Internet-Tagebuch eines Werderfans

Meine Saison mit dem SVW


Damals, im Herbst 2004 1 Kommentar

Gepostet am 10. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Normalerweise stelle ich an dieser Stelle immer unsere Gegner in den europäischen Wettbewerben vor – wenn es die Zeit zulässt. Werders Gegner am Donnerstag in der Europa League hat jedoch einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, als er in der Champions League zweimal gegen uns antreten musste. Deshalb statt einer Vorstellrunde ein Blick zurück:

Im Herbst 2004 ist Werder Deutscher Meister und darf zum ersten Mal seit 1993/94 wieder in der Champions League antreten. Nach einer ärgerlichen Niederlage bei Inter Mailand holt Werder aus den verbleibenden fünf Gruppenspielen 13 Punkte und zieht ins Achtelfinale ein. Gegen Valencia, den Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger, gelingen unseren Grün-Weißen zwei Siege, die letztendlich entscheidend für das Weiterkommen waren. Vor dem Rückspiel im Mestalla benötigt Werder lediglich ein Unentschieden. Nach einer tollen und konzentrierten Leistung hält Werder bis in die Schlussphase ein 0:0. Nelson Valdez erlöst die Fans schließlich mit zwei späten Toren. Werder feiert den Triumph ausgelassen, die Spanier schleichen mit hängenden Köpfen vom Platz. So hätte es jedenfalls laufen können.

Es kommt jedoch anders. Valencias Spieler haben sich nicht unter Kontrolle, fühlen sich von Werders Torjubel nach dem 0:1 provoziert und versuchen nicht etwa, das Spiel noch zu drehen, sondern suchen nach Vergeltung auf dem Platz. In jedem Zweikampf muss man Angst um die Gesundheit unserer Spieler haben, da es Valencia weniger um das Erobern des Balls geht als darum, den Gegner möglichst hart zu treffen. Angulo schafft es schließlich, Valdez mit voller Wucht umzutreten, ohne die geringste Chance, an den Ball zu kommen. Eines der häßlichsten Fouls, die ich je im Fußball gesehen habe. Nach der fälligen roten Karte spuckt er beim Rausgehen noch Tim Borowski an. Valdez reagiert auf die beste Weise, die es im Fußball gibt: Er schießt den Ball nach dem Freistoß zum entscheidenden 0:2 ins Tor. Danach brechen dann alle Dämme. Tim Borowski wird von einem Mob Valencianischer Spieler verfolgt, von den Rängen regnet es seit Minuten alle erdenklichen Gegenstände auf das Spielfeld. Mehrere Werderspieler kassieren Schläge und Tritte. Bei aller Freude über das Weiterkommen bin ich nach dem Spiel doch sehr entsetzt über das, was sich dort auf dem Platz abgespielt hat.

Das finanzielle Gebahren des Vereins macht ihn nicht sympathischer: Eine halbe Milliarde Euro Schulden. Trotzdem lässt man ein neues Stadion für 250 Millionen Euro bauen. Solchen Scheißvereinen gönne ich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln! Es geht mir gegen den FC Valencia daher nicht nur um das Weiterkommen, sondern um Revanche. Ich möchte diese Mannschaft nach den Spielen gegen uns am Boden liegen sehen.* Sicherlich ist das heute eine andere Mannschaft, die über tolle Spieler verfügt, wie etwa David Villa, David Silva oder Joaquin. Auch bei uns hat sich einiges getan, nur Tim Borowksi, Petri Pasanen (der damals eine Ohrfeige kassierte) und Daniel Jensen stehen aus der damaligen Mannschaft noch im Kader. Ihnen wird es (hoffentlich) nicht in erster Linie um Revanche gehen. Sie sind Profis, müssen mit solchen Situationen anders umgehen, einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht zu Dummheiten hinreißen lassen. Ich als Fan brauche mir darüber keine Gedanken zu machen. Ich kann mich über jeden Valencianischen Fehlpass freuen, bei jedem Foul aufspringen und eine Unsportlichkeit wittern. Wenn ich Spieler wie Vincente, Marchena oder Baraja sehe, kann ich an damals zurückdenken, mir die Szenen vor Augen führen und mich dann umso mehr über jede gelungene Aktion unseres Team freuen.

Also bitte, Özil, Marin, Pizarro und Co., zeigt diesem Möchtegern-Weltklasseverein wozu ihr fähig seid! Spielt eure Klasse aus und werft sie – wie damals – aus dem Wettbewerb!

* Wir reden hier trotzdem von Sport. Ich möchte Valencia durch fußballerische Mittel gedemütigt sehen, nicht durch Unfairness oder Gewalt!

Live-Blog: Werder Bremen – VfB Stuttgart 0 Kommentare

Gepostet am 6. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

“Es wird auch dieses Mal kein Unentschieden geben” 2 Kommentare

Gepostet am 5. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Es ist März und auf Werder wartet ein hartes Programm. Sieben Spiele stehen in den nächsten 21 Tagen an, die Werders Kader ordentlich auf die Probe stellen werden. Reichen die Kräfte, um in drei Wettbewerben weiterhin eine Rolle zu spielen? Wir werden sehen. Den Auftakt macht morgen das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, zu dem mich ja eine ganz besondere Verbindung habe. Trotzdem steht ein Heimsieg gegen die Schwaben momentan ganz oben auf meinem Wunschzettel.

Als kleine Einstimmung auf das Spiel habe ich mal wieder ein Interview geführt. Marcel, aka hirngabel, schreibt in seinem überaus lesenswerten Blog Brustring über den VfB Stuttgart und hat mir freundlicherweise ein paar Fragen beantwortet.

Hallo Marcel, ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, ob ich Dir zu Eurem Spiel gegen Barcelona gratulieren soll oder nicht. Was überwiegt bei Dir, die Freude über die tolle Leistung gegen die beste Mannschaft der Welt oder der Ärger über die vergebene Chance, eine richtig gute Ausgangsposition fürs Rückspiel herauszuholen?

Die Gefühle haben bei mir ehrlich gesagt geschwankt bei mir im Nachklapp des Spiels. Während des Spiels hat man sich zwar einerseits erfreut, gerade in der ersten Halbzeit, an der beeindruckenden Leistung, aber natürlich auch ein wenig gehadert mit der Chancenauswertung. Direkt ach dem Spiel war dann die Freude eigentlich größer, am nächsten Morgen wiederum nagte die Enttäuschung doch etwas, aber irgendwann habe ich mich doch damit anfreunden können. Schließlich hatten die Kollegen aus Nordösterreich (die, die vor einem Jahr im Hinspiel 0:4 untergegangen sind) uns ja schon vorab beerdigt – und nicht nur die.

Im Rückspiel in Barcelona traut Euch nach dem 1:1 nun niemand mehr ein Weiterkommen zu. Ist genau das Stuttgarts Chance oder könnten sie sich die Reise eigentlich sparen?

Ich glaube, eine Reise ins Camp Nou lohnt sich immer, oder nicht? =) Direkt nach dem Spiel war ich Teil einer Diskussion, in der ich genau das behauptet habe, dass vielleicht das 1:1 sogar besser ist als ein 1:0 oder 2:1-Sieg. Denn so haben sie einerseits nicht ihr “Gesicht verloren” und andererseits wirkt es wie eine recht komfortable Ausgangsposition. Dementsprechend *könnte* es also durchaus sein, dass es Barca nicht so ganz ernsthaft angehen wird, der VfB wieder mit vollem Elan attackieren wird und mit murrendem Heimpublikum könnte dann vielleicht sogar der große FC Barcelona wieder nervös werden. Denn es war ja nicht so, dass Barcelona gegen Stuttgart einfach nur lässig aufgetreten wäre, sondern es ist dem VfB in der ersten Halbzeit perfekt gelungen den Spaniern richtig den Schneid abzukaufen und sie wirklich zu verunsichern. Aber gut, das wird ein neues Spiel und es muss, realistisch betrachtet, schon einiges zusammenlaufen, dass wir es tatsächlich schaffen, weiterzukommen. Immerhin, die Chance ist da.

Bei Werder ärgert man sich seit Jahren, dass man nach guten bis sehr guten Hinrunden in der Rückrunde regelmäßig – zumindest phasenweise – einbricht. Beim VfB scheint es andersherum zu sein. Purer Zufall oder hast Du eine andere Erklärung dafür?

Puh. Ich glaube, wenn ich darauf eine wirkliche Antwort hätte, dann würde ich mich umgehend beim VfB melden und mir ein fürstliches Beraterhonorar aushandeln. Es ist natürlich schon so, dass sich gewisse Dinge wiederholen. Eher so mittelprächtige Erfolgsbilanzen auf dem Transfermarkt in der Sommerpause und ein gewisser Schlendrian, der sich gerne nach halbwegs erfolgreichen Halbserien einzustellen scheint. Gerade letzteres stimmt mich auch immer ein wenig nachdenklich bezüglich des Charakters der Mannschaft, da es dann tatsächlich immer wieder ein neuer Trainer richten muss. Andererseits schafft es die Mannschaft dann aber auch wiederum sich wieder am Riemen zu reissen. Naja, wie Du siehst, ich bin da selbst ein wenig ratlos. Immerhin gibt es ein halbwegs gutes Gefühl zu wissen, dass dieser Verlauf schon etwas Tradition hat und man sich mehr oder weniger drauf “verlassen” kann, dass es am Ende schon irgendwie gut geht. Und, ganz ehrlich, mir ist es fast lieber, wenn es hinten raus besser wird, als andersrum. Da kann man dann wenigstens mit einem guten Gefühl aus der Saison herausgehen.
Achja, und, weils mich doch immer ein bisschen wurmt: In unserer Meistersaison sind wir zwar schwach gestartet, waren aber schon im November 2006 Tabellenführer. Das wird beim “Zufallsmeister”-Gerede ja gerne mal vergessen.

Seit dem Trainerwechsel läuft es beim VfB wieder richtig gut. Was macht Christian Gross anders als sein Vorgänger? Und daran anknüpfend: vor einem Jahr gab es genau die gleiche Situation als Babbel Euren Meistertrainer Armin Veh ablöste. Bist Du zuversichtlich, dass sich diesmal ein langfristiger Erfolg einstellen wird?

Kurz nachdem Gross verpflichtet wurde habe ich im Scherz mal gesagt, dass Gross ja dann auf jeden Fall schon mal schön planen kann, was er ab November/Dezember 2010 machen will. Aber natürlich habe ich die Hoffnung, dass es jetzt endlich mal wieder etwas langfristiger wird. Die andauernde Wechselei auf der Trainerposition ist schon etwas nervig auf Dauer und da schaut man dann schon mal neidisch auf Euch in Bremen beispielsweise, wo Kontinuität ja scheinbar Gesetz ist. Bei Gross selbst habe ich eigentlich schon einen guten Eindruck. Was er im Training großartig anders macht, kann ich aus der Distanz natürlich nicht beurteilen, aber von dem was man so mitbekommt, ist er halt einfach ein wesentlich autoritärer Trainer, wohingegen Babbel scheinbar (vielleicht auch bedingt durch diese unsägliche Trainerlehrgangsgeschichte) den Kontakt zur und den Respekt bei der Mannschaft verloren hatte.

Der wichtigste Unterschied allerdings ist, dass Gross sich sehr schnell auf eine Stammelf festgelegt hat und dieser sehr klar sein Vertrauen geschenkt hat. Diese Elf wurde eigentlich nur dann verändert, wenn es aufgrund von Verletzungen oder Sperren notwendig war. Bei Babbel in der Hinrunde war das ja schon teilweise extrem anders mit einer teilweise doch etwas planlos wirkenden Rotation.

Thomas Hitzlsperger ist in dieser Saison vom Kapitän und Leistungsträger aufs Abstellgleis geraten und wurde im Winter abgegeben. War er wirklich zu schlecht, um bei einer Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel regelmäßig eingesetzt zu werden? Wo siehst Du die Gründe für seinen rasanten Abstieg?

Okay, das wird jetzt vermutlich etwas länger. Ich habe ja oben schon von der teilweise planlos anmutenden Rotation von Babbel gesprochen, und Hitzlsperger war natürlich das prominenteste Opfer dieser Wechselspiele. Hitz kam halt schon mies in die Saison rein, mit einem schwachen Auftritt gegen Wolfsburg, nach dem er danach erstmal auf der Bank Platz nehmen musste. Dann spielte er wieder, erst ziemlich gut (gegen Dortmund), dann wieder schwach gegen Nürnberg – ergo wieder Bank. Dann kam er wieder zurück mit einem starken Spiel gegen Frankfurt, gefolgt von schwachen Auftritten und der erneuten Bankplatzierung. So ging das dann wieder weiter und irgendwann verselbständigte sich die Diskussion um seine Person immer mehr mit dem Höhepunkt der “Entmachtung” durch Babbel – bei der ich allerdings nach wie vor glaube, dass Babbel ihm damit wirklich einen Gefallen tun wollte.

Spätestens bei Babbels Entlassung war Hitzlsperger dann wirklich in einer echten Formkrise und zu allem Überfluss auch noch dank einer Oberschenkelverletzung in den ersten Spielen ausser Gefecht gesetzt. Zeitgleich kehrte Khedira aus seiner Verletzungspause zurück, spielte gut, ebenso der von Gross favorisierte Träsch – und dann war da immer noch Kuzmanovic, der als einer der wenigen in der Hinrunde noch ein Lichtblick war (nur momentan eben ein Opfer des Systems ist, bzw. eine Art Edeljoker). Dementsprechend waren dann plötzlich drei Leute da, die die Nase vorne hatten und zudem alle deutlich jünger sind als Hitzlsperger selbst. In Anbetracht dessen, dass auch noch Lanig (25 BL-Einsätze in der Saison 08/09) in absehbarer Zeit zurückkehren würde, war es für mich dann zu Beginn des Jahres eigentlich klar, dass Hitzlsperger auf jeden Fall gehen musste, um irgendwo anders Spielpraxis für die WM zu erhalten.

Daher kann man, glaube ich, auch nicht davon reden, dass er “zu schlecht” ist, da ich schon tippe, dass er ohne WM womöglich geblieben wäre und sich im Laufe der Saison vielleicht sogar wieder an die Startelf rangespielt hätte. Aber gut, das ist Spekulation, schwer genug wäre es geworden und im Sommer wäre sein Vertrag angesichts der starken und eben jungen Konkurrenz wohl ohnehin nicht verlängert worden. Ich hoffe für ihn, den ich wirklich sehr schätze und dem ich sehr dankbar für viele tolle Leistungen bin, dass er die Kurve bei Lazio noch kriegt – aber ich befürchte, nach diesem Katastrophenstart wird das wohl nichts mehr. Vielleicht gehts dann im Sommer wieder zurück nach England.

Tschuldigung, das war jetzt wirklich ausführlich – aber es war halt einfach ein ganz unglücklicher Mix aus Dumm gelaufen und “Hasse Scheisse am Fuss, hasse Scheisse am Fuss”.

Dem VfB Stuttgart wird allgemein eine sehr gute Jugendarbeit nachgesagt. Es schaffen auch immer wieder junge Spieler den Sprung ins Profiteam und in die Nationalmannschaft. Manche sagen, Joachim Löw bevorzuge Stuttgarter Spieler bei seinen Nominierungen. Alles Quatsch oder ist da etwas dran?

Du stellst aber auch nur Fragen, auf die man wirklich ausführlich antworten müsste… =)

Daher fasse ich mich diesmal kurz und bleibe bei den einzelnen Personalien: Khedira gehört in die Nationalmannschaft, ohne wenn und aber. Über Tasci kann man gerne diskutieren – wobei man da auch sagen muss, dass die Konkurrenz sich bisher nicht so aufgedrängt hat, als dass seine Nominierung zumindest für den Kader an sich völlig unverständlich wäre. Wobei ich sehr gerne auch Hummels im Kader sehen würde. Bei Träsch glaube ich, dass er für die WM noch keine wirkliche Rolle spielen wird, aber mittelfristig wird man um ihn, wie um Khedira nicht umhin kommen. Die beiden haben einfach herausragendes Potential.

Wer ist dieser neue Torjäger beim VfB und was hat er mit Cacau gemacht?

Hehe! Von dieser Leistungsexplosion unseres “Helmuts” sind wir selbst (oder gerade?) als VfB-Fans doch auch ziemlich überrascht worden. Wobei, andererseits, der geschätzte Kollege heinzkamke hat zum “Comeback-Kid” Cacau einen wirklich schönen und passenden Text geschrieben.

Zudem ist er gerade ein perfektes Beispiel dafür, wie unfassbar wichtig der Faktor “Momentum” gerade für einen Stürmer ist. Da machst Du dann eben auch so Tore wie das 2:1 gegen Frankfurt. Und auch sein Kurzauftritt gegen Argentinien zeigte deutlich das getankte Selbstvertrauen. Klar ist aber auch, dass er diese Leistungen halbwegs konstant abrufen muss in der Rückrunde, will er eine ernsthafte Alternative für die Nationalelf werden. Für den VfB würde ich mir das natürlich auch erhoffen, da wir nach dem Abgang von Gomez doch mit leichten Problemen auf dieser Position gestraft sind. Zumindest bei Pogrebnyak habe ich da aber eigentlich noch Hoffnung.

In den vergangenen drei Saisons war das Duell zwischen unseren beiden Teams eigentlich immer ein Toregarant mit mindestens 4, meistens sogar 5 Toren und i.d.R. einem klaren Sieg für die jeweilige Heimmannschaft. Einzige Ausnahme war das Hinspiel diese Saison, wo wir 2:0 in Stuttgart gewinnen konnten. Wird es am Samstag wieder Tore hageln? Wie lautet Dein Tipp?

Das einzige wo ich mir halbwegs sicher bin ist, dass es auch dieses Mal kein Unentschieden geben wird, so wie es in den letzten Jahren ohnehin nur in der Saison 2005/06 der Fall war. Dazu sind unsere beiden Teams einfach zu sehr auf Hop oder Top eingestellt. Ich hoffe natürlich, dass wir die Scharte aus dem Hinspiel wieder auswetzen können und glaube auch definitiv, dass dies möglich ist, da Eure Abwehr nun nicht die sattelfesteste ist. Gerade Abdennour könnte erhebliche Probleme mit dem wuseligen Gebhart bekommen und wenn dann Pizarro mal wieder einen eher durchschnittlichen Tag erwischt, dann dürfte es für Euch schwierig werden. Aber es wird auf jeden Fall sehr von der Tagesform abhängen, denke ich – bei beiden Teams. Daher tippe ich einfach mal 3:1 – ich hoffe für uns, aber für Euch wäre eben genauso möglich.

Vielen Dank, Marcel!

Im Gegenzug hat auch Marcel mir einige Fragen zum einzig- wie großartigen SV Werder gestellt, die ich natürlich gerne beantwortet habe.

24. Spieltag: Pragmatismus 1 Kommentar

Gepostet am 2. March 2010 von Tobias (Meine Saison)

Mainz 05 – Werder Bremen 1:2

Viel Aufregung über ein wenig aufregendes Spiel. Die Mainzer sprachen nach dem Spiel vor allem über Schiedsrichter Rafati und dessen rote Karte gegen Heller. Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Aktion gegen Aaron Hunt zwingend eine Tätlichkeit ist, dumm war sie in jedem Fall. Mit Anlauf auf einen am Boden liegenden Spieler zuzulaufen und eine Ausholbewegung mit dem Fuß zu machen, gibt dem Schiedsrichter kaum eine andere Wahl, auch wenn Heller den Tritt nicht richtig durchführt und Hunt nur leicht touchiert. Ganz unschuldig war Rafati an der Szene jedoch nicht, da er zuvor einem Mainzer für ein ziemlich hartes Foul an Hunt keine gelbe Karte gegeben hatte und dieser nun durch ein eigenes Foul um Revanche bemüht war. Ich halte nicht viel davon, die ersten paar gelbwürdigen Fouls in einem Spiel nicht zu bestrafen, nur um eine drohende Kartenflut zu vermeiden. Die Intention dahinter mag richtig sein, doch letztlich sollte es vom Verhalten der Spieler abhängen, wie oft ein Schiri zur Karte greifen muss. Leider sehen viele Schiedsrichter das anders.

Wie dem auch sei, die frühe rote Karte hatte zweifellos Einfluss auf das Spiel der Mainzer, die einen richtig guten Start erwischt hatten. Werder mit Problemen, auch in Überzahl, sich gegen die früh angreifenden Mainzer zu behaupten. Erst die Auswechslung des wieder übermotiviert wirkenden und an der Schwelle zum Platzverweis stehenden Abdennour brachte etwas Ruhe in das Bremer Spiel. Borowskis Freistoßtor tat dann das übrige. Werder schien über 90 Minuten in erster Linie um Spielkontrolle bemüht zu sein und nicht so sehr um Kreativität. Dazu trug auch die Aufstellung bei. Schaaf musste den gesperrten Frings ersetzen und brachte neben Niemeyer den wiedergenesenen Phillip Bargfrede von Anfang an. In der Offensive hatte ich mich noch gefragt, ob Marin oder Almeida neben Pizarro auflaufen würde. Stattdessen blieben beide auf der Bank und Tim Borowski rotierte in die Startaufstellung. Die Mainzer Heimbilanz und die kurze Erholungspause nach dem Spiel gegen Enschede zwangen den Idealisten Schaaf zu Pragmatismus. In der jetztigen Phase zählen nur noch Punkte.

Von diesem Standpunkt kann man sagen: Alles richtig gemacht! Werder brachte Mainz mit einem hanebüchenen Patzer von Vander zwar zwischenzeitlich zurück ins Spiel, ging durch einen Sonntagsschuss von Sebastian Prödl aber schon kurz nach Wiederanpfiff erneut in Führung. Aus einer halben Torchance zwei Tore gemacht, wie es Tuchel nach Abpfiff schön zusammenfasste. Mehr Chancen konnte sich allerdings auch Tuchels Team nicht herausspielen, was einerseits an der für Werder nicht selbstverständlichen Disziplin der Mannschaft lag, andererseits wohl auch an den ausgehenden Kräften der in Unterzahl kämpfenden Mainzer. Für Werder ist es daher ein Arbeitssieg, für die Mainzer eine ziemlich unglückliche erste Heimniederlage der Saison.

Das Spiel dürfte für “neutrale” Beobachter ziemlich langweilig gewesen sein. Als Werderfan möchte ich nicht viel meckern, wenn man solche Spiele gewinnt, erst recht weniger als 48 Stunden nach einem Galaauftritt in der Europa League. Vor wenigen Wochen wollte ich schon nicht mehr daran glauben, dass Werder überhaupt noch eine Chance auf Platz 5 hat und nun ist man den Dortmundern und Hamburgern schon wieder ziemlich dicht auf die Pelle gerückt. So macht die Bundesliga langsam wieder Spaß!

Was mich am Wochenende sehr mitgenommen hat, war die schlimme Verletzung des Arsenalprofis Aaron Ramsey, der sich nach einem Foul einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch zuzog. Mitgenommen hat es mich nicht nur, weil es einen der talentiertesten britischen Jungprofis erwischt hat, sondern weil ich nicht mehr glaube, dass es sich dabei um einen Zufall handelt. Es ist die dritte schwere Verletzung eines Arsenalspielers durch ein brutales Foul seit 2006. Sicherlich kann so etwas im Fußball passieren und Absicht unterstelle ich besonders Shawcross bei dessen (mit rot bestraftem) Foul an Ramsey nicht. Die Spielweise, die viele schwächere Mannschaften gegen Arsenal wählen, ist jedoch darauf ausgelegt, den Gunners mal so richtig einen draufzuhauen. Es gilt als legitime Strategie, eine technische und taktische Unterlegenheit durch übertriebene Härte wettzumachen, weil (Überraschung!) Arsenal das nicht mag. Mal ganz davon abgesehen, dass ich keine Mannschaft kenne, die es mag, wenn der Gegner überhart spielt, finde ich es erstaunlich, dass auch die englischen Medien immer wieder in diese Kerbe stoßen, als sei Unfairness im Fußball erwünscht. Ich habe natürlich nichts gegen Härte im Fußball, sie macht einen Teil dieses Sports aus. Wenn eine Mannschaft jedoch nur darauf bedacht ist, den Gegner durch unfaire und gefährliche Aktionen zu stoppen, sollte man es als das bezeichnen, was es ist: unsportlich!

Europa League, 1/16-Finale: Der heimliche Spielmacher 6 Kommentare

Gepostet am 26. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Twente Enschede – Werder Bremen 1:0
Werder Bremen – Twente Enschede 4:1

Als Werderfan kann man heute wirklich zufrieden sein. Aus der schwierigen Ausgangsposition, mit zwei Toren Vorsprung gewinnen zu müssen, hat sich Werder souverän ins Achtelfinale geballert und  dabei über weite Strecken richtig guten Fußball gespielt. Wie schon im Hinspiel vor einer Woche gehörte die erste halbe Stunde des Spiels Werder. Wie im Hinspiel erzielte Enschede dann wie aus dem Nichts ein Tor. Anders als vor einer Woche hatte Werder zu diesem Zeitpunkt aber schon die eigenen Chancen genutzt und mit 3:0 in Führung gelegen. Am Ende kam ein 4:2 Gesamtergebnis heraus, das nach den gezeigten Leistungen über 180 Minuten so in Ordnung geht. Twente hatte insgesamt nur eine Halbzeit lang Oberwasser gegen Bremen, verpasste es dort jedoch, eine noch bessere Ausgangssituation für das Rückspiel herauszuholen.

Die hätte es gestern Abend gebraucht, um gegen eine sehr konzentrierte und kombinationsfreudige Bremer Mannschaft etwas zu holen. Der Knackpunkt für Enschede war sicherlich die vergebene Chance durch Parker, bei der Vander seine – von vielen im Stadion unbemerkte – beste Aktion hatte, und dem folgenden Tor durch Claudio Pizarro. Vander war sehr lange stehen geblieben, gab Parker dadurch nicht die einfache Option, ihn auszugucken und dann einzuschieben. Dass der Schuss  nur an den Außenpfosten ging war dann natürlich auch Glückssache. Dennoch eine (sehr, sehr seltene!) Situation, in der ich ganz froh war, nicht den mit Messer zwischen den Zähnen heranrauschenden Tim Wiese im Kasten zu haben. Im Gegenzug dann Abdennour mit seiner besten Szene, einem gewonnenen Tackling im Mittelfeld und Özils Pass auf Pizarro, der sein bereits zwölftes Tor im zehnten Europa League Spiel erzielte. Danach war die Messe gelesen, ein Aufbäumen Twentes fand nicht mehr statt, obwohl Werder nicht mehr voll konzentriert wirkte.

Bei Özils Auswechslung nur verhaltener Beifall, obwohl er eine gute Leistung gezeigt hatte und an allen Toren beteiligt war. Es läuft noch längst nicht alles rund bei ihm, aber die Formkurve zeigt seit dem Spiel gegen Leverkusen wieder nach oben. Möglicherweise einer der Gründe: Özil musste gestern nicht Spielmacher und Vollstrecker zugleich sein. Die Umstellung mit Almeida und Pizarro gemeinsam im Angriff – zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an – machte sich deutlich bemerkbar. Während Marin und Özil mehr die Außenbahnen beackerten, ließ sich Pizarro (wie auch schon in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim) häufig  gute zehn Meter hinter Almeida fallen und beteiligte sich am Spielaufbau. Eigentlich keine Besonderheit, doch gestern hatte er mit Almeida noch einen wirklichen Stürmer vor sich, der a) auch hoch anspielbar war und b) die Bälle wiederum für Pizarro ablegen konnte – eine Aufgabe die Pizarro zuvor in Personalunion schlecht selbst bewerkstelligen konnte. Trotzdem kann man seine Leistung gar nicht hoch genug bewerten. Großartiges Spielverständnis, gutes Auge, technisch ohnehin klasse. Die Lücke zwischen den defensiv überzeugenden, aber im Aufbauspiel verbesserungswürdigen Frings und Niemeyer und den kleinen Wirblern füllte er blenden aus. Es war, als hätte Werder endlich das fehlende Puzzlestück gefunden. Dazu nutzte Pizarro diesmal auch seine Chancen.

Nach einem zwar konzentrierten, aber etwas zähen Start war es Torsten Frings Pass, der das 1:0 einleitete. In dieser Situation hatte er am schnellsten gedacht, war den Niederländern um einen Schritt voraus und Werder brauchte es über die Stationen Özil, Almeida und Pizarro “nur” noch sauber zuende spielen. Almeidas punktgenaue Hereingabe ist dabei sicherlich ebenfalls hervorzuheben. Danach spielte sich Werder in einen Rausch und die Gäste fanden eine Viertelstunde lang keinen Weg, dem etwas entgegenzusetzen. Werder belohnte sich mit zwei weiteren Toren. Pizarro und Naldo behielten vor ihren jeweiligen Treffern die Nerven und schlossen überlegt ab. Gibt es einen anderen Innenverteidiger in Europa, der auf so viele unterschiedliche Weisen torgefährlich ist, wie Naldo? Kopfbälle, Freistöße und nun im Stile eines abgezockten Klassestürmers den Torwart verladen. Dazu in der Defensive oft im richtigen Moment aus der Viererkette gelöst und dadurch das Angriffsspiel unterbunden. Gerne hätte ich das bei seinem Nebenmann Mertesacker in den beiden Spielen zuvor gegen Janssen und Kroos auch gesehen! Mertesacker war auch gestern für mich neben dem übermotivierten Abdennour der einzige, mit dessen Leistung ich nicht ganz einverstanden war. Er war mit einer Grippe ins Spiel gegangen, was einerseits eine gute Entschuldigung, andererseits natürlich auch ziemlich leichtsinnig ist. Eine wirklich schlechte Leistung war es allerdings auch von ihm nicht. In der Spieleröffnung konnte er Pluspunkte sammeln. Mit Stürmer de Jong hatte er jedoch einige Probleme, weil dieser mit viel Körper- und Armeinsatz in die Luftzweikämpfe ging und sich so erstaunlich gut behaupten konnte.

Es war sicherlich noch nicht alles Gold, was da gestern im Weserstadion schon wieder sehr ansehnlich glänzte, aber es war eindeutig die beste Mannschaftsleistung des Jahres und ein Fingerzeig, wozu diese Mannschaft in der Saison noch fähig sein könnte. Das Comeback von Bargfrede macht zusätzlich Hoffnung. Thomas Schaaf steht nun jedoch vor dem Problem, über drei sehr gute offensive Mittelfeldspieler zu verfügen, die wunderbar harmonieren, nicht jedoch mit dem Zweiersturm Pizarro/Almeida zusammen aufgestellt werden können. Wäre Frings doch nur vier Jahre jünger! So dürfte es in den nächsten Spielen, in denen es nicht von der ersten Minute an einen Rückstand aufzuholen gilt, wieder auf die bekannte Formation hinauslaufen, mit Almeida als Backup für die Sturm- und Drangphase in den letzten dreißig Minuten. Alternativ könnte man natürlich auch einen der drei zuvor genannten auf der Bank lassen, am ehesten wohl Marin, der dann in der Schlussphase dem erschöpften Gegner Knoten in die Beine dribbelt. Nun geht es mit nur einem Tag Pause zum Auswärtsspiel nach Mainz. Eine ohnehin schwierige Aufgabe, bei der Werders Fitness und/oder Reservebank auf eine harte Probe gestellt werden.

Ein paar Randnotizen aus dem Stadion: Viertes Heimspiel in der Europa League, zum vierten Mal live vor Ort, vierter Sieg. Die Sicht vom VIP-Rang ist phänomenal, die Stimmung nicht so ganz. Genörgel über Özil allerorten und nur wenig Interesse fürs oder gar Verständnis vom Spiel. Ein wenig deplatziert fühle ich mich dort schon, auch wenn es vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips TrailMix kaum weniger spießig ist. Dafür immer wieder Begegnungen mit altgedienten Werderspielern (diesmal Mirko Votava). Vor dem Stadion wäre ich dann fast noch von Aaron Hunt über den Haufen gerannt worden, der es wohl sehr eilig hatte, zu seinem Auto zu kommen. Gut so, Aaron, diesen Einsatz will ich von dir in den nächsten vier Jahren bei Werder weiterhin sehen!

Live-Blog: Werder Bremen – Bayer Leverkusen 0 Kommentare

Gepostet am 21. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Wie Sky treue Kunden los wird 10 Kommentare

Gepostet am 20. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

In meinem Briefkasten lag heute ein nettes Schreiben der Firma Sky mit folgendem Inhalt:

“Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir (…) hiermit ihr Abonnement zum Vertragsende im Mai fristgerecht beenden. Ihr Abonnement stellen wir Ihnen bis einschließlich 31.05.2010 weiter zu Ihren aktuellen Konditionen zur Verfügung.

Dieser Schritt fällt uns nicht leicht, da wir Sie als Kunden schätzen und Sie auch weiterhin mit großartigem Fernsehen begeistern wollen. Darum möchten wir sie einladen: Kommen Sie in die neue Welt von Sky und erleben Sie auch in Zukunft besondere Momente.”

Schluck. Sky, Du machst mit mir Schluss? Nach acht mehr oder weniger schönen Jahren? Nun gut, ich hätte sicherlich ein besserer Kunde sein können, hätte zu Premiere-Zeiten weitere Pakete zu meinem Sport-Paket dazu buchen können, hätte mal einen neuen Receiver mit HD-Fähigkeit bestellen können oder den einen oder anderen kostenpflichtigen Film. Allerdings warst auch Du nicht ohne Fehler. Einen besseren Kundenservice hättest Du gerne bieten dürfen. Die Decoder-Miete hättest Du während der acht Jahre ruhig mal reduzieren können und Dein langsamer Qualitätsverfall ist auch nicht unbemerkt geblieben. Trotzdem bin ich Dir acht Jahre lang treu geblieben, habe nicht zwischendurch die Beziehung beendet, um bessere Vertragsbedingungen auszuhandeln. Selbst das Arena-Intermezzo habe ich mit Dir zusammen durchgestanden. Und nun?

Nun soll alles vorbei sein? Nein! Du möchtest mich auch weiterhin begeistern und schätzt mich als Kunden. Entschuldigung, aber das sind ja wohl die lausigsten und abgedroschensten Schlussmachsprüche der Welt! Es ist nicht meine Schuld, sondern Deine, richtig? Ich kann schließlich nichts dafür, dass Du seit Deiner kleinen Schönheitskur inklusive Markenrelaunch plötzlich der Meinung bist, etwas besseres (sprich: doppelt so viel Geld pro Monat) verdient hast. Siehst Du auch so? Na wunderbar!

Du lädst mich in die neue Welt von Sky ein, die mir verdächtig wie die alte Welt von Sky vorkommt. Ich darf Dir also einen neuen Antrag machen? Mich mit den anderen einreihen, die Dir zum ersten Mal den Hof machen und zu den gleichen Bedingungen einen Teil Deines großartigen Fernsehens erleben? Was, Du hast extra für mich und meinesgleichen eine eigene Hotline eingerichtet? Für nur 14 Cent die Minute, damit uns der Wechsel so einfach wie möglich fällt?

Weißt Du, man könnte bei Deinem Brief so ein wenig das Gefühl bekommen, Du wärst ein kleines bisschen undankbar. Bedenkt man die grob überschlagenen 3.120 Euro, die ich Dir in den letzten acht Jahren für Deine Dienste habe zukommen lassen, könnte man sogar fast denken, Deine Art mit treuen Kunden umzugehen, wäre eine riesengroße Sauerei und Dein halbherziges Nachfolgeangebot eine schwerere Form von Kundenverarsche. Weißt Du, wie man jemanden nennen könnte, der einem nach acht Jahren nicht einmal ein kleines bisschen bei seinem neuen Angebot entgegenkommt? Einen raffgierigen Halsabschneider, der nicht einmal den Mut hat, klar und deutlich zu schreiben: “Fick Dich ins Knie”, statt mit einem magenumdrehenden Text aus der Marketing-Mottenkiste ein halbwegs akzeptables Angebot vorzutäuschen. Wie, trifft auf Dich nicht zu? Dann ist ja gut.

“Wir hoffen sehr, dass wir Sie auch bei Sky als unseren Kunden begrüßen dürfen.”

Das durftest Du! Ein ganzes Jahr lang! Doch nun muss ich Dir leider mitteilen: Nein! Es ist aus! Und zwar endgültig! Ich wünsche Dir noch viele schöne Jahre mit Franz Beckenbauer und einen weiterhin hertha’esken Börsenkurs.

Und scheiß auf Freunde bleiben!

22. Spieltag: Nun ja… 4 Kommentare

Gepostet am 15. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Hannover 96 – Werder Bremen 1:5

Nun ja, was soll man da groß schreiben? In Hannover trafen sich am Samstag um 15:30 zwei Mannschaften zum Fußballspielen. Eine davon setzte das Vorhaben in die Tat um, die andere hörte nach 10 Minuten schon wieder damit auf. Einen so schwachen Gegner, wie ihn Hannover 96 in der ersten Halbzeit abgab, habe ich in der Bundesliga noch nicht gesehen. Das war ja gar nichts! Müßig daher, Werders Leistung im Detail bewerten zu wollen.

Hannover ist seit langer Zeit der Lieblings-Sparringspartner unserer Mannschaft, hatte schon vor dem Spiel gegen keinen anderen Gegner so viele Gegentore in der heimischen AWD-Arena kassiert, wie gegen Werder. Die Grün-Weißen taten am Samstag genug dafür, dass es noch eine Weile so bleiben wird. Bei einem 5:1 kann und will ich nicht viel kritisieren, das ist Aufgabe des Trainers. Es dürfte klar sein, dass in den nächsten Spielen gegen Enschede und Leverkusen andere Kaliber warten. Die verbleibenden Probleme der Mannschaft sind ebenfalls bekannt: Özils Formschwäche (der immerhin gegen Hannover wieder gute Standards ausführte) sowie die gelegentliche Indisponiertheit der Viererkette. Das zentrale Mittelfeld gefällt mir mit Frings und Niemeyer wieder richtig gut. Man darf eines nicht vergessen, wenn man Frings mit Baumann vergleicht: Baumann hatte fast immer einen richtig guten, zweikampfstarken und ballsicheren Nebenmann (erst Ernst, dann Frings). Den hatte Frings in der Hinrunde über weite Strecken in Bargfrede, während der “Krise” jedoch aus verschiedenen Gründen nicht. Nun hat er mit Niemeyer wieder die nötige Unterstützung und schon läuft es wesentlich besser. Es gibt eigentlich keinen Grund, an dieser Aufstellung etwas zu ändern, auch wenn ich grundsätzlich ein System mit zwei Stürmern bevorzuge (Pizarro und Almeida standen in dieser Saison noch nicht einmal gemeinsam in der Startelf). “Party-Peter” wünsche ich jedenfalls ein richtig gutes Spiel am Donnerstag bei seinem Ex-Verein!

Ein paar Gedanken noch zu Naldo: Er wird mir (außerhalb der grün-weißen Vereinsbrillensicht) insgesamt zu schlecht beurteilt. Teilweise ist die Kritik an ihm berechtigt: Sein Stellungsspiel ist nicht immer erstklassig, seine Spielweise ist manchmal zu lässig und er hatte auch eine Phase, in der er völlig neben sich stand. Da hört es dann aber auch schon auf. Naldo gehört zu den zweikampfstärksten Spielern der Bundesliga, ist mit seiner Größe und seinem Timing beim Kopfball Fels in der Brandung im eigenen Strafraum und schaltet sich dazu mit seiner Torgefährlichkeit regelmäßig in die Offensive ein. Über 12 Tore in 31 Pflichtspielen wäre so mancher deutsche Nationalstürmer mehr als glücklich (genau genommen wäre so mancher deutsche Nationalstürmer schon froh über 31 Pflichtspiele…)! Naldo bügelt seine gelegentlichen Schnitzer in der Defensive also mehr als aus. Es mag nun Leute geben, denen ein Weltklasseverteidiger ohne jegliche Torgefahr trotzdem lieber ist. Fair enough, aber bei der Bewertung des Spielers Naldo sollte man trotzdem nie dessen Torgefahr außen vor lassen.

Live-Blog: Hannover – Werder 0 Kommentare

Gepostet am 13. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

21. Spieltag: Jinx 5 Kommentare

Gepostet am 8. February 2010 von Tobias (Meine Saison)

Werder Bremen – Hertha BSC 2:1

Vor gut 2 1/2 Monaten schrieb ich euphorisiert von Werders 6:0 in Freiburg folgendes:

“Ich lehne mich heute aus dem Fenster und sage: Werder wird Meister 2010!”

Wie dumm von mir! Als Fan lernt man über die Jahre, dass solch eine Aussage einfach nicht unbestraft bleibt. Außer man ist Fan des FC Bayern. Ich fühle mich daher schon mehr als nur ein wenig mitschuldig, dass Werders tolle Serie aus dem Herbst so jäh beendet wurde und es stattdessen bis zum Freitag gedauert hat, bis Werder den nächsten Sieg einfahren konnte. Im Baseball gibt es dafür sogar eine eigene Bezeichnung: jinx. Ein jinx ist ist eine Art Fluch, der durch verschiedene Dinge hervorgerufen werden kann. Es gibt inzwischen ein ganzes Regelwerk für Spieler, die einen jinx vermeiden wollen. Die wichtigste Regel dabei ist: Spreche niemals über die Serie! Im Baseball ist damit die Serie eines Pitchers an No-Hittern gemeint, aber es lässt sich relativ leicht auf andere Sportarten übertragen. Wäre ich Amerikaner hätte es nach meiner Aussage vermutlich keine drei Sekunden gedauert, bis mir jemand zugerufen hätte: “Don’t jinx it!”

Auch in Deutschland hat mir jemand etwas ähnliches zugerufen, nämlich meine Freundin. Dummerweise habe ich nicht auf sie gehört und den schlimmsten Fehler begangen, den man in meiner Situation machen kann: Ich habe meine Aussage nicht etwa zurückgenommen oder relativiert, sondern ihren Einwand als Quatsch abgetan. Ich habe die Existenz des jinx verneint! Wenn es etwas gibt, das den Fluch sogar noch verstärkt, dann ist es, die Existenz des jinx zu leugnen! “There is no such thing as a jinx”, ist daher die dümmste Äußerung, die ein Sportfan in den USA von sich geben kann. Ein absoluter rookie mistake, den sich bestenfalls sportuninteressierte Nerds leisten, die zum ersten Mal eine Sports Bar besuchen und dann von allen Seiten beschimpft werden. Wenn es also einen Schuldigen für Werders elfwöchige Serie ohne Bundesligasieg gibt, dann ist es nicht der Trainer, dann ist es nicht die Mannschaft, sondern dann bin ich es!

Nun stellt sich aber die Frage, wer “Schuld” daran trägt, das Werder am Freitag zumindest vorübergehend zurück in die Erfolgsspur gefunden hat. Andersherum funktioniert der jinx nämlich nicht, auch wenn eine pessimistische Grundeinstellung bis zum sicheren Sieg die Gefahr eines jinx minimiert. Es muss sich also tatsächlich etwas verändert haben in Werders Mannschaft. Bloß was? Häufig sind die Änderungen nicht von außen erkennbar. Es werden vermeintliche Kleinigkeiten geändert, die auf dem Platz eine große Wirkung erzielen. Manchmal sind es aber auch ganz offensichtliche Dinge. Am Freitag waren die personellen Umstellungen in der Mannschaft deutlich: Für den in Gladbach überforderten Abdennour kam Perti Pasanen in die Startelf und im Mittelfeld ersetzte Peter Niemeyer Tim Borowski. Es blieb jedoch nicht nur bei den personellen Umstellungen, auch die Formation auf dem Platz war eine andere. Wer Thomas Schaaf auf die “Raute” im Mittelfeld anspricht, erntet zumeist nur ein müdes Lächeln, ihm sind diese Standardfloskeln ein Dorn im Auge. Viel wichtiger als die Grundformation sind ohnehin die Bewegungen der Spieler in unterschiedlichen Spielsituationen. Gegen die Hertha waren aber deutliche Umstellungen erkennbar, wie ein Blick auf die Durschnittspositionen während des Spiels zeigt.

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Gladbach (Durchschnittliche Positionen)

Werder - Hertha (Durchschnittliche Positionen)

Auf dem oberen Bild ist Werders Mannschaft im Spiel gegen Gladbach zu sehen, auf dem unteren im Spiel gegen Hertha. Was fällt auf? Die Abwehrkette stand beim Heimspiel gegen den Tabellenletzten deutlich tiefer als noch eine Woche zuvor. Am auffälligsten zeigt sich dies bei Per Mertesacker – der gegen Berlin in der ersten Halbzeit fast einen Libero abgab – und bei Petri Pasanen. Eine tiefer stehende Viererkette bedeutet aber auch mehr Raum für den Gegner im Mittelfeld. Während im oberen Bild eine deutliche Raute erkennbar ist (das ist bei Werder längst nicht immer so, weil die Spieler ihre Positionen immer wieder tauschen), sieht man im unteren Bild zwei defensive Mittelfeldspieler im Zentrum. Niemeyer fiel weder durch große Passgenauigkeit, noch durch außergewöhnliche Zweikampfstärke auf, doch er machte in taktischer Hinsicht vieles richtig. Bei Ballverlusten dauerte es keine zwei Sekunden, bis er sich neben Frings eingefunden hatte. Zusammen machten die beiden viele Gegenangriffe der Hertha zunichte, bevor sie auf die sichtlich bemühte, aber verunsichert wirkende Abwehrkette zurollen konnten. Borowski hatte in den Wochen zuvor als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive immer wieder enttäuscht, konnte weder Frings im Zentrum wirklich unterstützen, noch für Impulse im Angriffsspiel sorgen. Die Variante mit Niemeyer scheint bis auf weiteres die stabilere zu sein.

Während man defensiv deutlich mehr Augenmerk auf das Verhindern von Kontergelegenheiten legte, blieb in der Offensive alles beim Alten. Hunt mit ungeheuer viel Laufarbeit, Marin wirbelt und Pizarro sorgt für die entscheidenden Tore (wenn man denn hinten die Bude nicht voll bekommt). Man konnte auch ganz deutlich sehen, wie sehr man sich an Pizarros Torriecher gewöhnt hat. Als er die ersten drei dicken Torchancen gegen den Berliner Schlussmann Drobny liegenließ, wollte man es gar nicht so recht glauben. Der Sieg ging deshalb völlig in Ordnung. Hertha hatte trotz ordentlichen Spiels über die gesamten 90 Minuten kaum Torchancen, benötigte für den zwischenzeitlichen Ausgleich die Mithilfe von Tim Wiese. Den Ärger über die wohl ungerechtfertigte Abseitsentscheidung in der ersten Hälfte kann ich zwar verstehen, aber als spielentscheidende Szene kann man es wohl kaum bezeichnen. Das Sorgenkind auf Bremer Seite heißt leider weiterhin Mesut Özil. Er scheint so sehr mit dem Kampf gegen sein Phlegma beschäftigt, dass er der Mannschaft nicht so richtig weiterhelfen kann. Ich glaube aber erkannt zu haben, dass er diesen Kampf endlich annimmt und ihn auch gewinnen wird.

Ist etwa doch noch etwas drin in dieser Bundesligasaison? Dortmund und unsere Freunde aus Stellingen sind uns freundlicherweise etwas entgegen gekommen. Wenn nun noch Frings die einfachen Fehlpässe im Aufbau abstellen kann, die Abwehrkette ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnt und auch noch Özil zurück zu seiner Form findet, dann, ja dann! I don’t wanna jinx it, but… aber so fangen eigentlich auch nur ziemlich dumme Sätze an.



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