiele bestritten. Vielleicht kann er bei Werder – wo ihm wenig Gegenwind seitens der Fans entgegen blasen wird als bei Arsenal – noch einmal an seine Zeit bei United anknüpfen. Solange bei Werder kein Umdenken im Defensivspiel stattfindet und die Angriffe der Gegner weiter so unbehelligt vom Mittelfeld auf die Viererkette zurollen, sollte nicht erwarten, dass mit Silvestres Verpflichtung die Abwehrsorgen gelöst wären.

Wirtschaftlichkeit – Die Risiken der Verpflichtung halten sich für Werder in Grenzen. Da der Franzose ablösefrei zu haben war und man von einem stark leistungsbezogenen Vertrag ausgehen kann, sind die Kosten für den Transfer überschaubar. Die Vertragslaufzeit von zwei Jahren ist bei einem 33-jährigen ebenfalls in Ordnung, auch wenn aus Werdersicht ein Einjahresvertrag mit Option auf Verlängerung besser gewesen wäre. Im schlimmsten Fall hätte Werder einen vergleichsweise geringen finanziellen Verlust gemacht, im besten Fall einen wichtigen Spieler für kleines Geld verpflichtet.

Eine gute Verpflichtung?

Was spricht also nach all diesen Argumenten gegen die Verpflichtung? Nicht viel, wenn man den Transfer isoliert betrachtet. Silvestre verstärkt den Kader in der Breite und wahrscheinlich auch in der Tiefe. Der Transfer ist jedoch auch Zeichen für ein grundsätzliches Problem bei Werder: Während für Offensivspieler inzwischen auch Ablösesummen deutlich jenseits der 5 Mio. € gezahlt werden, hält man sich bei Defensivspielern merklich zurück. Die linke Abwehrseite ist seit Jahren eine Problemposition, die trotz zahlreicher Neuverpflichtungen der mittleren Kategorie nicht nachhaltig gut besetzt werden konnte: Ob Talente, wie Boenisch und Tosic oder namhaftere Spieler, wie Nery und Womé – zu häufig wurde die Notlösung mit Petri Pasanen zur besseren (bzw. weniger schlechten) Alternative. Mit der Verpflichtung Silvestres gesteht man dieses Manko implizit ein.

Nachdem alle Bemühungen der letzten Saison mehr (Abdennour) oder weniger (Boenisch) gescheitert sind, soll nun ein anderer Weg gegangen werden. Werder scheut die große Investition, sieht für kleineres Geld jedoch keinen Spieler auf dem Markt, der für eine deutliche Verbesserung sorgen könnte. Silvestre soll die kurzfristige Stabilisierung sein, die mittelfristig aber auch dem von Schaaf und Allofs hochgelobten, zuletzt aber kritisierten Boenisch eine Perspektive bietet. Ob dieser Weg der richtige ist lässt sich selbstverständlich erst im Nachhinein beurteilen, doch das (im Vergleich zu anderen Positionen) zurückhaltende Verhalten auf dem Transfermarkt schürt nicht die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung in der Defensive. Oder – um es mit Schaaf und Allofs Worten zu sagen – regt nicht die Fantasie an.

Allerdings, das muss man den beiden zugestehen, hatten sie gerade bei älteren Spielern bislang ein sehr gutes Händchen – man denke nur an Cesar, Micoud, Davala, Reinke und Ismael. Deshalb hoffe ich sehr, dass Mikaël Silvestre mich und alle anderen Kritiker eines besseren belehren wird. Willkommen bei Werder Bremen und bonne chance!

3 Fragen zum 1. FC Köln 0

Gepostet am 28. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 2. Spieltag hat mir der Spielbeobachter drei Fragen zum 1. FC Köln beantwortet:

Für beide Clubs war der 1. Spieltag ziemlich ernüchternd. In Bremen ist der 1. FC Köln nicht unbedingt Favorit. Wäre Euer Saisonstart bei einer Niederlage gegen Werder völlig in die Hose gegangen oder alles halb so schlimm?

Völlig in die Hose gegangen im Sinne von “Der Trainer steht kurz vor der Entlassung, die Neueinkäufe werden hinterfragt, der Mob klingelt an Overaths Tür” wäre der Start wohl erst, wenn nach einer potentiellen Niederlage gegen Euch noch eine im Heimspiel gegen St. Pauli folgen würde. Grundsätzlich ist schon allen klar, denke ich, dass Werder trotz der Klatsche gegen Hoffenheim eine Mannschaft ist, die am Ende vor der des FC zu erwarten ist, insofern sollte eine Niederlage nicht das Ende aller Tage sein. Aber natürlich – 0 Punkte nach den ersten beiden Spieltagen, ein dann zu erwartender Tabellenplatz in der Abstiegsregion, wenn nicht gar ganz hinten: Ein guter Start sieht ganz anders aus. Sagen wir also: Irgendwo zwischen “Alles halb so schlimm” und “Völlig in die Hose gegangen”.

Werders Abwehr gilt allgemein als wenig sattelfest, was sich zu Beginn dieser Saison noch einmal gesteigert hat. Köln hat letzte Saison mit die wenigsten Tore der Liga geschossen. Neutralisiert sich das gegenseitig oder bist Du zuversichtlich, dass Ihr unsere Schwächen hinten ausnutzt?

In der letzten Saison war der FC extrem auswärtsstark, der sechste Platz in der Auswärtstabelle und die wenigsten kassierten Tore auf des Gegners Platz sprechen da eine deutliche Sprache – diese Stärke war allerdings vor allem der massiven Defensive zu verdanken. Das Augenmerk bei der Umgestaltung der Mannschaft lag in Folge dessen in erster Linie auf der Verstärkung der Offensive: Die Inthronisierung Taner Yalcins als offensive Kraft im Mittelfeld, der Einkauf von Mato Jajalo, die Versetzung Podolskis vom Mittelfeld in den Sturm – all das soll dem Ziel dienen, torgefährlicher zu werden. Ob das gelingt, insbesondere in der Frühphase der Meisterschaft, kann ich nicht beantworten, das Spiel gegen Kaiserslautern taugte ob der frühen roten Karte nicht als Gradmesser. Aber ich hätte ganz und gar nichts dagegen, wenn Werder dem mit ein wenig Hühnerhaufenstil nachhelfen würde.

Youssef Mohamad sah gegen Kaiserslautern eine sehr frühe rote Karte. In Deinem Blog hast Du Dich heftig über die lange Sperre für ihn aufgeregt. Hat sich Dein Ärger langsam verzogen oder bist Du immer noch sauer auf den DFB? Wie schwer wiegt der Verlust eures Kapitäns?

Unverständlich ist mir das immer noch. Die Standardstrafe für eine Notbremse sind 2 Spiele Sperre. Angesichts der Tatsachen, dass das “Foul” eher ein beidseitiges leichtes Gerangel war und dass schon das Spiel gegen Kaiserslautern quasi komplett ohne Mohamad bestritten werden musste, ist eine Strafe, die über diese Standardstrafe hinausgeht, nicht nachzuvollziehen. Und ja, Mohamads Fehlen wiegt schwer, nicht nur, weil er Kapitän ist und hin und wieder auch Vorne für Gefahr sorgen kann, sondern auch, weil sein Partner in der Innenverteidigung, Pedro Geromel, wegen eines Muskelfaserrisses ebenfalls fehlt. Damit fehlt die komplette Innenverteidigung, also das Prunkstück der letzten Saison. Das macht ein bißchen Sorge.

Dein Tipp?

Ich hoffe auf ein 2:2.

3 Fragen zu 1899 Hoffenheim 2

Gepostet am 21. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Mal wieder eine neue Rubrik: Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Den Auftakt macht vor dem 1. Spieltag Heiko vom Akademikerfanclub Hoffenheim, der mir drei Fragen zu seinem Club beantwortet hat:

Nach einer tollen Hinrunde nach dem Aufstieg kamen eineinhalb eher mittelmäßige Jahre. Nach Platz 11 in der letzten Saison, welche Erwartungen hast du 2010/2011 an deiner Mannschaft?

Wir haben auch gerade dazu eine MiFo (also MaFo unter den Mitgliedern) durchgeführt. Bis auf einen fast schon pathologischen Optimisten, der mit dem Einzug der EuropaLeague rechnet, gehen die meisten doch einem einem einstelligen Tabellenplatz aus. Aber eher einem, der den geographischen Eindruck, den Außenstehende von Hoffenheim haben, widerspiegelt, also: Niemandsland.

Für Ralf Rangnick gab es nach der Herbstmeisterschaft 2008 viel Lob für seinen durchdachten Konzeptfußball und seine innovativen Trainingsmethoden. In der letzten Saison kehrten dann die alten Vorbehalte gegen den “Fußballprofessor” zurück. Ist er der richtige Mann für den Job, Hoffenheim an die Spitze der Bundesliga zu führen? Und wie ist sein Standing im Verein nach dem gewonnenen Machtkampf mit Jan Schindelmeiser?

Wie sein Standing im Verein ist, wissen wir nicht. Aber das ist ja auch nicht entscheidend. Entscheidend ist sein Standing bei Babba Hopp – und das scheint doch sehr gut zu sein. Klar kamen mit RR auch die Aufstiege, aber da kam auch viel zusammen. Jung, hungrig und noch viel zu holen. In Liga 1 war dann halt nach Platz 1 in Hinrunde 1 Schluss. Man war oben angekommen. Danach kam nichts mehr. Auch kein Talent. Und das ist eine für uns doch erschreckende Erkenntnis, dass RR bei aller positiver PR über Nachwuchs- und Konzeptfußball es nicht geschafft hat, für Nachwuchskicker ein begehrlicher Trainer zu sein. Ein Holtby ging lieber nach Schalke. Da kackte er zwar ab, aber selbst dann zog Rangnick nicht so, dass er dann zu uns kam. Und ein Mlapa kam ebenfalls nicht wegen des Trainers, sondern wegen Schindelmeisers Nachfolger, die sich ja schon aus München kannten. Er müsste dringend was an seinem Image machen, um die Ziele zu erreichen, die er erreichen will. Aber jetzt hat man ja den Apparat etwas entschlackt, vielleicht bringt das ja was.

In den letzten beiden Jahren gab es große Spiele zwischen Werder und Hoffenheim, etwa das epische 5:4 vor zwei Jahren oder das Pokalspiel letzten Februar. Winkt uns am Samstag ein ähnliches Highlight oder ist es dafür am 1. Spieltag noch zu früh?

Die Hoffnung ist natürlich, dass wieder ein solches Spiel sehen, wenngleich auch mal mit anderem Ausgang. Zudem hätten wir so ein Spiel aber auch mal gerne auf unserem Rasen. Aber, wie du ja schon andeutest, 1. Spieltag, ist schwierig. Wie klappt das bei euch ohne Özil? Wie klappt das bei uns mit Salihovic? Was uns ein bisschen Sorge bereitet, sind beiden letzten Ergebnisse. 3:1 gegen Sunderland, 4:0 bei der Rostocker Hansa. Das hat fast schon Frühformcharakter – und die hat über die Saison gesehen noch keiner Mannschaft gut getan.

Dein Tipp?

Aber wenn die Frühform was bringen soll, dann am 1. Spieltag, oder? Also mein Tipp: 3:1

Darf ich vorstellen: UC Sampdoria 5

Gepostet am 16. August 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werders letzte Hürde auf dem Weg in die Champions League Gruppenphase 2010/11 heißt UC Sampdoria (oder auch Sampdoria Genua, wie der Verein in Deutschland besser bekannt ist).

Der Verein

Unione Calcio Sampdoria wurde relativ spät gegründet, nämlich erst im Jahr 1946. Die Wurzeln reichen jedoch bis ins Jahr 1891 zurück, als der Verein Ginnastica Sampierdarenese gegründet wurde. Dieser schloss sich nach dem 2. Weltkrieg (und nachdem er zuvor mehrere weitere Fusion durchgemacht hatte) mit einem Verein mit dem wunderbaren Namen Society Andrea Doria zur Unione Calcio Sampdoria zusammen.

Fans und Spieler des Vereins werden in Italien als Blucerchiati (Blaumumrahmte) bezeichnet, weil auf ihren Trikots einige weiß-rot-schwarze Querstreifen auf einem blauen Untergrund abgebildet sind – eine aus Werdersicht fürchterliche Farbkombination.

Sampdoria spielt im Stadio Comunale Luigi Ferraris, das es sich mit dem Lokalrivalen CFC Genua teilen muss. Das 1911 erbaute Stadion wurde vor der WM 1990 komplett abgerissen und neu aufgebaut. Heute hat es ein Fassungsvermögen von 36.600 Zuschauern.

Historie

Die mit Abstand erfolgreichste Zeit erlebte Sampdoria in den späten 80er und frühen 90er Jahren unter dem jugoslawischen Trainer Vujadin Boskov, der noch heute als Scout für den Verein arbeitet. Ende der 70er Jahre spielte Sampdoria in der Serie B und wurde von einem italienischen Öl-Millionär gekauft, der mit einigen Finanzspritzen den Wiederaufstieg in die Serie A ermöglichte. 1985 gewann der Verein seinen ersten großen Titel, den Coppa Italia. Seit dieser Zeit machte sich Sampdoria vor allem als Pokalmannschaft einen Namen. Es folgten weitere Pokalsiege 1988 und 1989, sowie einige Ausrufezeichen im Europapokal. 1990 kam es zum größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte, als Sampdoria mit einem Sieg über RSC Anderlecht den Europapokal der Pokalsieger gewann. Im Jahr zuvor hatte das Team ebenfalls das Finale dieses Wettbewerbs erreicht, verlor jedoch gegen den FC Barcelona. Gegen den selben Gegner unterlag man auch 1992 im letzten Finale des Europapokals der Landesmeister vor der Einführung der Champions League.

In der zu jener Zeit von Arrigo Sacchis AC Milan und Diego Maradonas SSC Neapel dominierten Serie A konnte Sampdoria nur einen großen Erfolg verbuchen: 1991 gewann das Team um Stars wie Gianluca Pagliuca, Gianluca Vialli und Roberto Mancini die italienische Meisterschaft, den Scudetto. Mit dem erneuten Pokalsieg 1994 begann jedoch der langsame Niedergang des Vereins. Trotz namhafter Neuzugänge wie Ruud Gullit, Juan Sebastian Veron, Clarence Seedorf, Ariel Ortega und Christian Karembeu in den folgenden Jahren verabschiedete sich der Verein nach und nach aus der italienischen Spitze. 1999 folgte das, was Werder unter Thomas Schaaf gerade noch verhindern konnte: Der Abstieg in die 2. Liga.

Erst 2003 gelang der Wiederaufstieg in die Serie A. Seitdem kämpft man um Anschluss an die Ligaspitze. Platz 4 in der vergangenen Saison stellt dabei den vorläufigen Höhepunkt dar. Mit einem Sieg über Werder könnte Sampdoria zum ersten Mal den Einzug in die Champions League schaffen und damit den größten internationalen Erfolg seit 18 Jahren.

Die Mannschaft

Insgesamt gab es diesen Sommer abgesehen vom Torwart keine größeren Veränderungen am Kader. Im Gegensatz zum Stadtrivalen hat sich Sampdoria auf dem Transfermarkt bislang zurückgehalten. Die Mannschaft ist eingespielt und dürfte gegen Werder in ähnlicher Zusammensetzung auflaufen, wie in der Vorsaison.

Sampdoria hat keine großen Stars im Kader, doch es wäre falsch, sie als ein Team der Namenlosen zu bezeichnen. Nicht zuletzt Außenverteidiger Reto Ziegler dürfte bei Werderfans bekannt sein, war er doch bis vor kurzem noch als möglicher Neuzugang in Bremen im Gespräch. Der klangvollste Name im Kader ist sicherlich Antonio Cassano. In Genua konnte das enfant terrible des italienischen Fußballs nach der erfolglosen Zeit bei Real Madrid endlich wieder an alte Erfolge bei der Roma anknüpfen. Die riesigen Vorschusslorbeeren, die er zu Beginn seiner Karriere erhielt, konnte er jedoch nie ganz rechtfertigen.

Torhüter Marco Storari wechselte nach nur einem halben Jahr bei Sampdoria zusammen mit dem Trainer zu Juventus Turin. Auch die etatmäßige Nummer 1 der letzten Jahre Luca Castellazzi hat den Verein verlassen, so dass ein neuer Torwart her musste. Verpflichtet wurde Gianluci Curci aus Siena, der lange Zeit Ersatztorwart bei der Roma war und alle Jugendabteilungen der italienischen Nationalmannschaft durchlief. Klingt nach einem interessanten Mann, den ich aber noch nicht bewusst spielen gesehen habe.

Die Viererkette ist mit Ziegler auf der linken Seite gut besetzt. Auf rechts muss der Weggang von Luciano Zauri kompensiert werden. Die Aufgabe könnte zwar von Defensivallrounder Marius Stankevicius übernommen werden, der aus Sevilla zurückkam, aber auf der Position hat Sampdoria eigentlich noch Bedarf. In der Mitte spielen mit Stefano Lucchini und Daniele Gastaldello zwei zuverlässige und taktisch gut geschulte Innenverteidiger, die aber nicht die ganz große Klasse haben.

Im zentralen Mittelfeld stehen mit Kapitän Angelo Palombo und U21-Nationalspieler Andrea Poli zwei defensiv sehr begabte Spieler, die sich jedoch nur selten in die Offensive einschalten und engen Kontakt zu ihren Hinterleuten halten. Im rechten Mittelfeld wird meistens Franco Semioli eingesetzt, ein typischer Flügelspieler, der die Außenbahn beackert und gute Flanken schlägt. Auf der linken Seite gibt es mehrere Möglichkeiten. In der letzten Rückrunde startete oft Stefano Guberti, der nach nach einem halben Jahr Leihe zurück zur Roma ging. Linksverteidiger Ziegler wäre eine sehr defensive Option, wahrscheinlicher ist der Einsatz von Daniele Mannini, der dank seiner Flexibilität auch einen guten Joker abgibt.

Im Angriff sind Cassano und Mittelstürmer Giampaolo Pazzini gesetzt. Pazzini ist ein klassischer Strafraumstürmer, der in der letzten Saison der mit Abstand beste Torjäger Sampdorias war. Er ist extrem Kopfballstark und verwertet die Hereingaben in den Strafraum sehr effektiv. Cassano spielt etwas versetzt hinter ihm und ist mit seinen technischen Fähigkeiten ein guter Sturmpartner für Pazzini. Zusammen haben die beiden mehr als die Hälfte der Ligatore ihrer Mannschaft erzielt. Dieses Sturmduo ist wohl das Prunkstück der Mannschaft.

Die Taktik

Erfolgstrainer Luigi Delneri wechselte nach Ende der letzten Saison zu Juventus wechselte. Der neue Trainer Domenico Di Carlo führte zuletzt Chievo auf den 14. Platz der Serie A und hat bislang keine großen Spuren als Cheftrainer hinterlassen. Fraglich ist, ob er das 4-4-2 System seines Vorgängers unverändert lässt oder Änderungen vornimmt. Bei Chievo spielte er meist mit einer Mittelfeldraute, die er mangels eines hochklassigen Spielmachers bei Sampdoria jedoch eher nicht beibehalten wird.

Bislang spielte Sampdoria ein 4-4-2/4-2-2-2 System, das im Aufbau an den FC Bayern erinnert. Vor der Viererkette spielen zwei defensive zentrale Mittelfeldspieler und zwei offensive Außen. Von den beiden Stürmern spielt einer leicht zurückgezogen, so dass man auch von einem 4-4-1-1 sprechen könnte. Im Unterschied zu den Bayern bleiben die beiden defensiven Mittelfeldspieler meistens weit hinten und schalten sich nicht (wie etwa Schweinsteiger) ins Offensivspiel ein. Die hängende Spitze, in der Regel Cassano, ist nicht besonders fleißig was die Defensivarbeit angeht, weshalb im offensiven zentralen Mittelfeld häufig ein Loch klafft. Im Spiel nach vorne ist die Mannschaft daher auf die Flügelspieler angewiesen. Hier folgte Sampdoria bisher nicht dem Trend, sondern setzt die Außenspieler auf ihrer “richtigen” Seite ein, damit sie Flanken zu den beiden Stürmern in den Strafraum bringen.

Diese Taktik ist relativ berechenbar und statisch (49 Tore in 38 Ligaspielen sprechen nicht für große Offensivstärke), doch für die traditionell über Außen anfällige Werderdefensive bedeutet sie dennoch einen ernsthaften Test. Verhindert man die Flanken in den Strafraum, kann man Pazzini einigermaßen aus dem Spiel nehmen – schafft man das nicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis er ein Tor erzielt. Cassano ist das unberechenbare Element im Spiel der Italiener, mitunter genial, aber ab und zu auch lustlos. Er ist der Mann für die besonderen Tore. Defensiv ist Sampdoria durch die solide Viererkette und das tief stehende defensive Mittelfeld eine gute Mannschaft, jedoch kein Bollwerk. Werder dürfte vor allem im zentralen Mittelfeld viel Platz bekommen, den Frings und Bargfrede (oder wer immer dort spielen wird) ausnutzen können. Ausgehend von diesem Überzahlspiel im Mittelfeld sollte es möglich sein, die Offensivreihe gut ins Spiel zu bringen.

Der Ausblick

Ob das Rückspiel auswärts stattfindet oder zuhause scheint mir aus sportlicher Sicht nicht so wichtig. Für uns ist es mit Hinblick auf den Umbau des Weserstadions jedoch ein Nachteil, schon am 18.8. das Heimspiel zu haben. Insgesamt denke ich, dass Sampdoria ein starker Gegner ist, der leistungsmäßig etwas über unseren Gegnern 2005 (Basel) und 2007 (Dinamo Zagreb) steht. Dennoch geht Werder als Favorit in die Begegnungen, wenn die Liste der Ausfälle nicht noch größer wird. Mit unseren schnellen und technisch beschlagenen Spielern in der Offensive sollten wir für genug Torgefahr sorgen. Dazu kommt die internationale Erfahrung, die Werder deutliche Vorteile verschaffen sollte. Diese Spiele ganz zu Beginn einer Saison sind immer schwierig einzuschätzen, doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit (die angesichts der Bedeutung der Partie selbstverständlich sein sollte) wird sich Werder durchsetzen.

Mein Tipp: Hinspiel 2:1, Rückspiel 1:1

Meine Saison (über den Tellerrand) 2

Gepostet am 26. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Die Saison ist vorbei. Zeit für Rückblicke, Bilanzen, Fazits. Gestern ging es um Werders Saison, heute gibt es einen Blick über den Tellerrand:

Das gefiel mir

Messi. Cesc Fabregas Führungsqualitäten. Xavis Pässe. Der Vergleich Maicon vs. Dani Alves. Mourinhos Jubel im Bernabeu. Der unterschätzte Torjäger Diego Forlan (62 Tore in den letzten beiden Spielzeiten). Die erneute Selbstdemontage des HSV. Fulhams Europa League Saison. Schweinsteigers Verwandlung. Dass van Gaal Recht behalten hat.

Das gefiel mir nicht

John Terry. Cristiano Ronaldos Arroganz. Ryan Shawcross’ Knochenbrecher-Foul an Aaron Ramsey. Die Schiedsrichter in der Champions League. Die Bemessung der Nachspielzeit in der Bundesliga. Sergio Busquets Schauspielerei. Bayerns Geheule über die Ribery-Sperre. Alex Fergusons Geheule über die Bayern. Mein Geheule über deren Geheule. Dass Uli Hoeneß Recht behalten hat.

Spannend

Die Taktikdiskussionen! Angefangen in England, wo mit der Seite zonalmarking.net ein Flaggschiff der Spielanalyse geschaffen wurde. Jonathan Wilsons Ausführungen im Guardian sind eine Offenbarung. In Deutschland wurde von erz die Taktiktafel ins Leben gerufen, eine systematische Auseinandersetzung mit der Taktik im Fußball. Für meinen Geschmack am Anfang ein wenig zu abstrakt, aber immer fundiert und inzwischen auch auf konkrete Beispiele bezogen. Immer wieder interessant sind auch Johan Petersens Toranalysen im Werder-Fußball-Blog. Bitte alle weiter so!

Langweilig

Löw-Bashing. Man kann Löw für viele Dinge kritisieren, kann seine Nominierungen für falsch halten, seinen Umgang mit den Spielern für überheblich und die Spiele der Nationalmannschaft für mittelmäßig. Man kann auch beleidigt sein, weil Spieler X oder Y nicht aufgestellt werden. Kurzum: Man kann das alles für einen riesigen Haufen Dreck halten, wenn man denn gerne möchte. Was mir übel aufgestoßen ist, sind die vielen persönlichen Beleidigungen, die Beschimpfungen unter jeder Gürtellinie, die ich insbesondere von vielen Werderfans in Foren und Kommentaren gelesen habe.

Und noch etwas: Jogi Löws Kader für die WM ist vieles, aber nicht “feige”. Einen Menschen anonym aufs übelste zu beschimpfen, das ist feige!

Spiel der Saison

FC Barcelona – Inter Mailand 1:0. Ein Fußballspiel, das nur am Rande etwas mit Fußball, wie wir ihn kennen, zu tun hatte. 86% Ballbesitz für Barcelona und ein Abwehrriegel, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Aus taktischer Sicht also gar nicht so interessant, sondern eindimensional, wie es eindimensionaler nicht geht. Beeidruckt hat mich vielmehr, wie fehlerlos Inter dieses Abwehrbollwerk über 90 Minuten aufrecht erhalten hat.  Inter hatte sich die Augangsposition dafür im Hinspiel erarbeitet. Das Rückspiel lebte von der Faszination dieser gänzlich gegensätzlichen Ausrichtungen der beiden Mannschaften. Mourinhos perfekte Organisation gegen Guardiolas fast perfektes Passspiel. Am Ende setzte sich Inter hauchdünn durch. Puristen weinten, Defensivstrategen jubilierten, solche Spiele sieht man nicht oft. Nach dem Motto: “Nicht schön, aber selten” ist es für mich das Spiel der Saison.

Spieler der Saison

Xavi Hernandez. Ich komme an ihm einfach nicht vorbei. Nach Barcelonas Aus gegen Inter musste er sich einige Kritik gefallen lassen, weil sein Spiel zu statisch sei, er mit dem Ball am Fuß keine Lücken reißen könne. Man könnte genau so gut Lionel Messi dafür kritisieren, dass er so selten gegnerische Ecken mit dem Kopf klärt oder Gianluigi Buffon für seine schwache Torausbeute. Xavi ist ein Strippenzieher, ein genialer Stratege und der vielleicht beste Passgeber aller Zeiten. Er verliert so gut wie nie den Ball, sieht immer zwei bis drei Schritte voraus und setzt seine Mitspieler brillant in Szene. Er spielt nicht nur die meisten, sondern auch die besten Pässe weit und breit.

Spieler der Hinrunde

Robin van Persie. Wie sein Landsmann Arjen Robben gilt van Persie als verletzungsanfällig. Anders als Robben konnte er in dieser Saison nicht den Gegenbeweis erbringen. Ein halbes Jahr fiel er aus, nachdem er sich in einem Länderspiel verletzt hatte. Bis zu seiner Verletzung zeigte er jedoch, welches Potential in ihm steckt. Seit Adebayors Wechsel zu Manchester City letzten Sommer spielt van Persie im Sturmzentrum des FC Arsenal und hat seine Trefferquote seitdem deutlich gesteigert. Im Herbst schien er auf einem guten Weg, einer der Topstürmer Europas zu werden. Dann kam die Verletzung und warf ihn aus der Bahn. Bei seinem Comeback im April deutete er sofort wieder an, wozu er fähig ist. Bringt alles mit, was ein Stürmer braucht. Wenn er sich nicht wieder verletzt (leider ein ziemlich großes WENN) wird 2010/11 zu seinem Jahr.

Spieler der Rückrunde

Lionel Messi. Über ihn braucht man nicht mehr viel sagen. 34 Tore in La Liga, 47 in allen Wettbewerben zusammen. Die Vergleiche mit Maradona sind absolut angebracht. Er ist seinen Zeitgenossen vielleicht nicht ganz so weit voraus, doch er hat im Gegensatz zum alten Diego nicht mehr die Zeit, seine Aktionen in Ruhe zu planen, bevor der erste Gegenspieler ihn angreift. Messis Geschichte klingt wie ein Märchen: Der kleinwüchsige Junge aus Argentinien zieht mit seiner Familie nach Barcelona, wo sie nichts haben, als die Hoffnung auf eine Profikarriere. Der Junge setzt sich trotz aller körperlichen Nachteile durch, verzaubert die Welt mit seinem Spiel und entscheidet ein Champions League Finale mit einem Kopfballtor. Dieses Jahr hat er gezeigt, dass das Märchen noch nicht vorbei ist.

Newcomer der Saison

Schwierig. Thomas Müller wäre ein Kandidat. Pedro wäre ein Kandidat. Insgesamt war es aber eher eine Saison der Etablierten (Rooney, Ronaldo, Messi, Fabregas) und der – aus welchen Gründen auch immer – fast schon abgeschriebenen (Snejder, Robben, Lucio und Schweinsteiger).

Saisonfazit

Es war eine überraschende und gute Saison. Die englische Dominanz in der Champions League konnte durchbrochen werden. Außenseiter schaffen auf dem europäischen Parkett den Durchmarsch. Es ist eine Saison der Trainer. Van Gaals Positionsspiel ist so erfolgreich und erfrischend, dass es von vielen als Innovation gepriesen wird. Dabei vergessen viele Bayernfans, dass sie ihn im Spätherbst am liebsten noch aus der Stadt gejagt hätten. Die Rieseninvestitionen von Real Madrid und Manchester City zahlten sich (noch) nicht aus. In Europas großen Ligen setzen sich die Favoriten durch. Barcelona holt 99 Punkte in La Liga. Real Madrid erzielt 102 Tore, der FC Chelsea 103. Arsenal scheitert einmal mehr an seinen Verletzungen und am eigenen Phlegma. Der neue Modus der Europa League ist etwas besser als der alte. Ballack wird endlich mit Chelsea Meister, fällt aber dafür bei der Weltmeisterschaft aus. Brasilien und Spanien gelten als beste Nationalmannschaft der Welt auf und doch muss das nichts über den Ausgang der WM aussagen.

Ausblick

Es wird auch in der kommenden Saison wieder Fußball gespielt. Soweit die wichtigste Nachricht. Es gibt keine Stagnation, der Fußball entwickelt sich weiter. Er wird noch schneller, die Spieler körperlich noch mehr gefordert. Es werden wieder Mannschaften kommen, die sich für einen Moment über die anderen heben und mit sich das Spiel auf eine neue Ebene hiefen. Die neue Saison ist offen wie nie. Werden die Engländer zurückschlagen? Kommt Real Madrid international wieder auf Touren? Haben sich die Italiener wirklich schon erholt? Können die Bayern das Niveau halten, es sogar noch ausbauen? Wird es wieder deutsche Nationalspieler geben, die auch für ihren Verein Tore schießen?

Doch zunächst wird die WM die Hackordnung unter den Ländern dieser Welt wieder ins Wanken bringen. Wie schlagen sich die Favoriten? Wird Argentinien wegen oder trotz Maradona Weltmeister? Wie stehen die Sterne für Domenech? Ist Holland so gut, wie seine Einzelspieler? Muss man vor Italien noch Angst haben? Überstehen die Gastgeber die Vorrunde? Und was kann man von Deutschland erwarten? Mit diesem jungen, ersatzgeschwächten Team kann es eigentlich nur heißen: Hop oder Top.

Ich kann diese Fragen nicht beantworten, aber ich freue mich jetzt schon auf die WM und auf die neue Saison.

Finalfieber: Die Schlüsselduelle 6

Gepostet am 13. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Nachdem der Fokus gestern auf den möglichen taktischen Formationen lag, schauen wir uns heute die direkten Duelle der Partie an. Es gibt für mich drei Schlüsselduelle, die im wesentlichen den Ausgang dieses Spiels beeinflussen werden:

Petri Pasanen vs. Arjen Robben

Die rechte Seite mit Lahm und Robben ist das Prunkstück der Bayern. Robben ist seit seiner Ankunft zu Saisonbeginn der Star bei den Bayern. Nach ein paar gesundheitlichen Problemen ist er der Mann für die entscheidenden Spielsituationen und hat mit einem grandiosen Solo für den Finaleinzug gegen Schalke gesorgt. Mit 16 Saisontoren war er als nominell rechter Mittelfeldspieler genau so erfolgreich, wie Werders Claudio Pizarro. Robbens Torgefahr geht von seinem starken linken Fuß aus. Er zieht von der Außenbahn nach innen, verwendet dabei fast immer den gleichen Trick, der erstaunlicherweise jedes Mal wieder funktioniert. Beim Torabschluss hat er aus dieser Position alle Möglichkeiten und die nötige Schusstechnik, diese auch auszuschöpfen.

Petri Pasanen ist ein erfahrener, routinierter und abgeklärter Spieler. Er hat es in seinen fünf Jahren bei Werder nicht längerfristig zum Stammspieler geschafft, kommt aufgrund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit und Verlässlichkeit jedoch regelmäßig zu seinen Einsätzen. In der Rückrunde kam er nach Boenischs Verletzung und Abdennours Wacklern in die Startformation und spielt seit dem einen soliden Part auf der linken Seite der Viererkette. Pasanen ist kein gelernter linker Verteidiger, ist im Spiel nach vorne limitiert und hat als Rechtsfuß auch wenige Optionen beim flanken. Er ist nicht der schnellste, geht auch deshalb wenige Risiken nach vorne ein und verfügt über ein starkes Stellungsspiel.

Auf dem Papier ist Arjen Robben durch seine Technik und Schnelligkeit in diesem Duell klar überlegen. Pasanen hat jedoch einen wichtigen Vorteil: Als Rechtsfuß fällt es ihm leichter, Robben an seinen Sololäufen in die Mitte zu hindern. Er lässt sich nicht auf Spielereien ein und beschränkt sich auf das Wesentliche. Sicherlich wird Pasanen die von Robben ausgehende Gefahr nicht komplett neutralisieren können, doch wenn er einen guten Tag hat, kann er sie vielleicht so weit eindämmen, dass Robben wesentlich weniger Chancen bekommt, als im letzten Aufeinandertreffen der Mannschaften, wo Robben dem überforderten Abdennour Knoten in die Beine dribbelte.

Torsten Frings vs. Thomas Müller

Thomas Müller ist der Shooting-Star der Saison beim Rekordmeister. Er zeigt für einen so jungen Spieler eine ungewöhnliche Abgeklärtheit und nutzt den Platz zwischen Viererkette und Mittelfeld des Gegners clever aus. Er ist weder ein richtiger Stürmer, noch ein Mittelfeldspieler und so für seine Gegenspieler schwer auszurechnen. Im Gegensatz zu Werders jungen Offensivspielern bewegt sich Müller auch bei Ballbesitz des Gegners sehr gut, stellt Passwege zu und setzt die defensiven Mittelfeldspieler unter Druck. Dazu ist er ein guter Vollstrecker, der vor dem Tor die Übersicht behält. Diese außergewöhnliche Kombination hat ihn nicht nur bei den Bayern trotz starker Konkurrenz zum unumstrittenen Stammspieler gemacht, sondern auch zu einem Platz im WM-Kader von Joachim Löw verholfen.

Torsten Frings wurde von vielen schon zum alten Eisen gezählt. Nach einer insgesamt schwachen Vorsaison bekam der Bremer Kapitän seine neue Rolle als Baumann-Nachfolger immer besser in den Griff. Im Winter sortierte ihn Löw endgültig aus dem Kreis der Nationalmannschaft aus und Frings reagierte endlich mit der lange erhofften Leistungssteigerung. In der Schlussphase der Saison erreichte Frings seine Topform und zählt so wieder zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Liga. Mit dem starken Newcomer Bargfrede an seiner Seite prägt er den Spielaufbau seiner Mannschaft und hat auch zum sicheren und überlegten Passspiel zurückgefunden. Daneben machen ihn seine Zweikampfstärke und sein nie enden wollender Kampfgeist für das Team äußerst wertvoll.

In der Grundformation treffen Frings und Müller nicht unmittelbar aufeinander. Zwar wird Frings sicher den einen oder anderen Zweikampf mit Müller suchen, wenn dieser sich zurückfallen lässt, doch in erster Linie werden sie es wohl bei Ballbesitz des Bremer Kapitäns miteinander zu tun bekommen. Frings größte Schwäche ist das schnelle Kombinationsspiel. Er nimmt die Bälle, die von den Innenverteidigern zu ihm geleitet werden, in der Regel erst an, schaut sich um und leitet sie erst dann weiter. Wird er sofort unter Druck gesetzt, geht er schon mal ins Dribbling oder versucht, einen Freistoß herauszuholen. Darunter leidet dann Werders Aufbauspiel. Thomas Müller hat genau hier seine Stärke. Frings ist daher auf seinen Nebenmann Phillipp Bargfrede angewiesen, der ihn entlasten und so die Gefahr durch Müllers frühes Stören abmildern kann.

Mesut Özil vs. Mark Van Bommel

Mark Van Bommel gilt bei den gegnerischen Fans vor allem als unfairer Spieler, der gerne mal über die Strenge schlägt. Es lässt sich schwer abstreiten, dass seine Spielweise hart ist und die Grenzen des Fair Plays mitunter überschreitet. Dazu ist er auch sehr geschickt darin, gegnerischen Spielern zu Karten zu “verhelfen”. Es wäre jedoch sehr kurz gedacht, ihn auf diese Eigenschaften zu beschränken. Ähnlich wie Frings bei Werder ist Van Bommel ein unermüdlicher Antreiber, der nie aufgibt und seiner Mannschaft als gutes Vorbild voran geht. Mit Schweinsteiger hat er nun wieder einen spielstarken Nebenmann, der seine Mankos in der Offensive überdeckt. In Van Gaals System muss er das Spiel nicht gestalten, sondern die Bälle in erster Linie auf die Außenpositionen verteilen. In der Defensive kommen seine Stärken dagegen voll zum Vorschein. Als Ausputzer vor der Viererkette spielt er seine vielleicht beste Saison bei den Bayern und macht seinen Gegenspielern das Leben schwer.

Mesut Özil trat in der Hinrunde endgültig aus Diegos Schatten. Gemeinsam mit Marin und Hunt machte er den brasilianischen Spielmacher vergessen. Seine brillante Technik und die Fähigkeit, den entscheidenden Pass in die Spitze zu spielen, machten ihn auch zum Hoffnungsträger der Nationalmannschaft. Dazu zeigte er sich auch im Torabschluss verbessert und traf regelmäßig selbst. Im Winter folgte dann jedoch ein Leistungseinbruch, der wahlweise auf sein Privatleben, die andauernden Vertragsverhandlungen oder seine körperliche Fitness geschoben wurde. Thomas Schaaf hielt jedoch an seinem Spiegestalter fest, gönnte ihm einige frühe Auswechslungen und hat so großen Anteil daran, dass Özil nun schon seit einigen Monaten aufsteigende Form zeigt. Zum Saisonende wirkt er wieder so dominant, wie über weite Strecken der Hinrunde und könnte im Pokalfinale wieder zum entscheidenden Mann werden.

Özil lässt sich noch zu leicht die Spielfreude nehmen, wenn seine Gegenspieler ihm wenig Freiräume lassen und er kaum Ballbesitz hat. Gegen Schalke zeigte er jedoch, dass er dazugelernt hat und auch auf seine Chance warten kann, ohne das nötige Selbstvertrauen zu verlieren. Die hängenden Schultern, die seine Resignation signalisieren, sind seltener geworden. Gegen die Bayern könnte er den nächsten Schritt in diese Richtung machen. Der Defensivverbund aus Van Bommel und Schweinsteiger ist der beste der Liga und wird ihm alles abverlangen. Besonders der Niederländer wird ihn mit allen legalen und halblegalen Mitteln bearbeiten, um ihm die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Kann Özil diesem Druck standhalten?

Selbstverständlich gibt es daneben noch weitere Duelle, die das Spiel entscheiden könnten, vor allem, wenn die oben genannten keine klaren Sieger aufweisen. Olic bereitet Mertesacker schon seit Jahren Kopfschmerzen, Pizarro und Almeida sind im Verbund nur schwer zu stoppen und dann gibt es ja auch noch Ribery, der in seinem einzigen Finale sicher groß aufspielen will. Und nicht zuletzt hätten wir dann noch das Torhüterduell: Auf der einen Seite Jogi Löws neue Nummer 3 – und auf der anderen Seite Jörg Butt…

Unsere 23 Spieler für Südafrika 9

Gepostet am 5. May 2010 von Tobias (Meine Saison)

Morgen gibt Jogi Löw das vorläufige Aufgebot der Nationalmannschaft für die WM bekannt. So lange kann ich nicht warten. Ich habe deshalb einen kurzen, aber konzentrierten Blick in die Kristallkugel gewagt und die Kaderzusammenstellung für Südafrika herausgefunden. An dieser Stelle ein Spoiler Alert: Wer sich überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen. Angaben ohne Gewähr, doch die Kristallkugel lügt nicht. Beschwerden bitte direkt an den DFB richten.

Und hier ist nun unser Kader für Südafrika:

Tor

Gesetzt: Neuer, Wiese

+ 1 aus: Butt, Weidenfeller, Lehmann

Durch Adlers Ausfall kommt noch mal Pfeffer rein. Löw regelt es ganz unaufgeregt, nominiert Hans-Jörg Butt als dritten Torwart und schickt schöne Grüße nach Dortmund und Roman Weidenfeller in den Urlaub. Jens Lehmann war gar nicht erst Thema.

Abwehr

Gesetzt: Mertesacker, Westermann, Friedrich, Lahm

+ 4 aus: Boateng, Tasci, Höwedes, Hummels, Badstuber, Huth, Beck, Hinkel, Castro, Aogo, Schäfer

Hamburgs Jerome Boateng hatte zwar ein paar Wackler in der Rückrunde, aber ist natürlich trotzdem dabei. Bei Serdar Tasci war das Formtief dann schon etwas länger. Es spricht zwar noch einiges dafür, dass er trotzdem mitfährt, doch hier glaube ich an eine Überraschung: Ohne Tasci fahr’n wir zur WM. Von den jungen Benedikt Höwedes und Mats Hummels wird es nur einer in den Kader schaffen und dann gibt es ja auch noch den Badstuber Holger. Letzterer hat in seiner noch kurzen Karriere schon mehr Erfahrung in der Champions League gesammelt, als die meisten seiner Konkurrenten. Badstuber hat Außenseiterchancen, aber die Kristallkugel sagt: Höwedes fährt mit – sein päpstlicher Vorname gibt den Ausschlag. Mit Westermann, Friedrich und Boateng hat man einige Allrounder im Team, aber keinen waschechten Rechtsverteidiger, denn Löw wird Lahm weiterhin links einsetzen. Falls Löw keinen Hinkel aus dem Huth zaubert, wird Andreas Beck deshalb als Quoten-Hoffenheimer im Kader stehen. Gonzalo Castro wird im Zuge der Leverkusener Absagewelle wegrationalisiert. Während Dennis Aogo zum Nationalspieler noch etwas fehlt (z.B. 2-3 Konsonanten im Nachnamen), profitiert Marcel Schäfer vom Glück des Tüchtigen und von der dünnen Konkurrenz und komplettiert das Aufgebot in der Abwehr.

Mittelfeld

Gesetzt: Ballack, Schweinsteiger, Özil, Podolski

+ 4 aus: Khedira, Hitzlsperger, Gentner, Marin, Kroos, Hunt, Trochowski, Müller

Nach Schweinsteigers Umschulung zum Defensivstrategen ist der Partner für Agressiv Leader (die schönste Deutsch-Englische Wortkombination seit Europa League) Ballack schon gefunden. Die perfekte Symbiose der beiden macht weitere defensive Mittelfeldspieler quasi überflüssig. Löw weint deshalb Frings, Jones und dem verletzten Rolfes keine Träne hinterher, nominiert für den Notfall Sami Khedira und lässt Thomas Hitzlsperger im italienischen Exil. Solide Arbeiter wie Bargfrede, Träsch oder Reinartz werden nicht benötigt und mit Namen wie “Bender” machen sich bloß die Engländer wieder über uns lustig. Ach, das tun die sowieso? Das Lachen wird ihnen schnell vergehen, wenn ihnen Toni Kroos und Marko Marin Knoten in die Beine kombinieren! Aaron Hunt ist dann leider doch noch nicht so weit und freut sich lieber über seine erste Saison ohne gröbere Verletzungen. Besser die Knochen schonen und dann 2014 voll durchstarten. Für Piotr Trochowski hat der Bundestrainer eine Schwäche, der kommt auf jeden Fall mit. Und was ist eigentlich mit dem bayerischen Überflieger? Thomas Müller ist selbstverständlich dabei – aber nicht im Mittelfeld.

Wie? Ich habe Christian Gentner vergessen? Nicht so schlimm, das hat Löw auch!

Angriff

Gesetzt: Klose, Gomez

+ 2 aus: Kießling, Cacau, Helmes, Müller

Was haben wir am Montag mit Kevin Kuranyi gelitten, dem Sturmführer der Herzen. Doch alles Hoffen und Bangen half nicht, der Bundestrainer blieb hart, denn er hat andere Pläne. In deren Mittelpunkt stehen Bayerns Bankdrücker Miro Klose und Mario Gomez. Die sind ausgeruht und freuen sich so dermaßen darüber, dass sie mal wieder mitspielen dürfen – da kann gar nichts schiefgehen. Leider bleiben aber noch zwei Plätze im Kader frei und falls Stefan Kießling seine Trefferquote nicht zum Verhängnis wird, dürfte er einen davon bekommen. Mannschaftskamerad Patrick Helmes steht eigentlich nur auf der Kandidatenliste, damit sie nicht so leer aussieht. Platz 4 im Sturm schien deshalb schon an Cacau vergeben, doch Löw überrascht uns alle, verzichtet auf einen weiteren Mittelstürmer und nominiert Thomas Müller für den Angriff.

Der deutsche Kader für Südafrika sieht also folgendermaßen aus:

Neuer, Wiese, Butt, Mertesacker, Westermann, Friedrich, Lahm, Boateng, Höwedes, Beck, Schäfer, Ballack, Schweinsteiger, Özil, Podolski, Khedira, Kroose, Marin, Trochowski, Klose, Gomez, Kießling, Müller.

30. Spieltag: Comeback Kid 7

Gepostet am 11. April 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – SC Freiburg 4:0

Vor einer Woche schrieb ich noch, Werders Bundesligasaison sei beendet. Einem erwarteten Sieg gegen Freiburg, einem vorhersehbaren Punktverlust Leverkusens und einer halbwegs überraschenden Dortmunder Niederlage sei dank, widerspricht mir die Tabelle seit gestern wieder. Werders Schlussprogramm hält meinen Optimismus nach wie vor in Grenzen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Werder sich keinen Punktverlust mehr erlaubt. Dazu sind die verbleibenden Gegner zu stark, dafür ist Werder zu unkonstant. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren!

Der Sieg gegen Freiburg war natürlich verdient. Was der SC in der zweiten Halbzeit ablieferte, lud Werder geradezu zum Toreschießen ein. Es hätte auch gut und gerne wieder ein 6:0 geben können. Werders Leistung fand ich über 90 Minuten gesehen gut, wenn auch nicht so überragend, wie es das Ergebnis vormacht. Man hatte Freiburg fast über die gesamte Spieldauer im Griff, war sehr ballsicher und kombinierte sich immer wieder flüssig und ansehnlich vors Tor. Was mich jedoch gestört hat, war die Fahrlässigkeit, mit der Werder (mal wieder) in der Anfangsphase vorging. Ein Fortschritt zwar, dass die Defensive nie ihre Ordnung verloren hat. In Einzelaktionen (Naldo!) kamen aber einige Male die Unzulänglichkeiten zum Vorschein. Normalerweise muss Freiburg nach 10 Minuten in Führung gehen. Bringt Makiadi den Abpraller aus 8 Metern aufs Tor, ist es zu 80% das 0:1. Danach lief es aber immer besser und ich bin mir nicht sicher, ob es nur an Werders geduldigem Spielaufbau lag, doch Freiburg rannte mit zunehmender Spieldauer nur noch hinterher und konnte überhaupt nicht mehr für Entlastung sorgen. Wichtig, dass in der ersten Halbzeit noch das Tor fällt und Werder nicht gezwungen wird, noch konsequenter nach vorne zu spielen. Pizarro unterstreicht dabei wieder mal seine Klasse. Beim 2:0 durch Hunt zeigt sich dann schon, dass Freiburg kapituliert hat, was angesichts ihrer Tabellensituation überrascht. Danach hatte Werder leichtes Spiel, konnte ungestört sein Programm runterspielen, wobei vor allem Özil glänzte.

Was ich bemerkenswert finde: Barcelona sei dank ist es inzwischen wieder schick, ein Spiel mit viel Ballbesitz und konsequentem Positionsspiel zu gestalten. Dazu braucht es natürlich ein hohes Maß an Ballsicherheit und Passgenauigkeit. Während bei Werder die Tendenz in den letzten Jahren in Richtung Free Form und ständigen Positionswechseln (Baumann ausgenommen) im Mittelfeld ging, entwickelte sich das Spiel bei einigen Mannschaften in die andere Richtung. Spätestens seit Barcelonas Champions Leauge Triumph nimmt die Zahl der Mourinho-Jünger augenscheinlich ab. Der Querpass, vor kurzem noch fast ein Schimpfwort, kommt wieder in Mode. Vor kurzem noch wurde jeder Ball, der nicht direkt vertikal nach vorne gespielt wurde, als Zeitverschwendung angesehen. Mir persönlich gefällt das ganz gut, ich mag Mannschaften, die aktiv (sprich: mit Ballbesitz) versuchen, das Spiel zu gestalten und nicht in erster Linie gegen den Ball arbeiten, um dann sporadisch, aber blitzartig zu kontern. Auch wenn es natürlich nur selten so elegant aussieht, wie bei Barca oder der spanischen Nationalmannschaft. Die Bayern unter van Gaal sind ein gutes Beispiel, wie so ein System aussehen kann. Dort ist längst noch nicht alles perfekt und die Mannschaft tut sich noch schwer, diese Spielweise in Tore umzuwandeln. Zum Glück haben sie Robben. Und Olic. Wie sie gegen Manchester zurückkamen war schon beeindruckend, nicht nur vom psychologischen Aspekt her. Nach dem Platzverweis haben sie konsequent ihren Stiefel runtergespielt, ohne Hektik, ohne Panik, den Ball von einer Seite zur anderen gespielt. Immer auf der Suche nach dem Fehler. Es war dann letztendlich eine Standardsituation, die das Spiel entschied, aber viel wichtiger war für die Bayern, dass sie sich Uniteds Stürmer vom Leib halten konnten. Mit Rooney hatte sich Sir Alex verzockt, Valencia war ins Mittelfeld eingebunden und Nani konnte alleine keine so große Gefahr mehr darstellen wie noch in Hälfte 1. Deshalb war es am Ende trotz der katastrophalen ersten Halbzeit nicht unverdient, dass Bayern weiterkam.

Barcelonas Spiel ist dann noch mal ein bis zwei Stufen ausgereifter. Die Spieler sind seit Jahren, zum Teil seit frühester Jugend, an das System gewöhnt. Die Mannschaft ist nicht nur was das Passspiel angeht eine Klasse für sich, sondern auch was die Balleroberung in der gegnerischen Hälfte angeht. Der Ball wird nicht nur lange gehalten, sondern das zum Großteil in der Zone, wo es für den Gegner gefährlich wird, wenn er nicht mit voller Konzentration gegen den Ball arbeitet. Und dann hat man natürlich auch die Spieler, die diese Gelegenheiten ausnutzen können. Barcas Gegner am Dienstag hat seine Stärken nicht im Spiel gegen den Ball. Es war klar, dass Arsenal das Spiel anders angehen musste als im Hinspiel. Dass man Barcelonas Mittelfeld früher unter Druck setzen und das Spiel weiter vom eigenen Tor entfernt halten musste. 20 Minuten lang klappte das auch sehr gut. Danach kam Messi und Arsenal glitt das Spiel aus den Händen. Eine Mannschaft, der fünf Spieler aus der Startelf fehlen, hat schon mit genügend Problemen zu kämpfen. Ein Messi, der das Repertoire der Sportjournalisten an Superlativen längst aufgebraucht hat, ist dann einfach zu viel. Die beiden Spiele legen aber nahe, dass Arsenal im Camp Nou auch in Bestbesetzung nicht allzu hoch gewonnen hätte. Was angesichts der tollen Offensive immer wieder übersehen wird: Barcelona hat in dieser Saison in 31 Spielen erst 19 Gegentore kassiert. Letzte Saison waren es bei 105 (!!!) geschossenen Toren insgesamt vergleichsweise geringe 35 Gegentore. Ein Beleg für die platte Aussage “Angriff ist die beste Verteidigung”? Eher dafür, dass kontrolliertes Spiel mit viel Ballbesitz dem Gegner wenige Tormöglichkeiten einräumt.

Um nochmal den Bogen zurück zu Werder hinzubekommen: Die Bayern zeigen momentan ganz gut, dass man mit konsquentem Positionsspiel Erfolg haben kann, auch wenn man nicht Barcelona ist. Bayerns Abwehr wirkt alles andere als gefestigt, dennoch hat man mit die wenigsten Gegentore der Liga gefangen. Vorne machen im Zweifel die Ausnahmespieler den Unterschied. Man muss nicht 90 Minute lang anrennen und dem Gegner die Konter auf dem Silbertablett servieren, um zum Torerfolg zu kommen. Mit Pizarro hat Werder einen der besten Stürmer der Liga, mit Marin und Özil zwei dribbelstarke Spieler, die auch über die Außenpositionen immer wieder für Gefahr sorgen. Mit der Kombination Bargfrede/Frings kann man gegen die meisten Gegner das zentrale Mittelfeld kontrollieren. Vielleicht kann die Mannschaft mit der zweitbesten Chancenverwertung der Liga wieder ein wenig Angriffswucht zugunsten von mehr Spielkontrolle aufgeben? Gegen Freiburg war das für mich das Erfolgsrezept. Wobei man nicht vergessen darf, dass Werder vor nicht langer Zeit noch das gegenteilige Problem hatte, wenn ich an die Jahre nach der Doublesaison denke, als man Gegner teilweise über 90 Minuten beherrschte und hinten rein drückte, ohne das entscheidene Tor zu erzielen. Irgendwas ist halt immer.

Phantomschmerz 0

Gepostet am 31. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. In dieser Woche spüre ich das besonders: Es ist die erste Europacup-Runde seit Mai 2008, in der Werder nicht mitspielt. Gut, man kann nach dem Thriller gegen Valencia auch irgendwie ganz froh sein, dass die Nerven nun ein bisschen geschont werden. Werders Ligaspiele reichen schließlich aus, um den Puls konstant auf einem erhöhten Level zu halten. Der Ärger über die absurde Sperre gegen Torsten Frings kommt noch dazu. Eigentlich also kein Problem. Eigentlich.

Trotzdem ist da eine Leere. So ein Gefühl “da müssten wir dabei sein”, wenn es in die entscheidende Phase der europäischen Wettbewerbe geht. Die Champions League findet zu diesem Zeitpunkt immer ohne uns statt, aber in der Europa League, da sollten wir eigentlich noch mitspielen. Da gehören wir hin. Wolfsburg und der HSV sind ja schließlich auch noch drin und dazu gab es die Chance, ein Endspiel in Hamburg zu erreichen. Man sollte nicht mehr drüber nachdenken, es ist immer noch viel zu ärgerlich. So beschäftige ich mich stattdessen lieber mit den Spielen der anderen.

Bayern München – Manchester United 2:1

Ganz schön überraschend, was sich am Dienstag in München abspielte. Es dauerte nur 64 Sekunden, bis der Favorit in Führung ging. Ein Freistoß wurde von van Bommel abgefälscht und Rooney hatte in der Mitte alle Zeit der Welt, um den Ball zu verwerten, weil Demichelis wegrutschte. Bei vielen Bayernfans läuteten nun wohl die Alarmglocken und die Angst vor einem Debakel wie in Barcelona kam auf. Schon bald zeigte sich aber, dass diese Angst unbegründet war. Die Bayern investierten in der Folge mehr in das Spiel, wie man so schön sagt, während United seine Abgeklärtheit zur Schau stellte und nur sporadisch am Spiel teilnahm, dann aber sehr gefährlich wurde. Zur Pause hatte die knappe Führung bestand und sie war nicht unverdient, wenngleich die Leistung der Bayern nicht schlecht war. In der zweiten Hälfte legten die Bayern ein wenig zu und brachten Manchester immer wieder in Bedrängnis. Edwin van der Sar hielt seinen Kasten vorerst jedoch sauber, ohne wirklich geprüft zu werden, da Bayerns Torabschlüsse eher harmlos waren. Auf der anderen Seite fehlte Manchester die Präzision bei den Pässen in die Spitze auf Rooney. Auf den Außen bekamen Badstuber und Lahm ihre Gegenspieler Nani und Park immer besser in den Griff, so dass Alex Ferguson eine taktische Umstellung vornahm, um die Bälle besser zu halten. Der in den letzten Wochen sehr starke Berbatov und Routinier Giggs kamen ins Spiel. Dafür opferte Sir Alex mit Carrick einen zentralen Mittelfeldspieler und änderte das System von 4-5-1 auf 4-2-3-1. Genau in dieser Phase fiel der Ausgleichstreffer für die Bayern: Ein Freistoß von Ribery wurde von Rooney unhaltbar ins Tor abgefälscht. Glückliches Zustandekommen, aber insgesamt zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. Nach dem Ausgleich bekam Manchester das Spiel wieder besser in den Griff und konnte den Ball länger vom eigenen Tor weghalten. Vidic köpfte an die Latte und man hatte nicht den Eindruck, die Bayern könnten noch etwas entgegensetzen. Van Gaal hatte ebenfalls offensiv gewechselt und mit Klose und Gomez zwei weitere Stürmer gebracht. Letzterer hatte die beste Chance für Bayern auf dem Fuß, schloss jedoch aus nicht idealer Position ab und van der Sar hielt den Ball. Als keiner mehr mit einem Tor rechnete, beging Evra einen Fehler, als er einen Ball im eigenen Strafraum unaufmerksam stoppte und den hinter ihm anrennenden Olic nicht bemerkte. Der nahm ihm den Ball vom Fuß, verlud van der Sar und sorgte in der letzten Sekunde des Spiels für den Siegtreffer.

Insgesamt geht das Ergebnis so in Ordnung. Manchester wirkte nicht so, als wollten sie dieses Spiel unbedingt gewinnen. Nach dem frühen Auswärtstor verwaltete man zu viel und schenkte vor allem auf den Außen zu viel her. Das Ergebnis lässt das Rückspiel völlig offen. Die Ausgangssituation hat sich durch das Olic-Tor allerdings verändert: Nun muss United in jedem Fall treffen und gewinnen, dürfte das Spiel im Old Trafford daher ganz anders angehen als in München. Für die Bayern ist der Sieg in jedem Fall ein Achtungserfolg. Ein kleines Ausrufezeichen, dem man nächste Woche gerne ein großes folgen lassen würde. Die Chancen dafür würde ich auf etwa 40% einstufen. Robben und Schweinsteiger sind dann wieder mit von der Partie, deren Fehlen im Hinspiel nicht wirklich auffiel, was hauptsächlich an der starken Leistung von Altintop und dem Formanstieg bei Pranjic und Müller lag. Lahm gefällt mir auf rechts inzwischen richtig gut, schlägt auch gefährliche Flanken, die meistens flach an den Fünfmeterraum kommen. Demichelis war der einzige Spieler, der deutlich abfiel. Man könnte fast sagen, Bayern hat trotz seines Mitwirkens gewonnen. Manchester wirkt vor allem auf den Außen anfällig, Evra ist nicht mehr in der Form der vergangenen Jahre und Neville wirkte gegen Ribery mehrfach überfordert (sein Handspiel führte auch zum Ausgleich). Sollte Rooney ausfallen, könnte es ein sehr unangenehmes Spiel für United werden. Andererseits müssen die Bayern noch zeigen, dass der Sieg mehr war, als ein kleiner Ausreißer nach oben.

Arsenal FC – FC Barcelona 2:2

Vor dem Spiel schwärmten die Freunde des gepflegten Fußballspiels vom Duell der Puristen unter den europäischen Topclubs. Nur eine Mannschaft präsentierte sich dann so, dass sie den hohen Ansprüchen gerecht wurde: Der FC Barcelona. Barca hatte von der ersten Minute an die Zügel in der Hand und setzte Arsenal derart unter Druck, dass man fast Mitleid bekommen musste. Arsenal kam nur selten in Ballbesitz und verlor diesen dann meist schon vor der Mittellinie wieder. Die Balleroberer um Keita und Busquets (man ist der gut!) leisteten fast perfekte Arbeit, rückten früh auf die Gegenspieler auf. Da auch Barcelonas Offensivkräfte jedem Ball hinterhergingen, wurden Arsenals Spieler stetig in der eigenen Hälfte gedoppelt und wussten nicht viel mit den Bällen anzufangen. Wenger war mit hohem Risiko in das Spiel gegangen, hatte die angeschlagenen Fabregas und Gallas in die Anfangsformation berufen. Besonders Fabregas, der aus Barcelonas Jugendabteilung kommt, merkte man die körperlichen Probleme noch deutlich an. Gallas hielt eine knappe Halbzeit lang durch, musste dann jedoch ausgewechselt werden, dazu kam eine weitere Verletzung bei Arshavin. Wenger stellte Mittelfeldspieler Song in die Innenverteidigung, wohl auch, weil er dem alternden Campbell nicht zumuten wollte, gegen die quirligen Messi und Pedro zu spielen und brachte dafür Denilson im Mittelfeld, während Arshavin durch den defensivstärkeren Eboué ersetzt wurde. Es war einer gehörigen Portion Glück und einer bärenstarken Leistung von Torhüter Almunia zu verdanken, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 0:0 stand. Barcelona kontrollierte das Spiel nach Belieben und kam immer wieder gefährlich vor das Tor der Gunners. Messi, der immer wieder die Seiten tauschte, hauptsächlich aber in der Mitte hinter Ibrahimovic agierte, war eine ständige Gefahr, konnte von den defensiven Mittelfeldspielern Song und Diaby nur selten gestellt werden und war immer wieder im Raum zwischen Viererkette und Mittelfeld anspielbar. Xavi zog dahinter in bekannter Manier die Fäden. Das Fehlen von Iniesta machte sich kaum bemerkbar. Das größte Problem bereiteten den Gunners aus meiner Sicht die Außenverteidiger Alves und Maxwell, die so offensiv agierten, dass die Bezeichnung “Viererkette” ad absurdum geführt wurde, und die von Arshavin und Nasri nur wenig dabei gestört wurden. Häufig konnten sie 40 Meter mit dem Ball die Linie entlang laufen und wurden erst kurz vor dem Strafraum von Arsenals Außenverteidigern in Empfang genommen. Den Platz, der sich dadurch in Barcelonas Hintermannschaft bot, konnte Arsenal kaum nutzen. Dennoch gelang es Barcelona nicht, die Überlegenheit vor der Pause in Tore umzumünzen und es ging mit einem 0:0 in die Pause. Almunias Leistung in den ersten 45 Minuten war nach Aussage seines ehemaligen Konkurrenten Jens Lehmann “die beste Torwartleistung, die ich seit langer Zeit gesehen habe.”

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich dieses Urteil relativieren sollte. Ein langer Ball auf Ibrahimovic brachte diesen frei vors Tor, allerdings weit auf der rechten Seite. Anstatt bloß den Winkel zu verkürzen kam Almunia überhastet aus dem Tor gelaufen, zögerte dann kurz und wurde überlupft. Ein sehr einfaches Tor für Ibrahimovic, das in krassem Gegensatz zu den vielen herausgespielten Chancen der ersten Halbzeit steht. Vielleicht macht aber auch gerade das die Stärke Barcelonas in diesem Jahr aus: Eine größere Variabilität. Arsenal bekam daraufhin das Spiel besser in den Griff als über weite Strecken der ersten Hälfte, doch diese Phase war nur von kurzer Dauer. Barca nahm wieder Fahrt auf und drückte auf das 2:0. Trotz vieler schneller Passstaffetten und schneller Angriffszüge war es erneut ein hoher langer Ball, der zum Erfolg führte. Song, der kurz zuvor noch durch eine tolle Rettungsaktion aufgefallen war, darf sich diesen Gegentreffer ankreiden, wobei Almunia bei Ibrahimovics Schuss erneut keine wirklich gute Figur machte und zu früh abtauchte. Es ist jedoch fraglich, ob er an diesen Ball sonst herangekommen wäre. Durch das 0:2 schien nicht nur dieses Spiel, sondern auch das Viertelfinale entschieden. Arsène Wenger hatte jedoch noch einen Trumph im Ärmel, den er nun ausspielte. Er brachte den pfeilschnellen Walcott für Sagna, dessen Position von Eboué eingenommen wurde. Walcott agierte vor ihm auf der rechten Seite und stellte Maxwell endlich defensiv vor Probleme. Ihm blieb dann auch der Anschlusstreffer vorbehalten. Von Bendtner bedient schob er den Ball an Valdes vorbei. Auch in diesem Fall keine gute Aktion des Torhüters, denn der Ball war weder hart noch platziert geschossen. Nun entwickelte sich ein Schlagabtausch, den viele von vornherein erhofft hatten. Arsenal konnte sich immer wieder über die rechte Seite durchsetzen und phasenweise auch Barcas Passspiel im Mittelfeld unterbinden. Guardiola brachte Henry für Ibrahimovic und setzte fortan mehr auf Konter. In der 87. Minute kam es dann zu einer folgenschweren Situation für dieses Duell: Puyol foulte im Strafraum Fabregas, der erneut von Bendtner klasse bedient worden war. Elfmeter für Arsenal und Platzverweis für Kapitän Puyol, der damit ebenso wie sein Nebenmann Pique und sein Gegenstück Fabregas im Rückspiel fehlen wird. Fabregas verwandelte den Elfmeter, verletzte sich dabei jedoch erneut. Da das Wechselkontingent bereits aufgebraucht war, humpelte der Kapitän die letzten fünf Minuten über das Spielfeld. Am Ende war es Arsenal, das sogar noch auf das Siegtor drängte.

Dennoch ist das 2:2 ein glückliches Resultat für die Gunners und entspricht nicht dem Spielverlauf. Durch die starke kämpferische Leistung verdienten sie sich das Ergebnis zumindest ein Stück weit. Im Rückspiel wird auch spielerisch und vor allem taktisch eine bessere Leistung notwendig sein, wenn man eine Chance auf ein Weiterkommen haben möchte. Insgesamt war es ein sehr gutes Fußballspiel, sicher eines der besten dieser Saison, was die Kombination aus spielerischer Klasse, Tempo und Dramatik angeht. Arsenal gebe ich nur geringe Chancen für das Rückspiel. Es muss wohl ein Sieg im Camp Nou her und dazu müsste schon ein mittleres Fußballwunder passieren. Um die Abwesenheit Barcelonas Stamm-Innenverteidiger auszunutzen, muss erst einmal Barcas Dominanz am Ball ein Stück weit durchbrochen werden (oder eben über 90 Minuten konzentriert gegen die ballführenden Spieler gearbeitet werden, siehe Chelsea letztes Jahr, was aber überhaupt nicht Arsenals Ding ist). 65%-35% Ballbesitz, 533-265 erfolgreiche Pässe und 23-6 Torschüsse aus dem Hinspiel sprechen da eine eindeutige Sprache zu Ungunsten der Gunners. Ganz nebenbei sind die Ersatzleute Millito und Marquez ja auch keine Laufkundschaft. Ich schätze Arsenals Chancen auf ein Weiterkommen auf maximal 20%.

Damals, im Herbst 2004 1

Gepostet am 10. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Normalerweise stelle ich an dieser Stelle immer unsere Gegner in den europäischen Wettbewerben vor – wenn es die Zeit zulässt. Werders Gegner am Donnerstag in der Europa League hat jedoch einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, als er in der Champions League zweimal gegen uns antreten musste. Deshalb statt einer Vorstellrunde ein Blick zurück:

Im Herbst 2004 ist Werder Deutscher Meister und darf zum ersten Mal seit 1993/94 wieder in der Champions League antreten. Nach einer ärgerlichen Niederlage bei Inter Mailand holt Werder aus den verbleibenden fünf Gruppenspielen 13 Punkte und zieht ins Achtelfinale ein. Gegen Valencia, den Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger, gelingen unseren Grün-Weißen zwei Siege, die letztendlich entscheidend für das Weiterkommen waren. Vor dem Rückspiel im Mestalla benötigt Werder lediglich ein Unentschieden. Nach einer tollen und konzentrierten Leistung hält Werder bis in die Schlussphase ein 0:0. Nelson Valdez erlöst die Fans schließlich mit zwei späten Toren. Werder feiert den Triumph ausgelassen, die Spanier schleichen mit hängenden Köpfen vom Platz. So hätte es jedenfalls laufen können.

Es kommt jedoch anders. Valencias Spieler haben sich nicht unter Kontrolle, fühlen sich von Werders Torjubel nach dem 0:1 provoziert und versuchen nicht etwa, das Spiel noch zu drehen, sondern suchen nach Vergeltung auf dem Platz. In jedem Zweikampf muss man Angst um die Gesundheit unserer Spieler haben, da es Valencia weniger um das Erobern des Balls geht als darum, den Gegner möglichst hart zu treffen. Angulo schafft es schließlich, Valdez mit voller Wucht umzutreten, ohne die geringste Chance, an den Ball zu kommen. Eines der häßlichsten Fouls, die ich je im Fußball gesehen habe. Nach der fälligen roten Karte spuckt er beim Rausgehen noch Tim Borowski an. Valdez reagiert auf die beste Weise, die es im Fußball gibt: Er schießt den Ball nach dem Freistoß zum entscheidenden 0:2 ins Tor. Danach brechen dann alle Dämme. Tim Borowski wird von einem Mob Valencianischer Spieler verfolgt, von den Rängen regnet es seit Minuten alle erdenklichen Gegenstände auf das Spielfeld. Mehrere Werderspieler kassieren Schläge und Tritte. Bei aller Freude über das Weiterkommen bin ich nach dem Spiel doch sehr entsetzt über das, was sich dort auf dem Platz abgespielt hat.

Das finanzielle Gebahren des Vereins macht ihn nicht sympathischer: Eine halbe Milliarde Euro Schulden. Trotzdem lässt man ein neues Stadion für 250 Millionen Euro bauen. Solchen Scheißvereinen gönne ich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln! Es geht mir gegen den FC Valencia daher nicht nur um das Weiterkommen, sondern um Revanche. Ich möchte diese Mannschaft nach den Spielen gegen uns am Boden liegen sehen.* Sicherlich ist das heute eine andere Mannschaft, die über tolle Spieler verfügt, wie etwa David Villa, David Silva oder Joaquin. Auch bei uns hat sich einiges getan, nur Tim Borowksi, Petri Pasanen (der damals eine Ohrfeige kassierte) und Daniel Jensen stehen aus der damaligen Mannschaft noch im Kader. Ihnen wird es (hoffentlich) nicht in erster Linie um Revanche gehen. Sie sind Profis, müssen mit solchen Situationen anders umgehen, einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht zu Dummheiten hinreißen lassen. Ich als Fan brauche mir darüber keine Gedanken zu machen. Ich kann mich über jeden Valencianischen Fehlpass freuen, bei jedem Foul aufspringen und eine Unsportlichkeit wittern. Wenn ich Spieler wie Vincente, Marchena oder Baraja sehe, kann ich an damals zurückdenken, mir die Szenen vor Augen führen und mich dann umso mehr über jede gelungene Aktion unseres Team freuen.

Also bitte, Özil, Marin, Pizarro und Co., zeigt diesem Möchtegern-Weltklasseverein wozu ihr fähig seid! Spielt eure Klasse aus und werft sie – wie damals – aus dem Wettbewerb!

* Wir reden hier trotzdem von Sport. Ich möchte Valencia durch fußballerische Mittel gedemütigt sehen, nicht durch Unfairness oder Gewalt!



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